Zur Verantwortung der Hamburger SPD Kreisvorsitzenden

Jürgen Schüssler kommentierte in meinem letzten Artikel zur Hamburger SPD wie folggt:

Es ist immer einfach, die Schuld bei seinen Lieblingsfeindbildern zu suchen. Da bleibt das Weltbild im Lot. Die Gräben liefen diesmal aber ganz anders als gewohnt, und es ist schon ein echtes Novum, dass Alheit, Damerau, Kahrs, Rabe und Pörksen gemeinsame Interessen vertreten. Die Frage ist nur für was bzw. gegen wen?

Das möchte ich gerne aufgreifen.

1. Natürlich ist Johannes Kahrs als Kreisvorsitzender in Mitte die treibende Kraft gewesen, gilt es doch, seine Agenda zu pushen.

2. Ich finde es ja auch ganz toll, dass sich 5 Kreisvorsitzende zusammen tun, das hatten wir lange nicht. Es wäre aber noch toller gewesen, wenn sie sich nicht nur geeinigt hätten, dass sie gegen Petersen sind, sondern auch, wer an Petersens Stelle als Spitzenkandidat fungieren soll. Dorothee Stapelfeldt war eine Verlegenheitskandidatin, da war keine wirkliche Perspektive in Sicht.

3. Gemeinsame Interessen sollten nicht desktruktiv sein, sondern konstruktiv. Die fünf Kreisvorsitzenden haben der Partei mit ihrer Entscheidung gegen Petersen enorm geschadet.

4. Wer macht es nun? Hat einer der fünf Kreisvorsitzenden genug Mumm, um nun den Karren aus dem Dreck zu ziehen, in den sie ihn kollektiv reingeritten haben? Ich bezweifle, dass die Bereitschaft zur Übernahme der Verantwortung bei den fünf Kreisvorsitzenden vorhanden ist. Von ihrer mangelnden Kompetenz mal ganz zu schweigen.

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12 Antworten auf „Zur Verantwortung der Hamburger SPD Kreisvorsitzenden“

  1. Du gehst in Deiner Argumentation davon aus, dass die 5 Kreisvorsitzenden sich konspirativ und aktiv zusammengetan haben, um Petersen zu stürzen. Diesen Eindruck konnte man aus dem Hamburger Blätterwald gewinnen. Aber nicht alles, was in der Zeitung steht, ist die ganze Wahrheit oder frei von Manipulation.

    Richtig ist, dass es in Funktionärskreisen (und keineswegs nur bei den Kreisvorsitzenden) erheblichen Unmut über Petersens Alleingänge gabe:
    – Entlassung Ties Rabe (hatte ich persönlich kein Problem mit) nachdem auf Petersens Vorschlag vorher der Landesvorstand seine Verlängerung beschlossen hatte,
    – Einstellung von Heiko Tornow und Walter Zuckerer ohne interne Abstimmung,
    – Internetpranger für Sexualstraftäter,
    – nachgelagerte Studiengebühren, obwohl auf dem LPT vorher Studiengebühren explizit abgelehnt wurden,

    Petersen hatte sich nur noch mit seinen engsten Beratern Wagner, Elste, Böwer, Ehlers, Dobritz u.a. abgestimmt und nicht mit den Gremien der Partei, dessen Landesvorsitzender er ist. Dass dies zur Kritik der Funktionäre führen musste, war zwangsläufig und von seinen Beratern kalkuliert.

    In diese Stimmung mischte sich auch die Einsicht vieler, dass Petersen selbst nicht über die notwendigen Kompetenzen zur Führung der Hamburger SPD geschweige denn eines zukünftigen Senats verfügt. Aber das spielte ja nie eine Rolle – Hauptsache wir gewinnen mit ihm die Wahl. Ein Arzt mit solch imposanter Ahnengalerie – das muss doch klappen. Wichtig ist, dass er die richtigen Berater hat.

    Doch die Berater haben ihre eigenen Strategien verfolgt. Da kam die Kritik der 5 Kreisvorsitzenden an jenem Sonntag im Old Commercial Room den Oberstrategen unter Petersens Beratern sehr gelegen: \”Wir verkaufen Petersen als unbeugsamen Kämpfer gegen die böse Funktionärstruppe.\”

    Nichts ist besser als ein gutes Feindbild ;-) Das steigert den Bekanntheitsgrad und schafft ein durchsetzungsstarkes Profil. Dem Petersen-Lager war natürlich voll bewusst, dass man hierfür einen Basisentscheid braucht und Petersen diesen auch haushoch gewinnen wird. Besonders Spaß machte es, dass man dabei noch die eine oder andere Rechnung begleichen konnte.

    So kam es, dass Petersen und seine Berater das Treffen des Landesvostandes im Old Commercial Room bewusst als \”Aufstand der 5 Kreisvorsitzenden gegen den tapferen Petersen\” in der Presse lancierten.

    Bestimmt haben die 5 Kreisvorsitzenden sich auch vorher schon mal über die Unzulänglichkeiten von Petersen ausgetauscht. Zur gemeinsam agierenden Petersen-Gegnern wurden sie aber erst durch die von der alten Garde (Wagner, Elste, Kleist, Ehlers, Runde, …) kreierten Feindbild-Strategie der bösen Funktionäre. Die 5 Kreisvorsitzenden haben nicht gezielt agiert, sondern reagiert – reagiert auf den Aufstand der alten Funktionäre, die den Karren vor 2001 in den Dreck gefahren und immer noch glauben, sie können es besser.

    Richtig ist, dass Johannes Kahrs dann eine treibende Kraft wurde. Nicht zuletzt weil es für ihn in Mitte auch um einen Machtkampf gegen seinen ehemaligen Beförderer Eugen Wagner ging und geht.

  2. Jürgen, richtig ist doch aber auch, dass die vereinigten 5 kreisfürsten sich gegen petersen gestellt haben, ohne eine wirkliche alternative zu haben, oder?

  3. Wieso das denn? Die Kritik war doch völlig angebracht und überfällig. Als Landesvorsitzender hätte er doch die Diskussion um eine Wahlkampfstrategie ins Leben rufen können bzw. müssen. Der Konzeptansatz der \”Menschlichen Metropole\” wurde ihm von Michael Neumann auf dem Silbertablett präsentiert. Aber mit Neumann hatte er schon lange nicht mehr geredet. Es war doch seine verdammte Aufgabe für eine Weiterentwicklung zu sorgen, oder?

  4. boah, hängst du auf dem reload-button? :)

    ich sage nicht, dass die kritik nicht angebracht war. ich sage, dass es hätte klar sein müssen, dass petersen auf derartige kritik so reagiert, wie er sie auffasst, nämlich konfrontativ.

    und ich sage auch, dass der zeitpunkt nicht reif war, die kritik in der form zu äussern, wenn man keine klare alternative hat. dorothee stapelfeldt war nie wirklich eine mögliche spitzenkandidatin.

  5. Natürlich gab und gibt es andere Alternativen. Dorothee war auch nicht meine Favoritin. Ich hätte sie lieber im Bundestag gesehen, dann hätte sie Platz für einen armen Nachrücker in der Bürgerschaft gemacht ;-)

    Aber ich bin erstaunt, wie Dorothee Stapelfeldt in dieser kurzen Zeit an Profil gewonnen hat. Sie hat mich positiv überrascht.

    Ja, ich bin auf dem Reload-Button ;-)

  6. so, dann lass uns jetzt mal nach vorne blicken. der karren ist im dreck, die 5 kreisvorsitzenden waren maßgeblich dran beteiligt.

    wer macht es nun? wer wird landesvorsitzender, wer wird landesgeschäftsführer, wer wird spitzenkandidat und wer wird wahlkampfchef? so viel zeit ist ja nun auch nicht mehr bis 2008 und nach dem verkorksten start in 2007 sollte man nun dringend mal was tun.

    ach ja, und wo kommt ein entsprechendes budget her, hat hubertus das mitgebracht?

  7. Du musst das positiv sehen. Über Wochen beherrscht die SPD die Medienlandschaft in Hamburg. Der Karren im Dreck ist bald vergessen.

    Es ist nur schade, dass man jetzt wahrscheinlich wieder auf alte Recken zurückgreift. Den Phönix aus der Asche hatte ich in meinem ersten Kommentar erwähnt.

  8. über wochen ist die spd in der springerpresse in den schlagzeilen. das kann ich kaum positiv finden. du weisst selber, wie einseitig die hamburger medienlandschaft ist.

    wer ist denn der phönix?

  9. Wenn ich mich zitieren darf:

    \”Wagner, Kleist, Ehlers, Runde, Elste gegen Kahrs, Damerau, Alheit, Pörksen, Rabe. Die Inszenierung war fast perfekt. Fast. Erst wird Voscherau verhindert, und dann werden wieder Bürgermeister gemacht.

    Das wirklich Skurile ist, dass die megapeinliche und unglaubliche Geschichte mit den 1000 geklauten Stimmzetteln dieser Farce ein vorläufiges Ende bereitet hat. Und dass möglicherweise ausgerechnet Voscherau hierdurch wieder wie Phönix aus der Asche steigt.\”

    In Petersens Nimmerland ist das natürlich eine Huckepack-Lösung.

  10. Wenn man Kritik an Petersen hatte, dann setzt man sich in aller Ruhe zusammen und berdet es. Es ist aber nicht ok, dass beim Treffen im OCR gleich die \”Blöd\” vor der Tür stand.

    Aus meiner Sicht müssen die 5 Kreisvorsitzenden ebenfalls ihren Hut nehmen, denn sie haben bewiesen, dass sie nicht mehr als ein machtgeiler Intrigantenhaufen sind. Und das wohl nur, weil Petersen ihnen für nach der Wahl keine Zusage machen wollte.

    Weiterhin finde ich es eine Frechheit, wie es mit der innerparteilichen Demokratie steht.

    Für mich ist eines klar geworden.
    Im Wahlkampf werde ich die Harburger Genossinnen und Genossen unterstützen und wählen.
    Auf Landesebene werden die Sozis meine Stimme nicht bekommen.

    So ein armseliger Haufen wird von mir nicht unterstützt.

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