Internet kills the TV-Star

Ibo hat über Eine neue Form der Berieselung geschrieben und sich mit der Entwicklung von TV und Internet auseinandergesetzt, was naheliegt, da er die Videoplattform Sevenload betreibt.

Ich glaube fest daran, dass die Zukunft des Internet-TV uns eine technische Runderneuerung abverlangt. Neuste Techniken werden es dem User ermöglichen, unkompliziert Internet-TV anzuschauen, darin zu zappen und interaktiv mitzuwirken. Das Sehverhalten der Konsumenten wird sich verändern, und in diesem Zuge werden sich neue Formate wie beispielsweise Rob Vegas bei sevenload etablieren. Das kann auch bedeuten, dass ich mir in Zukunft mein ganz persönliches Straßen-TV ansehen kann. Oder gar Nachbars-TV oder Blogger-TV. Doch wie finden sich diese Formate? Es muss eine vereinfachte neue technische Spezifikation zwischen den einzelnen Portalbetreibern geben, die dem EPG ähnelt. Hier empfehle ich meinen Kollegen, diese Entwicklung und gigantische Chance nicht in Form von proprietären Insel-Lösungen zu entwickeln, sondern eine einheitliche XML-Schnittstelle zu definieren, die weitere Entwicklungen über APIs ermöglicht.

Ich glaube in der Tat, dass in den nächsten 24 Monaten die Fernsehlandschaft sich einmal komplett umwälzen wird und die Videoplattformen deutlich zum TV-Konsum beitragen werden. Das Spannende dabei: bislang als wichtig wahrgenommene Akteure werden diese Umwälzung verpennen und stattdessen die web-basierte Version von Pleiten, Pech und Pannen umsetzen, aber das Wesentliche nicht verstehen.

Es geht natürlich um User-generierten Content, aber nicht jeder hat das Zeug zum Star und wird mit seinem Video-Content wahrgenommen oder gar berühmt werden. Es geht allerdings durchaus um etwas wie „Rip, Mix and Burn“, um das Zusammenstellen eigener Formate und vor allem der Loslösung von herkömmlichen Ausstrahlungskonzepten. Klar, live is life aber Konserve kann auch dann gesendet werden, wenn der Betrachter es wünscht. Insofern wird es eine neue Form der Berieselung geben, aber eben eine, in der der Berieselte auch selber Programmdirektor werden kann. Auch das wird nichts für Jedermann sein, aber ich gehe davon aus, dass es einige Formate geben wird, die durchaus Anklang finden werden. Internet, Video und TV muß nicht zwangsläufig Trash bedeuten, sondern wird Vielfalt bieten.

Wenn man sich überlegt, wieviele TV-Sender es in Deutschland mittlerweile schon gibt und wie teuer die Einspeisungskosten in das Kabelnetz oder für Satellit sind, dann sehe ich wirklich ein Potential für gute und innovative Formate, die derzeit vor allem an den Betriebskosten scheitern, weil sie nicht die Masse erreichen. Nun müssen nur noch die Empfangsgeräte mehr können als nur TV wie wir es kennen, sondern eben auch über einen Internet-Zugang verfügen.

TV wird anders. Schneller als manche denken.

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5 Antworten auf „Internet kills the TV-Star“

  1. Nico, auch wenn du sonst ja durchaus gerne fast immer und überhaupt recht hast. Innerhalb von 24 Monaten gibt es keine tektonische Verschiebungen im TV-Konsum/-Nutzerverhalten. Trägheit der Masse und so. Das dauert eher mal 10 Jahre plus.

  2. Darf ich mal kurz Bedenken anmelden?

    Wer bitteschön soll denn Nachbars-TV produzieren? Und zwar eines, dass man sich auch anschauen möchte? Eines, das eine echte Alternative zum klassischen Fernsehen wäre?

    Und ja, sicher eine tolle Sache, all diese Videodienste (vor allem, wenn man ein brauchbares Empfehlungssystem etabliert), aber was passiert auf der inhaltlichen Seite?

    Da sind ein paar spezifische Formate neu entstanden. Cute Karaoke-Kids, die Show von zefrank,
    dazu ein paar Profis, die in Ermangelung realer Aufträge und Perspektiven mit dem Medium spielen.

    Ein paar Perlen, fraglos. Aber weit, weit entfernt von einer echten Alternative.

    Und sonst? Wo sind sie denn, die Massen Bürgerjournalisten? Sehe ich nicht, hat auch bei den Offenen Kanäle nie so recht geklappt. Die kommerziellen Regionalsender mit ihren ausgebeuteten Praktikanten-VJs krebsen auch eher vor sich her. Und das soll nun alles anders werden, weil auf einmal jeder Videos ins Netz blasen kann?

    Bei Textblogs haben wir vielleicht schon sowas wie eine kritische Masse erreicht. Allerdings auch noch massive struktuelle Defizite, wenn mal eine klassische regionale Tagesszeitung zum Vergleich nimmt.

    Man kann also nicht wirklich von einer Alternative sprechen, eher einer großartigen kulturellen Horizonterweiterung.

    Aber bei Vlogs? Irgendwie ja nicht. Und das liegt nicht einmal nur an der Technik. Die ist durch DV, spätestens aber dank iMovie und Co. auf halbwegs performanten Rechnern seit gut 5 Jahren bezahlbar und vor allem auch von normalen Menschen bedienbar geworden ist.

    Scheint aber alles noch nicht so recht zu reichen.

    Mag daran liegen, dass ein anschaubarer Videobeitrag ungleich mehr Arbeit bedeutet, als ein Textblogeintrag. Zumindest wenn man mit dem Anspruch an die Sache geht, ein anderes Medium ablösen zu wollen.

  3. ziel sollte doch sein (und darüber machen sich schon viele gedanken) wie man das beste aus beiden welten zusammen bringen könnte.
    video on demand ist da sicherlich ein ganz wichtiges feature. denn in zukunft wird man im wohnzimmer nicht nur filme und serien auswählen können, sondern auch das tv programm von gestern, das ich verpasst habe, die videos von meinem nachbarn und und und… das ganze natürlich personalisiert und angenehm zu bedienen… aber dazu müssen in der tat noch 10 jahre vergehen.

  4. das Problem derzeit bei youtube und Co: die Quote von guter Content zu mistiger Content stimmt noch nicht ganz. Wenn ich mir 100 Videos anschauen muss, um 5 gute Clips zu sehen, dann ist das irgendwann extrem frustrierend. Da jeder mitmachen kann (und wegen mir auch soll) ist einfach zuviel Schund im Netz. Zudem sind die meisten Clips nicht länger als 3 Minuten. Wenn du dir also in 2 Jahren auf diese Weise einen gemütlichen Fernsehabend machen möchtest, dann leg schon mal ne Asperin bereit.

  5. Ich kann im Internet meine eigene
    Adresse nicht finden.Es hat auch keine gute Erklärungen.

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