27. November 2006

Markenzerstörer ‘r us?

Heute scheinen Binsenweisheiten mal wieder tief zu fliegen, jedenfalls so tief, dass die FAZ sie aufgreift.

Aktive Blogger können eine Marke an einem Tag aufbauen – oder vernichten.
Firmen sollten daher keine Beziehung zu ihnen vortäuschen, oder sie werden einen Gegenschlag erleben”, sagt Jaap Favier vom Marktforschungsunternehmen Forrester, der Profile der europäischen Blogger erstellt hat. Er rät Unternehmen, erst dann die “Blogosphäre” zu betreten, wenn sie die Eigenheiten der Tagebuchschreiber genau kennen.

Eine dieser Eigenheiten ist es, denjenigen jegliche Kompetenz abzusprechen, die Blogger als Tagebuchschreiber bezeichnen, aber das nur am Rande.

Weiter unten im Text kommt dann noch der Hinweis, dass 70 Prozent der Blogger ihren Freunden von Produkten erzählen, die sie mögen. Das ist doch schon mal eine etwas positivere Aussage.

Beides, sowohl das Negative als auch das Positive, zeigt doch aber vor allem, dass Blogs Konversationen darstellen. Wenn in meinem Freundeskreis jemand etwas empfiehlt oder schlecht findet, dann hat das auch Einfluß auf die Kaufentscheidungen in meinem Freundeskreis. Bei Blogs ist dies nicht anders, ausser dass alles im Web stattfindet und Suchmaschinen diese Konversationen erfassen und damit für Leute auffindbar machen, die an der ursprünglichen Konversation gar nicht beteiligt waren und damit die Wirkung u.U. potenziert wird.

Ich finde den Ansatz, Weblogs eine zerstörerische Macht zuzuschreiben, schon seltsam. Bestimmt kann es nicht gut sein für eine Marke, wenn sie lauthals von vielen Bloggern niedergeschrieben wird. Aber in aller Regel passiert das nicht ohne Grund. Im Gegensatz zu den Aufregern im Freundeskreis finden die gebloggten Aufreger aber nun mal Leser und in dieser Leserschaft können wiederum Leute sein, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Insofern finde ich dies nicht zerstörerisch, sondern sehe eher eine Korrektivfunktion, die dann der Wunderwelt des Marketings gegenüber gestellt wird. Gute Produkte und Marken haben auch in Blogs wenig zu befürchten, schlechte Produkte und Marken werden aber eben als solche dargestellt. Das finden sicherlich einige Marketingverantwortliche nocht so toll, aber aus Konsumentensicht finde ich diese Korrektivfunktion dringend erforderlich.

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Mit Aussagen wie "die Eigenheiten der Tagebuchschreiber" und dem Erstellen von Bloggerprofilen macht man sich unbeliebt ohne die Blogosphu00c3u00a4re u00c3u00bcberhaupt betreten zu haben. Aber vielleicht hatte er das ja vor?

Ich weiss nicht, ob man so einen Ku00c3u00a4se u00c3u00bcnerhaupt lesen muss. "70% der Blogger machen dies und das"... sagt wer? Die Mafo? Technorati? Irgendeine Bloggersurvey? Oder erzu00c3u00a4hlen einfach 70% aller Menschen ihren Freunden von guten/schlechten Produkten? Mich hat jedenfalls niemand gefragt, und wenn mich jemand von der Mafo gefragt hu00c3u00a4tte, dann hu00c3u00a4tte ich ihn - wie u00c3u00bcblich - angelogen.

Das Verstu00c3u00b6rende fu00c3u00bcr viele Journalisten ist wohl, dass Konversationen unter Freunden sich Jahre spu00c3u00a4ter nicht bei Google wiederfinden lassen. Naja, auu00c3u009ferdem ist das ja fesselnder fu00c3u00bcr die Leser als ein nu00c3u00bcchterner Bericht. Aufmerksamkeitsblabla eben.