22. Februar 2012

Niemand wird jemals im Internet einkaufen wollen!

In den letzten Tagen hat eine Meldung von Bloomberg die Runde gemacht, die suggeriert, daß Facebook Commerce nicht funktionieren würde: Gamestop to J.C. Penney Shut Facebook Stores und diese Meldung wurde gerne von allen aufgegriffen, die entweder Facebook irgendwie schon immer doof fanden oder einfach nicht verstehen, wie eCommerce auf Facebook funktionieren könnte.

In dem Artikel wird ein Social Media Berater wie folgt zitiert:

“It was basically just another place to shop for all the stuff already available on the retailer websites,” Gerten said. “I give so-called F-commerce an ‘F.’”

Na klar, wenn man einfach lieblos den Shop irgendwie bei Facebook reinstopft, dann fragen sich die Kunden natürlich was das soll und wo der Mehrwert bleibt.

Wet SealEs geht aber auch anders, wie das Beispiel Wet Seal zeigt. Wet Seal ist eine Modemarke aus den USA, die nicht nur eine Facebook Fanpage hat, sondern auch über 470 Läden quer über die USA verteilt. Wet Seal bekommt mittlerweile 20% des Web-Traffics über Facebook und sieht Facebook als massiven Umsatztreiber an. Allerdings findet man auf Facebook nicht einfach nur einen Abklatsch des Shops, sondern tägliche Inspirationen und Tipps, die von der jungen Zielgruppe gerne aufgenommen werden. Hinzu kommen smarte Verknüpfungen für die Nutzer, die das Angebot attraktiv machen:

Shoppers using the outfit tool are 40% more likely to buy something, and buyers spend 20% more.
“Shop with friends” users become buyers at 2.5 times Wet Seal’s average conversion rate online.
The iPhone app generates about 5% of Wet Seal’s overall Web traffic, and the app has been downloaded more than 65,000 times.
Girls look at about 500,000 outfits a week with their iPhones — traffic that spiked to about 750,000 a week the two weeks before back-to-school.
Facebook has become one of the largest marketing bases for store traffic, thanks to coupons and campaigns, and one of the biggest drivers of traffic to WetSeal.com

Das Wet Seal Beispiel ist von 2010/2011, aber ich gehe davon aus, daß man noch weitere Beispiele für Erfolgsgeschichten auf Facebook finden wird, wenn man nur etwas danach sucht und nicht einfach nur den Rückzug einiger Anbieter zum Anlaß für eine negative Geschichte nimmt.

Meine Vermutung für die Mißerfolge bei Gamestop, JC Penney und anderen: geringe konzeptionelle Flughöhe gepaart mit Abstimmungsproblemen innerhalb des Unternehmens und noch dazu kleine Budgets, so daß am Ende nichts Halbes und nichts Ganzes dabei rauskam und sich alle wunderten, warum die wundersamen Erfolge des Facebook Commerce nicht auch sofort bei Ihnen auftraten. Wenn man das Thema aber etwas pfiffiger und längerfristiger angeht und noch dazu mit dem Point-of-Sale und dem Web-Shop kombiniert, dann kann Facebook für ordentlichen Umsatz sorgen.

Wenn man mal 15 Jahre zurückblickt, dann fällt auf, daß man die Diskussion um Facebook Commerce und daß das ja gar nicht funktionieren könne, schon einmal hatte. Damals kamen Leute auf die Idee, das Web auch zum Verkaufen von Waren nutzen zu wollen. Völlig absurd, es gibt doch Kataloge! Erstaunlicherweise ist das Einkaufen im Web heutzutage Normalität und so wird es bei Facebook auch bald selbstverständlich zum Angebot vieler Unternehmen dazu gehören. Aber sicherlich anders, als JC Penney und Gamestop sich es vor einem halben Jahr mit dem Facebook Commerce vorgestellt hatten.

21. Februar 2012

Das letzte Zucken der Sonstigen

Zugegeben, ich bin froh, daß Christian Wulff abgedankt hat und ich finde es gut, daß Joachim Gauck jetzt Bundespräsident werden soll. Es stellt sich allerdings die Frage nach der Bewertung des Vorgehens zur erneuten Kandidatenfindung. Ich war, wie so viele Kommentatoren, nicht dabei, aber ich habe natürlich eine pointierte Meinung dazu.

Ich glaube, bei der Kandidatenfindung haben wir ein letztes Zucken der FDP gesehen. Ein staatsmännisches zwar, aber dennoch keinen Neustart.

Es gibt drei Punkte, die deutlich machen, was am Wochenende passiert ist:

1. Die rot-grüne Opposition hat durch die frühe Festlegung auf Joachim Gauck der Koalition die Optionen genommen

2. Angela Merkel und die CDU haben künftig noch eine Rechnung offen mit der FDP, Mutti war not amused. Mutti hat sogar geschrien.

3. Das war keine Machtdemonstration von Philipp Rösler, sondern reiner Pragmatismus von Wolfgang Kubicki, der seine letzte Chance auf den erneuten Wiedereinzug ins Landesparlament von Schleswig-Holstein damit hat wahren wollen. Rösler wurde gedrängt, er hat nicht selber gehandelt.

Rösler hat sich zwar gefreut wie ein Scheekönig, aber zu welchem Preis? Die FDP wird zu spüren bekommen, wie die Kräfteverhältnisse in der Regierung wirklich sind. Der Gauck-Bonus wird direkt nach der Wahl verflogen sein für die FDP, denn Gauck wurde bereits vor zwei Jahren von der Opposition vorgeschlagen. Als Bundespräsident ist Gauck sowieso der Überparteilichkeit verpflichtet, daher wird die FDP von diesem Amtsträger keinerlei Abstrahleffekte mitnehmen können. Angela Merkel hingegen hat jetzt alle Optionen offen für die nächste Wahl und muß sich nicht mehr um den dahinsiechenden Koalitionspartner kümmern. In der schwarz-gelben Koalition werden wir bis zur Wahl schwarz pur erleben und die FDP wird mehr denn je zur Randerscheinung werden.

Es manifestiert sich, dass die FDP mit dem Rücken zur Wand steht und dieser vermeintliche Befreiungsschlag ehervein Selbstmord aus Angst vor dem Tod war. Der große Fußball-Philosoph Lukas Podolski hat mal gesagt: “Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel”, bezogen auf die Politik kann man attestieren: “FDP ist wie Partei, nur ohne Strategie”.

20. Februar 2012

Ligagott – wer kann noch Meister werden?

Ligagott

Ligagott bietet mathematisch fundierte Antworten auf die drängenden Fragen eines jeden Fußballfans:

Kann mein Verein noch Meister werden?

Kann mein Verein noch absteigen?

Die guten Nachrichten gleich vorweg:
Bayern kann noch absteigen und der HSV Meister werden. In 2012. Wäre hätte das gedacht. Ach ja, und der BVB kann nicht mehr absteigen, das ist doch auch was.

Ligagott wird zum Ende der Saison vielen Hoffnungen und Spekulationen ein Ende bereiten.

20. Februar 2012

Neuer Trend: Leuchtsnowboarding

Wow. Das ist ganz schön cool.

[ via LED Snowboarding Short Film | Digital Buzz Blog ]

19. Februar 2012

Wir für Gauck: Ich gebe alles zu

Christian Wulff ist gerade erst über einen mangelhaften Umgang mit der Wahrheit gestolpert und vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten. Die Nachdenkseiten haben nicht nur herausgefunden, daß Gauck auch als Präsidentschaftskandidat schon ein gesteuertes mediales Kunstprodukt war, sondern auch, wer dahinter steckte:

Interessant daran ist zweierlei: zum Ersten der äußerst geringe Abstand zur Bundespräsidentenwahl, womit dieser Wahlgang und die Kandidatur Joachim Gaucks ein Gschmäckle von Kommerz bekommen. Er und die werbetreibende Agentur samt »FAZ« nutzen die verbliebene Popularität so schnell wie möglich, und sie nutzen die Verknüpfung mit dem Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten. Zum Zweiten entlohnt der Kandidat Gauck mit diesem Schritt die Werbeagentur Scholz & Friends, deren Mitarbeiter Nico Lumma die Petition »Wir für Gauck« ins Netz gestellt hatte. Wissen sollte man noch, dass die Agentur Scholz & Friends auch lange für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gearbeitet hat.

Da ich weiß, was jetzt auf mich zukommt, gebe ich hiermit ein vollumfängliches Geständnis ab. Ja, die Springer-Presse und ich haben Gauck zum Bundespräsidenten gemacht. Nun fragt man sich, wieso ich, dies getan habe. Dies will ich gerne erläutern.

Anfang der 80er Jahre erhielt ich einen Anruf von Axel Cäsar Springer, der mich zu einem Termin nach Hamburg einlud. Dort offenbarte er mir, wie wichtig ihm die Wiedervereinigung sei und daß er jemand brauche, der seinen Plan für ihn umsetzen würde, sollte er vor der Wiedervereinigung sterben. Springer sah die Wiedervereinigung nur vollendet, sobald eine Kanzlerin und ein Bundespräsident im Amt seien, die beide aus dem Osten Deutschlands kommen. Ich willigte ein und mir wurde Kai Diekmann als Adjutant zur Seite gestellt. Zügig machten wir uns ans Werk, ich habe das strategische Grundgerüst entwurfen, Kai hat es medial umgesetzt. Nach der Wiedervereinigung haben wir gemeinsam nach Kandidaten im Osten Deutschlands gesucht, die wir gemeinsam im Hintergrund würden aufbauen können. Natürlich war uns Angela Merkel sofort aufgefallen und wir überlegten, ob wir Joachim Gauck langfristig aufbauen könnten, irgendwas mit Kirche kommt schließlich immer gut in Deutschland. Dazu fehlte uns eine Werbe-Agentur, weswegen wir dann dafür sorgten, daß Scholz & Friends nicht nur zu einer großen Agenturgruppe in Deutschland heranwachsen konnte, sondern auch strikt mit linientreuen Kadern besetzt wurde, die von oben durchregiert werden konnten und sich ausschließlich um die FAZ und die INSM kümmerten. Alle anderen Kunden existierten nur auf dem Papier, 1000 Mitarbeiter haben nichts anderes getan, als FAZ und INSM zu fördern. Nicht immer alles klappte nach Plan, so versuchte Merkel einmal einen eigenen Kandidaten als Bundespräsidenten durchzudrücken und wir mußten dafür sorgen, daß er zurücktritt. Wir dachten, sie verstünde die Warnung, aber nein, kurz darauf präsentierte sie Christian Wulff als neuen Kandidaten. Daraufhin organisierten wir eine Pseudo-Graswurzelbewegung für Gauck, was besonders leicht fiel, da ich mittlerweile bereits das Kommando bei Scholz & Friends übernommen hatte und zügig die Kader für die Programmierung von wir-fuer-gauck.de und die bundesweite sublime Bewerbung befehligen konnte. Merkel blieb stur und Diekmann und ich mussten wieder dafür sorgen, daß ein Bundespräsident abtritt. Als erste Fotos des Eigenheims in Großburgwedel auftauchten, wussten wir, daß wir nur gewinnen konnten. Der Rest, so sagt man, ist Geschichte.

Um Spuren zu verwischen, habe ich Scholz & Friends letztes Jahr an WPP verkauft, Thomas Heilmann zum Justizsenator von Berlin gemacht und Sebastian Turner als Oberbürgermeisterkandidat von Stuttgart ins Spiel gebracht.

Ich stehe zu dem, was ich gemacht habe. Ich würde es jederzeit wieder tun. Ich mache in diesem Land die Bundespräsidenten und lasse mir von Kai Diekmann dabei helfen.