Blogtrollkommentarreaktionskinderkacke

Seit einigen Tagen gibt es in Blogs und Zeitungen die Diskussion um ein vermeintliches Rumtrollen des Konstantin Neven DuMont in den Kommentaren auf dem Blog vom Medienjournalisten Stefan Niggemeier. Ich bin zutiefst angewidert von der Art und Weise, wie hier versucht wird, aus einer vermeintlichen David gegen Goliath Situation Kapital zu schlagen. Stefan Niggemeier ist eigentlich ein netter Mensch, aber gleichzeitig auch ein besserwisserischer Korinthenkacker, der nicht nur alles, alles besser weiß, sondern auch noch alle darüber informieren muß, wie es besser ginge und was man bitte zu tun oder zu lassen hätte. Freundlicher ausgedrückt würde ich sagen, dass Niggemeier einiges an Sendungsbewusstsein hat. Anstatt nun Konstantin Neven DuMont eine nette Email zu schreiben oder ihn anzurufen, versucht Stefan nix anderes, als ihn öffentlich in die Pfanne zu hauen. Natürlich hätte Konstantin Neven DuMont wissen müssen, daß IP-Adressen gespeichert werden und penible Menschen auch mal nachgucken, von wo aus kommentiert wird und sich freudestrahlend daranmachen würden, derartiges offenzulegen. Aber auch Konstantin nur ein Mensch, und noch dazu ein sehr netter, und in einem persönlichen Gespräch hätte sich vieles klären lassen.

Für mich ist das angebliche Konstantingate allerdings keine Sternstunde der deutschen Blogszene, sondern ein Zeichen für den miesen kleinkrämerischen wir-gegen-die Charakter gerade der journalistisch geprägten Blogger in Deutschland. Alter Schwede, so etwas Selbstgerechtes ist mir wegen einer derartigen Kinderkacke noch nicht über den Weg gelaufen! Es kotzt mich an, wie hier versucht wird, Aufmerksamkeit zu erlangen. Das ist BILD-Stil. Klärt das wie Männer, trefft Euch auf ein Bier!

[ Disclosure: Ich habe mal mit Stefan Niggemeier einen Kaffee getrunken und war mal mit Konstantin Neven DuMont Essen, beides sind nette Menschen und haben diesen Blödsinn nicht nötig. ]

Loki.

Rote Grütze. Ich glaube, wenn ich an Loki Schmidt zurückdenke, dann fällt mir als erstes ein, daß sie eine phantastisch leckere Rote Grütze gemacht hatte, als wir sie damals am Brahmsee besuchten. Das war Mitte der 80er Jahre und ich habe immer wieder gerne an die Treffen mit Loki Schmidt erinnert. An die Gespräche mit Ihr, die ich immer sehr genossen hatte und die sehr direkt waren, aber gleichzeitig eine enorme Bandbreite an Themen abdeckten. Erstaunlicherweise fällt mir aber immer zuerst die Rote Grütze ein, danach kommt die von mir beim Kaffeekochen grandios vollgesaute Küche, danach das gemeinsame Schwimmen im Brahmsee, der Spaziergang durch den Wald, die Erzählung, wie sie Helmut Schmidt im Streit mit einem nassen Waschlappen beworfen hatte, und immer wieder erinnere ich mich an die angenehme Art, mit der sie sich mit mir unterhielt.

Loki war eine wundervolle, neugierige und unprätentiöse Frau, die mich tief beeindruckt hat. Ich bin sehr dankbar, daß ich sie kennenlernen durfte.

Ich bin unendlich traurig, daß sie nun gestorben ist.

Auch ohne Farbfilm tolle Bilder

instagr.am ist eine superknorke kleine App für das iPhone, die man sich dringend mal herunterladen sollte, um Schnappschüsse zu machen, die man dann mit einer Handvoll netten Filtern verfremden kann, um sie dann mit der treuen Gemeinde der Freunde, Fans und Follower auf Twitter, Facebook, Flickr, Tumblr oder Foursquare zu sharen.

Wundervoll.

Protest ist auch nicht mehr was es mal war

Irgendwie habe ich den Eindruck, daß sich gerade eine neue Variante des Protestes in Deutschland formiert. Ich erinnere in meinem zarten Alter von 38 Jahren noch die Bilder des Protestes in Wackersdorf, die Auseinandersetzungen um die Startbahn West und natürlich die massiven Polizeiaufgebote rund um die Castortransporte. Ich erinnere mich auch noch an die Friedensbewegung, die Ostermärsche und ein Eintreten für eine bessere, friedlichere Welt. Irgendwie ging es da um viel. Atomenergie, massive Einschränkungen durch Flugverkehr, Atommüll-Endlagerung – da sehe ich ein Bedrohungsszenario und verstehe Protest. Auch wenn ich als Vielflieger jetzt sicherlich von der Startbahn West eher profitiere, kann ich nachvollziehen, daß dies damals massiv polarisierte. Ich erinnere mich natürlich auch an die Proteste, die aus Arbeitskämpfen resultierten, aus der Angst um den drohenden Verlust des Arbeitsplatzes, der oftmals verbunden war mit der Aussicht auf Perspektivlosigkeit in einer strukturschwachen Region. Auch provozieren Kürzungen Protest, denn es geht um soziale oder kulturelle Errungenschaften, generelle Arbeitsmarktpolitik und natürlich um die eigene persönliche Zukunft.

Derartigen Protest verstehe ich. Aber irgendwie verändert sich das gerade. Ich habe das Gefühl, daß Protest reaktionär wird. Es wird gegen Veränderung protestiert. Veränderungen waren mal positiv besetzt und eng mit dem Gedanken des Fortschritts verknüpft. Jetzt sehen wir vermehrt, daß ein bürgerlicher Protest mit völlig neuen Formen der Motivation losbricht. Als Argumente werden Themen wie finanzielle Kosten, fehlende Notwendigkeit des Vorhabens, zu geringe Transparenz des Vorhabens oder generelle Anderseinschätzung der politischen Legitimation angeführt.

Das finde ich bemerkenswert. Es geht nicht mehr um Leben oder Tod, Arbeit oder Zukunft. Es geht um das Infragestellen von allem, was einem irgendwie nicht in den Kram passt. Weil man bei Annahmen über die Zukunft nicht einer Meinung ist und nicht daran glaubt, daß Veränderung etwas Positives sein könnte.

In Hamburg formiert sich jetzt der Widerstand gegen die Stadtbahn, ein teures Infrastruktur-Projekt, das eine wenig charmante Hochhaus-Siedlung mit anderen Stadtteilen verbinden soll. Der Widerstand und die geplante Volksabstimmung geht vom etablierten Bürgertum aus, die vor allem nicht damit einverstanden sind, daß sich etwas ändert und Vorteile für den ÖPNV in Hamburg nicht sehen wollen. Ich bin gespannt, wie der schwarz-grüne Senat damit umgehen wird, denn ihre Wählerschaft organisiert hier den Protest.

Dank des Internets funktioniert heute die Mobilisierung viel schneller und leichter als je zuvor und auch die tradionelle Art der Meinungsbildung ändert sich rasant. Aber auch der Protest ändert sich und sorgt dafür, daß die Politik mit einer ganz anderen Herausforderung umgehen muss. Nicht nur die von Kürzungen Betroffenen gehen auf die Straße, sondern auch die, die nicht wollen, daß sich für einen Großteil der Menschen etwas verändert.

Ist das der Tod jeglicher Großprojekte? Gewinnen jetzt die mit den Jägerzäunen, die schon immer skeptisch waren, wenn irgendwas anders werden drohte? Wird künftig der Fortschritt wegprotestiert?

Stuttgart 21 – ich verstehe das alles nicht

Ich bin jetzt nicht exakt mit den Feinheiten der Stuttgarter Lokalpolitik vertraut und mein bisher einziger Besuch in Stuttgart liegt lumpige 10 Jahre zurück, doch damals durfte ich auch am Stuttgarter Hauptbahnhof ein- und aussteigen und war beeindruckt von der Häßlichkeit dieses Bauwerks. Irgendwann habe ich dann mitbekommen, daß ein Großprojekt geplant sei, bei dem der Bahnhof unter die Erde verschwinden, die Anbindung an den Bahnhof verbessert werden und noch dazu Platz für einen neuen Stadtteil entstehen würde. Das fand ich bemerkenswert kühn und interessant.

Dann habe ich ganz lange nichts mehr gehört und auf einmal beginnt das Bauvorhaben nach etlichen Jahren Vorbereitung und plötzlich bricht ein Sturm der Entrüstung los, Demonstrationen finden statt und Wasserwerfer werden eingesetzt.

Ich frage mich dabei folgendes:

1. Wenn das Bauvorhaben das Resultat eines politischen Meinungsbildungsprozesses ist, was ich mal vorraussetze, warum kommt dann diese Vehemenz auf einmal? War nicht klar, daß das Projekt auch mal umgesetzt werden würde?

2. Wie ist das mit der schweigenden Mehrheit und der lauten Minderheit? Ist es wirklich so, daß alle gegen Stuttgart 21 sind? Es muß doch auch jemand dafür sein, oder? Sonst hätte man sich das ja nicht ausgedacht.

3. 10 Jahre Bauzeit sind nervtötend, aber wenn man eine Veränderung will, muß man dann das nicht auch mal ertragen können? Inklusive Bäume, die dann vielleicht anders aussehen als jetzt? In München wurde doch auch ewig der Ring untertunnelt und Köln kenne ich auch nicht wirklich ohne U-Bahn-Baustelle.

4. Wo genau ist jetzt der Frontverlauf? Mappus gegen alle? Als Genosse finde ich es natürlich entzückend, daß Mappus gerade extrem Sympathien verliert, insbesondere vor einer Landtagswahl. Allerdings finde ich es nicht in Ordnung, erst einem Projekt zuzustimmen und dann doch für einen Volksentscheid zu sein, weil das besser sein könnte bei der nächsten Wahl. Ich finde Beständigkeit ein ganz cooles Feature, auch in der Politik. Wenn man sich dafür entschieden hat, dann sollte man auch jetzt dafür stehen. Es sei denn, es ist plötzlich alles anders. Ist es das?

5. Sind die Baukosten wirklich zu hoch für ein Projekt, das die Verkehrsanbindung nachhaltig verändert? Ist der Status Quo so super, daß man lieber nichts ändern will? Kommen wir mit weniger wirklich weiter? Oder muß man bei weniger öfter nachbessern und ist dann doch teurer als beim großen Wurf?

Für mich ist die Lage sehr diffus. Ich werde den Eindruck nicht los, daß dort irgendwelche Leute gegen etwas sind, was lange beschlossen wurde und was viele gar nicht mal so doof finden. Aber ehrlich gesagt, ich würde nicht für oder gegen einen Bahnhof auf die Straße gehen. Großprojekte haben nun mal die Eigenschaft, daß sie viel kosten, lange dauern, teurer werden als geplant und dann irgendwann da und egal sind, weil man sich sehr schnell an den neuen Zustand gewöhnt. Jedenfalls habe ich keine Demos in Berlin erlebt wegen des Neubaus des Hauptbahnhofs und des dazugehörigen Verkehrskonzeptes – selbst wegen der viel zu teuren Elbphilharmonie in Hamburg geht niemand auf die Straße. Und warum bitte nehmen Eltern ihre Kinder mit auf Demos, insbesondere wenn es um eine Räumung geht? Das werde ich nie verstehen. Ich hätte viel zu viel Angst vor einer Eskalation, von welcher Seite auch immer.

Also, kann mir jemand mal erklären, was die Aufregung aktuell soll? Geht es nur um die Neupositionierung der Grünen als reaktionäre Partei, oder steckt da mehr hinter?

[ Anmerkung: Bitte spart Euch irgendwelche Verschwörungstheorien, die erklären sollen, warum ich diesen Text geschrieben habe. Da kommt ihr nie drauf. ]