Warum friendfeed nicht das nächste große Ding ist

Nico —  31.05.2008

Marcel macht das gut. Mit einer plakativen Headline werden Leser angelockt, dann gibt es noch eine Wette und der Sturm im Wasserglas der deutschen Blogosphäre ist perfekt, das Thema Friendfeed wird diskutiert. Marcels These:

Friendfeed ist das nächste große Ding. In den US-Blogs gibt es aktuell kaum ein anderes Thema mehr; außer der Instabilität von Twitter. In spätestens einem Jahr wird friendfeed auch in Deutschland einschlagen.

Meine Gegenthese:

Friendfeed ist nicht das nächste große Ding, jedenfalls nicht in Deutschland. Auch in einem Jahr nicht.

Friendfeed lebt von Diskussionen rund um aggregierte Items. Das interessiert den Mainstream eher weniger, der will nur gucken. Der Mainstream-User, vor allem in Deutschland, braucht auch keine Aggregation verschiedenster Dienste für seinen Lifestream, der nutzt eine Plattform und hat dort alles, oder das meiste, was er braucht. Die von Friendfeed eingezogene Ebene versteht „der User an sich“ eher nicht. Hinzu kommt die Abkoppelung der Diskussion vom eigentlichen Item, denn sie findet nicht mehr nur auf Flickr, im Blog oder bei Last.fm statt, um nur einige Beispiele zu nennen, sondern auch bei Friendfeed. Ja, es gibt Möglichkeiten, die Diskussionen jedenfalls teilweise wieder zusammenzuführen, aber das wird nie komplett funktionieren, dafür ist das Web zu dezentral. Also bleibt Friendfeed zwar irgendwie nett, aber zeitaufwändig und auch ein Stück weit umständlich.

Für Early-Adopters ist Friendfeed sicherlich gerade die heisse Scheisse du Jour, aber nichts für den Mainstream. Auch in einem Jahr nicht, lieber Marcel. Erklär mal einem User von StudiVZ, Kwick oder Knuddels, warum er Friendfeed nutzen sollte. Eben.

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9 responses to Warum friendfeed nicht das nächste große Ding ist

  1. Sehe ich ähnlich. FriendFeed ist nett, wenn man an den Netzbefindlichkeiten anderer Geeks interessiert ist. Aber ich denk auch, dass in Deutschland so ein Dienst einfach nicht gebraucht wird. Kann man bei den von Dir oben genannten Diensten überhaupt seine Daten und Aktionen irgendwie nach \“draussen\“ streamen? Hab ich jedenfalls noch nix von gehört.

  2. Das seh ich ungefähr genauso.
    Als kleines Beispiel:
    Für die \“breite Masse\“ oder aber den einfachen Anwender ist z.B. Google immer noch \“nur eine Suchmaschine\“. Die mittlerweile um einen Routenplaner erweitert wurde. ;)
    Die ganzen Funktionen sind vielen einfachen PC-Usern gar nicht bekannt.

    Für die meißten ist nicht mal \“Web 2.0\“ ein Begriff.. oder \“Social Networks\“.
    Musste ich gestern noch bei einem bekannten feststellen, der eigentlich schon recht viel im Web surft.

    Wenn man sich nicht direkt mit dem Web beschäftigt, was die \“breite Masse\“ oder die ganzen \“Chat-Kiddys\“ nicht tun, hat man gar nicht die ahnung was derzeit im web alles geht.
    Von daher glaube ich eher weniger, dass FriendFeed hier so einschlagen wird.
    Außerdem, wie du oben in deinem Beitrag bereits geschrieben hast, versuche solchen Usern mal den nutzen etc. von solchen Services zu erklären. ;)

  3. Ihr habt da einen wichtigen Absatz bei Marcel offensichtlich nicht gelesen:
    \“Aus diesen Gründen wird friendfeed langsam aber sicher auch im deutschsprachigen Raum Fuss fassen. Ich spreche hier nicht von Mainstream. In den Mainstream wird friendfeed erst in ein paar Jahren vordringen (so es denn..). Aber bei der webaffinen Bevölkerungsschicht, die auch Blogs regelmäßig liest, ist es nur eine Frage der Zeit, bis friendfeed hier einschlägt.\“

    Marcel redet davon, dass FF unter der webaffinen Nutzerschicht (die Twitter und Blogs nutzt und WEB 2.0 sehr wohl kennt) in einem Jahr ein Thema sein wird. Und das ist durchaus sehr wahrscheinlich!

  4. auch als echochamber der deutschen blogosphäre wird es nicht Verbreitung finden.

  5. Eine Prognose wage ich nicht, dafür ist mir das Trendverhalten der deutschen Blogosphäre (eigl. jeder Gemeinschaft) zu unergründlich.

    Mich erinnert FF, insbesondere wegen der abgekoppelten Kommentare und des simplen Äußeren, ein bisschen an Reddit — und das hat selbst unter den web2.0-Powerusern in Deutschland ja auch nie richtig Fuß fassen können.

    Vielleicht erreicht es 80% verglichen mit dem Twitterhype :)

  6. also, ich glaube nicht wirklich an die Nutzung von Friendfeed. Das Diskussionsverhalten hier ist deutlich anders als in den USA, die Zahl der Early-Adopters ist viel größer, und so weiter und so fort. Dazu verlangt Friendfeed viel zu viel von den Usern, sowohl konzeptionell, als auch was das Involvement angeht.

  7. Ich denke der Erfolg von FriendFeed heir in Deutschland ist eng an den Erfolg von Facebook in Deutschland gekoppelt. Facebook, bedingt duch seinen Lifestream, wird die Nutzer an ein solches Konzept gewöhnen.
    Ein Jahr wird daher sicherlich zu knapp kalkuliert sein. In der early-adopter-crowd wird ff in einem Jahr aber sicherlich gehypt werden. Denn eines darf man nicht vergessen: auch Twitter ist dem \“User an sich\“ immer noch unverständlich.

  8. Sollten aber SchnüffelVZ, Klassenbuch oder andere ein neues Censr-Debakel bzw. Datenschutz-KommunikationsGau aufmachen, dann wird der Wunsch nach einer Meta-Instanz Dienste wie FriendFeed weiter puschen, auch wenn sie im Grunde was anderes sind.

  9. Vielleicht hab ich dieses Ding ja nicht richtig kapiert, aber ich krieg da unendlich viel Info (mir viel zu viel) – nämlich nicht nur, was meine Freunde so tun, sondern auch jeden Twitterscheiß von den Freunden meiner Freunde… Ich hätte gerne die Möglichkeit, das auf meine Freunde zu beschränken, sonst gehe ich ja unter in Infos…
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass weniger webaffine Leute was damit anfangen können.