Ach, der deutsche Michel mal wieder. Die bekannte Karikatur mit der Schlafmütze auf dem Kopf kommt mir unweigerlich in den Sinn, wenn ich die aktuelle Debatte um die wirtschaftliche Entwicklung der Digitalisierung betrachte. Angeführt von Mathias Döpfner wird derzeit beklagt, dass Google in nur etwas mehr als 10 Jahren eine derartig marktbeherrschende Rolle eingenommen hat, dass das alle nicht mehr witzig finden in Deutschland. Was natürlich etwas ganz anderes ist, als wenn Springer eine marktbeherrschende Rolle eingenommen hätte, wie beim geplanten Kauf von Pro7.

Aber generell ist an der Klage etwas dran. Die deutsche Wirtschaft spielt in der digitalen Industrie keine Rolle. Tja, das kommt davon, wenn man kollektiv ein Jahrzehnt lang den Kopf in den Sand steckt und danach den Sand in den Kopf. Ich kann dem derzeitigen Mimimi nichts abgewinnen. Die großen deutschen Firmen haben das Consumer Internet mit Ansage verpennt, weil sie es zu lange negiert haben. Und nun stehen sie doof da und müssen mitansehen, wie sich Machtgefüge verschieben und neue Abhängigkeiten entstehen. Das ist ärgerlich, aber es ist vor allem das Resultat eines kollektiven Versagens der deutschen Wirtschaft, die durch ihre langanhaltene Zurückhaltung nun überall zu spät zur Party kommt und sich wundert, dass das Bier alle ist. Wer bei immer schneller und kürzer werdenden Zyklen der Entwicklung zu lange abwartet, steht danach vor der Herausforderung, verlorene Marktanteile zurückholen zu müssen.

Deswegen finde ich es schon amüsant, dass jetzt wieder mit latentem Anti-Amerikanismus kokettiert wird und das Kartellrecht bemüht werden soll. Dem Schlachtruf “Zerschlagt Google!” sollte allerdings ein “wir haben es verpennt!” unbedingt folgen! Innovation ist kein Selbstzweck, aber bei der Suche nach den Geschäftsmodellen der Zukunft muss eben auch beträchtlicher Aufwand im Bereich Forschung & Entwicklung betrieben werden, damit Ideen für die Zukunft entwickelt und umgesetzt werden können.

Die Abhängigkeit von Google und Facebook bei den Nutzerströmen lässt aus vielen Medienhäusern eine Art Zulieferbetrieb werden mit einer ähnlichen Abhängigkeit, wie es viele Firmen in Bezug auf Aldi, Lidl und andere kennen. Hinzu kommen neue Geschäftsmodelle wie die der Huffington Post oder Buzzfeed, die zu dem Abhängigkeitsverhältnis noch eine Bedrohung des ursprünglichen Geschäftsmodells hinzukommen lassen.

Ich wünsche mir etwas mehr Ehrlichkeit in der Debatte. Vor allem wünsche ich mir, dass aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt wird. Die Überheblichkeit der Großen der deutschen Wirtschaft führte dazu, dass in der globalen digitalen Wirtschaft Deutschland keine Rolle spielt, wenn man vom eCommerce-Exportmodell der Samwers und der Beharrlichkeit, mit der Otto seine Marktanteile sichert, absieht. Wir sehen die Auswirkungen immer zu erst bei den Medien selber, erst nach und nach sind dann andere Bereiche betroffen.

Dass eine Entwicklung auch anders gehen kann, sehen wir im Bereich alternative Energien. Dort wurde bereits seit den 80ern investiert, obwohl natürlich anfangs kein Markt da war. Als der Markt dann aber reif genug war, gab es genügend deutsche Firmen, die in der Lage waren, zu liefern und mit dem Weltmarkt mitzuhalten. Natürlich wurde im Laufe der Jahrzehnte viel Geld für Innovation ausgegeben und auch so mancher Fehler gemacht. Insgesamt hat aber die Branche davon profitiert. Allerdings hatte die Politik hier schon frühzeitig ein Interesse und hat entsprechende Fördermittel locker gemacht.

Mit der Digitalisierung wird aber vor allem klar, dass tradierte Methoden nicht funktionieren. Entwicklungen verlaufen so schnell, neue Märkte entstehen innerhalb weniger Monate, dass Innovationsförderprogramme schon fast wieder obsolet sind, sobald sie endlich eingerichtet wurden. Die Anforderungen sind anders und sie kollidieren mit dem Tempo von Politik und Verwaltung.

Muss aufgrund des kollektiven Versagens der deutschen Wirtschaft bei der Entstehung einer neuen Industrie nun Google zerschlagen werden? Oder Facebook? Oder Amazon? Oder Apple? Ich denke, dass es fürs Erste schon reichen würde, wenn diese Firmen auch in Europa ordentlich Steuern zahlen würden und sich an dieselben Standards halten müssten wie deutsche Firmen auch. Damit wäre schon viel geholfen, denn gleiche Rahmenbedingungen für alle sollten als Grundsatz gelten. Dann sollte man mal eine Diskussion führen, inweit die Verschränkung von Diensten kartellrechtlich relevant ist oder ob die Convenience für die Nutzer auch durch das Bereitstellen offener Schnittstellen erreicht werden kann. Die Dominanz von Google, Facebook und anderen kommt ja nicht von ungefähr, sondern weil die Nutzer diese Dienste nutzen. Die Nutzer sind da eher eigensinnig und auf den eigenen vermeintlichen Vorteil bedacht und denken nicht in der Kategorie “was würde der deutschen Wirtschaft und vor allem Springer helfen?” – wenn wir über das Consumer Internet reden, dann sollten wir den Nutzer im Fokus haben und seine Position stärken.

Ich würde die Lehren aus dem Debakel der deutschen Wirtschaft beim Consumer Internet dahingehend ziehen, dass Innovationen im Bereich Industrie 4.0 / Machine-to-Machine Communications nun mit einer deutlich spürbaren Vehemenz vorangetrieben werden sollten, denn ansonsten wird auch der vielgepriesene deutsche Mittelstand in zunehmend schwieriges Fahrwasser geraten. Mit Angst oder Zweifel kommen wir da allerdings nicht weiter, sondern mit zügigem Handeln. Ansonsten machen das andere.

Seit einiger Zeit versuche ich, idealerweise um 5 Uhr aufzustehen. Das hat wenig mit seniler Bettflucht zu tun, sondern eher mit dem Versuch, meinen Tag sinnvoller zu strukturieren und mehr Dinge zügig erledigt zu bekommen, für die ich sonst den halben Tag benötige.

Ich komme mir dabei ein wenig vor wie mein Vater, der Zeit seines Lebens immer früh aufgestanden ist. Ich führte das immer darauf zurück, dass er als Landarbeiterkind auf einem Bauernhof aufgewachsen ist und wirklich diese vielzitierten 20 km bei Wind und Wetter zur Schule zurücklegen musste. Wenn ich morgens aufstand, saß er schon lange am Schreibtisch und erledigte etwas. Selbst im Urlaub war er immer früh morgens wach und hielt das Hotelpersonal auf Trab, weil er stets der Erste war, der frühstücken wollte. Wenn wir im Sommer an die Ostsee gefahren sind, dann sind wir spätestens um 7:30 Uhr losgefahren und haben dann eine Stunde später den gesamten Strand für uns alleine gehabt. Als Student habe ich seine Anrufe morgens um 7 Uhr auch wenig zu schätzen gewusst, weil mein Tagesablauf damals ein klein wenig anders aussah als seiner.

Mittlerweile stehe ich selber früh auf und das hat vor allem damit zu tun, dass ich meine Familie, meine Selbständigkeit, mein politisches Engagement und vor allem mein Geschreibe unter einen Hut bekommen möchte. In der Zeit bis zum Wecken der Kinder um 7 Uhr bekomme ich erstaunlich viel erledigt, was in der Theorie dazu führt, dass ich Nachmittags mehr Zeit für die Kinder habe. Ich geniesse es wirklich, wenn morgens noch alles still ist, mir der Hund zu Füßen liegt und ich an einem Text arbeiten kann. Das ist, abgesehen vom frühen Aufstehen, sehr entspannend.

Man kann ja an jeder Ecke lesen, dass erfolgreiche Menschen früh aufstehen und mit wenig Schlaf auskommen, auch wenn kürzlich im SZ-Magazin zu lesen stand, dass zu viel Schlafentzug zu einem Zustand des Besoffenseins führen kann. Ich finde allerdings, dass am Frühaufstehen etwas dran ist. Es gibt nicht nur keine Anrufe und Emails, sondern auch eine gewisse Grundentspanntheit, weil noch eine generelle Ruhe herrscht. Natürlich bin ich auch manchmal müde und quäle mich aus dem Bett, weil ich nämlich zu den Leuten gehöre, die gerne lange wach sind und früh aufstehen, was dann eher zu kurzen Nächten fühlt. Ich komme damit aber eigentlich recht gut zurecht, allerdings holt sich mein Körper dann in Ruhephasen auch den fehlenden Schlaf zurück. Wenn es eine Sache gibt, die ich beim Absolvieren des Grundwehrdienstes bei der Bundeswehr gelernt habe, dann ist es die Fähigkeit, quasi auf Kommando einschlafen zu können, was vermutlich auch eine gewisse Müdigkeit vorraussetzt.

Morgens um 5 Uhr geniesse ich die Grundentspanntheit und habe genug Muße, in Ruhe über Dinge nachdenken zu können, längere Texte zu schreiben, Produkte für Neueszeugs zu finden, oder einfach nur Emails abzuarbeiten. Ich erledige in den 2 Stunden morgens mehr als sonst in der doppelten Zeit, weil die Konzentration stärer vorhanden ist und es keine Unterbrechungen gibt. Diese störungsfreie Zeit ist für mich trotz der frühen Uhrzeit wirklich entspannend, denn in einer Familie mit drei Kindern und Hund ist immer irgendwie Rämmidämmi.

Das Frühaufstehen geht übrigens ganz einfach. Man stellt sich den Wecker auf 5 Uhr, steht auf, macht sich einen Kaffee und setzt sich dann hin, um das zu tun, was man gerade vorhat. Natürlich hat das eine Steigerung der Produktivität zur Folge, wie es in The Ultimate Guide To Waking Up Early – How to Start Your Day at the Crack of Dawn and Transform Your Life und unzähligen anderen Ratgebern beschrieben ist. Wichtig ist nur, dass man versucht, in eine Routine hineinzukommen und immer früh aufsteht. Ich gebe mir am Wochenende etwas mehr Schlaf, was aber durch Hund und Kinder durchaus begrenzt ist. Erstaunlicherweise stehen Kinder ja an freien Tagen immer früher auf als unter der Woche, was die Vorteile des eigenen Frühaufstehens auch direkt konterkariert.

Diesen Text habe ich natürlich frühmorgens geschrieben. Und mittlerweile verstehe ich meinen Vater besser.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat letzte Woche festgestellt, dass die Vorratsdatenspeicherung mit ihrer anlasslosen Speicherung von Telekommunikationsdaten weder mit dem Grundrecht auf Achtung des Privatlebens noch mit dem Grundrecht auf Datenschutz vereinbar ist.

Die Entscheidung des EuGH hat deutlich gemacht, dass die Vorratsdatenspeicherung weit über das Ziel hinausschiesst.  Gleichtzeitig ist festzustellen, dass trotz aller Forderungen nach der Einführung der Vorratsdatenspeicherung unsere Gesellschaft in den letzten Jahren auch sehr gut ohne die Vorratsdatenspeicherung ausgekommen ist. Jedenfalls wird in Zukunft das übliche FUD schlechter funktionieren, weil auch ohne Vorratsdatenspeicherung die digitale Gesellschaft nicht zu Sodom und Gomorrha geworden ist. Laut einem Bericht im Internet vom Wochenende wollen die Koalitionsparteien diese Legislaturperiode keinen neuen Versuch unternehmen, die Vorratsdatenspeicherung einzuführen. Ich glaube das nicht, sondern gehe von anderen Begrifftlichkeiten und anderen Bedrohungsszenarien aus, die von den Innenministern aus Bund und Ländern gemalt werden.

Aber auch wenn wirklich die Innenpolitiker jetzt nicht zum Zuge kommen sollten, werden wir allerdings nicht drumherum kommen, das Thema Vorratsdatenspeicherung in dieser Legislaturperiode zu diskutieren. Das Verhältnis von Freiheit und Überwachung ist von zentraler Bedeutung für die Digitalisierung der Gesellschaft und wir können jetzt nicht einfach mal 4 Jahre so tun, als ob das Thema gar nicht exisitiert.

Vor diesem Hintergrund und in Hinblick auf die Debatte um die Digitale Agenda fordere ich eine breite Diskussion über die Art und Weise, wie zum einen Strafverfolgungsbehörden in die Lage versetzt werden, auch im digitalen Zeitalter effizient Verbrechen bekämpfen können, zum anderen aber die Privatsphäre der Bürger geschützt werden kann. Denn es ist völlig klar, egal ob Terrorismusbekämpfung, Cybercrime, Urheberrechtsverletzungen, Cybermobbing oder was auch immer – die Bestrebungen seitens der Innenpolitiker und der Polizei wird immer sein, möglichst viele Daten möglichst schnell und über einen langen Zeitraum erheben zu können. Einiges davon ist legitim, vieles davon allerdings nicht, besonders wenn es anlasslos ist wie bei der Vorratsdatenspeicherung. Allerdings möchte ich auch mal darauf hinweisen, dass 100% Aufklärung bei Verbrechen zwar erstrebenswert, aber dies bei herkömmlichen Ermittlungen auch nicht der Fall ist und nur bei der Totalüberwachung aller Bürger möglich werden kann, was meines Erachtens ein zu hoher Preis wäre.

Bei der Diskussion über die Vorratsdatenspeicherung hat man allerdings auch einmal wieder gesehen, wie ein politisches Vorhaben durchgesetzt werden soll, damit vermeintliche Wähler-Interessen bedient werden können. Der Ruf nach Recht und Ordnung lässt zu viele Politiker zu vermeintlichen einfachen Lösungen greifen, die dann wie im Fall der Vorratsdatenspeicherung weit über das Ziel hinausschiessen und letztendlich auch nicht mehr vermittelbar sind. Wir sind bislang gut ohne anlasslose Vorratsdatenspeicherung ausgekommen, also möchte ich jetzt gerne mal erfahren, warum sie unser aller Leben sicherer machen würde. Das Pendel schlägt endlich wieder in Richtung Freiheit, wir sollten dies nutzen und eine positive Ausgestaltung der digitalen Gesellschaft vornehmen.

WLAN ist toll. Eine großartige Erfindung, die ich seit vielen Jahren nicht mehr missen möchte. Und ich weiss noch, wie es war, als man nie ohne LAN-Kabel aus dem Haus ging und zur Sicherheit noch einen kleinen Hub oder eine Switch dabei hatte. Ich weiss, Opa erzählt von der Zeit nach dem Krieg und so. Aber es kommt ja noch besser, mittlerweile gibt es öffentliche WLAN an vielen Ecken. Noch vor 10 Jahren war das total unüblich und als ich damals in Wien war zur BlogTalk, die erste Blogkonferenz damals 2003, da durfte ich ganz verzückt feststellen, dass im Museumsviertel öffentliches WLAN verfügbar war. In der Zeit gab es in Hamburg in einigen Cafés zwar bereits WLAN, aber insgesamt war es wenig verbreitet.

Mittlerweile wird mit WLAN geworben, es ist ein USP geworden für viele Cafés, Hotels und andere Plätze. Egal ob Starbucks oder Bahn, es wird mir ein WLAN zur Nutzung angeboten. Ich zahle fröhlich ein paar Euro mehr für meinen T-Mobile Vertrag, damit ich bundesweit die WLAN-Hotspots der Telekom nutzen kann.

So weit so gut. Aber was mich wirklich nervt, ist die extrem wechselhafte Qualität des WLAN-Angebots. Andersherum ausgedrückt: man kann sich nicht darauf verlassen, dass das WLAN nutzbar ist. Am ICE prangt ein dickes WLAN-Logo, aber das WLAN funktioniert nicht, niemand kann helfen. Im Starbucks sitzen so viele Leute mit Laptops, Smartphones und Tablets, dass man das WLAN zwar nutzen kann, aber alles so langsam ist, dass man kaum arbeiten kann. Anderswo kann man sich zwar einloggen, aber ansonsten funktioniert nichts. Ich denke, das geht nicht nur mir so, oder?

Ich verstehe das nicht. Warum schafft man ein Angebot und kümmert sich dann nicht darum? Für mich ist die WLAN-Nutzung zu einem reinen Glücksspiel geworden. Ich merke das immer daran wie schnell mein Datenpaket aufgebraucht ist, denn wenn das WLAN nicht funktioniert, arbeite ich eben über den Personal Hotspot meines iPhones. Ich arbeite viel von unterwegs und nutze die WLAN-Hotspots nicht nur aus Jux und Dollerei, sondern weil ich Dinge erledigen will oder muss. Zwar sind viele WLAN-Angebote mittlerweile kostenlos und liegen nicht mehr bei 24€ pro Tag wie noch vor einigen Jahren, aber es wäre doch sehr schön, wenn etwas mehr Wert auf die Qualitätssicherung gelegt werden könnte. Ich verstehe ja auch, dass im ICE die Nutzung des WLAN unter erschwerten Bedingungen passiert als im Café, aber für beide gilt: wenn man es anbietet, dann sollte es auch immer nutzbar sein und nicht nur manchmal. Sonst wird das nämlich alles nix mit dieser Breitband-Offensive in Deutschland, wenn wir noch nicht mal stabiles WLAN hinbekommen!

Aktuell erregt der Streik der Pilotengewerkschaft Cockpit die Gemüter, weil die Lufthansa 3 Tage lang bestreikt wird. Das ist für die Betroffenden in der Tat unschön und mit erheblichem Mehraufwand verbunden. Zumal die Piloten der Lufthansa eher Besitzstandswahrung auf sehr hohem Niveau betreiben und nicht so sehr um ihre finanzielle Existenz ringen müssen wie beispielsweise die untereren Lohngruppen im Öffentlichen Dienst.

Aber, wir haben in Deutschland ein Tarifrecht, das Streiks als Mittel im Arbeitskampf vorsieht und daran sollten wir festhalten, egal ob wir die Forderungen im Einzelnen gutheissen oder nicht. Natürlich wäre es für die beteiligten Tarifparteien einfacher, wenn man sich ohne Streiks, Aussperrungen und alles, was dazu gehört, auf einen neuen Tarifvertrag einigen könnte, aber das klappt eben nicht immer, da man sich oftmals eben von überzogenen Forderungen heranrobben muss an einen Kompromiss in der Mitte. Wir kennen das, die Dramaturgie erfordert dabei immer abgekämpft aussehende ältere Männer, die Mitten in der Nacht vor die Kameras treten und verkünden, dass ein Knoten durchschlagen wurde. Das sind tarifpolitische Rituale, die nur schwer zu ändern sind.

Wenn allerdings Wolfgang Steiger vom Wirtschaftsrat der CDU fordert, das Streikrecht zu ändern, dann platzt mir echt der Kragen!

“Die massive Erpressbarkeit der gesamten Wirtschaft durch Streiks an Schaltstellen der Infrastruktur ist so nicht mehr hinnehmbar”, sagte der Generalsekretär des Rats, Wolfgang Steiger, Handelsblatt Online. “Wenn kleinste Berufsgruppen ihre Sonderstellungen ausnutzen und bundesweit Transportsysteme stilllegen können, müssen die notwendigen Konsequenzen gezogen werden.”

Streiks, die keine Auswirkungen haben für die Arbeitgeber, sind nutzlos, das ist Herrn Steiger sicherlich bekannt und es ist daher nur noch die Frage, was alles als “Schaltstelle der Infrastruktur” definiert werden kann. Wir sollten gar nicht erst auf die Idee kommen, Arbeitnehmern unterschiedliche Formen des Streikrechts zuzubilligen, es gibt schon die Ausnahmen für Beamte, das sollte reichen.

Mich regt es maßlos auf, wenn jedes Mal bei einem Streik so getan wird, als ob das öffentliche Leben in Deutschland zum Erliegen kommt. Ein Streik ist stets Ausdruck der Verhandlungen während der Friedenspflicht und daran haben grundsätzlich alle beteiligten Tarifparteien ihren Anteil. Natürlichen sollen Streiks verhältnismäßig sein, aber das ist eben auch eine Frage der Definition. Streiks sollten weiterhin in dieser Form für die Beschäftigten erhalten bleiben, denn gerade die öffentliche Stimmung sorgt für Druck auf die Tarifparteien, sich zügig zu einigen.