Blogtalk 2004: Wir haben zwei Tage lang nur geheult

Tja, so ist das eben, da präsentiert man norddeutsch nüchtern die Zahlen und fragt die erlesene Zuhörerschaft, woran das liegen mag, und die nicht versammelte Journaille macht daraus, was sie will: Blogtalk 2004: Stell dir vor du bloggst und keiner macht mit. Ja, wir Deutschen sind schon ein armes Völkchen, Stefan Glänzer und ich sind eigentlich total zu bedauern, weil alles so erbärmlich ist. Wir haben uns auf der BlogTalk mal so richtig ausgeheult, man tat das gut.

Eine Erklärung für die fehlende Schreiblust blieb denn auch aus. Die gedrückte Stimmung auf dem Podium erinnerte unangenehm an das peinliche Abschneiden Deutschlands beim Pisa-Test.

Was für ein Stuß! Wo war bitte die Stimmung gedrückt? Unsere Zahlen nehmen stetig zu, da bleibt keine Zeit zum gedrückte Stimmung verbreiten. Hier freut sich die übrig gebliebene Zahl der Internet-Journalisten diebisch, denn Weblogs passen nicht ins Konzept der guten alten Verlage, also haben sie nicht stattzufinden. Seriöser Journalismus sieht anders aus. Wo kommen wir denn dahin, wenn jeder schreibt, was er will, und auch noch die schreibende Zunft kritisieren kann?

Guckt Euch doch mal die Zahlen an, dann seht ihr auch, dass die Zuwachsraten richtig gut sind, d.h. der deutschsprachige Raum holt auf. Aber wie soll das gehen, wenn man mehr als nur meine erste Folie gar nicht gelesen hat? Wie soll das gehen, wenn man nicht gehört hat, dass ich auf die kontinuierliche Steigerung, aber auch auf den immer noch geringen Sockel hingewiesen habe? Wie soll das gehen, wenn man keinen blassen Schimmer hat, wovon man eigentlich schreibt?

Die BlogTalk ist meinem Verständnis nach keine Jubel-Veranstaltung, sondern hier sollen die verschiedensten Aspekte des Themas Weblogs vorgestellt werden. Dazu gehören nach meinem Empfinden nicht nur Jubelmeldungen, sondern auch nüchternde Zahlen. Spiegel.de allerdings kocht hier sein eigenes Süppchen, wie es scheint.

Von Deutsche sind Blog-Muffel über Deutschland ist Blog-freie Zone hin zu Stell dir vor du bloggst und keiner macht mit – was kommt als nächstes? BILD deckt auf, dass alle deutsche Blogs von ausländischen Aliens betrieben werden?

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17 Antworten auf „Blogtalk 2004: Wir haben zwei Tage lang nur geheult“

  1. Yeah. Kickin‘ Butts!
    Tob Dich aus und werde danach gewahr: Nichts wird so heiß gegessen wie SpOn es kocht. Ich will ja jetzt nicht den elitären „Ich blogge nur für diejenigen, die es verstehen“-Blogger heraushängen, aber dass SpOn seine eigene Agenda hat sollte inzwischen den Meisten klar sein. Oder aus PR-Sicht: Was die Blogosphäre braucht ist Aufmerksamkeit, nicht den Goodwill der SpOn-er. Also einfach Artikel über Blogs zählen und sich freuen!

  2. Hey Nico,
    na immerhin sind ein paar Artikel erschienen und den von Markus Sixtus fand ich gar nicht so übel. Da ist mir doch das Geschreibsel vom SpOn ziemlich egal.
    Immerhin hat es der BlogTalk geschafft, dass sich einige Leutchen mehr mit Blogs und den Möglichkeiten auseinander setzen. Dass Blogs viel mehr zu bieten haben, als wir uns alle im Augenblick vorstellen können, ist doch erfreulich.
    Die Beispiele die wir gesehen haben, zeigen doch viel besser, dass hinter Blogs viele Möglichkeiten stecken, die noch ziemlich spannend werden können. Dass unsere Verlage es nicht auf die Reihe bekommen, dass sie vernünftige Paid-Content Modelle aufgesetzt bekommen erschüttert mich da schon viel mehr.
    Wer hatte gesagt, dass er bereit wäre die Gebühren in Höhe der echten Abo-Kosten der SZ zu zahlen, wenn er alles per RSS-Feed beziehen könnte?

  3. Ruth Bettina M ü ller sorgt sich in einer Nachbesprechung der BlogTalk 2.0 um das Seelenleben
    der deutschen Blogosphere: Stell dir vor du bloggst und keiner macht mit. H ä h? Nur weil Stefan
    Gl ä nzer mit 20six in Deutschland keine Milli ö nchen machweofi…

  4. Hat eigentlich jemand die Dame von SpOn in Wien gesehen? Oder ist das aus Weblogs zusammengeklaubte Sekundärberichterstattung unter Vortäuschung von Augenzeugenschaft?

    Am Biertisch konnte ich übrigens keine „gedrückte Stimmung“ ausmachen. ;-)

    Journalismus über Weblogs wird sich aber sowieso nicht durchsetzen!

  5. Ich verbitte mir diese Unterstellung, ich bin kein ausländischer Alien, ich bin schon immer deutscher Marsianer und wer was anderes behauptet, den betäube ich mit meinem Phaser, teleportiere ihn auf den Neptun und lasse ihn da von „Daniel K.“-Clonen foltern. Jawohl.

  6. „Weblogs passen nicht ins Konzept der guten alten Verlage, also haben sie nicht stattzufinden“ – nö, so isses nu auch wieder nich.

    (Ahem)

  7. Also ich komm ja vom Planeten Vulcan, der auf der anderen Seite der Sonne im Erdorbit kreist, und dadurch den Menschen immer unsichtbar bleibt…

  8. Deutschland ist nach den USA der wichtigste Markt für Online-Dienstleistungen. Als Dienstleister muss man durchhalten (siehe auch ebay/paypal/Apple als Anbieter), dann wird das auch was blogg.de als Dienstleistung! Die Zahlen sind gut und ich würde jetzt investieren!

  9. Peter Praschl hat auf der Blogg-Talk 0.2 in Wien eine klingende Metapher als Definition für Weblogs angeboten. Sie seien so etwas wie die Jamsessions der Jazzszene. So wie Bebop-Musiker sich nach dem Abspielen des Pflichtprogramms in eigenen Clubs trafen …

  10. Stimmt, in DE ist im WWW nichts los. Warum ? Gesetze, gemacht von politischen Idioten (grüne SPD Schranzen), verhindern freies Denken; verkorzte Alt68, die zu Datenschutzfetischisten mutiert sind, verhindern Fortschritt durch Angstmacherei; selbsternannte Internetpolizisten vertreiben sich, da seit 10 Jahren arbeitslos und auf der Suche nach einer freien Lehrerstelle an einer Gesamtschule, die Zeit mit der Suche nach nichtvorhandener Kinderpornographie. In einer solchen Umgebung kann im WWW nichts wachsen und nichts entstehen. Fangen wir endlich an, in die Zukunft zu denken und befreien uns von den Neinsagern, den Nörglern und den ewig Gestrigen, die nichts anderes wollen als ihre Ruhe und uns die Zukunft rauben.

  11. Das Begeisternde an Weblogs für mich: Endlich wieder ein IT-Thema, das nicht allein technikverliebt daher kommt, sondern gekoppelt mit spannenden…

  12. The BlogTalk coverage in some German media is weird: instead of pointing out the myriads of things that were talked about, they focus on the point that Germany is a blogger’s no-man’s-land and blogging little more than a temporary hype. But even if that…

  13. Völlig überarbeitet und ausgelaugt will ich mich ein wenig meinem Freizeitvergnügen widmen. Ein paar nette Webgeschichten lesen, Klatsch und Tratsch rund um die Blogsphere, eventuell die eine oder andere interessante Lebensbetrachtung – oder ein kleines J…

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