Bahnstreik ist nachvollziehbar

Ich kann völlig verstehen, dass die GDL jetzt mal zeigt, wie so ein Bahnstreik wirklich geht. Ich finde zwar die Forderungen überzogen, aber aus der Sicht der GDL würde ich genauso handeln.

Der Vorstand der Bahn AG hat immer deutlich gemacht, dass sei kein Interesse an Verhandlungen mit der GDL haben, allein schon weil sie die GDL nicht als Tarifpartner anerkennen wollen, der einen eigenen Tarifabschluss erzielen kann. Dann hat die Bahn mit rechtlichen Schritten versucht, Streiks zu verhindern.

Insofern ist es nachvollziehbar, dass nach Klärung der rechtlichen Grundlagen die GDL erst einmal zeigt, wie sehr sie der Bahn schaden kann, wenn wirklich bundesweit gestreikt wird. Ich kann auch dieses ganze Gejammer nicht verstehen, dass jetzt der Volkswirtschaft ein immenser Schaden entstünde und die GDL sich ihrer Verantwortung bewusst sein müsse und so weiter und so fort. Arbeitnehmer haben im Tarifkonflikt die Möglichkeit, mit einem Streik ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Bahn hatte ein halbes Jahr Zeit und hat sie nicht genutzt. Dass jetzt Kunden sauer sind, ist nachvollziehbar.

Faire Bezahlung ist letztendlich das Thema für die Streikenden, aber es muss ihnen auch klar sein, dass 30% nicht durchsetzbar sein werden. Die Rückkehr an den Verhandlungstisch mit ernstgemeinten Zugeständnissen beider Seiten wäre aber erst einmal ein Anfang, der noch in weiter Ferne liegt.

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3 Antworten auf „Bahnstreik ist nachvollziehbar“

  1. Hallo Nico,
    vielleicht interessiert Dich mein Pamphlet zum gleichen Thema: http://politikstatements.blogg.de/eintrag.php?id=66
    Das mit den Trackbacks blicke ich leider nicht so ganz.

    Wie dem auch sei, Herr Mehdorn hat schließlich noch jemanden über sich. Und für das Bundeunternehmen liegt die Verantwort ganz klar bei der Bundesregierung als Big Boss, auch wenn Frau Merkel gerade ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Wegducken, nachgeht.

    Übrigens:

    Mehdorn (SPD), Schell (CDU) …

    Tsss…

  2. Der Stellvertretende GDL-Vorsitzende, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, sagte gestern, es sei klar, dass die 30% nicht zu erreichen sind, aber es muss eben ein vernünftiges Anfangsangebot für Verhandlungen sein. Besonders unverschämt fand ich die gestrige Zeitungsanzeige der Bahn, die so tat, als sei sie verhandlungsbereit und nicht die GDL.
    Ich habe übrigens ein paar Mal auf meinem Blog meine Meinung dazu geschrieben – und hier bin ich beim Thema: wann werde ich endlich in den Stand gesetzt, wieder direkt mit BlogDesk zu veröffentlichen? Ich habe schon 4-6mal darauf aufmerksam gemacht. Ich kann nur noch ziemlich kurze Posts schreiben, sonst werde ich wahnsinnig. Könnt Ihr Euch nicht mal um mich kümmern?? Danke.

  3. was häufig in der diskussion übersehen wird: die empörung von arbeitgeberseite, dass eine splittergruppe (gdl) nun ihre \”macht\” ausnutzt steht eigentlich in krassem wiederspruch zu den jahrelangen bemühen der arbeitgeber, den flächentarifvertrag auszuhöhlen. ja was wollen sie denn nun, die arbeitgeber? flächentarif hat jahrzehntelang für stabilität gesorgt. aber die arbeitgeber wollten \”mehr markt\”. nun müssen die arbeitgeber feststellen, dass \”mehr markt\” eben nicht nur bedeutet, dass sich arbeitnehmer in ihren lohnforderungen gegenseitig unterbieten. sondern dass diese, den marktgesetzten folgend, natürlich ihre \”macht\” in verhandlungen ausspielen – dass ist doch die essenz des marktes, dass machtpositionen ausgespielt werden! vor diesem hintergrund unterstütze ich die GDL 100%, den der streik und die forderungen sind das gespenst, welches arbeitgeber selbst gerufen haben.

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