Blog killt Karriere?

Nico —  18.06.2005

Nun hat sich auch die Welt um Kopf und Kragen geplaudert in einem langweiligen Artikel über die Gefahren beim Bloggen:

Weblog killt Karriere – Fälle wie dieser mehren sich. Mit dem Siegeszug der Internet-Tagebücher, kurz Blogs genannt, kommen jetzt die Probleme. Denn auch immer mehr Angestellte verfassen ein Online-Journal, und vielen von ihnen fällt es offensichtlich schwer, mit teilweise pikanten beruflichen Details hinter dem Berg zu halten. Die Folge: Interna, Gerüchte oder gar Firmengeheimnisse geraten ungefiltert an die Öffentlichkeit und bringen schließlich so manchen geschwätzigen Angestellten in Teufels Küche.

Präzedenzfälle gibt es reichlich.

Ach ja? Ich kenne nur Leute, die durch ihr Weblog einen Job bekommen haben. Wer Interna in die Öffentlichkeit bringt, der muß immer mit den Konsequenzen rechen, egal ob Blog, Tageszeitung oder Zettel am schwarzen Brett. Ich kann mir auch vorstellen, wie dieser Artikel zustande gekommen ist. Der Ressortleiter macht sich Gedanken darüber, dass immer mehr Zeitungen bloggen und überall was über das Thema Blogs steht, nur eben in der Welt nicht. Also muss flugs ein Artikel her, aber da man ja selber nicht bloggt, muss der Artikel auch ordentlich negativ sein und von den Gefahren der Blogs berichten, damit die werte Leserschaft auch weiss, warum die Welt nichts mit Weblogs zu tun haben will.

Also werden flugs die alten Stories von der Jobgefahr durch Bloggen wieder aus dem Papierkorb geholt und noch einmal aufgewärmt. Relevanter wird das Thema dadurch auch nicht.

Anderswo wird bereits eine Strategie der Springer-Presse vermutet, systematisch Blogs schlecht zu schreiben. So weit würde ich nicht gehen, sondern eher Desinteresse und mangelndes Verständnis von den Funktionsweisen im Web vermuten.

3 responses to Blog killt Karriere?

  1. Die Welt lesen sowieso nur das eigene Personal und CDU Kader. Die brauchen keine Meinungsmache a la Bild und Morgenpost mehr. Der letzte Satz liest sich wie eine unverhohlene Drohung an die eigene Mannschaft: „Sicher ist: Wer echte Betriebsgeheimnisse ausplaudert, steht schon mit einem Bein auf der Abschußliste.“

    Das soll heißen, wer bei CDU oder Springerpresse arbeitet, fliegt über kurz oder lang raus, wenn er oder sie bloggt.

  2. Ist alles schön einfach, wenn man so ein schlichtes Weltbild hat, Marcel?

    @Nico
    Habt Ihr dem Springer-Verlag denn noch kein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen können?

  3. och, schon vor längerer zeit habe ich da mal vorgesprochen… war vielleicht zu früh, wer weiss das schon…