Schafft endlich die Wehrpflicht ab

Nico —  19.01.2005

Wenn ich das schon wieder lese, dann frage ich mich immer, warum die führenden Genossen meinen, die Wehrpflicht sei immer noch megamässig en vogue. Die Welt meint, dass die Wehrpflicht umstritten bliebe:

Die Wehrpflicht wankt – auch wenn der 6. Senat des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig gestern die derzeitige Einberufungspraxis als verfassungsgemäß bezeichnete. SPD-Chef Franz Müntefering und Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) wollen sich am Mittwoch kommender Woche zusammensetzen, um über die Zukunft des Dienstes zu beraten. Auch bei einer Sitzung der SPD-Verteidigungspolitiker steht das Thema wieder auf der Tagesordnung.

Bei der SPD gibt es etliche vernünftige Stimmen gegen die Wehrpflicht, aber der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Reinhold Robbe (SPD), ist arrogant genug, diesen einfach mal die Kompetenz abzusprechen, so geschehen in einem Interview bei NDR Info:

NDR Info: Wie steht es mit der Diskussion um die Wehrpflicht in der SPD-Fraktion? Wo verlaufen da die Linien?

Robbe: Die Linien verlaufen so, dass alle namhaften Vertreter der politischen Spitze aber auch insbesondere der Sicherheitspolitik unisono für die Wehrpflicht eintreten. Daneben gibt es eine ganze Reihe auch bekannter Persönlichkeiten, ich nenne einmal Renate Schmidt, die für eine Abschaffung eintreten. Aber es ist schon irgendwo bezeichnend, dass es sich bei den Ablehnern der Wehrpflicht um Leute handelt, die sich in der Vergangenheit relativ wenig mit Fragen der Bundeswehr und Fragen der Sicherheits- und Außenpolitik befasst haben. Diejenigen, die sich wirklich ein Bild machen können, die wissen um das Eigenleben der Bundeswehr, die wissen um die vielen Facetten dessen, was mit der Wehrpflicht verbunden ist, die treten ganz klar und ganz eindeutig für die Wehrpflicht ein.

Wo kommen wir denn dahin, die Renate soll sich gefälligst um Kindergärten kümmern, hier geht’s um Krieg, das ist Männersache. Aber es geht noch munter weiter, zum Thema Wehrgerechtigkeit:

NDR Info: Entschuldigung: Wo ist sie denn gewährleistet, wenn nicht alle einberufen werden? Nur das wäre doch Gerechtigkeit.

Robbe: Auch in der Vergangenheit ist es so gewesen, dass nicht alle Wehrpflichtigen einberufen werden konnten.

NDR Info: Dann hat es ja nie Einberufungsgerechtigkeit gegeben.

Robbe: Wenn Sie so wollen, hat es die nicht gegeben. Beziehungsweise muss man sich darüber im Klaren sein, wie man Einberufungsgerechtigkeit definiert.

Klar, wie definieren uns das schon irgendwie zurecht. Laut der Welt sieht das zur Zeit so aus:

Tatsächlich dürften von den 444 600 jungen Männern, die in diesem Jahr zur Musterung müssen, letztendlich noch rund 55 000 zum Wehrdienst einberufen werden. Die Bundesregierung rechnet aber anders. Wenn von der Gesamtzahl der jungen Männer die nicht gemusterten, Untaugliche, Wehrdienstausnahmen und Kriegsdienstverweigerer abgezogen würden, bleibe ein Aufkommen für die Bundeswehr von rund 129 000. Davon dürften in diesem Jahr rund 64 000 tatsächlich Wehrdienst leisten.

Die Zahl der Wehrdienstleistenden war in den letzten Jahren drastisch reduziert worden. Seit Juli 2003 werden nur noch Männer eingezogen, die nicht älter als 23 Jahre sind und zu den Tauglichkeitsstufen eins und zwei gehören. Verheiratete werden nicht mehr einberufen.

Das erscheint nicht wirklich gerecht.

Gucken wir mal auf die neuen Aufgaben der Bundeswehr. Mangels potentieller heranstürmender kommunistischer Horden aus dem Osten haben wir nicht wirklich einen Verwendungszweck für die Wehrpflichtigen, die ja auf Grund ihrer Schmalspurausbildung in nur 9 Monaten nicht wirklich anderweitig eingesetzt werden können. Ich denke, dass die Bundeswehr um einiges effiktiver wäre, ohne die Horde unmotivierter Rekruten. Die jungen Männer könnten sich dann anderen Aufgaben widmen.

Nach dem Krieg war das mit der Wehrpflicht eine gute Idee, aber mittlerweile hat sich diese Idee überlebt. Den Staatsbürger in Uniform können wir auch ohne die Wehrpflicht haben, dafür ist die Bundeswehr mittlerweile eine etablierte Institution in Deutschland.

Also schafft endlich die Wehrpflicht ab, sie ist ungerecht und noch dazu unsinnig.

One response to Schafft endlich die Wehrpflicht ab

  1. Aber den jungen Weicheichern hat die Wehrpflicht immer gut getan! Was willst du denn später deinen Kindern erzählen? Wie schon die Mami deine vollgeschissenen Schlüpfer noch mit 20 gewaschen hat?