Mit dem Anwalt im Kunden-Dialog

Nico —  22.09.2006

Vor ein paar Tagen flatterte uns eines dieser Faxe ins Büro, die leider immer häufiger werden. Ein Kunde bloggt seine Meinung, die betreffende Firma antwortet mit dem Anwalt und verlangt das Löschen oder Sperren von Inhalten. So auch dieses Mal, in einem Schreiben der Anwaltskanzlei Frimmel/Anetter aus Klagenfurt.

Unsere Mandantin hat uns mitgeteilt, dass im Zuge des von der Interdings GmbH, deren Geschäftsführer Sie sind, bereitgestellten Blogg-Hosting-Dienstes blogg.de, von registrierten Nutzern eine „Riedergarten-Frustseite“ errichtet wurde. Die von den Nutzern veröffentlichten Inhalte sind dazu geeignet, das Fortkommen und die Ehre unserer Mandantin zu gefährden und zu schädigen. Die inhaltlichen Behauptungen Ihrer Nutzer sind des weiteren ohne Beweise oder nähere Angaben für die Richtigkeit veröffentlicht, sodass die Verbreitung der in den Artikeln als Tatsachen festgehaltenen Behauptungen als Verletzungen an der Ehre unserer Mandantin im Sinne des § 1330 Abs. 1 und 2 AGBG zu sehen sind.

Nachdem ich dies gelesen hatte, malte ich mir ein Bild aus von einem Blog, in dem mit viel Wut in der virtuellen Feder die Auseinandersetzung mit den Leistungen einer Firma geführt wurde. Da Anwälte es grundsätzlich zu unterlassen scheinen, URLs zur Unterstützung ihrer Argumentation mitzuliefern, googlete ich ein wenig und fand dann auch die besagte Riedergarten-Frustseite. Dort steht, und ich zitiere einfach mal das komplette Weblog:

Jetzt gehts los
gedacht ist das Ganze als eine Art öffentliches Tagebuch über die Unzulänglichkeiten der Firma Riedergarten. Diese Firma hat ein Haus verkauft das vor Mängel nur so trieft. Seit 2 Jahre ärgern wir uns damit herum.

Der Eintrag ist von April 2004 und gefährdet in keinster Weise das Fortkommen, noch die Ehre der Firma Riedergarten Büro und Geschäftserrichtungs-GmbH aus Klagenfurt.

Wenn der Kunde bloggt, ob positiv oder negativ, dann ist das immer auch die Möglichkeit zu einem Dialog. Mit Anwaltsschreiben zu antworten kann man machen, führt aber in aller Regel nicht dazu, dass die Kundenmeinung positiv beeinflußt wird, um es freundlich zu formulieren.