Erklär mir das mal, Herr Kantel!

Nico —  12.12.2005

Beim ersten Lesen von Verdrängen Blogger politische Journalisten? habe ich ja zugegebenermassen den Text nur überflogen und unter „och nö, nicht schon wieder“ abgebucht, aber nun hat mich eben gerade der früh wache Lars nochmals mit dem Link versorgt und was stelle ich fest? Herr Kantel kommt auch drin vor, Deutschlands einzig wahrer Blogger, bekannt aus Film, Funk und Fernsehen:

Angesichts solcher Prognosen tritt Jörg Kantel, Blogging-Experte und EDV-Leiter des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, auf die Bremse. «Weblogs kommentieren, sie erklären nicht», betont in Bonn der 52-jährige Mathematiker und Betreiber des Weblogs «www.schockwellenreiter.de», der täglich bis zu vier Stunden dem «Publizieren von unten» widmet.

Das machte meinen Morgen.

Der Reihe nach. Weblogs erklären nicht? Was ist denn das für ein Stuß? Weblogs erklären sehr viel, man muss sie nur lassen. Woran machst du das fest, Jörg? Was wird nicht erklärt? Von wem? Erklär mir das mal.

„Weblogs kommentieren“. Ja sicher. Es gibt sogar Blogs, auf denen kann man sehen, was ein Kommentar ist, und was nicht, und die können sogar mit einem Permalink auf die Quelle direkt hinweisen, soll ja vorkommen. Herr Kantel allerdings kommt immer so sehr in Tüdel mit seiner selbstgestrickten Frontierpythonausgedruckeingescanntbloglösung, dass da alles bunt miteinander vermengt ist.

Aber, das Beste wie immer zum Schluss: Jörg widmet täglich vier Stunden dem „Publizieren von unten“. Das ist ja herrlich. Andere lassen automatisch ihre del.icio.us-Bookmarks einmal nachts bloggen, Jörg setzt sich morgens hin, macht 30 min Copy&Paste aus dem Feedreader per Hand und nennt das dann „Publizieren von unten“. Wow. Das lässt „die da oben“ bestimmt aufhorchen. Damit haben die nicht gerechnet, dass „da unten“ copy&paste vorhanden ist, die werden kalt erwischt, damit kriegen wir sie!

Wenigstens kommt in dem Artikel noch „Weblogs sind keine Gefahr für den politischen Journalismus, eher sind sie eine Ergänzung“ vor, so dass hier doch noch etwas sinnvolles gesagt wurde.

7 responses to Erklär mir das mal, Herr Kantel!

  1. Und, zudem: eine Zeitung die nichtmal korrekte Anführungszeichen setzen kann ist ganz sicher nicht links ;-)

  2. Ganz nebenbei wurde hier auch nachgewiesen, dass das Kommentieren nicht im Widerspruch zum Erklären stehen muss, ganz im Gegenteil. Nur ist es nicht immer leicht, das ausgerechnet einem dialektischen Materialisten zu erklären, die sind immer so verbohrt nach ihren Marxlesegruppen.

  3. Das ganze ist allerdings keine Linkzeitungs-Eigengeschichte, sondern anscheinend eine ddp-Meldung.

  4. > macht 30 min Copy&Paste aus dem Feedreader per Hand und nennt das dann „Publizieren von unten“.

    Danke, das macht meinen Tag! :-)

  5. Blogs sind ideal zum Lernen geeignet, da sie aus der Vielfalt des Webs das lesenswerte herausfiltern. Zusammen mit der Wikipedia die perfekte Lernmaschine.

  6. Das tat gut …

  7. Herrlich! :-)