Killerspiele, Pfeiffer, Beck und das 20. Jahrhundert

Heute bin ich über zwei Themen gestolpert, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, auf den zweiten aber doch.

Zuerst gab es auf WDR5 ein Interview mit Prof. Pfeiffer vom Kriminologischen Institut Niedersachsen zum Thema Killerspiele, der allen Ernstes behauptete, dass wenn man Spiele auf den Index setze und sie nicht mehr beworben werden können, Jugendliche nichts von diesen Spielen mitbekommen würden und sie daher nicht spielen würden und wir letztendlich alle in einer besseren Welt leben würden. Na gut, der letzte Halbsatz war von mir. Prof. Pfeiffer hat augenscheinlich noch nicht mitbekommen, dass gerade die Jugendlichen das Internet so nutzen, dass sie klassischer Werbung recht gut aus dem Weg gehen können. Meine Prognose: auch wenn Prof. Pfeiffers Umfragen derzeit praktischerweise belegen, dass Jugendliche Killerspiele nicht spielen, wenn diese auf dem Index landen, wird dies nicht mehr lange gut gehen. Was die Arctic Monkeys schaffen, kann auch für ein sog. Killerspiel gelten, zumal der Reiz des Verbotenen noch zusätzlich dafür sorgen wird, dass Jugendliche verstärkt in ihren Social Networks nach interessanten Spielen suchen werden.

Auf SpOn stand heute, dass innerhalb der SPD geplant sei, entweder Frank-Walter Steinmeier oder Franz Müntefering rechtzeitig vor den nächsten Wahlen durch Kurt Beck ersetzen zu wollen, damit dieser an Format gewinne und seine Regierungsfähigkeit unter Beweis stellen kann. Super Joke. Ich glaube ja, dass Kurt Beck ein recht guter Landespapi sein mag, der eine klasse Figur beim Schützenfest oder der Eröffnung eines Gewerbepark abgibt, aber als Minister mag ich ihn mir sehr schwer vorstellen. Als Aussenminister schon mal gar nicht. Als oberster Betriebsrat des Landes mit einem Hang zu Pathos wenn es um die Reste der Arbeiterklasse in diesem Land geht – das mag schon gehen, aber das braucht niemand. Wer also derartige Planspiele anstellt, denkt der nicht auch recht offen darüber nach, dass die nächste Bundestagswahl mit einem sog. Spitzenkandidaten Kurt Beck schon verloren ist, bevor man Seit an Seit in den Wahlkampf schreitet?

Die Klammer, die die Herren Pfeiffer und Beck verbindet ist offensichtlich: das 20. Jahrhundert.

Wann fangen wir in Deutschland mal an, zu realisieren, dass das 21. Jahrhundert nicht vor der Tür steht, sondern wir schon mitten drin sind und sich mit jedem Jahr die real existierende Lebenswelt immer stärker verändert und die alten gut gemeinten Rezepte der Vorzeit nicht mehr passen?

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3 Antworten auf „Killerspiele, Pfeiffer, Beck und das 20. Jahrhundert“

  1. In der SPD hat man anscheinend die Hoffnung das soziale *räusper* Image der Partei noch retten zu können. Man darf gespannt sein, was die nächste Wahl bringt. Ich bin ja schon so verzweifelt mit unseren Politikern, dass ich nur noch darauf Wert lege, meine Privatsphäre zu behalten.Ansprüche an Politiker aufs mindeste begrenzt. Armes Deutschland.

  2. eigentlich gibt \”Kurt Beck […] an Format gewinne\” ein super Wortwitz ab oder? so für die Faschingszeit :D

  3. Auf der Suche nach “Pfeiffer” “Killerspiele” bin ich gerade auf diese Seite gestoßen und musste doch sehr grinsen, als ich den Kommentar zu Kurt Beck las ;-)

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