08. Mai 2007

uneingeschränkte Haftung für Forenbetreiber – Web 0.0

Tja, da haben wir den Salat: Urteil bestätigt uneingeschränkte Haftung für Forenbetreiber. Insbesondere schockiert mich folgendes:

Im Übrigen ergebe sich eine Haftung bereits daraus, dass es sich bei einem Internetforum grundsätzlich um ein journalistisch-redaktionell gestaltetes Angebot im Sinne des neu geschaffenen Paragrafen 54 des Rundfunkstaatsvertrages (RStV) handele. Danach sind Nachrichten vom Anbieter vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen.

Da zeigt sich mal wieder, wie es sich rächt, bei der Juristenausbildung zwar den Umgang mit dem Diktiergerät zu lehren, nicht aber den mit dem Internet an sich. So wie ich, und sicher vor allem die Juristen, das Urteil verstehen, geht es nicht nur um ein Forum im klassischen Sinne, sondern um alle Angebote, bei denen man den Usern die Möglichkeit gibt, sich selber auszudrücken.

Wenn dieses Urteil Bestand haben sollte, dann bewegt sich Deutschland zurück in die Web-Steinzeit. Dann können wir entweder alle Briefkastenfirmen in der Karibik aufmachen und dort unsere Server parken, oder wir überlassen den amerikanischen Firmen mal gleich das Feld. Alternativ kann jetzt natürlich auch ein riesiger Markt für Online-Inhalte-Freischalter entstehen, mit riesigen staatlichen geförderten Zentren in McPom oder anderen strukturschwachen Regionen.

Allein, die real existierende Wirklichkeit sieht anders aus und es wäre angebracht, wenn auch die Richter am Hamburger Landgericht mal aufwachen würden aus ihren Fantasieträumen vor der Schreibmaschine.

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Nein, Nico. Gesetze werden leider nicht zwingend von Juristen gemacht. Und das meine ich nicht, sondern weiu00c3u009f ich. In den Fachauschu00c3u00bcssen der Gesetzgebungsorgane sitzen in der Regel zu gerade mal (u00c3u00bcberschlagen) 15% Juristen. Und einen hu00c3u00b6heren Wert haben die Stimmen der paar Bundestagsabgeordneten, die zeitgleich 1) Juristen und 2) Mitglieder der Fachausschu00c3u00bcsse sind, die die Gesetze formulieren, auch nicht.

ocj

" "

so ist das mit Schu00c3u00a4uble 1.5

Auu00c3u009ferdem zwingt das Gesetz wohl kaum zu solchen Urteilen wie sie in Hamburg regelmu00c3u00a4u00c3u009fig gefu00c3u00a4llt werden. In Du00c3u00bcsseldorf wird anders entschieden - bei gleicher Gesetzesgrundlage.

was meinst du denn, wer die formulierung der gesetze macht? in der regel eher nicht tischtennislehrer, sondern juristen, oder?

Da zeigt sich mal wieder, wie es sich ru00c3u00a4cht, bei der Juristenausbildung zwar den Umgang mit dem Diktiergeru00c3u00a4t zu lehren, nicht aber den mit dem Internet an sich.

Ganz so schlimm ist es nicht. Bitte Folgendes im Hinterkopf behalten: Richter machen nicht das Recht, sie wenden es nur an. Das meiste wird oft auf der Ebene zuvor verbockt, wenn sich Politiker, also in der Mehrzahl Lehrer und andere Beamte, u00c3u00bcberlegen, wie wohl welches Gesetz am besten ausgestaltet sein sollte.

Insgesamt u00c3u00a4ndert das natu00c3u00bcrlich nichts daran, dass das Urteil die falsche Richtung weist. Allein sind die Schuldigen m.E. andere.

ocj

"Online-Inhalte-Freischalter"

Wu00c3u00a4re doch eine Idee fu00c3u00bcr einen neuen "Ein-Euro-Job"