US-Gericht: Mitnahme der IP-Adresse bei Providerwechsel

Nico —  29.06.2004

Ein Urteil frei nach dem Motto „Ich habe keine Ahnung von diesem Computerzeugs, aber entscheide trotzdem mal“:

Ein Gericht im US-Bundesstaat New Jersey hat entschieden, dass Kunden beim Wechsel ihres Providers ihre IP-Adresse mitnehmen können, berichtet Alex Rubenstein in einer Mailingliste der North American Network Operators Group. Rubenstein arbietet für den Internet Service Provider (ISP) Net Access Corporation (NAC), gegen den einstweilige Verfügung erlassen wurde.[IP-Mitnahme bei Providerwechsel? – Golem.de]

Abgesehen davon, dass ich nicht nachvollziehen kann, wieso jemand an einer IP-Adresse hängen kann, wo es doch Domain Name Server gibt, damit man sich nicht IP-Adressen wie 213.238.33.101 merken muss, ist das eine komplett hirnrissige Entscheidung. Denn neben den IP-Adressen hängen da Subnetze dran, die geroutet werden müssen und so eine IP-Adresse kann man nicht einfach so physikalisch umziehen lassen. Vielleicht hätte der Richter mal eine Weile mit IPcalc spielen sollen…

9 responses to US-Gericht: Mitnahme der IP-Adresse bei Providerwechsel

  1. Das kann nur ein schlechter Scherz sein.
    Demnächst verlange ich meine Adresse mitzunehmen, wenn ich umziehe.

  2. Genau – Warum nicht gleich ganze Städte umbennen? Wer bezahlt das und wie soll das bitte technisch gehen? Immerhin könnte man ja als Inhaber eines Class C Netzes (vergeben in Europa durch die RIPE in Amsterdam)direkt mit seinem Netzbetreiber verhandeln – aber bei einer IP Adresse? – das wird ja lustig!

  3. „…dass Kunden beim Wechsel ihres Providers ihre IP-Adresse mitnehmen können“

    Also da hat Golem etwas sehr allgemein formuliert.

    Wenn ich das bei /. nachlesen, ist der Kunde hier selbst ein ISP, es geht um ca. 40.000+ IPs, und der Richter hat lediglich einen „temporary Order“ ausgesprochen, um einen langen Streit zu beschwichtigen.

    Das Internet wird (noch nicht) auf den Kopf gestellt.

  4. Stefan: Warum?

  5. Und ich habe schon befürchtet das man nun viel /32 in der Routingtable zu Gesicht bekommt ;).

  6. Bei solchen (US) Klagen geht es mehr um Geld als um Recht.

  7. @krischan: Warum was?

    Warum ich die Überforderung der (deutschen) Gerichte aus eigener Erfahrung kenne? -> Weil die ein oder andere Firma, für die ich gearbeitet habe, schon wegen Internet-bezogener Dinge vor den Kadi gezerrt wurde. Zum Beispiel, weil ein User in einem (von uns betriebenen) Forum zu einer Aktion einer anderen Firma in etwa geschrieben hat „die sollte man *zensiert*“ und ich in der Verhandlung mehrere (!) Stunden gebraucht habe, den Richtern erstmal das Konzept „Forum“ zu erläutern um dann dazu übergehen zu können, in den Leuten das Verstehen dafür zu wecken, dass nicht wir (also die Firma oder einer ihrer Mitarbeiter) sondern ein (quasi) beliebiger User diesen „Aufruf zu einer Straftat“ (Anzeigegrund) gepostet hat. Spätestens als es dann zum Thema „Wie finde ich den Verursacher über seine IP-Adresse?“ kam, war endgültig Schicht im Schacht. Immerhin wurde das Verfahren wegen „unklarer Sachlage“ eingestellt. Puh, zwischendrin wollten die uns tatsächlich dazu verdonnern, jede Nachricht eines Forums mit (damals) 27.000 Mitgliedern zu lesen.

    Warum ich den anderen IP-Rechner besser finde? Weil er flexibler ist :-)

  8. Stefan: Warum Du den Telusplanet IP-Rechner sogar deutlich besser findest wollte ich wissen, denn das Perlscript hat mehr Funktionen mit einer einfacheren Benutzerschnittstelle und ich bilde mir ein um zu kapieren wie subnetting funktioniert ist herumspielen und gucken was bei den Bits passiert am sinnvollsten. Aber das kann auch Geschmackssache sein.

  9. Krischan: Ok, ich hätte vielleicht schreiben sollen „Für die Zielgruppe (Richter) deutlich besser geeignet.“ Da kann man einfach was eintragen und klicken. IPCalc setzt ein wenig mehr Grundwissen voraus => ist für Einsteiger dann vielleicht doch etwas zu kryptisch.