Tablet first

Ich werde gerne und oft gefragt, was ich von der Entwicklung der Mobilbranche halte und wie die aktuellen Trends so sind. Normalerweise antworte ich mit “Tablet first”, weil ich mittlerweile das Tablet für viel relevanter halte bei der Entwicklung der connected personal Devices, keine Ahnung, wie man das auf deutsch benennen würde. Die Infografik: Tabletmarkt wächst 2012 um 78,4% von Statista zeigt diese Entwicklung sehr gut.

infografik_935_Absatz_von_Smart_Connected_Devices_2011_und_2012_n

722,4 Millionen Smartphones wurden laut IDC 2012 rund um den Globus verkauft. Zusammen mit 128,3 Millionen Tablets beläuft sich die Zahl der mobilen, internetfähigen Geräte, die von den Hersteller abgesetzt wurden auf rund 851 Millionen. Das entspricht einer Steigerung von über 50 Prozent. Dagegen waren die PC-Verkäufe im vergangenen Jahr rückläufig. 202 Millionen verkaufte tragbaren und 148,4 Millionen Desktop-PCs sind gleichbedeutend mit einem Absatzrückgang von 3,7 Prozent.

Es ist nicht nur das ordentliche Wachstum im Tablet-Markt, es ist vor allem die Art und Weise, wie das Tablet sich ganz elegant den Platz in der Nutzungshierarchie der Geräte sucht, die mich sehr euphorisch auf die Entwicklung im Tablet-Markt blicken lassen. Das Tablet ist ungeheuer praktisch, es ist vielseitiger als ein Smartphone und leichter zu nutzen als ein Laptop oder gar ein stationärer PC. Wer einmal Tumblr, Flipboard oder Shoplove auf einem Tablet genutzt hat, der weiss, was ich meine.

Ich glaube, wir stehen noch ganz am Anfang einer rasanten Entwicklung im Tablet-Markt und sehen sehr bald, dass Tablet ubiquitär werden und in jedem Haushalt rumliegen so wie früher mal die Fernsehzeitschrift.

Das Leistungsschutzrecht und die Eier

Der Vorsitzende des Rechtssausschusses des Bundestages, Siegfried Kauder von der CDU, hat heute etwas bemerkenswertes getan. Er hat verfassungsrechtliche Bedenken beim von der schwarz-gelben Koalition geplanten Leistungsschutzrecht angemeldet und kritisiert, dass die bisherige Experten-Anhörung parteiisch gewichtet gewesen sei und Verfassungsrechtler nicht gehört wurden. Siegfried Kauder kündigte an, das geplante Leistungsschutzrecht nicht unterschreiben zu wollen. Er bezeichnete das Leistungsschutzrecht als rechtspolitischen Eiertanz. Siegfried Kauder kann sich herausnehmen, eine konträre Meinung in der CDU-Fraktion einzunehmen, denn er wurde bei der Kandidatenaufstellung in seinem Wahlkreis nicht gewählt und geniesst damit unfreiwillig eine gewisse Freiheit. Kauder taugt allerdings kaum zum Held in der unendlichen Geschichte rund um das Leistungsschutzrecht, denn in der Vergangenheit hat er sich gerne als Befürworter von Three-Strikes-Regelungen bei Urheberrechtsverletzungen positioniert.

Bereits am Mittwoch ist aber noch etwas seltsameres passiert. Wirtschaftsminister Rösler hat seine Eier wiedergefunden und verlautbaren lassen, dass seine Leute mittlerweile wohl auch kein Interesse mehr am Leistungsschutzrecht hätten.

Das Leistungsschutzrecht, von Christoph Keese, Matthias Döpfner und Hubert Burda gewünscht und im Koalitionsvertrag verankert, dürfte nun am Widerstand innerhalb der Koaltion scheitern.

Das ist gut so und eine breite Phalanx von Netzpolitikern und Netzaktivisten, ebenso wie Lobby-Organisationen und Unternehmen haben in den letzten Jahren versucht, auf die Politik einzuwirken, um das geplante Leistungsschutzrecht zu verhindern. Zuletzt hat die rot-grüne Koalition in Niedersachsen in ihrem Koalitionsvertrag das Leistungsschutzrecht abgelehnt und auch meine Partei hat mehrfach deutlich gemacht, dass die Herausforderungen der Medienhäuser bei der Suche nach funktionierenden Geschäftsmodellen nicht durch das Leistungsschutzrecht gelöst werden würden.

Das Leistungsschutzrecht ist vor allem netzpolitischer Eiersalat, der niemandem hilft. Langsam scheint auch bei der Koalition durchzusickern, dass das Leistungsschutzrecht überflüssig ist und mehr schaden würde, als dass es nützt.

LEGO 10240 – Red Five X-wing Starfighter™

10240 Red Five X-wing Starfighter

Der LEGO Star Wars X-Wing Fighter ist für mich immer noch einer der Bausätze, die man unbedingt haben sollte. Ich habe bereits als Kind versucht, den X-Wing Fighter nachzubauen, um nachzustellen, wie Luke Skywalker in den Todesstern hereinfliegt. LEGO hat jetzt eine weitere Variante des X-Wing Fighters angekündigt, den Bausatz 10240 – Red Five X-wing Starfighter™. Dieser Bausatz mit 1558 Steinen soll im Mai 2013 verfügbar sein für den Preis von 199€.

Hier die Highlights aus der Pressemitteilung:

10240 – Red Five X-wing Starfighter™

Ages 16+. 1,558 pieces.

Build the ultimate LEGO® Star Wars™ X-wing Starfighter!

US $199.99 CA $249.99 DE 199.99€ UK 169.99 £ DK 1699.00 DKK
Collect and create the most highly detailed LEGO® Star Wars™ X-wing Starfighter ever produced. This iconic starfighter is featured in many of the most exciting Star Wars battle scenes, including the decisive battle scene above planet Yavin™. Recreate the moment when Luke Skywalker’s X-wing delivered the proton torpedo that led to the destruction of the Imperial Death Star! With 1,558 pieces, this realistically detailed model features opening wings and cockpit, a special display stand, data sheet label and R2-D2.
• Includes R2-D2 atromech droid
• Features highly authentic detailing, and opening wings and cockpit
• Includes 1,558 pieces
• Measures over 10″ (26cm) high, 20″ (52cm) long and 18″ (46cm) wide
• Includes display stand and data sheet label!

Natürlich darf auch das Video nicht fehlen, in dem einer der Designer von LEGO davon erzählt, wie dieser Bausatz entwickelt wurde und was der Bausatz LEGO 10240 – Red Five X-wing Starfighter™ so alles kann.

Das Bildungsbürgertum gefährdet unsere Zukunft

Ich werde den Eindruck nicht los, dass wir gerade in interessanten Zeiten leben. Man kann geradezu spüren, wie das Alte immer weniger relevant ist und wie die vielfältigsten Reaktanzen entstehen, um noch zu retten, was zu retten ist. Die Zyklen der Veränderung sind immer schneller und die Auswirkungen weitreichender, das spüren wir an allen Ecken und Enden. Das deutsche Bildungssystem aber bleibt fest in seinen Traditionen aus der Bismarck-Zeit stecken.

extrabreitschulebrennthurraZwar wird immer mehr erkannt, dass Kinder und Jugendliche anders lernen sollten und andere Inhalte benötigen, aber wir sorgen nachwievor dafür, dass wir passende Absolventen für die Herausforderungen der Vergangenheit heranzüchten. Daran hat das deutsche Bildungsbürgertum Schuld, denn hier wird weiterhin auf das Gute, Wahre, Schöne vergangener Zeiten beharrt. Hier sperrt man sich, zeigt seine Abneigung gegenüber populärer Kultur und lässt dies direkt ins Schulssystem fliessen. Beispielsweise gibt es in Hamburg seit dem Aufstand der gutbürgerlichen Kreise gegen eine Schulreform den sog. Schulfrieden – es muß kriegsähnliche Auseinandersetungen vorher gegeben haben, so stark waren die Beharrungskräfte.

Der britische Erziehungswissenschaftler Sir Ken Robinson hat vor einigen Jahren in einem Interview mit dem Guardian gesagt:

All children start their school careers with sparkling imaginations, fertile minds, and a willingness to take risks with what they think. […] Most students never get to explore the full range of their abilities and interests … Education is the system that’s supposed to develop our natural abilities and enable us to make our way in the world. Instead, it is stifling the individual talents and abilities of too many students and killing their motivation to learn.

Da ist viel dran. Hinzu kommt, dass wir immer noch einen Fächerkanon haben, der hilft, Herausforderungen vergangener Zeiten bewältigen zu können.

Das Ausbrechen aus einem starren System mit einem Fokus auf die Herausforderungen der Zukunft macht mehr Sinn als die ewige Beschäftigung mit der Rückbetrachtung. In einem lesenswerten Blogbeitrag für die Washington Post skizziert ein 15-jähriger Schüler seine Ansprüche an ein modernes Schulsystem:

A key element of middle school is initial exposure to career fields that students can choose to explore further in high school. Teachers can give students a broad understanding of career fields as it relates to the classes they are teaching. Students will be encouraged to self-direct their learning and develop a passion. This system is not anti-disciplinary; it’s simply more flexible. If schools are doing their job, students will no longer be asking, “When am I ever going to use this?” and will instead ask, “How can I learn more?”

Ich habe mich in meiner Schulzeit mehr als nur einmal gefragt, wofür ich das Erlernte jemals brauchen würde. Auch ich habe viel auswendig lernen oder abmalen müssen, ohne wenig Sinn und Verstand – aber immer in bester Tradition des deutschen Bildungsbürgertums habe ich Faust gelesen, Vektoren berechnet und Caesar übersetzt. Ich hatte nur ein Praktikum, und das habe ich ausgerechnet bei Thies Rabe beim Elbe Wochenblatt in Bergedorf gemacht, konnte ich ja nicht wissen, dass er später mal Bildungssenator werden konnte. Zwar kann es in der Schule nicht darum gehen, die Schülerinnen und Schüler für die Wirtschaft auszubilden, aber etwas mehr Realitätsnähe würde der Schule sehr gut tun, aber das ist ein strukturelles und inhaltliches Problem.

Wenn wir so weiter machen, dann können wir uns vielleicht noch auf das Land der Dichter und Denker berufen, spielen nur im 21. Jahrhundert keine Rolle mehr. Wollen wir das? Wie bekommen wir diesen Knoten durchschlagen, wie finden wir Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft und wie sorgen wir dafür, dass unsere Schulen die Kinder und Jugendlichen sich wirklich ändern? Ich glaube, dass die Forderung nach einer Programmiersprache als zweite Fremdsprache ziemlich genau klarmacht, was sich ändern muß. Javascript ist den Schülern näher als Latein, ob die Lehrer es wahrhaben wollen oder nicht.

Mailbox App ist auch keine Lösung

Früher habe meine Mails mit mail auf der Kommandozeile gelesen, das war ganz okay für die paar Mails, die damals so tagtäglch eintrudelten. Ich bin dann zügig zu Elm und dann zu Pine (Rekursives Akronym: Pine is not Elm) übergangen und habe wirklich sehr lange Pine genutzt. Pine war flott, gut zu bedienen und bat einen guten Überblick über die Mail-Situation, aber irgendwann habe ich dann angefangen, Eudora für den Mac zu nutzen, das war ein tolles Mail-Programm. Mittlerweile nutze ich Gmail für meine Mails und bin ein großer Fan des Web-Frontends geworden. Nur für die mobile Nutzung auf dem iPhone gibt es bislang keine Mail App, die mich vom Hocker haut. Mail.app ist okay, haut mich aber nicht von den Socken, Sparrow hatte Potential, wurde dann von Google gekauft und die Gmail-App nutze ich nur, wenn ich Mails suche, das kann die nämlich extrem gut, ansonsten finde ich App die eher so lala.

Mailbox AppIch war verzückt, als ich das erste Announcement von Mailbox sah und letzte Nacht waren dann endlich die 8000 Reservierungen vor mir weg und ich konnte die App austesten. Der Anspruch von Mailbox ist beachtlich:

Designed 30 years ago, traditional email transmission is clunky and slow. To make delivery as fast as possible, Mailbox checks your email from the cloud, then delivers it to your phone securely. You can even get push notifications for new messages.

Nun ja, mein Mail-Aufkommen hat sich in den letzten 17 Jahren massiv gesteigert und ich bin dazu übergangen, mit SaneBox alles wegfiltern zu lassen, was wahrscheinlich eher nicht so relevant ist. Das funktioniert super, nur ab und zu muss ich irgendwelche Interview-Anfragen von Journalisten wieder hervorholen aus einem der Ordner für spätere Erledigungen. Das klappt aber alles insgesamt ganz gut und meine Inbox ist zwar voll, aber gelesen und teilweise sogar beantwortet.

Mailbox will das alles jetzt sogar noch besser machen mit einer Grundidee, die die Macher schon bei der To-Do App Orchestra umgesetzt hatten: es wird geswiped. Das fand ich bei Orchestra toll, aber nach einem Tag habe ich die App nie wieder benutzt, das Geswipe hat zwar Spass gemacht, aber viele andere mir wichtige Dinge fehlten. Egal, jeder App Developer verdient seine zweite Chance und bei Mailbox war der Buzz in den Techblogs schon im Vorfeld bereits so groß, dass ich die App einfach testen musste. Auch wenn ich es absurd finde, dass man sich 2013 immer noch über Email-Clients unterhält, das Problem müsste doch nun wirklich mal gelöst sein.

swipeMailbox sieht chic aus, man swiped ganz nach rechts und löscht die Mail, bisschen nach rechts swipen archiviert die Mail und wenn man nach links swiped, dann kann man einstellen, wie lange die Mail snoozen soll, bis sie wieder angezeigt wird, bzw. die Mail mit Labels a la “To Do” oder “To Buy” versehen. Die Grundidee ist, dass man seine Inbox immer schön leer hat und alles löscht oder archiviert, bzw. sich für später aufhebt.

Hmm. Mir geht schon nach fünf Minuten das Geswipe auf den Senkel, denn die meisten Sachen will ich gerade nicht lesen und dafür habe ich meine SaneBox-Filter, aber Mailbox ignoriert die bestehenden Gmail-Labels, führt dafür aber eigene Labels ein. Ich kann also nicht auf meine Mailinglisten zugreifen, die ich alle brav wegfiltere, es sei denn, ich gehe auf die Archive-Ansicht, in der alle Mails dargestellt werden, die in meinem Gmail schlummern. Es ist für mich unverständlich, wie man eine Mail App für Gmail entwickelt, die nicht auf bestehende Labels zurückgreifen kann. Die Macher erwarten doch nicht ernsthaft, dass ich im Web und Mobile unterschiedliche Labels und Ansichten nutzen will? Ich möchte meine Mails sehen, ohne mir merken zu müssen, welche App was wie wo warum ablegt.

Mailbox ist für mich gefühlt erst in Version 0.5, das kann noch was werden, aber die aktuelle Version ist nur etwas für Eye-Candy Geniesser mit 10 Mails am Tag.