Besinnlicher Kitsch

Zum 3. Advent ist Deutschland in seinem Element. Es wird aufgerüstet. Vorbei sind die Zeiten, wo nur mal ein Stern blinkte oder ein Adventskranz das Wohnzimmer verzierte, nein, in der Vorweihnachtszeit geht es immer um das Motto „viel hilft viel“. So finden wir jetzt überall leuchtende Girlanden, die an ein Dorffest in den späten Siebzigern erinnern und Weihnachtsmänner hängen an allen Balkonen, gucken von Dächern oder kleben an Hauswänden. Auf den Glühweinmärkten tummeln sich erwachsene Menschen mit dämlichen Weihnachtsmannmützen, gerne auch mit Leuchtball als Zipfel oder den amüsanten Gallierzöpfen.

Ich weiss ja nicht, wann dieser Paradigmenwechsel genau eingesetzt hat und wieso, aber ich kenne Besinnlichkeit noch mit ein paar Kerzen, etwas duftendem Spekulation und nicht mit tonnenweise billig produziertem Kitsch aus Fern-Ost, der heutzutage für die Stimmung sorgen soll. Gibt es irgendwelche Bonusprogramme, von denen ich nichts weiss, die zum Kauf lauter schwachsinniger Weihnachtskitsch-Artikel verleiten, oder ist die Vorweihnachtszeit mittlerweile zwanghaft verbunden mit einem großflächig angelegten Coming-Out aller Grenzdebilen?

3 Antworten auf „Besinnlicher Kitsch“

  1. Letzteres. Das sind sicher auch die Leute, die sich auf dem Weihnachtsmarkt bis zur Besinnungslosigkeit besaufen und sich darüber aufregen, wenn dann Kinder Zeugen davon werden. Haben wir ja letztes Jahr gemeinsam erlebt. Und auch in diesem Jahr konnte sich bei unserm Besuch des W’marktes der Mob nicht zurückhalten. „Für Kinder gibts doch hier nichts zu sehen“ waren die freundicheren Kommentare…

  2. Ich hatte mich ja schon einmal über den Beleuchtungs- und Plastikweihnachtsmann-Terror auf den Strassen zur Vorweihnachtszeit geäussert. Nico aus lummaland hat das ganze jetzt auch sehr treffend in Worte gefasst und spricht mir damit aus der Seele.

    Wer

Kommentare sind geschlossen.