Amazon.com und der Tablet-Krieg

Amazon Kindle Fire HD vs. Apple iPad Mini

Der Ton wird rauher im Tablet-Markt nach der Einführung des iPad Mini letzte Woche. Amazon berichtet in einem Gespräch mit AllthingsD, dass der Amazon Kindle Fire HD aufgrund der Einführung des Apple iPad Mini gerade verkauft wird wie warme Semmeln:

“Wednesday was the $199 Kindle Fire HD’s biggest day of sales since launch and up 3x week over week.”

Amazon Kindle Fire HD vs. Apple iPad MiniAber es reicht Amazon nicht, sich über diesen Erfolg zu freuen und das Kindle Fire HD auf amazon.com kräftig zu bewerben, sondern Amazon geht aggressiv einen Schritt weiter und sorgt unter der fetten Überschrift “Much More for Much Less.” für einen direkten Vergleich mit dem Apple iPad Mini direkt auf der Startseite von Amazon.com. Das Kalkül ist klar, es geht um die Vorherschaft im Einsteiger-Segment der Tablets, um die 7″ Geräte, die den wirklichen Massenmarkt ermöglichen werden. Da weder Amazon noch Apple einfach Geräte verkaufen, sondern dazu auch ein Ökosystem vorhalten, an das die Nutzer möglichst eng und lange gebunden werden sollen, versucht Amazon alles, um die Kunden davon zu überzeugen, das Amazon Kindle Fire HD zu wählen. Potentielle Käufer, wohlgemerkt, die sich bereits auf Amazon.com befinden, also wahrscheinlich schon Erfahrungen mit Amazon gemacht haben, oder gar über den Erwerb von Kindle eBooks bereits das Ökosystem nutzen. Die Preisdifferenz von $130 mitsamt dem Zitat von Gizmodo zur besseren Auflösung des Amazon Kindle Fire HD zeigen deutlich, dass hier die Kunden angesprechen werden sollen, die eher über Preis und Spezifikationen entscheiden wollen.

Ob die Kunden es dauerhaft toll finden, dass der oberste Menüpunkt beim Kindle Fire HD “Einkaufen” ist, wird sich in den nächsten Monaten auch in Deutschland zeigen. Erst einmal ist die neu entdeckte Einarmigkeit der Tablets für die Kunden von Vorteil, weil sie mehrere Optionen haben, langfristig stellt sich aber die Frage, ob die enge Verknüpfung mit einem Ökosystem den einzelnen Kunden nicht zu sehr in seiner Wahlmöglichkeit einschränkt.

Die neu entdeckte Einarmigkeit der Tablets

Amazon Kindle Fire HD

Mit viel Tamtam hat Apple diese Woche das iPad Mini vorgestellt, die kleinere Version des iPads, die Steve Jobs angeblich niemals haben wollte. Apple zieht damit nach und bietet neben dem Google Nexus 7 Tablet und dem Amazon Kindle Fire nun das dritte Tablet im 7 Zoll Formfaktor an.

Amazon Kindle Fire HDWas ist dran an den kleineren Tablets? Der größte Unterschied ist, dass man 7 Zoll Tablets einfach mit einer Hand halten und bedienen kann. Das mag trivial klingen, ist aber entscheidend, wenn die Nutzung über das Betrachten von Fotos oder Filmen hinausgehen soll. Wer lange aktiv blättert und dabei ein iPad in der Hand hält, merkt schnell, wie das iPad schwer wird. Ausserdem ist es unpraktisch, dauerhaft ein Gerät mit beiden Händen halten zu müssen. Das 7″ Tablet ist größer als ein Smartphone, aber wirklich kleiner als ein Laptop, man kann das 7″ Tablet immer dabei haben. Das ist schon enorm praktisch und netterweise sorgen die aktuellen Auflösungen dafür, dass man das 7″ Tablet locker für alle möglichen Anwendungsszenarien nutzen kann.

Irgendwie sind diese neuen Tablets quasi die Taschenbuchisierung der Tablet-Landschaft. Und damit ein weiterer Schritt zur Massentauglichkeit. Zwar haben Apple, Amazon und Google unterschiedliche Herangehensweisen mit ihren Tablets und unterschiedliche Preispunkte, aber es gibt nun mehrere Optionen im Markt und damit wird dieses Segment noch interessanter werden. Die 7″ Tablets werden ubiquitär werden, mit Preisen weit unter den knapp 200 €, die Amazon und Google aktuell für ihre Tablets aufrufen. Das Subventionsmodell ist dabei ein starker Treiber, ähnlich wie wir es von den Mobilfunk-Unternehmen seit Jahren kennen, wird das Gerät günstig gemacht, damit mit der Nutzung Geld verdient werden kann. Wir sind nicht mehr weit entfernt von €1 pro Tablet, denn es gibt zunehmend mehr Inhalte und Dienste, die über Tablets angeboten und verkauft werden können.

Die neu entdeckte Einarmigkeit bei der Nutzung der Tablets wird für eine Umorientierung sorgen in der sog. App-Economy, denn plötzlich wird es nicht mehr “Mobile first” heissen, sondern “Tablet first” und damit sind dann die 7″ Tablets gemeint, die wie selbstverständlich zum Lesen und Schreiben genutzt werden, als Entertainment-Device, Shoppingtool und natürlich als interaktive Second Screen abends beim TV-Konsum auf dem Sofa.

Noch nicht genügend Sozis gegen die Vorratsdatenspeicherung

Sozis gegen VDS

Sozis gegen VDSDas Mitgliederbegehren Sozis gegen VDS hat nur knapp 10% der erforderlichen Stimmen sammeln können, das ist ein zu erwartendes Ergebnis und kann als krachende Niederlage gewertet werden. Einerseits. Andererseits gilt immer noch der Ausspruch von Bertold Brecht:

“Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.”

Die Initiative von Yasmina Banaszczuk und Dennis Morhardt hat auf alle Fälle dafür gesorgt, dass sich die Partei, und vor allem die Parteispitze, noch einmal mit dem Thema Vorratsdatenspeicherung auseinandersetzen durfte. Das ist zwar weniger als erreicht werden sollte, aber es macht die Partei lebendig, wenn es Themen gibt, über die gestritten wird.

Interessanterweise kommt jetzt vom EU-Parlament unerwartete Schützenhilfe, denn zunehmend steigt die Unlust bei den Parlamentariern gegenüber der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung und es werden dringende Reformen der Richtlinie, bzw. deren Abschaffung, gefordert.

Ich bin mit dem Ergebnis des Mitgliederbegehrens nicht zufrieden und würde mich über eine zeitgemässere Beteiligungsform freuen, denn das Sammeln von Unterschriften ist schon eine eher hohe Hürde, gleichzeitig bezweifle ich aber, dass dies der einzige Grund für das Scheitern von Sozis gegen VDS war. Wir haben es immer noch nicht geschafft, in Deutschland die Bürger für Themen zu sensibilieren, die etwas mit Informationstechnologie zu tun haben. Zwar sind die Bürger mit Smartphones ausgestattet und nutzen das Internet, aber abgesehen von einem latenten Mißtrauen gegenüber Technologie findet eine inhaltliche Auseinandersetzung zum Thema noch nicht statt. Da ist die SPD eher Abbild der Gesellschaft, so sehr ich mich über eine avangardistischere SPD auch freuen würde.

Auch wenn das Quorum nicht erreicht wurde, wird die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Vorratsdatenspeicherung auch in der SPD weiter gehen.

Globale Überwachung des Internets zur Terror-Abwehr gefordert

unodc-internetterror-2

Vom Internet geht Gefahr aus, denn hier können Menschen kommunizieren. Manchmal findet man das gut, wenn Revolutionen in anderen Ländern dadurch verstärkt werden können, aber ansonsten ist das Internet an sich eher suspekt.

“Ohne offensive nachrichtendienstliche Arbeit kann man nicht wissen, wer sich in der Cyberwelt verabredet, um gegen uns Anschläge durchzuführen”

sagt dazu der Präsident des Bundesamts für Verfassungschutz, Hans-Georg Maaßen bei der Präsentation eines UN-Berichts zu Terror im Internet.

unodc-internetterror-2Der Bericht der UN Office on Drugs and Crime (UNODC) “The use of the Internet for terrorist purposes” [PDF] legt nahe, dass zur Abwehr des Terrorismus das Internet stärker als bisher überwacht werden soll, damit die Staaten in der Lage sind, schneller zu handeln.

Die Forderungen des UNODC-Berichtes gehen jedoch über die in Europa vorgeschriebene Form der Vorratsdatenspeicherung – die Deutschland derzeit aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht umsetzt – hinaus. Nach Ansicht der UNODC wäre es wünschenswert, dass bestimmte Websites – insbesondere die Anbieter von Instant Messaging und Internet-Telefonie (VoIP) – Logs der über den Dienst geführten Gespräche archivieren. In der EU werden dagegen bislang nur reine Verbindungsdaten, keine Inhalte der Kommunikation, gespeichert.

Daneben fordert die UNODC noch weitere Maßnahmen, die bei Bürgerrechtlern und Datenschützern auf wenig Gegenliebe stoßen dürften. So soll für die Nutzung von öffentlichen WLANs demnächst eine Registrierung erforderlich sein.

Während wir in der Vergangenheit immer die große vaterländische Firewall gefürchtet haben, probiert dieser UN-Bericht einfach mal den globalen Rundumschlag, um im Namen der Terrorabwehr alle zu überwachen. Ich bin gespannt, wie die deutsche Politik diesen Bericht aufgreift, als Grundlage für eine lupenreine FUD-Argumentation wird er sicherlich nützlich sein. Im Bericht selber wird folgendes Spannungsfeld beschrieben:

Respect for human rights and the rule of law is an integral part of the fight against terrorism.

Wir dürfen gespannt sein, wie dies künftig definiert werden wird.

Eine neue Version ist verfügbar – jetzt unterstützen!

Eine neue Version ist verfügbar

Eine neue Version ist verfügbarDer von mir sehr geschätzte Journalist Dirk von Gehlen startet ein Finanzierungsprojekt für sein neues Buch “Eine neue Version ist verfügbar” auf Startnext. Bis zum 20.12.2012 können Unterstützer schon jetzt einen Geldbetrag zur Verfügung stellen, der nur abgerufen wird, wenn die Grenze von 5000€ überschritten wird.

Eine neue Version ist verfügbar ist das Nachfolge-Projekt zu Mashup – Lob der Kopie, das ich letztes Jahr hier kurz vorgestellt hatte. Ich gehe also davon aus, dass das Geld gut angelegt ist, bzw. dass man sich das Buch sowieso kaufen sollte, wenn es dann erhältlich ist. Also kann man jetzt schon Dirk von Gehlen unterstützen.

Was ich allerdings erstaunlich finde: die Notizen entstehen handschriftlich, wenn man dem Filmchen glauben mag. Ich bin quasi erschüttert.