06. Oktober 2006

Internet kills the TV-Star

Ibo hat über Eine neue Form der Berieselung geschrieben und sich mit der Entwicklung von TV und Internet auseinandergesetzt, was naheliegt, da er die Videoplattform Sevenload betreibt.

Ich glaube fest daran, dass die Zukunft des Internet-TV uns eine technische Runderneuerung abverlangt. Neuste Techniken werden es dem User ermöglichen, unkompliziert Internet-TV anzuschauen, darin zu zappen und interaktiv mitzuwirken. Das Sehverhalten der Konsumenten wird sich verändern, und in diesem Zuge werden sich neue Formate wie beispielsweise Rob Vegas bei sevenload etablieren. Das kann auch bedeuten, dass ich mir in Zukunft mein ganz persönliches Straßen-TV ansehen kann. Oder gar Nachbars-TV oder Blogger-TV. Doch wie finden sich diese Formate? Es muss eine vereinfachte neue technische Spezifikation zwischen den einzelnen Portalbetreibern geben, die dem EPG ähnelt. Hier empfehle ich meinen Kollegen, diese Entwicklung und gigantische Chance nicht in Form von proprietären Insel-Lösungen zu entwickeln, sondern eine einheitliche XML-Schnittstelle zu definieren, die weitere Entwicklungen über APIs ermöglicht.

Ich glaube in der Tat, dass in den nächsten 24 Monaten die Fernsehlandschaft sich einmal komplett umwälzen wird und die Videoplattformen deutlich zum TV-Konsum beitragen werden. Das Spannende dabei: bislang als wichtig wahrgenommene Akteure werden diese Umwälzung verpennen und stattdessen die web-basierte Version von Pleiten, Pech und Pannen umsetzen, aber das Wesentliche nicht verstehen.

Es geht natürlich um User-generierten Content, aber nicht jeder hat das Zeug zum Star und wird mit seinem Video-Content wahrgenommen oder gar berühmt werden. Es geht allerdings durchaus um etwas wie “Rip, Mix and Burn”, um das Zusammenstellen eigener Formate und vor allem der Loslösung von herkömmlichen Ausstrahlungskonzepten. Klar, live is life aber Konserve kann auch dann gesendet werden, wenn der Betrachter es wünscht. Insofern wird es eine neue Form der Berieselung geben, aber eben eine, in der der Berieselte auch selber Programmdirektor werden kann. Auch das wird nichts für Jedermann sein, aber ich gehe davon aus, dass es einige Formate geben wird, die durchaus Anklang finden werden. Internet, Video und TV muß nicht zwangsläufig Trash bedeuten, sondern wird Vielfalt bieten.

Wenn man sich überlegt, wieviele TV-Sender es in Deutschland mittlerweile schon gibt und wie teuer die Einspeisungskosten in das Kabelnetz oder für Satellit sind, dann sehe ich wirklich ein Potential für gute und innovative Formate, die derzeit vor allem an den Betriebskosten scheitern, weil sie nicht die Masse erreichen. Nun müssen nur noch die Empfangsgeräte mehr können als nur TV wie wir es kennen, sondern eben auch über einen Internet-Zugang verfügen.

TV wird anders. Schneller als manche denken.

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Ich kann im Internet meine eigene
Adresse nicht finden.Es hat auch keine gute Erklu00c3u00a4rungen.

das Problem derzeit bei youtube und Co: die Quote von guter Content zu mistiger Content stimmt noch nicht ganz. Wenn ich mir 100 Videos anschauen muss, um 5 gute Clips zu sehen, dann ist das irgendwann extrem frustrierend. Da jeder mitmachen kann (und wegen mir auch soll) ist einfach zuviel Schund im Netz. Zudem sind die meisten Clips nicht lu00c3u00a4nger als 3 Minuten. Wenn du dir also in 2 Jahren auf diese Weise einen gemu00c3u00bctlichen Fernsehabend machen mu00c3u00b6chtest, dann leg schon mal ne Asperin bereit.

ziel sollte doch sein (und daru00c3u00bcber machen sich schon viele gedanken) wie man das beste aus beiden welten zusammen bringen ku00c3u00b6nnte.
video on demand ist da sicherlich ein ganz wichtiges feature. denn in zukunft wird man im wohnzimmer nicht nur filme und serien auswu00c3u00a4hlen ku00c3u00b6nnen, sondern auch das tv programm von gestern, das ich verpasst habe, die videos von meinem nachbarn und und und... das ganze natu00c3u00bcrlich personalisiert und angenehm zu bedienen... aber dazu mu00c3u00bcssen in der tat noch 10 jahre vergehen.

Darf ich mal kurz Bedenken anmelden?

Wer bitteschu00c3u00b6n soll denn Nachbars-TV produzieren? Und zwar eines, dass man sich auch anschauen mu00c3u00b6chte? Eines, das eine echte Alternative zum klassischen Fernsehen wu00c3u00a4re?

Und ja, sicher eine tolle Sache, all diese Videodienste (vor allem, wenn man ein brauchbares Empfehlungssystem etabliert), aber was passiert auf der inhaltlichen Seite?

Da sind ein paar spezifische Formate neu entstanden. Cute Karaoke-Kids, die Show von zefrank,
dazu ein paar Profis, die in Ermangelung realer Auftru00c3u00a4ge und Perspektiven mit dem Medium spielen.

Ein paar Perlen, fraglos. Aber weit, weit entfernt von einer echten Alternative.

Und sonst? Wo sind sie denn, die Massen Bu00c3u00bcrgerjournalisten? Sehe ich nicht, hat auch bei den Offenen Kanu00c3u00a4le nie so recht geklappt. Die kommerziellen Regionalsender mit ihren ausgebeuteten Praktikanten-VJs krebsen auch eher vor sich her. Und das soll nun alles anders werden, weil auf einmal jeder Videos ins Netz blasen kann?

Bei Textblogs haben wir vielleicht schon sowas wie eine kritische Masse erreicht. Allerdings auch noch massive struktuelle Defizite, wenn mal eine klassische regionale Tagesszeitung zum Vergleich nimmt.

Man kann also nicht wirklich von einer Alternative sprechen, eher einer grou00c3u009fartigen kulturellen Horizonterweiterung.

Aber bei Vlogs? Irgendwie ja nicht. Und das liegt nicht einmal nur an der Technik. Die ist durch DV, spu00c3u00a4testens aber dank iMovie und Co. auf halbwegs performanten Rechnern seit gut 5 Jahren bezahlbar und vor allem auch von normalen Menschen bedienbar geworden ist.

Scheint aber alles noch nicht so recht zu reichen.

Mag daran liegen, dass ein anschaubarer Videobeitrag ungleich mehr Arbeit bedeutet, als ein Textblogeintrag. Zumindest wenn man mit dem Anspruch an die Sache geht, ein anderes Medium ablu00c3u00b6sen zu wollen.

Nico, auch wenn du sonst ja durchaus gerne fast immer und u00c3u00bcberhaupt recht hast. Innerhalb von 24 Monaten gibt es keine tektonische Verschiebungen im TV-Konsum/-Nutzerverhalten. Tru00c3u00a4gheit der Masse und so. Das dauert eher mal 10 Jahre plus.