Zeit-Dossier über die SPD und die ewige Suche nach der Identität der Partei

Nico —  15.02.2004

Was ist rot oder schwarz, was ein Proletarier, was ein Bürgerlicher, was ist unten oder oben? Diese Fragen um den innersten Kern dessen, was die SPD wahrhaft ausmache, durchzieht ihre Geschichte, seit sie sich mit der Godesberger Wende 1959 vom Ballast der ?Klassenpartei? befreite. Die SPD ist die Partei geblieben, die stets unter besonderen Begründungszwängen steht, wenn sie regiert, die ewig fragil zu sein scheint, immer auf der Kippe, und der jeder ? auch jetzt wieder ? mit einer Verve hineinredet, wo es langgehen müsse, als sei er Sozialdemokrat, mit Haut und mit Haaren.

Wahlplakat Schmidt 76Anhand einer Rückschau der letzten Jahrzehnte wird gezeigt, wie sich die SPD stets wandelt, aber dabei versucht, ihrer Tradition treu zu bleiben, was nicht immer klappt. Im Dossier sind einige alte Wahlplakate wiederzufinden, die auf ihre Art das Verständnis der Partei zu der damaligen Zeit widerspiegeln.

Ich persönlich habe mich dabei an einen Ausspruch meinerseits erinnert, getätigt 1976 beim Friseur:

„Ich möchte eine Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Frisur haben!“

Diesem Ansinnen wurde netterweise nicht nachgekommen, ebensowenig wie meiner späteren Idee, auszusehen wie entweder Doyle oder Bodie von „Die Profis“.

Um aber mal auf das Zeit-Dossier zurück zu kommen, ich finde die Suche nach der Identität der Partei durchaus spannend, das Festhalten an Ritualen und Symbolen einerseits, aber auch das Entdecken neuer Positionen andererseits. Das „Mitnehmen“ der Genossen fällt dabei enorm schwer, gerade wenn immer noch an alte Klassenkampf-Rhetorik geglaubt wird. Generell sehe ich allerdings viel Struktur-Konservatismus bei der SPD, was immer dazu führen wird, dass selbst die eigenen neuen Wege nur halbherzig beschritten werden. Daher macht die Parteihymne „Das weiche Wasser bricht den Stein“ (Text: Dieter Dehm, mittlerweile PDS) zum 125-jährigen Parteijubiliäum durchaus Sinn, ich würde den Refrain aber eher auf das Innenleben der Partei als auf gesamtgesellschaftliche Veränderungen beziehen. Wenn die SPD es schaffen würde, ihre eigenen Mitglieder auch in Regierungszeiten zu überzeugen, dann sollten auch die notwendigen Reformen klappen. Beim immerwährenden Pushen des Begriffs „Modernität“ wurde aber leider versäumt, die eigenen Mitglieder mitzunehmen. Müntefering alleine wird auch nicht der grosse Identitätsstifter werden, da muss sich die Partei schon mehr anstrengen.

[via: Die Zeit 08 / 2004 – G. Hofmann: Wandlung in Rot]

One response to Zeit-Dossier über die SPD und die ewige Suche nach der Identität der Partei

  1. Die Zeit beschreibt in einem Dossier, wie die SPD nach Gerhard Schröders Rücktritt vom Parteivorsitz verzweifelt ihre Identität sucht. Ja, die Volkspartei SPD wird gebraucht. Es reicht nicht, sich an ihr sein Mütchen zu kühlen, wozu sie immer getaugt hat….