Künstler verklagt Google – aber Musterprozess?

Nico —  8.11.2007

Heute morgen habe ich im Abendblatt den Artikel Hamburger Künstler verklagt Google gelesen, in dem es darum geht, dass man über Google Bilder finden kann, die von Lizenznehmern eines Künstlers ins Netz gestellt wurden und nun würden diesem Künstler Umsätze verloren gehen, weil jeder einfach so die Bilder nutzen könne ohne dafür zu bezahlen.

Google argumentiert, dass Bilder, die bei der Internet-Suche gefunden werden, in der Datenmenge so klein sind, dass sie zur Weiterverwendung nicht zu gebrauchen sind. Sie seien eher wie die kurzen Textzitate zu werten, wie sie auch bei der Google-Textsuche mitsamt einem Link zu einer Internetseite gefunden werden. „Und das ist rechtlich auch völlig unbedenklich“, so Google-Justiziar Haller.

Anders argumentiert Horns Anwalt van Eendenburg: Google handele hier mit „bedingtem Vorsatz“, es sei ein Leichtes, Künstler per einfacher Internet-Anmeldung zu Vertragspartnern zu machen und sie im Falle einer unrechtmäßigen Nutzung durch Dritte zu entschädigen. So aber werde mit den Werken anderer ein eigener Vorteil erzielt.

Auch der Vorsitzende Richter Bolko Rachow sah das Google-Geschäftsmodell eher kritisch: Statt die eigentlichen Bilder könnte die Bildsuchmaschine doch kurze Textbeschreibungen zu ihnen liefern.

Da frage ich mich doch, unter welchem Stein Anwalt und Richter in den letzten 10 Jahren gelebt haben, so dermassen dämliche Aussagen zu der Funktionsweise von Suchmaschinen habe ich lange nicht gelesen. Laut dem Abendblatt-Artikel soll dieser Fall eine Art Musterprozess werden, das sehe ich auch so. Da wird noch einmal exemplarisch dargestellt, wie wenig einige Leute vom Internet verstehen.

4 responses to Künstler verklagt Google – aber Musterprozess?

  1. Das ist wirklich eine sehr, sehr schöne Idee, mit der Umschreibung. Ich bin ganz entzückt. Zu da Vincis Abendmahl \“12 abgerissene Gestalten sitzen an einem langen Tisch. Der in der Mitte leuchtet.\“ Da tun sich ja völlig neue Geschäftsfelder für Journalisten auf.

  2. Ob Google sich wirklich auf die Zitierfreiheit berufen kann, darf ob der Tatsache, dass die Google-Ergebnisseiten von Bots erstellt werden und somit keine Schöpfungshöhe haben und die Suchmaschine weder eine Kritik noch Rezension darstellt, durchaus bezweifelt werden.
    Die zweite (imho relevante) Frage, ob Google für die Schutzrechtverletzungen anderer haftbar gemacht werden kann dürfte sich vollständig im Richterrecht befinden.
    Ich finde es traurig, dass jemand der nicht in der Lage ist eine Robots.txt zu verfassen und derzeit völlig seinen Nutzen aus der Suchmaschine unter den Tisch fallen lässt \“Rechtsgeschichte\“ schreiben darf.
    In Deutschland ist Ahnungslosigkeit ein Etikett. Man darf sie offen zur Schau stellen. Richter und Anwälte repräsentieren das deutsche Volk 1.0, das Problem ist nicht das Digital Gap. Das Problem ist, dass die fortschrittlichen mittlerweile von den konservativen derart beargwohnt werden, dass es kaum noch Gemeinsamkeiten gibt. Man erinnere sich an die Umfragen zur Onlinedurchsuchung.

  3. Meine Vorschläge und Argumente findet ihr in dem
    Brief an die Richter, welche über oogle zu entscheiden haben.

    robots.txt nutzt wenig, weil in dieser Datei lediglich ganze Gruppen bzw. Verzeichnisse für die Suchmaschinen gesperrt werden können. Einzekne Bilde können über robots.tx nicht gesperrn werden

    Man kann in dem img-Tag ein Atribut vorsehen, z.B. für Fremdspeichern \“erlaubt\“ bzw. \“nicht erlaubt\“

    outsave=\“yes\“ outsave=\“no\“

    Alles ganz einfach. Google kann es selbst anbieten.