SpOn und die Anti-Angie-AG

Kurz vor Weihnachten ist irgendwie wie im Sommerloch, die Politiker haben alle ihre Festtagsgrüße gemurmelt und sind aus Berlin verschwunden, alle sind besinnlichst bei der Familie, da fällt es schwer, aufregende Nachrichten zu produzieren. Aber, man kann ja auch Aufreger selber bauen, dachte man sich bei SpOn und titelte am 21. Dezember: Wahlkampf 2009: SPD plant Anti-Merkel-Kampagne. Nur zwei Tage später dann konnte man Entrüstung vermerken und schob einen Artikel nach: SPD-Wahlkampfpläne : Aufregung um Anti-Angie-AG.

Worum geht es bei der von SpOn so bezeichneten Anti-Angie-AG? Die SPD wolle die Regierungschefin entzaubern und habe daher angefangen, Argumente gegen Frau Merkel zusammenzutragen, ganz “nach amerikanischem Vorbild”.

Was für ein Stuß. Aller Vorraussicht nach wird 2009 gewählt und aller Vorraussicht nach wird Frau Merkel die Spitzenkandidatin der CDU/CSU sein. Da ist es das allernormalste von der Welt, dass die anderen Parteien Argumente zusammentragen, die Frau Merkel nicht so gut aussehen lassen. Die Union wird dies ebenso für führende SPD-Politiker tun. Das nennt sich dann Wahlkampf. Der Hinweis auf den “amerikanischen Wahlkampft” ist auch Quark, denn schon seit geraumer Zeit sind bundesdeutsche Wahlkämpfe stark personalisiert, eigentlich seit “Willy wählen!” – insofern sind dieser Artikel und der Folge-Artikel zwar reisserisch geschrieben und suggieren Aufregung an allen Fronten, aber eigentlich ist es nur eine gähnend langweilige Bestandsaufnahme des politischen Geschäfts. Es ist nicht wirklich erstaunlich, dass Parteien Argumente sammeln, um sich selber besser darzustellen und den Gegenüber schlechter aussehen zu lassen.

Ich freue mich schon auf die Folge-Artikel von SpOn zu diesem Thema, die sicherlich alle zum Thema haben werden, dass SPD und Union nicht immer einer Meinung sind, die SPD lieber ohne die Kanzlerin regieren würde und die CDU die SPD auch lieber nicht in der Regierung hätte. Da soll noch mal jemand sagen, Online-Journalismus hätte nichts mit Qualität zu tun.

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