16. März 2010

Google Nexus One mit schwachem Verkaufsstart

Google hat sich das mit dem Google Nexus One sicherlich gut vorgestellt. Man entwickelt einfach mal ein cooles Handy mit Android drauf, das verdammt gute Spezifikationen hat und im direkten Vergleich um einiges besser darstehen kann als das iPhone, obwohl das natürlich auch immer eine Frage der Interpretation ist, dann startet man einen ordentlich Hype um das neue Handy und schliesslich nutzt man die Power der weltweit größten Suchmaschine, um das neue Google Nexus One massiv in den Markt zu drücken.

Eine Verlinkung auf Google.com ist der feuchte Traum eines jeden Verantwortlichen im Online-Marketing, ein quasi nicht enden wollender Strom von Kunden werden über diesen Link in den Shop gespült, so jedenfalls die Theorie. Im Fall des Google Nexus One hat dies überhaupt nicht geklappt, nimmt man den Vergleichszeitraum von 74 Tagen zu Grunde, dann sieht man 1 mio verkaufte iPhones, etwas mehr als 1 mio verkaufte Motorola Droids und lediglich 135.000 verkaufte Google Nexus One. Das Verschenken des Google Nexus One auf Veranstaltungen wie der DLD führt sicherlich auch nicht dazu, daß die Nachfrage nach dem Gerät massiv steigt, wenn man es einfach so ins Publikum flankt, und mir dann noch nichtmal eins zukommen lässt, aber das nur am Rande.

Google sollte überdenken, wie die richtige Marketingstrategie für das Google Nexus One aussieht, die Strahlkraft der Marke Google und der damit verbundene massive Traffic allein reicht jedenfalls nicht aus.

[ via: Lessons in Phone Marketing, or Why the Nexus One Is Sucking Wind – GigaOM ]

15. März 2010

Twitter springt zu kurz mit @anywhere

Drei Jahre nach dem fulminanten Start von Twitter auf der Konferenz SXSW in Austin, Texas, hat man sich von der heutigen Keynote von Evan Williams sehr viel erwartet. Einige vermuteten den Start der Vermarktung von Twitter, andere haben auf eine Antwort auf Facebook Connect gehofft. Herausgekommen ist @anywhere:

We’ve developed a new set of frameworks for adding this Twitter experience anywhere on the web. Soon, sites many of us visit every day will be able to recreate these open, engaging interactions providing a new layer of value for visitors without sending them to Twitter.com. Our open technology platform is well known and Twitter APIs are already widely implemented but this is a different approach because we’ve created something incredibly simple. Rather than implementing APIs, site owners need only drop in a few lines of javascript. This new set of frameworks is called @anywhere.

Tja. Das klingt ja sehr nach dem Twitter Follow Button, der jüngst von Tweetmeme als Plugin vorgestellt wurde und auch auf diesem Blog in der Seitenleiste zu finden ist. Neu wird sein, daß man sicherlich mit dem Twitter @anywhere Javascript noch ein paar mehr Infos darstellen kann, bzw. nicht nur auf ein Wordpress-Plugin angewiesen ist. Aber dieses Announcement ist enttäuschend und die Entwicklungsgeschwindigkeit von Twitter ist nachwievor ein krasser Gegensatz zu Facebook. Twitter ist sich unschlüssig, wie sie mit API und externen Entwicklern umgehen sollen, denn mit jedem Release werden Features implementiert, die vorher bereits von externen Entwicklern getestet wurden, anstatt den Entwicklern dauerhaft eine Plattform für ihre Tools zu bereiten. Twitter muß den externen Entwicklern aufzeigen, wie diese mit Twitter als Ökosystem Geld verdienen können, ansonsten sind Facebook, Android und vor allem das iPhone viel spannender für die Herrscharen von Entwicklern, die diese API nutzen könnten.

11. März 2010

Foodspotting ist Dönerstag mit anderen Mitteln

Nein, man braucht Foodspotting nicht, um den Tag zu überstehen. Aber wenn man Inspirationen rund ums Essen sucht, dann wird man hier schnellstens fündig. Keine Restaurantkrtiken, keine Rezepte, sondern einfach nur Fotos von tollem Essen. User laden diese sog. Sightings hoch, andere User können ausdrücken, ob sie das Essen interessant finden oder gar unbedingt auch mal essen wollen, und am Ende kommt eine nicht enden wollende Zusammenstellung von immer wieder anderen Gerichten heraus, die durchaus Appetit macht.

Wer noch meine wöchentlichen Dönerstags-Fotos auf meinem Blog kennt, der wird deutlich den Unterschied merken zu den Fotos, die User jetzt per iPhone-App vor dem Essen hochgeladen haben.

Natürlich kann man die aktuellen Sightings auch gleich twittern und direkt auch bei Foursquare einchecken. Somit integriert sich Foodspotting in den bunten Reigen der Apps, die Usern auf einfache Art und Weise erlauben, sich auszudrücken und den Freunden mitzuteilen, was man gerne so treibt. Wer gutes Essen liebt, wird sicherlich bei Foodspotting interessante Anregungen finden.

11. März 2010

Als noch gemabbert wurde

Matthias Heine führte für die FAS ein Interview mit dem Linguisten Lothar Lemnitzer mit der klingenden Überschrift Ein bisschen mabbern zum Mondscheintarif. Klingend deshalb, weil Mabber mein Startup war, das vor 5 Jahren versuchte, Instant Messaging auf dem Desktop, dem Web und mobil miteinander zu verknüpfen, und dabei u.a. viel zu früh am Markt war, aber technologisch ganz weit vorne. Aber dieser Passus erfreut mich dann schon:

Twittern?
Eine neue Form computerbasierter Kommunikation. Das gehört ins gleiche Fach wie simsen oder voipen. Es gab ja mal einen Dienst, der mabber hieß, da wurde zeitweise von mabbern gesprochen.

Posthum ist es schön zu sehen, daß dennoch etwas von Mabber übrig geblieben ist.

[ via: Malte per DM ]

05. März 2010

und jetzt alle: Neustart für die Netzpolitik

“Gefahr! Risiko! Oh Nein! So geht das nicht! Wir müssen regulieren!” – So oder anders hört man es gerade in vielen Gesprächen mit Politikern, sobald es um das Thema Netzpolitik geht. Sicherlich sind etliche Heilsversprechen der 90er Jahre in Bezug auf das Internet nicht eingetreten, dennoch kann man attestieren, daß das Internet eine gewaltige Kraft entfacht hat und dadurch zu immensen Umwälzungen geführt hat. Das Internet hat so viel verändert, und verändert immer noch mehr, daß wir noch nicht absehbar die Folgen absehen können, da wir mitten drin in der Entwicklung sind. Das Internet ist gewaltig und disruptiv.

In der Diskussion um die Netzpolitik in Deutschland wünsche ich mir oftmals den Zustand zurück, als sich die Politik noch nicht um das Netz kümmern wollte. Denn bislang glänzt die Politik durch das Anlegen gelernter Kriterien aus dem Rundfunk-Bereich und dem damit verbundenen Ableiten von Regularien. Die Zähmung des Biestes Internet steht an erster Stelle.

Das ist der absolut falsche Weg! Ich habe keine Lust mehr, immer wieder zu diskutieren, wie man Inhalte nicht verfügbar machen kann, wie die immer noch als Neue Medien bezeichneten Kommunikationsformen passend gemacht werden können für das Rundfunk-Paradigma. Akzeptiert einfach, das das Internet anders ist und andere Lösungen erfordert!

Ich sage nicht, daß man die Risiken negieren sollte, aber es gilt, den Fokus endlich auf die Chancen zu legen und zu definieren, wo in Deutschland die Reise lang gehen soll und nicht zu diskutieren, wie wir den Zug noch aufhalten wollen, der schon längst mit Volldampf den Bahnhof verlassen hat.

Wir haben in den letzten Jahren völlig verdrängt, daß es gilt, die politischen Rahmenbedingungen für das Internet zu diskutieren. In was für einer Gesellschaft wollen wir leben, wie soll der Zugang zum Netz aussehen? Soll es ein Recht auf Breitband geben? Welche Bandbreite ist politisch gewünscht in 5-10 Jahren? Wie gehen wir mit den digitalen Spaltungen der Gesellschaft um? Was hat das für Auswirkungen auf unser politisches System? Wer hat wofür Verantwortung zu übernehmen? Wie können wir durch das Internet mehr wirtschaftliche Kraft und Arbeitsplätze für die Zukunft schaffen? Wie verändert das Internet unsere Arbeitswelt, was hat das für Auswirkungen auf unser Leben und unser Freizeitverhalten?

Ich habe noch nicht einmal ansatzweise alle Fragen zusammen, geschweige denn die Antworten, aber ich finde, wir müssen ganz dringend einen anderen Fokus bei der netzpolitischen Debatte bekommen. Umarmt den Wandel, interpretiert ihn und versucht dann, Rückschlüsse für eine sinnvolle Netzpolitik zu ziehen.