Angewandte Google-Profil-Verwirrung

Mein aktuelles Google Setup sah so aus: ich hatte vor Jahren meine Email-Adresse mit Google for Domains eingerichtet, also war meine Email-Adresse irgendwie mein primärer Google-Account, sprich mein Google Profil. Ein Tab für Mail plus andere Dienste. Letztes Jahr kam dann beruflich praktischerweise ein Google Apps Account dazu, da Scholz & Friends die Google-Dienste in der Cloud nutzt. Also sind noch ein paar Tabs bei Chrome belegt worden, und irgendwie kann Chrome auch so halbwegs mit mehreren Google Profilen umgehen. Nun gibt es seit einiger Zeit die Bestrebungen, die alte Google for Domains Thematik auf Google Apps zu migrieren, wobei Google dann allerdings davon ausgeht, dass dies nur für dienstliche Accounts gilt, aber lumma.de ist eben sehr privat für mich. Noch dazu gibt es jetzt Google+ und das funktioniert nur mit reinen Google-Accounts, da nutze ich also nico.lumma@gmail.com. Heute habe ich dann die Verwirrung komplett gemacht und den Google for Domains Account auf einen Google Apps Account migriert und meinen bislang eher nicht genutzen persönlichen Google Account mit Google+ verknüpft. Gefühlt hängen jetzt einige Dienste noch irgendwo bei gtempaccounts.com rum, mal sehen wann mir auffällt, welche das waren. Und jetzt kann ich mit 3 verschiedenen Diensten innerhalb von Chrome hantieren, was den Browser und sein Session-Handling nachhaltig verwirrt.

Aber es hat auch Vorteile. Ich kann endlich mit mir selbst befreundet sein und social Networking auf eine völlig neue Stufe stellen.

Facebook und Commerce: irres Potential

Gerne diskutieren wir über den Dialog in sozialen Netzwerken, über die positiven Faktoren für die Marke, über die Möglichkeiten zur gemeinsamen Entwicklung von Produkten und über die verbesserten Service-Aspekt für Nutzer, aber eigentlich wollen Unternehmen doch vor allem wissen, wie sie mit diesem Social-Media-Dings, das irgendwie nicht mehr weg gehen will, Geld verdienen kann.

In der aktuellen Studie des W3B: An Facebook führt kein Weg mehr vorbei, wird deutlich, daß Facebook nicht nur wahnsinnig wächst in Deutschland, sondern daß Facebook-Nutzer auch ordentlich shopping-affin sind.

Die Facebook-Nutzer gelten aus Sicht von Unternehmen durchaus zu Recht als attraktive Zielgruppe. Angesicht der Dominanz von Facebook bedeutet ein Social Media-Engagement eines Unternehmens damit immer häufiger eine Fokussierung auf Facebook und seine Nutzer.

Überraschend sind die Zahlen natürlich irgendwie nicht. Je mehr Menschen online einkaufen und je mehr Menschen auf Facebook sind, desto größer wird irgendwann auch die Schnittmenge derjenigen sein, die sowohl online einkaufen und auch bei Facebook sind. Aber nun gut, jetzt haben wir auch eine Studie, die dazu eine wundervolle Grafik auswirft.

Trotz aller Flapsigkeit ist mir eine Sache wichtig: Facebook und Commerce haben ein irres Potential. Der Facebook Store Finder gibt schon jetzt einen guten Überblick über Online-Shops, die auf Facebook integriert sind. Wir sind auch in Deutschland längst aus der Nische herausgekommen und können über Facebook die Kunden erreichen. Unternehmen stehen also jetzt vor der Frage: wie packe ich Facebook richtig an? Wollen wir nur fröhlichen Dialog, oder fangen wir auch mal mit harter Verkaufe an? Meine Prognose: Facebook wird in den nächsten 12 Monaten zu einem massiven Absatzkanal werden, wenn die Unternehmen realisieren, was für ein Potential sie auf Facebook heben können.

Die Politik spricht und die Jugend würde zuhören

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat die Studie Sprichst du Politik? veröffentlicht, um herauszufinden, wie die Einstellungen von Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren zur Politik sind. Das ewige Lamento, daß die Jugend kein Interesse an Politik hat, kenne ich noch aus meiner Zeit als Jugendlicher und auch die Erkenntnis der Studie überrascht mich nicht wirklich:

Es gibt bei den Jugendlichen eine Grundbereitschaft zum Mitdenken und Mitmachen. Doch die Befragten erachten die gegenwärtige politische Kommunikation zumeist als kontraproduktiv. Sie empfinden sie als eine oft unverständliche, mit Fremd- oder Kunstworten sowie Beschönigungen durchsetzte Sprache, die den Austausch über Politik erschwert. Dieser Eindruck ist bei jungen Frauen noch deutlich stärker verbreitet als bei jungen Männern.

Eine Grundbereitschaft haben wir eigentlich alle, wenn Politik nicht nur so mühselig, anstrengend und zeitaufwändig wäre, das weiß ich aus eigener Anschauung nur zu gut.

Allerdings sind in der Zusammenfassung sind nicht nur die interessantesten Ergebnisse aufgelistet, sondern auch Handlungsempfehlungen formuliert, von denen ich eine exemplarisch herausgreifen will:

Die Botschaft an die Politiker/innen lautet, sinngemäß: Redet so, dass wir euch verstehen. Legt das Manuskript beiseite, und sprecht in eurer Alltagssprache, direkt, offen und unkompliziert. Ein Appell an alte rhetorische Tugenden zur Rettung der Debattenkultur – und ein Appell an die Politiker/innen, die freie Rede zu wagen und sich nicht hinter dem anonymen “WIR” eines Parteiapparates und sorgfältig vorformulierten Zeilen zu verstecken.

Ich glaube, das ist ein eine extrem wichtige Botschaft, die generell für Politiker und Politikerinnen gilt, egal welche Alterskohorte angesprochen werden soll. Im Politikbetrieb ist der Hang zur normalen Sprache abhanden gekommen, es wird jede Formulierung auf die Goldwaage gelegt und selten werden dadurch Aussagen klarer. Komplexe Sachverhalte klar und deutlich zu vermitteln – das erwarten viele Bürger von Politikern und werden doch stets enttäuscht.

Kann Twitter da mit der Fokussierung auf 140 Zeichen helfen? Oder ist die permanente mediale Aufmerksamkeit nur noch ein weiterer Faktor der zur Unverständlichkeit von Politikerstatements führt? Wenn man alte Ausgaben der Tagesschau guckt, war damals alles besser? Oder sind einfach nur zu viele Juristen in der Politik?

Meine Anregung an die Macher der Studie: Stiftet den “Preis der Jugend für verständliche Politikvermittlung” an Politiker und Politikerinnen, die sich Mühe geben, verständlich zu sprechen und freie Rede dem Ablesen vorziehen.

Mit Google+ soll alles sozialer werden

Yeah, im gefühlten 100. Anlauf meldet sich Google mal wieder mit einem “hey, wir können auch Social!”-Ansatz und nach den bisherigen Versuchen, die alle nicht so richtig prickelnd waren, sieht das bisher präsentierte ziemlich vielversprechend aus: Introducing the Google+ project: Real-life sharing, rethought for the web.

Die Grundidee hinter Google+ ist, daß Nutzer sich in Echtzeit ihre Kommunikationsbedürfnisse selber konfigurieren können. Dafür gibt es dann den Dienst Circles, damit man adhoc Gruppen bilden und mit diesen reden kann, und plötzlich erschrickt man, denn es sieht aus, als ob Google sich endlich mal Gedanken über die Usability gemacht hat und etwas liefern will, was nicht für Geeks entwickelt wurde. Faszinierend. Zu den weiteren Diensten gehört Sparks – eine Art Konzeptmashup irgendwo zwischen Tunblr, Google Reader und Google Buzz. Man kann sich Themen angucken, bekommt Inhalte, kann diese Sharen, dahinter liegt dann ein Algorithmus, der die Inhalte weiter verfeinert. Hangouts ist eine Echtzeit-Videokonferenz für den Nutzer und seine Freunde, basierend auf den WebRTC-Entwicklungen von Google und sicherlich keine Überraschung, ebenso wenig wie die Verknüpfung von Google+ mit einer Mobile App für Android und einem mobile Web Angebot. Huddle schliesslich bietet eine Realtime-Messaging Funktionalität, die an den ursprünglichen Gedanken bei Twitter erinnert: mal kurz mit ein paar Leuten etwas besprechen können.

Google+ klingt interessant, vor allem durch die lose Verknüpfung von Menschen und Diensten und es scheint auch, als ob die Usability dieses Mal durchdacht und massentauglich ist. Ich freue mich auf den Rollout von Google+ – es sieht auf alle Fälle schon mal danach aus, als ob Google aus den Launches der Vergangenheit gelernt hat. Google+ wird kein Facebooktwitterwasauchimmer-Killer sein, sondern viele Aspekte unserer Kommunikation verändern, und hoffentlich auch vereinfachen.

und wenn Zeitungen sterben?

Wir erinnern uns, in einem Advertorial in der Süddeutschen sieht Springer-Chef Döpfner mit der Tagesschau-App eine rote Linie überschritten und holt weit aus mit dem Bedrohungsszenario, das er durch die Tagesschau-App entstehen sieht.

Wegen einer kostenlosen App können also Medienhäuser im App-Store nicht mehr erfolgreich sein und dadurch würde den Verlagen die Existenzgrundlage entzogen werden.

Jetzt mal ehrlich, habe ich etwas verpasst, oder haben Verlage eine Bestandsgarantie für ihre Businessmodelle erhalten? Wenn ja, von wem?

Der technische Fortschritt hat schon immer dafür gesorgt, daß neue Branchen entstanden sind und florierten, während es anderen Branchen nicht so gut ging, bzw. sie obsolet wurden. Das ist mit dem Internet nicht anders und ob man es nun gut finden wird, oder auch nicht, Tageszeitungen werden massive Probleme haben in den nächsten Jahren. Das Vorhandensein einer kostenlosen Tagesschau-App wird daran nichts ändern.

Klar, Zeitungen sind ein Kulturgut, sind wir alle mit aufgewachsen, verstehe ich ja alles, sind auch nette Menschen mit Familien, die bei Zeitungen arbeiten, aber es ist dann doch eher so wie mit dem Bergbau in Deutschland: ein Ende ist absehbar und wer sich nicht umorientieren kann oder will, der muß sehen, wie er oder sie in den nächsten Jahren über die Runden kommt. Das Mediennutzungsverhalten verändert sich so rasant, Tagesschau-App hin oder her, daß die Leser von Tageszeitungen perspektivisch einfach wegsterben. Und machen wir uns nichts vor, das Angebot vieler Tageszeitungen ist so blass, da wird man kaum etwas vermissen, oder liest jemand ernsthaft länger als 5 Minuten an einer üblichen Tageszeitung (FAZ, SZ & Co mal ausgenommen)? Eben.

Sicher, Zeitungen sind wichtig, denkt an die Kinder, die Demokratie, die freiheitlich-demokratische Grundordnung, alles ist in Gefahr, weiss ich alles, glaube ich aber nicht dran. Seriöse Inhalte kann man auch ohne Papier vermitteln, das ist keine Frage des Mediums. Das Einzige, worauf wir uns in Zukunft verlassen können, ist eine Beschleunigung der Veränderungen, die auf uns einprasseln. Mediale Pluralität wird anders aussehen als insbesondere die Älteren unter uns es gewohnt sind.

In den USA haben bereits einige Zeitungen ihre Distribution im Papierformat einstellen müssen. Das wird in Deutschland auch kommen. Und es liegt nicht an der Tagesschau-App. Die Meta-Ebene spricht deutlich gegen die Verlage und ihre Zeitungen, da hilft auch der Nebenkriegsschauplatz Tagesschau-App nicht.