Royal Wedding für alle!

War das wieder schön. Ohne Rolf Seelmann-Eggebrecht darf nicht königlich geheiratet werden in der ARD und das ZDF hatte ebenfalls Adelsexperten aufzubieten, dazu gab es mehr oder weniger ernst gemeinte Liveticker im Netz alles nur, damit die Grundversorgung der Deutschen in Sachen Royal Wedding gewährleistet war. Weltweit waren hunderte Millionen live dabei, als sich Kate und William das Ja-Wort gaben und auch in Deutschland war die Hochzeit heute das Tagesthema.

Im Vorfeld wurde vielerorts kritisiert, daß sowohl ARD als auch ZDF dieses Event live übertragen wollten. Bei den Argumenten ging es immer um “Verschwendung von GEZ-Geldern!” und “das ist nicht Grundversorgung!” – aber so richtig überzeugt haben mich die Argumente nicht.

Warum sollen ARD und ZDF nicht bei einem Event konkurrieren dürfen? Warum sollten nicht ARD und ZDF bei einem weltweit Aufsehen erregenden Event versuchen, Aufmerksamkeit auf den jeweiligen Sender und das Programm zu lenken? Das öffentlich-rechtliche Vormittagsprogramm ist eher populär gehalten, da kann man auch mal über eine aufwändige Brauchtumsdarbietung im Vereinigten Königreich berichten, so wie sonst über Karneval oder Oktoberfest auch. Durch einen versendeten Vormittag sehe ich die öffentlich-rechtliche Grundversorgung nicht in Gefahr, aber natürlich finden konkurrierende Medienhäuser es nicht so prickelnd, mit ARD und ZDF um die Aufmerksamkeit der Deutschen bei einem derartigen Event konkurrieren zu müssen.

Es stellt sich daher an der Royal Wedding die Frage, wie die öffentlich-rechtliche Grundversorgung und das Vollprogramm zu definieren sind. Gehören Live-Übertragungen von königlichen Hochzeiten ebenso dazu wie Musikantenstadl, Eurovision Songcontest, Nachrichten, Talkshows, Telenovelas, Sport-Übertragungen, boulevardeske Newsformate, Wetten, dass…? und auch die Sendung mit der Maus? Ich finde, irgendwie schon. Da ist für jeden etwas dabei. Aber es ist eben Rundfunk, da kommt ganz viel Programm, das nicht jeden interessiert oder nicht intellektuell anspruchsvoll ist. Ich glaube, unser System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird nicht zerbersten, nur weil an einem Vormittag auf zwei Sendern diesselben Bilder unterschiedlich kommentiert werden.

Mit Empire Avenue in den Freundeskreis investieren

Vor ein paar Jahren, als Blogs noch total neu und noch nischiger waren, da gab es Blogshares – der Wert eines Blogs ergab sich aus der Anzahl der eingehenden Verlinkungen und dann konnte man fröhlich Aktien kaufen und verkaufen. Das war für ein kurze Zeit irgendwie ganz kurzweilig.

Mittlerweile gibt es allerdings Empire Avenue und Empire Avenue verknüpft sich mit den Profilen eines Nutzers auf verschiedenen Social Networks. Aus der jeweiligen Nutzungsintensität ergibt sich der Wert eines Nutzers und man kann dann wiederum fröhliche Anteile kaufen und verkaufen. Empire Avenue on Facebook führt die Idee noch einen Tick weiter und erlaubt die Nutzung direkt innerhalb von Facebook. Neben dem Trading von Aktien gibt es noch die Möglichkeit, durch das Schalten von Anzeigen auf sich aufmerksam zu machen, um damit mehr Aktien in den Markt zu bekommen. Die Attraktivität der Aktie kann gesteigert werden, indem zusätzliche Gegenstände in der virtuellen Währung Eaves gekauft werden, wie z.B. Häuser, Autos oder Flugzeuge, die dann die Dividende erhöhen.

Macht das alles Sinn? Muss man das haben? Keine Ahnung, aber ich habe gestern sehr günstig in Pete Cashmore investiert. Über diesen Anmeldelink erhält man sofort 2000 Eaves Startguthaben, also nix wie los auf den Marktplatz der Social Media Eitelkeiten.

Schmeisst den Spinner raus!

Sarrazin darf in der SPD bleiben und die SPD legt passend zum Osterfest mal wieder einen ordentlichen Eiertanz hin. Erst wird ein Parteiausschlußverfahren angestrebt, dann gibt man sich mit ein paar warmen Worten zufrieden und lässt Thilo Sarrazin in der Partei.

Genau für derartige Rumeierei wird die SPD abgestraft, seit Jahren. Sie kann es nicht allen recht machen. Die SPD muß Positionen besetzen und Stellung beziehen. Das gilt für programmatische Entscheidungen ebenso wie für personelle. Und wenn man sagt, daß Thilo Sarrazin gravierend gegen die Grundsätze der Sozialdemokratie verstößt, dann muß man das auch durchziehen und den Spinner vor die Tür setzen!

Ich habe keine Lust, daß diese Flitzpiepe irgendeinen gefährlichen Stuss in jede erdenkliche Kamera faselt und darunter steht: Thilo Sarrazin, SPD. Ich habe mir letzens diese unsägliche Anne Will Talkshow anguckt und es kam mir vor wie bei einem Unfall, es war schrecklich, aber man mußte doch hinsehen. Dieser Mensch ist weit jenseits von dem, was die SPD ausmacht. Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind die Grundfeste der SPD – Thilo Sarrazin und seine Thesen sind ausserhalb dessen, was die SPD vertritt.

Thilo Sarrazin gehört rausgeschmissen aus der SPD. Ohne Diskussion. Er hatte wahrlich zu viele Redebeiträge gehabt in den letzten Monaten.