Euphorie-Tage beim HSV völlig ohne Grund

nu isser da.

nu isser da.Kommt er, kommt er nicht, zahlt Kühne, zahlt er nicht, das waren die Fragen, die in Hamburg in den letzten Tagen quasi stündlich neu in den Medien diskutiert wurden. Nun ist er also da und der Verein, der noch kürzlich wegen fehlender 100.000 € das Frauen-Fußballteam aus der Bundesliga zurückgezogen hat, hat einen finanziellen Kraftakt unternommen, um nicht im Jubiläumsjahr total desolat dastehen zu müssen. Jetzt ist also erst einmal kollektive Hysterie angesagt und es wird einen reissenden Absatz an Trikots mit der Rückennummer 23 geben werden, schliesslich ist der vermeintliche verlorene Sohn zurück nach Hause gekehrt. Oder der Messias ist in Hamburg erschienen. Ich freue mich ja auch, dass nach etlichen Jahren ohne Sportdirektor, bzw. mit Frank Arnesen nun mal wieder ein Spieler verpflichtet wurde, von dem ich schon mal was gehört hatte. Ich glaube auch, dass die Euphorie dem Team gut tun wird.

Aber mal ehrlich. Wie lange soll die Euphorie denn anhalten? Wie viele Siege sollen denn jetzt kommen? Rafael van der Vaart konnte sich weder bei Real Madrid noch bei den Tottenham Hotspurs durchsetzen und bereits in seiner Zeit beim HSV hatte er alles andere als nur Sternstunden, aber das liegt ja so lange zurück und man spielte nicht um den Abstieg, also wird das in Retrospektive natürlich glorifiziert. Der HSV hat jetzt zwar einen Mittelfeldstar, aber immer noch keine Abwehr und auch keinen Stürmer, der weiss, wie man das Tor auch mal trifft.

Jetzt tun alle Verantwortlichen so, als ob plötzlich Friedefreudeeierkuchen am Volkspark herrscht. Dabei wird durch die Verpflichtung von Rafael van der Vaart vor allem überdeckt, dass sich der Hamburger Sportverein ein Konstrukt leistet, bei dem alle was zu sagen haben: Vorstand, Aufsichtsrat, Fans, Lokalmedien. Und alle sagen auch immer was, so dass der Volkspark eher einem Hühnerhaufen gleicht. Der HSV leistet sich einen Aufsichtsrat, der aktivst agiert und den Vorstand immer wieder bloßstellt, und der HSV leistet sich einen Vorstand, der alles andere als glücklich agiert. Frank Arnesen hat sich gleich zum Start mit der Verpflichtung lauter Nachwuchshoffnungen aus Chelsea gleich Blei an die Beine geschraubt, denn befreit aufspielen konnte er nach der Aktion nie und bei van der Vaart durfte er noch nicht mal verhandeln. Deswegen ist Arnesen schon wieder angezählt, wie man sofort während der Sitzung des Aufsichtsrats überall nachlesen kann. Was für eine Kaspertruppe, die nichts anderes tut, als ständig dem Verein zu schaden. So lange der HSV so dilettantisch geführt wird, können auch 11 van der Vaarts nichts richten. Dem HSV fehlt eine langfristige Strategie, die von allen Beteiligten in Vorstand und Aufsichtsrat ausdrücklich unterstützt wird. Aber hey, das wäre ja kompliziert, lieber stellen sich bei der nächsten Vollversammlung wieder lauter Laienselbstdarsteller zur Wahl als Aufsichtsratsmitglieder, um dann fröhlich ins Intrigantenstadl zu stürmen.

Klar, nun ist van der Vaart da und für einige Wochen wird alles toll sein am Volkspark, und dann gibt es die ersten Verletzungen oder Sperren und schon bricht alles auseinander. Die Euphorie wird dann in Vergessenheit geraten sein und es wird von Aufsichtsratsmitgliedern öffentlich bemängelt werden, dass so viel Geld für einen Spieler ausgegeben wurde, der die an ihn errichteten Erwartungen bereits seit Jahren nicht erfüllen könnte. Dann wird Arnesen wieder in Frage gestellt werden und dann Jarchow und dann die Größe des Aufsichtsrats und dann wird die Unabsteigbarkeit des Dinos beschwört werden und als Fan reibt man sich verwundert die Augen, denkt an die späten 70er und frühen 80er Jahre zurück und fragt sich, wie es sein konnte, dass seit 30 Jahren in Hamburg niemand wirklich professionelle Strukturen einziehen konnte, die ein erfolgreiches Arbeiten garantiert, so wie es andere Vereine seit Jahrzehnten tun.

Keine feine Gesellschaft, aber feiner Krimi

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Keine feine GesellschaftEine der wiederkehrenden Diskussionen, die ich mit meiner Frau habe, ist meine Auswahl meiner Lektüre. Ich lese derzeit einfach lieber Fachbücher als irgendwelche Krimis oder Belletristik. Keine Ahnung, warum, aber irgendwie lese ich sowieso zu wenig und dann will ich mich eher schlauer machen, als mich zu unterhalten. Naja, eigentlich lese ich sowieso fast nur noch Rezensionsexemplare, man kommt ja zu nix. Also jedenfalls komme ich selten zum Lesen, mein Kindle wird vom Tochterkind in Beschlag genommen und es ist nicht sehr oft, dass ich abends mal zum Buch greife. Meine letzte große Buchleseoffensive habe ich zum Urlaub gestartet, aber habe ehrlich gesagt nicht eine Seite gelesen.

Pünktlich zum Urlaubsantritt hat mir Olaf Kolbrück sein Krimi-Debüt Keine feine Gesellschaft zukommen lassen, mit der Bitte, eine Lobhudelei zu schreiben und eventuell das Buch sogar zu lesen. Keine zwei Monate später habe ich das Buch durchgearbeitet und war vor allem von einer Sache beeindruckt:

Ich weiss gar nicht, wie man ein Krimi so rezensiert, man darf nicht den Mörder verraten, oder? Es gab zwar keinen Gärtner, aber einen Kleingartenverein. Überhaupt, eine Sache hat Olaf Kolbrück sehr gut hinbekommen: ich habe die Befürchtung, dass ich nun ziemlich genaue Vorstellungen habe, wie Eschborn so aussehen könnte. Auch wenn der Titel des Krimis mich immer an irgendein Blog erinnern lies, so war das Milieu der Ermittlungen doch sehr passend zur Zeit gewählt, schließlich sind die Banken und ihre Protagonisten derzeit eh nicht so gut gelitten. Der eigentliche Mordfall ist eher unspektakulär und die Ermittlungen plätschern eher etwas dahin, aber die handelnden Personen sind ziemlich präzise beschrieben und die Dialoge sind richtig ordentlich und laden zum Weiterlesen ein. Stellenweise wurde etwas stark aufgetragen, was aber für die eigentliche Handlung relativ egal war. Die Erkrankung der Ex-Kommissarin und das Leben der Tochter fand ich etwas zu viel des Guten. Alles andere sollte man selber lesen, sonst greife ich hier noch den Ermittlungen vor. Ach so, die große Bank heisst im Krimi Eurobest, da merkt man durchaus, daß Olaf Kolbrück sonst für Horizont schreibt.

Keine feine Gesellschaft war der erste Krimi, den ich seit langer Zeit wieder gelesen habe und ich freue mich schon auf den nächsten Krimi von Olaf Kolbrück.

Bones Brigade: An Autobiography

Bones Brigade

Die Bones Brigade. Das waren auch so Helden meiner Jugend. Steve Caballero, Lance Mountain, Tony Hawk, krasse Skater Mitte der 80er. Schon damals unerreichbar. Ich habe damals Thrasher und Transworld Skateboarding Magazine inhaliert und ehrlich gesagt hat das Skaten dazu beigetragen, dass ich wirklich angefangen habe, Englisch zu lernen. Ich habe damals viel davon geträumt, mit meinen Idolen in Kalifornien zu skaten. Ich habe so intensiv geträumt, dass ich auf Englisch geträumt habe, denn mit den Jungs konnte ich mich ja nicht auf Deutsch unterhalten. Ich hatte immer ein kleines gelbes Langenscheidt Deutsch-Englisch, Englisch-Deutsch Wörterbuch am Bett liegen, denn ich bin nachts öfter mal aufgewacht, weil mir bei der Konversation im Traum ein englisches Wort fehlte und habe das dann nachgeschlagen und weitergeschlafen und im Traum mit den Jungs der Bones Brigade geskatet.

Boah, ich freue mich auf die Doku zur Bones Brigade:

Bones BrigadeIt’s not a death metal band, an extreme diet club or historic dominoes association—the Bones Brigade was a talented gang of teenage outcasts. Unmotivated by fame or popularity, they completely dedicated their lives to a disrespected art form. For most of the 1980s, this misfit crew headed by a 1970s ex-skateboard champion blasted the industry with a mixture of art and raw talent becoming the most popular skateboarding team in history. The core unit of the Bones Brigade built an empire that covered the world. They dominated contests, made hundreds of thousands of dollars, created the modern skateboard video, reinvented endemic advertising, pushed skate progression into a new era, and set the stage for a totally new form of skating called street style. There’s nothing comparable in today’s skateboarding.

Talentiert waren wir damals auch, allerdings war der Kreis Herzogtum Lauenburg nie wirklich das Mekka des Skateboardings, auch nicht Mitte der 80er Jahre. Aber eine Ramp hatten wir auch, gezimmert aus Wahlplakaten der CDU. Die Bones Brigade waren damals die Helden, deren Tricks wir kopieren und deren Coolness wir erreichen wollten. Die Bones Brigade war sowas von stilprägend.

[ via Vans Presents: Bones Brigade: An Autobiography (Movie Trailer) ]

Alles nur eine Frage der Technik

Technik ist alles.

Es wird ja oft behauptet, dass die deutsche Verlagsbranche das mit dem Internet immer noch nicht so richtig verstanden hat und immer noch etwas verwirrt agiert, weil das Interweb immer noch nicht wieder weg ist und dann irgendwie auch beharrlich nicht wie Print funktionieren will.

Aber, diese Behauptung trifft natürlich nicht zu. Denn die deutsche Verlagsbranche hat Protagonisten wie Sven Gösmann, den Chefredakteur der Rheinischen Post, der im Fachportal für extrem störende Werbemittel kürzlich folgende Weisheit verlautbaren durfte:

 “Was Immoscout, Foursquare oder Google Street View können, können wir auch. Das ist letztlich nur eine Frage der Technik”.

Technik ist alles.

Ach so. Na dann ist das ja einfach. Warum ist da eigentlich bisher niemand drauf gekommen. Technik, da war doch was. Ja, das könnte klappen. Ha, und die Amis dachten immer, die wären uns irgendwie was voraus. Aber, jetzt kommt Gösmann und nun geht es rund. Wir können alles. Ist ja nur Technik.

Nun mache ich mir keine Sorgen mehr über die deutsche Verlagsbranche. Die reden jetzt mal mit der IT und schwupps sind die Nutzer da, die Inhalte auch und die Monetarisierung rollt. Irre. Es ist denn doch so einfach, wer hätte das gedacht. Technik. Was für ein revolutionäre Konzept. Danke, Sven Gösmann, jetzt wird es rundgehen in bundesdeutschen Verlagsstuben, die Leser werden es Ihnen danken.