Kaminer über die Visa-Kampagne

Nico —  7.03.2005

Wladimir Kaminer schreibt in seiner Kolumne in der Zitty über das komplizierte Unterfangen der Erlangung eines Visums für Deutschland. Felix hat den kompletten Text veröffentlichen dürfen:

Ich mag nicht mal daran denken, wie es nach dieser Visa-Debatte in den deutschen Konsulaten aussehen wird. Deswegen mein Vorschlag an die Politik: Schließt doch einfach eure verfluchten Konsulate! Kein Mensch braucht sie. In Kiew war die Schlange ab 2002 verschwunden, nachdem nur noch Absagen erteilt worden waren. Kein normaler Mensch wird seitdem noch auf die Idee kommen, ein deutsches Visum zu beantragen, und die Kriminellen, die Prostituierten, die Schleuserbanden brauchen die Konsulate erst recht nicht. Sie werden immer einen Weg hierher finden, selbst wenn sich das arme Deutschland an seinen Grenzen einmauert. Da kann die Politik einen doppelt so großen Haufen Erlasse zur Eindämmung der Migration verabschieden, diese Gesetze werden immer nur die falschen treffen, die Gesetzestreuen. Die anderen, die Gesetzuntreuen pfeifen darauf.

Das bestärkt mich in meiner Vermutung, dass da etwas schief gegangen ist, aber nichts Gravierendes, was eine Beschädigung des Rufs oder gar den Rücktritt eines Ministers nachsichziehen müsste.

4 responses to Kaminer über die Visa-Kampagne

  1. Aber die hohe Anzahl der Visa-Erteilungen hat es ja gegeben.

    Also: Wer hat die Visa bekommen, wenn nicht „normale“ Ukrainische Touristen? Der Artikel spricht eher für die Vorwürfe, dass die Visavergabe in der Hand von organisierten Banden gewesen ist, die die Schlangen vor der Botschaft kontrolliert und auch den ein oder anderen überforderten Botschaftsmitarbeiter unterstützt haben.

    Ob eine restriktive Visavergabe Kriminell abhält oder diese sowieso Wege finden, ist eigentlich nicht Gegenstand der Kritik. Nur hat Deutschland es anscheinend den falschen Leuten es zu einfach gemacht, zu uns zu kommen. Ob dafür der Aussenminister seinen Kopf hinhalten muss, bleibt offen. Aber es sind schon Minister wegen unbedeutenderen Dingen abgetreten.

  2. wer, ausser dir, erhebt denn bitte den vorwurf, dass ?die Visavergabe in der Hand von organisierten Banden gewesen? sei? nicht das deutsche konsulat in kiew vergab visa, sondern ?banden?? das aussenministerium kooperierte mit diesen ?banden?? so einen quatsch schreibt ja nichtmal die bild.

    bzw., was willst du eigentlich sagen, jörg?

    und bestimmt eigentlich wer ?falsche menschen? sind, von denen insbesondere christlich demokratische politiker (und du) immer wieder sprechen?

  3. [insert „wer“ between „und“ & „bestimmt“]

  4. dann ist das problem offenbar, dass die materie nicht differenziert genug dargestellt wird, sondern im gegenteil vieles extrem aufgeblasen (FUD) und pauschalisiert dargestellt wird. denn auch im falle des konsulats in kiew und des sog. ?vollmer erlasses? gilt: sie sind ganz sicher nicht die hauptgründe für probleme mit prostitution, kriminalität und schwarzarbeit in deutschland.

    vieles an der derzeitigen diskussion erinnert mich an die unselige ?scheinasylanten raus? debatte vor ein paar jahren. mit ressentiments und ängsten kann man halt auch als christsozialer ganz gut politik machen.