Gesundheitsexpertentum

Nico —  3.07.2006

Sie sind rar geworden in Deutschland, die Berufe mit Job-Garantie. Einer dieser Berufe ist sicherlich der des Gesundheitsexperten. Interessanterweise sind die Anforderungen bei diesem Berufsbild durchaus gering. Man braucht lediglich Kamera-Präsenz und die Fähigkeit, mit einem breiten Pinsel ohne viele störende Details ein möglichst rosiges Bild des eigenen Konzeptes zu malen. Grundlage des Konzeptes muss allerdings sein, dass sich mindestens eine Interessengruppe extrem ans Bein gepinkelt fühlt. Ich schlage hier wahlweise die Verstaatlichung der Medizinindustrie oder das Heraufsetzen des Beitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung um 10 Prozentpunkte. Schon ist eim ein gewisses Echo garantiert, wobei es natürlich hilft, wenn man eine Frisur hat, die seinesgleichen sucht und ansonsten aussieht wie von Mami angezogen.

Nun passiert das Wunderbare an dem Job. Man hat seine Maximalforderungen gestellt und findet nun Beachtung. Irgendein Politiker wird sich denken: „Menno, wieso bin ich da nicht auch drauf gekommen?“ und macht sich die Meinung des Experten zu eigen, später wird dann der Experte offizieller Berater. Natürlich wird nichts der Forderungen jemals umgesetzt und hier schlägt dann wieder die Stunde des Experten, denn er kann stets beteuern: „Das kann so nicht klappen!“ und darauf verweisen, dass das eigene Konzept total verwässert wurde. Da dies nicht nur ihm, sondern allen Gesundheitsexperten so geht, ist nach der Reform vor der Reform und wenn man in einem Jahr die Leistungen beschnitten hat, dann muss eben im nächsten Jahr eine Erhöhung der Beiträge her, während die Experten weiter über Bürgerversicherung, Kopfpauschale und Gesundheitsfonds fabulieren.

2 responses to Gesundheitsexpertentum

  1. Und du meinst, solche Jobs gäbe es nur im Gesundheitswesen? *lol*

  2. Ich fürchte sämtliche Pöstchen in der Regierung funktionieren auf diese Weise… und nachdem der Karren vor die Wand gefahren wurde, fällt derjenige bedankter Weise die Treppe rauf…