Mary Meeker und die aktuellen Internet Trends 2012

Es gibt kaum jemand, der die vorhandenen Daten so gut zusammenfassen kann wie Mary Meeker. Die Präsentation ist sehenswert, wie jedes Jahr.

KPCB Internet Trends 2012

Ich finde insbesondere die Slide 20 interessant, nämlich die noch starke Abweichung des mobile ARPU vom Desktop ARPU (Average Revenue per User, also wieviel pro Nutzer verdient wird). Toll ist aber, dass es Hoffnung gibt, wie Slide 20 verkündet wird, nämlich dass der mobile Markt noch stark wachsen wird, so wie es im Web auch passiert ist in den letzten Jahren.

Facebook hat mit dem IPO alles richtig gemacht

So. Nun haben sich alle irgendwie zum Thema IPO geäussert und alle haben festgestellt, dass der Börsenkurs von Facebook nicht so prall aussieht, wie viele gehofft hatten. Das große Lamentieren wird an zwei Punkten festgemacht: NASDAQ war überfordert und der Aktienkurs ist nicht wie erhofft nach dem Ausgabetag wahnwitzig gestiegen.

Ich finde das völlig ok. Mark Zuckerberg hat mit dem hohen Ausgabepreis das Maximale für alle diejenigen herausgeholt, die in den letzten Jahren Aktienpakete erhalten hatten. Dazu gehört Mark Zuckerberg selber, die Investoren, aber auch viele, viele Mitarbeiter. Nicht zu vergessen die Firma selber, die durch den Börsengang 16 Milliarden Dollar eingenommen hat.

16 Milliarden Dollar. Da muss eine alte Frau lange für stricken. 16 Milliarden Dollar zusätzlich zu einem Businessmodell, dass bereits jetzt ganz gut Geld in die Kasse spielt mit einem Marktanteil, der massiv ist, und zwar global. Facebook hat sicherlich Herausforderungen in den nächsten Monaten und Jahren, aber wer hat das nicht? Facebook ist allerdings in der Situation, dass es die meisten Herausforderungen selber definiert und den Markt allein durch die Größe des Netzwerkes leichter erschliessen kann.

Facebook ist gut aufgestellt und die Börse ist enttäuscht? Mal ehrlich, wer erst zum IPO eingestiegen ist, der hat doch irgendwie seine Hausaufgaben nicht gemacht, bzw. musste davon ausgehen, dass die Aktie nicht noch weiter steigen wird direkt nach der Ausgabe. Die Festlegung auf $38 hat die Aktie maximal ausgereizt. Nun sind alle sauer, daß es keine Spekulationsblase gab und man die $38 nicht noch schnell versilbern konnte, weil der Aktienkurs munter weiter steigt und alle vor Aufregung kaum schlafen können. Pech.

Ich glaube, dass Facebook eine grundsolide Aktie wird, die sich in einigen Monaten nicht nur gefangen hat, sondern sich wunderbar entwickelt. Dann werden führende Börsengurus erklären, dass sie schon immer gesagt haben, dass Facebook ein langfristiges Papier sei. Facebook ist eine verdammt junge Firma, die sich viele Geschäftsfelder erschliesst, während sich das Netz weiterentwickelt. “Move fast and breakt things” heisst das intern, aber es zeigt eine Grundtendenz: Facebook ist schnell und flexibel. Das wird den Börsenkurs nachhaltig beeinflussen.

Disclosure: Nein, ich halte keine Facebook-Aktien. Ich habe auch keine Ahnung vom Aktienmarkt.

Markus und Falk schreiben über das Internetz

Die gute Nachricht ist: ich habe endlich mal wieder ein Buch gelesen. Die schlechte Nachricht: es handelte mal wieder vom Internet und den Herausforderungen der Digitalisierung. Meine Frau sagt, ich lese nur noch Bücher über das Internet und ich solle doch mal Belletristik lesen. Nun ja. Sagen wir mal so, das vorliegende Buch Die digitale Gesellschaft – Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage ist quasi die seichteste, im Sinne von leicht verständlich und gut zu lesen, Form der Annäherung an das Thema. Markus Beckedahl und Falk Lüke, die ich beide seit etlichen Jahren kenne und schätze, haben den Versuch unternommen, aktuelle Diskussionen und den dazu passenden historischen Kontext mit einander zu verknüpfen, was weniger mit der Materie vertrauten Lesern durchaus den Einstieg erleichtern dürfte. Stellenweise gibt es lükesche Formulierungen, bei denen mir sofort das Bild eines schelmisch grinsenden Falk in den Sinn kam, der sich über die gefundenen Worte freut, um hier bewußt das Wortspiel “Falk im Nacken” zu vermeiden. Ab und an driftet das Buch ins Anekdotenhafte ab und manchmal wirkt es ein wenig wie “Opa erzählt vom Krieg”, damals bei Zensursula, als wir nix hatten, außer den besseren Argumenten. An einigen Stellen wird Jörg-Olaf Schäfers erwähnt und mir wurde wieder bewußt, wie sehr sein früher Tod einen Verlust für die Netzpolitik darstellt, aber auch wie sehr ich nächtliche Diskussionen per Instant Messaging mit ihm vermisse.

Dem Buch fehlen Bilder, gerade wenn man durch das viele Onlinelesen und Tabgehoppse eh einen miesen Attentionspan hat, so wie ich. Dem Buch fehlt aber auch etwas mehr Ausblick und Handlungsanweisung, denn so erzählen die Autoren flüssig, wie es dazu gekommen ist, daß unsere Gesellschaft so digital ist, wie sie jetzt gerade ist und welche Konfliktlinien daraus entstehen, bleiben dann aber zu oft stehen. Es fehlt ganz oft der Hinweis, was alles mal eben schleunigst geändert werden müsste, damit wir mal ein paar Schritte weiter kommen. Einige Themen haben mir gefehlt, bzw. wurden nur zu kurz angeschnitten: Breitbandversorgung, Internet als Grundrecht, Disruption im Bildunsgbereich oder die Herausforderung, einen netzgestützten politischen Meinungsbildungsprozeß zu gestalten, um nur einige zu nennen.

Dennoch würde ich dieses Buch jedem Politiker in die Hand drücken, der irgendetwas mit dem Themenkomplex Internet und digitale Gesellschaft zu tun hat. Also eigentlich jedem. Und jeder natürlich auch. Auch wenn sie das sicherlich noch nicht realisiert haben: die digitale Gesellschaft betrifft uns alle und zwar jetzt schon und nicht erst irgendwann später.

Bleibt noch anzumerken, daß ich das Buch in gedruckter Form gelesen habe auf einer Zugfahrt, auf der ich kaum Netz hatte und dann auf dem Klappentext lesen durfte “es gibt kein offline mehr” – da haben die Autoren aber deutlich die Rechnung ohne die Deutsche Bahn und die Mobilfunkanbieter gemacht.

Das Minimum Viable Product ist anstrengend

Stuffle

Wenn man sich heutzutage mit Produktenwicklung und Startups beschäftigt, dann kommt man um das Minimum Viable Product (MVP) kaum herum. Aus Zeit- und Kostengründen ist es üblich geworden, nicht auf das fertige Produkt zu warten, sondern bereits frühzeitig Versionen zu veröffentlichen. Ganz früher hat man das mal abschätzig Bananensoftware genannt, die beim Kunden reift, dann kam die Open Source Bewegung mit dem “Release early, release often!”-Mantra und die Beta-Version gehört seitdem zum guten Ton. Mittlerweile ist quasi alles Beta und der Nutzer wird Teil der Produktentwicklung:

A Minimum Viable Product has just those features that allow the product to be deployed, and no more. The product is typically deployed to a subset of possible customers, such as early adopters that are thought to be more forgiving, more likely to give feedback, and able to grasp a product vision from an early prototype or marketing information. It is a strategy targeted at avoiding building products that customers do not want, that seeks to maximize the information learned about the customer per dollar spent.

Eric Ries hat dies mal netterweise in einer kurzen Präsentation aufgemalt und erläutert:

In der Theorie klingt dies alles sehr nachvollziehbar, aber in der Praxis ist das Minimum Viable Product ganz schön anstrengend. Es beginnt mit der Festlegung auf ein bestimmtes Featureset, das minimal genug ist, aber eben auch die Nutzer bereits anspricht. Und es geht munter weiter mit der Festlegung der nächsten Entwicklungsschritte anhand des Nutzerfeedbacks. Richtig anstrengend wird es allerdings, wenn der gemeine Nutzer an sich nicht versteht, dass er gerade ein MVP benutzt, sondern völlig zu recht erwartet, dass er bereits ein fertiges Produkt nutzt.

StuffleIch möchte mal eben anhand unseres aktuellen Projektes Stuffle erläutern, wieso das Minimum Viable Product in der Praxis so anstrengend ist.

1. Es gibt ein Budget, das eingehalten werden soll. Das Budget sorgt für die ersten Rahmenbedingungen und vor allem für Beschränkungen.

2. Time to market: Wir wollen schnell an den Start gehen, auch weil wir glauben, daß wir nicht die einzigen sind, die das Thema lokaler Flohmarkt neu interpretieren wollen.

3. Entwickler-Ressourcen sind grundsätzlich limitiert, daher müssen wir mit einer gewissen Grundknappheit auskommen.

Bei Stuffle haben die drei Punkte dazu geführt, daß wir uns für den Start auf eine App für iPhone mit iOS 5 gepaart mit einer Anmeldung über Facebook entschieden haben. Und wir wissen durchaus, dass nicht jeder ein iPhone hat und auch nicht alle Facebook toll finden. Aber die Kombination iPhone + Facebook hat bei uns den Entwicklungsaufwand dramatisch reduziert. Wir lassen also eine ganze Reihe interessierter Menschen außen vor und handeln uns noch dazu jede Menge schlechter Bewertungen im iTunes Store ein, weil Nutzer enttäuscht sind. Daraus lernen wir natürlich und sehen, dass es durchaus Nachfrage nach unserem Produkt gibt. Aber der Tradeoff “schneller am Markt vs. volle Zufriedenheit der Nutzer” ist schon hart, denn natürlich wollen wir keine unzufriedenen Nutzer haben und verstehen auch, dass Nutzer für sie als unnötig empfundene Limitierungen nicht tolerieren möchten. Toll ist wiederum, das viele Feedback von Leuten, die sagen, was sie alles noch gerne hätten, was verbessert werden könnte und was sie wirklich erfreut an dem Produkt. Abgesehen davon lernen wir durch die tagtägliche Nutzung eben auch sehr viel darüber, ob und wie unser Produkt genutzt wird und wo wir optimieren müssen. Wir vermeiden eben auch, dass wir lange irgendetwas entwickeln, das dann nicht genutzt wird, sondern holen uns frühzeitig Feedback von den Nutzern.

Hätten wir auch gleich in der ersten Version mit iPhone, Android, Windows7, Facebook, Twitter, Google+, Githb, Deutsch, Englisch, Mandarin, perfekter UX/UI und super Nutzerführung starten können? Sicherlich, aber nicht in diesem Mai, sondern erst viel, viel später und zu ganz anderen Kosten und mit viel größerem Aufwand. Wahrscheinlich hätten wir auch unzählige Features für die Tonne entwickelt, die kein Mensch braucht, wir uns aber dennoch ausgedacht hatten. Natürlich ist das perfekte Produkt das Ziel, aber das schaffen wir nur mit viel Nutzerfeedback und vielen Iterationen bei der Entwicklung.

Wir leiden also derzeit sehr über jede einzelne Bewertung mit einem Stern, nehmen dies aber in Kauf, um in den nächsten Releases des Produkts besser zu sein als wir es ohne Nutzer je hinbekommen hätten. Wir haben es ja nicht anders gewollt. Wir freuen uns allerdings auch immer über jede einzelne positive Bewertung für Stuffle im iTunes Store und über jede Empfehlung:

Würden wir es wieder so machen? Ja, auch wenn das Minimum Viable Product anstrengend ist, so sind die Ergebnisse für den Nutzer einfach besser. Die frühe Verifizierung der eigenen Annahmen ist ein riesiger Pluspunkt, dafür nehmen wir die anstrengenden Faktoren des MVP als Ansporn, das Produkt noch besser machen zu können, durchaus in Kauf.

Pinterest bekommt $100 Millionen und ein Businessmodell

Pinterest

PinterestKlar, Pinterest, seit Monaten das Thema überhaupt, von Vielen bejubelt und von ebenso Vielen totgesagt, zieht Geld an wie Katzenfutter Likes. Der japanische eCommerce-Gigant hat eine Finanzierungsrunde in Höhe von $100 Millionen angeführt und netterweise noch gleich das Businessmodell mitgebracht, über das alle schon lange reden, aber von dem noch niemand genau wusste, wie es denn aussehen könnte. Rakuten CEO Mikitani verrät Techcrunch, daß es vor allem um die Rakuten ID geht:

Mikitani notes that 75 percent of Japan’s internet population — equivalent to about 80 million people — already have a Rakuten ID — this is similar to an Apple ID, or an Amazon ID, in that there are payment details associated with it.

It is this ID that will pontentially become the lynchpin of a commercial service on Pinterest: “We want to enable our users to pin their own images with our ID,” he says. “Users can click and buy with it, and in the future we can create more new services.” He notes that the “rich, graphic social network” can be used for “so many interesting ideas using the Rakuten ID.” One other area, TechCrunch understands, is for users logged in with Rakuten IDs to pin images and then use those pins to buy items away from Pinterest, on Rakuten’s own Rakuten Ichiba site.

Kurzgefasst angelt sich Rakuten damit einen Anteil an den Transaktionen, die über Pinterest ausgelöst werden, bekommt aber noch dazu massive Daten über die Shopping-Präferenzen der Pinterest-Nutzer und kann sehr schnell identifizieren, welche Themen für die Nutzer aktuell relevant werden. Über die Rakuten ID wird Shopping dezentral nutzbar, mit Pinterest als dem zentralen Hub, von dem die Nutzer zu den Angeboten springen.

Aus einem Bild wird über die Rakuten ID ein kleines trackbares Element, das Pinterest nun monetarisieren kann. Nach dieser Finanzierungsrunde ist Pinterest $1,5 Milliarden wert. Nun ist die Frage, wie sehr die Nutzer von “gucken & repinnen” zu “gucken, repinnen & kaufen” konvertiert werden können.

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