Pleb 2.0 statt Web 2.0?

Woher kommt der Hass im Netz? fragt Adriano Sack und beklagt den rauhen Umganston im Web:

Trotzdem ist der Ton erstaunlich scharf, man könnte auch sagen unflätig, den man in vielen Blogs, Threads und Foren lesen, in Podcasts hören und in Videocasts bestaunen kann. Da wird beleidigt und verleumdet, gespottet und gelogen. Das Internet ist zum Stammtisch geworden: Pleb 2.0 statt Web 2.0.

Ich kann zwar nicht behaupten, dass ich den Umgangston immer toll finde, aber letztendlich hinkt der von Sack herbeigeführte Vergleich mit dem Feuilleton. Dort schwafeln irgendwelche intellektuell wirken wollende Schreiber langatmig umher, hier geht es im Konversation und letztendlich führt dies zu einer direkteren Sprache und oftmals klareren Wortwahl. Man sollte Blogs nicht als hochtrabenen Diskurs ansehen, sondern eher als Unterhalt, und dort geht es oftmals etwas ungeschliffener zu. Womit ich nicht gesagt haben will, dass hochtrabener Diskurs nicht auch in Blogs stattfinden könnte, aber man sollte es eben nicht erwarten. Beim Gespräch über den Gartenzaun hinweg erwartet man ja auch keinen philosphischen Exkurs.

Aber gut, es mag aufregend sein für Herrn Sack, diese komische neumodische Schreibe im Interweb entdeckt zu haben, aber eigentlich ist das nichts Neues und auch nicht so ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass jeder schreiben darf, wie er mag, ohne Lektor, Redakteur oder sonstiger Instanz, die zu einer Schere im Kopf führen mag. Ich persönlich mag es gerne direkter, wenn ich Zeit und Lust auf langes Geschwafel hätte, würde ich mir eine Zeitung kaufen. Allerdings passiert dies allerseltenst und der Feuilletonteil wandert immer direkt ins Altpapier.

Ausserdem sollte sich Herr Sack mal ordentliche Flamewars im Usenet durchlesen, dagegen sind Blogs ein literarischer Höhenflug mit einer großen Portion eleganter Wortwahl.

[ via: Stammtisch 2.0 » Blogrolle.net ]

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3 Antworten auf „Pleb 2.0 statt Web 2.0?“

  1. Ob so ein Redakteur überhaupt weiss, was a) das Usenet und b) Flamewars sind?

  2. Muss man wissen, was Usenet und Flamewars sind, um sich in der Wams laut über eine zunehmende Stammtischhaftigkeit im Internet (hier = WWW) zu wundern? Muss man sich dafür Google erklären lassen? Braucht das Altpapier Feuilletonteile?

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