Ich fahre gerne schnell!

Und begrüsse durchaus die Entscheidung für Tempo 130 auf dem SPD Bundesparteitag. Natürlich fordern jetzt wieder alle “freie Fahrt für freie Bürger” und tun so, als ob das Wohlergehen der westlichen Welt auf dem Spiel stünde, nur weil man nicht mehr wie ein Bekloppter rasen kann.

Mir ist die ökologische Komponente beim Tempolimit ziemlich egal, ich finde aber, dass das Autofahren viel angenehmer ist, wenn alle mit derselben Geschwindigkeit fahren. Ich kenne dies aus den USA und auch aus den europäischen Nachbarländern wie z.B. den Niederlanden oder Dänemark. Autobahnfahren ist dort so viel relaxter, das kann nicht nur an Urlaubsstimmung liegen.

Das Thema Tempo 130 ist nun wahrlich nicht neu, das gibt es seit den frühen 80ern immer wieder als Diskussion gerade in der SPD. Andere Parteien sehen sich als Bewahrer von Recht und Freiheit, wenn sie gegen ein Tempolimit sind, obwohl die Realität doch so aussieht, dass gerade in Ballungsräumen viele Tempolimits vorhanden sind. Tempo 130 wird für weniger stressiges Autobahngefahre sorgen, da bin ich mir ganz sicher. Allerdings bin ich mir auch ziemlich sicher, dass sich in diesem Politikbereich Vernunft niemals durchsetzen wird, dafür ist die Autolobby viel zu stark und sicherlich wird auch irgendein Experte fernsehwirksam darlegen, wieviele 100.000 Arbeitsplätze bei einem Tempolimit verschwinden werden.

Die Welt endet nicht mit Tempo 130 auf deutschen Autobahnen, der Mythos der ungebremsten Freiheit im Geschwindigkeitsrausch existiert eh nur noch in den Erzählungen amerikanischer Jugendlicher über die German Autobahn. Fahrvergnügen hat man auch bei 130 km/h.

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10 Antworten auf „Ich fahre gerne schnell!“

  1. Naja, das wahre Fahrvergnügen hat man sowieso eher bei 60-120 km/h, wenn es über Alpenpässe oder anderweitige Landstraßen geht.

  2. \”Mir ist die ökologische Komponente beim Tempolimit ziemlich egal,…\”

    Schlecht geschlafen? Auch wenn es nur ein geringer Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der Umwelt ist und in anderen Bereichen der Nachhol- & Aufklärungsbedarf sicherlich höher ist, so ist es zumindest ein individueller Beitrag über den man nicht Nachdenken und schon gar nicht so urteilen soll.

  3. nee, Peter, ich habe nicht schlecht geschlafen und wie ich über irgendetwas urteilen soll, entscheide ich immer noch selber, aber das nur am Rande.

    mir persönlich ist die ökologische Komponente egal, in dem Sinne, dass mir der Aspekt des weniger stressigen Reisens und sicherlich auch einer verminderten Unfallzahl für die Argumentation pro Tempolimit schon ausreicht. Natürlich führt weniger Rasen auch zu weniger Spritverbrauch, weniger Abgasen und und und, aber wie gesagt, dass ist für mich für die Argumentation nicht wichtig.

  4. für die umwelt bingt eh nur auto gar nicht erst bewegen was…

    ich bin trotzdem gegen ein tempo limit. ich rase gern, klar es ist streß und macht schlechte laune, aber mit 200+ über die autobahn zu donnern ist auch nicht schlecht

    wenn es jemals ein tempolimit geben sollte dann aber richtig, mit kontrollen – nicht das wieder nur ein bissel kontrolliert wird und wo eben keine polizei ist wird das auto ausgefahren, dass wäre eine schlechte lösung

    daher wenn tempolimit dann viele kontrollen und drakonische strafen

  5. Hmm. Tempo130, Neidsteuer, längerer ALG1-Bezug… ist das das Programm für die Vergangenheitsbewältigung oder gönnt ihr dem Napoleon von der Saar seine Wähler nicht?
    Wann kommt mal was zukunftsweisendes?
    Bei der SPD sind es schon 11 Punkte, die mich daran hindern, sie zu wählen (CDU 13, FDP 7, Grüne 22, Linke 13).

    Ich fühle mich so ziemlich alleingelassen von den tradierten Parteien: bei der nächsten Bundestagswahl wähle ich Piraten und DVU.

  6. Tempo 130 bringt auf vielen deutschen Autobahnen sicher keine Stressminderung. Ein Tempolilit allein sorgt noch nicht für gleichmäßigen verkehrsfluss und mindestens Holland hinkt doch gewaltig als vergleich, weilö ich dort noch nie eine ähnliche gefüllte Autobahn wie sie hier im Ruhrgebiet standard ist, gefunden habe.
    Wichtiger ist es, den Brummifahrer beim kleinsten Überholversuch sofort den lappen abzuknöpfen und das Tempolimit auch rigoros druch zu drücken, plus eine intelligentere Baustellentaktik, sprich keine Begrünungsrasuren während der Rush Hour, sondern Nachts!
    Ich denke immer wieder darüber nach, wie rechtmäßig es wäre, die behörden, die für zähen verkehr und Staus, so wie unnötig betriebsbereite Ampeln direkt verantwortlich sind, mal wegen grb fahrlässiger Umweltverschmutzung zu verklagen..
    Bei Antville sagte einer vorhin, Tempo 130 hätte man, wenn man es gewollt hätte locker während Rot-Grün durchdrücken können, so wird das nur ne Nebelkerze, die an der CDU verpufft.

    Überhaupt wirkt das gerade alles wie ein Außenanstrich mit Wassermalfarbe und die CDU tanzt den Regentanz.

  7. @Falk: \”Bei der SPD sind es schon 11 Punkte, die mich daran hindern, sie zu wählen (CDU 13, FDP 7, Grüne 22, Linke 13).\”

    Es kann per Definition keine Partei geben, die die eigenen Vorstellungen zu 100% abdeckt. Das ist das Wesen einer Demokratie: Dass nicht jeder nur seine Vorstellungen umsetzt, sondern dass die Vorstellungen der Mehrheit realisiert werden.

    Und Tempo 130 finde ich grundsätzlich richtig und gut ;)

  8. wo es coll ist (wie im Pott) kannman wohl eh nicht schneller fahren, auf der A2 ist es auch bei 120 alles andere als streßfrei und Autos mit geringem Spritverbrauch udn wenig CO2 Ausstoß bringen mehr, als fette Schlitten bei 130.

    Mal abgesehen davon liebe ich es, an einem Samstag Nachmittag mit 180+ zwischen Magdeburg und Halle über die brummifreie leere A14 zu brettern, das macht völlig politisch unkorrekt einen Heidenspaß(auch mit einem kleinen leichten Turbodiesel)!
    Mein Beitrag zum Klimaschutz: KEIN Kamin – ich brenne nicht jeden wunderbar kühlen Herbst- und Wintertag in meinem Kamin unvollständig rußend mein zu feuchtes Holz ab und verpeste so die Luft.

  9. @Dave-Kay: Es ist nicht die nicht-Abdeckung eigener Interessen. Es sind Punkte, die das Wählen der jeweiligen Partei für mich unmöglich machen. Sei es ein Pro-Votum für die \”EU-Verfassung\” (=Abschaffung der Gewaltenteilung) oder halt Studiengebühren, Wehrpflicht, Karnevalsvereine oder Lauschangriff. Da wähle ich lieber richtigen Protest.

  10. Es stellt sich doch die prinzipielle Frage, ob hier die Genossen nicht – wohlwissend, dass mit dem Koalitionspartner dies nicht machbar ist – versuchen, der scheinbar in den \”Grünen Himmel\” entfleuchenden Frau Merkel den Schneid abzukaufen. Sie setzt international Massstäbe in der Umweltpolitik, sie ist die inoffizielle Aussenministerin und Herr Steinmeier darf die Sekundärländer bereisen. Alle Achtung, das hätte ich der Physikerin aus dem Osten nicht zugetraut. Aber PR-technisch hat sie es drauf.

    Wie wäre es denn, wenn die Genossen Schröder, Schmidt, Struck etc. mal weniger rauchen. Möchte nicht wissen, wieviel durch Rauchen unsere Umwelt geschädigt wird (die armen Bäume, die armen Nichtraucher, das viele CO2). Eine ebenso absurde Forderung. Interessant ist auch, dass in Österreich gerade überlegt wird, das Tempolimit zu erhöhen.

    Es gilt auch hier, wie so oft, das Wort des guten Herrn Ratzingers – heute auch als Papst bekannt: \”Wer am Abgrund steht, für den ist jeder Fortschritt ein Rückschritt.\”

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