SPD: Alte Säcke an die Macht!

Auf den ersten Blick war ich ja recht angetan von der Übernahme des Parteivorsitzes durch Franz Müntefering (64). Heute wurde nun Klaus-Uwe Benneter (56) als Generalsekretär bekannt gegeben.

An dieser Verteilung der Posten wird eine Sache sehr deutlich: Der SPD fehlt gutes Personal.

Es ist zwar löblich, dass die SPD gegen den weitverbreiteten Trend angeht und auch älteren Menschen noch Jobs verschafft, aber es spricht nicht wirklich dafür, dass die SPD sich in den nächsten Jahren entscheident verjüngt. Die Generation der 68er mag sich nicht von der Macht trennen, die man nach dem langen Marsch durch die Institutionen erlangt hat.

Man möge mich eines Besseren belehren, aber ich sehe in der SPD in verantwortungsvollen Posten überwiegend Leute jenseits der 50, noch dazu entweder Lehrer, Anwälte oder öffentlicher Dienst. Und genauso anregend ist die Politik, die momentan gemacht wird.

Schauen wir dennoch einmal nach vorn. Benneter sollte die derzeitige Krise nutzen und in der SPD mal aufräumen. Immer noch gelten hier mindestens zwei der drei meistgenannten Sprüche eines sozialdemokratischen Hausmeisters:
1. Das haben wir schon immer so gemacht.
2. Da kann ja jeder kommen.
3. Hier dürfen Sie nicht parken.

Nach den der Mitgliederentwicklung der letzten 10 Jahre von mehr als 900.000 auf 650.000 zahlende Mitglieder sollte die finanzielle Lage auch zunehmend drängender werden, so dass endlich mal die interne Organisation der SPD den Mief der Siebziger jahre ablegt und an aktuelle Anforderungen angepasst wird. Moderne, flexible Kampagnen sind mit der aktuellen Struktur nur schwer möglich, weswegen immer fröhlich eine Kampa etabliert wird, wenn es darauf ankommt, einen Wahlkampf zu gewinnen.

Es ist vor allem wichtig, die Kommunikation in die Partei herein zu verbessern und auch einfachen Parteimitgliedern die Möglichkeit zu geben, die benötigten Informationen zur Meinungsbildung zu bekommen, und zwar auf allen Ebenen, von der lokalen bishin zur Bundes-Ebene.

Die SPD redet immer viel von Modernisierung, Benneter sollte versuchen, dies erstmal innerhalb der Partei umzusetzen. Dazu gehört aber auch, dass endlich auch diejenigen berücksichtigt werden, die ihren eigenen Renten-Eintritt noch nicht unmittelbar vor sich sehen. Bereitschaft zur Gestaltung hat zwar nichts mit dem Alter zu tun, allerdings glaube ich, dass frische Impulse vor allem von Jüngeren kommen werden.

Ich gehe allerdings davon aus, dass die nächsten 2 Jahre vor allem von dem unbändigen Willen zum Machterhalt geprägt sein wird. So lange bis sich nicht wirklich etwas ändert in dieser Partei, werde ich meinen Hintern auch nicht mehr zu Versammlungen bewegen, denn dafür ist mir meine Zeit zu schade.

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8 Antworten auf „SPD: Alte Säcke an die Macht!“

  1. Der SPD fehlt gutes Personal. Junge Leute. Simmt nicht, Nico. Bewirb dich doch mal um einen Posten … ;) Du rollst den Laden einfach von hinten auf und wirst am Ende BloggMinister, äh, Minister für Kommunikation, Technologie und Weblogs.

  2. sollte die Bundes-SPD irgendwann 2004 noch Weblogs einsetzen, gebe ich einen Kasten Bier aus. Sobald sie das Thema Weblogs versteht, gebe ich Dir eine warme Mahlzeit aus. :)

  3. Wenn du so weiterredest, bist du schon 50+ bevor was passiert. Dann allerdings kannst du das ja per Parteidekret veranlassen. Ich nehme einen Döner de Lüks mit doppelt Jogurtsosse und mit allem drauf in Fladenbrot türkisches.

  4. Die SPD Hamburg werd ich wohl bis zum Ende des Wahlkampfes haben ;-)
    Haben sich schon die ersten beschwert…

  5. Ehrlich gesagt habe ich diesen Schritt überhaupt nicht verstanden. Für mich sieht es zwar aus wie das Eingeständnis einer Niederlage, aber nicht als würden nun andere Wege beschritten. Geht vielleicht nicht – weiß ich nicht – aber mit besserer Kommunikation ist es nicht getan, wenn man keine Politik für seine Wähler mehr macht. Diese Einschnitte _kann_ ein echter Sozialdemokrat meiner Meinung nach nicht tragen.

    IMHO sollten sie die Sache jetzt aussitzen, weitere Reformen anstoßen und auf den Aufschwung hoffen. Hey, der Wahlkampf beginnt erst in zwei Jahren! Vielleicht ist das für sehr lange Zeit die letzte Gelegenheit, das Land zu prägen. Vielleicht klappt es, dann werden sie sogar noch einmal gewählt. Aber dieses Schlingern auf der falschen Spur wird der Wähler garantiert nicht verzeihen.

    Naja, mir geht der Haufen eh am Arsch vorbei und einen Beratervertrag habe ich auch nicht mit denen :-)

  6. Das sieht ein alter Sack natürlich anders. So einer stellt seine Erfahrung in Rechnung. Das Problem bei den Parteien, nicht nur bei der SPD, ist nicht das Alter der leute, sondern deren langer Marsch durch die Parteigänge. Das bringt nicht nur ‚Betriebsblindheit‘ mit sich. Solche Parteiarbeitsisolation macht dumm. Man kann auch sagen: Es braucht auf.

  7. naja, aber damit widersprichst Du mir nicht wirklich, denn das ist ja das, was ich an den alten Säcken kritisiere.

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