Neulich im ICE

Nico —  9.06.2005

Er: „Ich sag einfach, ich weiss die Postleitzahl nicht.“
Sie: „okay, ich sage auch, ich habe keine Papiere dabei.“

Einige Zeit später kommt der Schaffner vorbei und fragt nach den Tickets. Beide verneinen, betonen auch, dass sie kein Geld mithaben und fragen, ob sie nicht die Tickets auf Rechnung kaufen können. Einen Ausweis hätten sie ebenfalls nicht. Sie wollen ja nur bis zur nächsten Station fahren. Also Berlin.

Beide sind ausgestattet mit plärrenden MP3-Playern, Handys, und modischem Outfit.

Plötzlich kommt eine BGS-Beamtin an den Platz und damit verbunden etwas Leben in die Bude. Schülerausweise werden hervorgekramt, freches Gegrinse wird weniger, Personalien werden aufgenommen, Postleitzahlen sind doch bekannt. Die Fahrt soll zum Jugendamt nach Berlin gehen, weil das Jugendamt in Flensburg nicht zuständig sei, die würden dann die Fahrscheine bezahlen. Die Obrigkeit wundert sich, rückt ab.

Er: „Schon wieder so einen doofen Strafzettel. Mist, das mit der Polizei.“
Sie: „Bezahlt das Jugendamt.“
Er: „Nee, für mich zahlt wieder keiner. Krass.“

Kurz vor Fahrtende werden die gelben Formulare zur Fahrpreisnachberechnungsforderung verteilt.

Er: „Krass. Gar nicht teuer dieses Mal.“
Sie: „jo.“
Er: „Bei Dir zahlt ja eh alles Mutti. Ich muss das wieder selber bezahlen.“

Wenn das eine neue Masche ist, dann sieht das nicht sehr erfolgreich aus, es sei denn, Mutti bezahlt immer ohne Murren.

2 responses to Neulich im ICE

  1. Kann ich bei uns auch immer wieder feststellen. Ich habe die momentane Jugend „Null-Bock Jugend“ getauft. Verwöhnt und aufgezogen vom Fernseher. Doch die Umstände mit Jugendarbeitslosigkeit und keine Zukunftsausichten ausse BigBrother und MusicStar. Vergleichbar wie die Generation X ist es jetzt die Generation Net. Kein Wunder, wenn Sachen wie „happy slapping“ aufkommen.

  2. Und zwar einmal mehr mit der Bahn.

    Lesen!

    [via Lumma.de]