spd.de – Relaunch als Plattform

Normalerweise erfolgen Relaunches von Partei-Websites 3-6 Monate vor der nächsten Wahl, die SPD macht es anders und launcht ein Jahr nach der massiv vergeigten Wahl mitten im Katharsis-Prozess die Website spd.de neu. Und endlich sieht die Website der Partei nicht mehr aus wie alter Wein in digitalen Schläuchen, wie Web gewordene Broschüren und Ansammlungen von unleserlichen Pressemeldungen, sondern wie eine schlanke, webzwonullige Website. Noch dazu wird SPD.de mehr Plattform als Verlautbarungsorgan, denn jetzt sorgt ein Newsdesk für Artikel, die tagesaktuell informieren, aber eben auch zum Diskurs einladen sollen. Das ist für eine große Volkspartei wie die SPD ein gewagter Schritt, aber es ist eben auch wichtig, das Web als Resonanzboden für die tägliche Arbeit zu nutzen. Jetzt muß die Partei allerdings mutig bleiben und auch Artikel zulassen, die nicht nur weichgespültes PR-Blabla liefern, sondern eben auch Anlaß zu Diskussion oder gar Auseinandersetzung mit den Inhalten auf Blogs, Facebook und Twitter liefern. Ich hoffe vor allem, daß die SPD diese Website als etwas begreift, das mit den Usern sich verändert und nicht starr bis zum nächsten Relaunch so bleibt. Mit TLGG hat die SPD jetzt allerdings auch eine Agentur gefunden, die ziemlich genau versteht, wie die Anforderungen der User umgesetzt werden können und wie Interaktion gefördert werden kann.

Mal sehen, wie das neue spd.de sich entwickelt und was dies für Auswirkungen auf die Partei und die Parteiarbeit haben wird. Ich bin da zuversichtlich, daß wir positive Effekte sehen werden können.

[ Disclosure: Ich bin im GK Netzpolitik der SPD und war nur in klitzekleinsten Ansätzen in den Relaunch involviert, kenne natürlich die handelnden Personen und freue mich sehr über den gelungenen Relaunch. ]

bitte voten für seheichmichgezwungen.de

Da ich mir aus Preisverleihungen und Awards nichts mache, es sei denn, ich bin auch mal nominiert, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr Sehe Ich Mich Gezwungen.de für den Social Media Preis 2010 liken könntet. Das geht ganz einfach, einfach auf die Nominierungsseite für seheichmichgewzungen.de gehen und oben links auf den Like-Button von Facebook clicken. Es hilft dabei ungemein, wenn man Mitglied bei Facebook ist. Seheichmichgezwungen.de ist nominiert im Bereich Kunst und eine Idee von mir, die netterweise von Martin Szymanski ratzfatz und sehr cool umgesetzt wurde.

Flow.Control.Trendtag.

Nach 14 Jahren Abstinenz war ich nun endlich mal beim Trendtag. Been there, done that, bought the T-Shirt. Der Trendtag ist so etwas wie die Establishment-Version der Konferenzen, zu denen ich sonst gerne gehe, oder gehen würde. Also quasi eine Art der Bestätigung, daß die Themen, die bei Reboot, Next und Co. vor Jahren diskutiert wurden, jetzt auch wirklich Wirklichkeit werden könnten. Das soll jetzt nicht so arrogant klingen, wie es hier steht, schliesslich hat der Trendtag eine völlig andere Zielgruppe als irgendwelche Konferenzen, die sich um die allerneuesten Entwicklungen an den Schnittstellen von Internet, Gesellschaft, Kunst, Wirtschaft und vielem anderen mehr kümmern.

Bereits zum Anfang hat der Trendtag mir noch einmal deutlich gemacht, daß es sich manchmal durchaus lohnen kann, etwas zu warten, aber auch etwas zu geben. Die aktuelle Brand Eins, die ich mir eigentlich schon vor einiger Zeit kaufen wollte, war heute im Trendtagbeutel in der im letzten Jahr trendigen Trendfarbe lila. Ebenso wie die aktuelle Ausgabe der GDI Impulse, die ich gerade gestern verliehen hatte und die ich nun nicht mehr zurückbekommen muß, kannste behalten, Ecki. Außerdem bin ich jetzt stolzer Besitzer eines schwarzen “Der Spiegel”-Bleistift, dafür habe ich allerdings auch noch jede Menge Papiermüll in der Trendtagetasche gefunden, wie immer bei derartigen Konferenzen.

Der Trendtag fand in der Bucerius Lawschool in einem Hörsaal statt und damit ist das Setting auch schon klar. Vorne wird geredet, auf den Rängen zugehört. Dazu wurde der Saal verdunkelt. Die Performance der Redner sollte komplett im Vordergrund stehen, einzig die Moderatorin hatte Nachfragen. Aufgeboten wurde ein ziemliches Star-Ensemble, mit dem man für ein Mainstream-Publikum, und das ist überhaupt nicht negativ gemeint, nichts falsch machen kann. Na gut, auf Prof. Norbert Bolz und sein Platitüden-Pingpong oder Dr. Eckart v. Hirschhausen mit seinen ewigen Kalauern hätte ich durchaus verzichten können, aber Prof. Peter Wippermann hat mit seiner Präsentation sehr gekonnt das Thema Flow.Control. eingeführt und das Spannungsfeld zwischen Flow und Control sehr gut beleuchtet. Erwartungsgemäß war Manuel Castells Vortrag über “Digital Communication Networks and the Transformation of Politics” ein absolutes Highlight und ich denke mal, daß ich eventuell sogar mal einen Blick in sein Buch Communication Power werfen werde, allein schon wegen der im Vortrag gefallenen Zitate “network society has been grassrooted” und “instant communities of political practice”. Douglas Rushkoff hat dann für Erstaunen gesorgt mit seiner Forderung, daß jeder Programmieren lernen sollte, denn “program or be programmed” und das einfache Nutzen von Programmen werde in Zukunft nicht ausreichen. David Bosshart vom GDI hat dann in einem Vortrag über “hybrid thinking vs. silo thinking” interessante Aspekte über die Art und Weise, wie derzeit gerade in Firmen gedacht wird und wie hybrides Denken in Zukunft aussehen wird. Danach war für mich der Trendtag vorbei, Preisverleihungen sind nicht so mein Ding und Jimmy Wales kann ich auch nicht mehr hören.

Persönliches Highlight: einmal als Beifahrer im Tesla Roadster unter großzügiger Auslegung der StVO um den Block gefahren zu werden. Die Beschleunigung vom Tesla Roadster ist phänomenal, aber das absolut nicht existente Motorengeräusch wirkt etwas spooky, außerdem ist der Kofferraum recht klein, habe ich mir sagen lassen. Aber die Beschleunigung, herrlich.

Fazit: Spannendes Rahmenthema, tolle Referenten, quasi null Interaktion, keine Diskussion, nur Vorträge, ein bisschen zu viel Buch-Promo-Tour, aber definitiv kurzweilig und insightful, wie man heutzutage ja so schön sagt. Das Team um Prof. Wippermann hat ein gutes Händchen mit der Auswahl der Themen und Referenten bewiesen.

Wo sind die bundesdeutschen Politikblogger?

Gestern abend war ich in Berlin beim Sommerfest des Vorwärts. Eine der meistgestellten Fragen, abgesehen von “Du siehst so verdammt gut aus, wie machst Du das nur?” war die Frage nach den Politikbloggern in Deutschland. Ob es welche gäbe, und ob die relevant seien.

Hmm, fiese Frage. Nach 7 Jahren extensiver Beschäftigung mit Blogs in Deutschland kann ich nicht aus dem Stehgreif mehr als nur eine Handvoll Blogs aufzählen, die ich als relevant oder gar lesenswert für den Bereich Politik ansehen würde. Carta, Sprengsatz, klar, dann noch irgendwelche Verschöwrungsblogs und abstruse Blogs am linken und rechten Rand, und auch einige eher parteipolitisch orientierte Blogs, aber keine Blogs, die aus dem Berliner Politikalltag nicht mehr wegzudenken wären. Sicher, Netzpolitik.org hat viele Leser, aber letztlich doch nur ein sehr spezielles Thema, insofern “zählt” das meiner Meinung nach nicht. Politik-Blogs fehlen.

Woran liegt das? Warum bloggt niemand irgendwelche Berliner Politik-Themen, gespickt mit Interna und Indiskretionen? Liegt es an der Berliner Politik-Szene? Gibt es keine Themen? Oder keine Journalisten, die sich einen Namen erschreiben wollen? Gibt es keine Lücke, die gut informierte Blogger füllen können? Liegt es nur an finanziellen Fragen, die bei eher reichweiten-armen Blogs zu eher wenig lukrativen Erlösmodellen führen würden? Oder ist das politische Berlin einfach zu langweilig? Oder deckt die Hauptstadt-Journaille bereits alles ab? Wieviel Resonanzboden bieten Twitter, Facebook und Co. für professionelle Politikblogs abseits der eher parteilichen Jubelblogs?

Ich frage mich das ernsthaft. 80 Millionen Menschen, aber niemand, der sich dermaßen mit Politik beschäftigen will, daß daraus ein gutes, intensives Politikblog wird?

transparenter und klickbarer Bundeshaushalt

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