21. Juli 2008

Das Möchtegern-Leitmedium

DER SPIEGEL schreibt über “Die Beta-Blogger”, allein der Titel lässt schon darauf schliessen, worum es in dem Text geht. Ohne dass ich den Artikel gelesen habe, möchte ich nur eine Sache anmerken:

Ich lasse mir nicht eine Diskussion über Blogs in Deutschland aufschwatzen von einem Magazin, das ich vor Jahren aufgehört habe zu lesen.

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Da spricht mir einer aus dem Herzen.

Das sei dir gegu00c3u00b6nnt.

Aber solche Mischmaschblogs (so wu00c3u00bcrde ich meines auch mal bezeichnen) ku00c3u00b6nnen doch kein Ersatz fu00c3u00bcr eine umfangreiche Berichterstattung a la Spiegel, Deutschlandfunk usw. sein.

Aber genau dieser Eindruck wurde hier erweckt und genau so treten viele Mu00c3u00b6chtegernleitblogger auf.

Da mu00c3u00bcssten dann schon mal monothematische Blogs von echten "Auskennern" ran. Und die gibt es eben nicht. Denn vielleicht interessiere ich mich ja fu00c3u00bcr Energiepolitik, aber das Familienleben des "Auskenners" interessiert mich gerade nicht so unbedingt.

Den gewu00c3u00bcnschten Mix an Inhalten kann ich mir auch im Feedreader zusammenstellen.

aber ehrlich gesagt: mich wu00c3u00bcrden blogs nerven, die monothematisch den
ganzen tag nur politik rauf und runter behandeln, ich finde es wie
gesagt viel spannender, wenn "ganz normale" blogger auch mal politisch
bloggen, weil sie ein konkreten anlass haben.

Dann sind wir uns ja eigentlich einig. Ich lese ja gerne Blogs, aber politisch sind die meistens nicht. Und darum ging es ja im Spiegelartikel.

Dann bitte aber auch nicht so tun, als sei mit den Blogs alles andere u00c3u00bcberflu00c3u00bcssig geworden. Denn offensichtlich ku00c3u00b6nnen die alten Medien ja etwas, was Blogs dann nicht bieten.

Der Mix macht es eben.

Rivva ist ein Ansatz, wie man Diskussionen aufbereiten kann. Mehr ist
es derzeit nicht. Mehr erwarte ich aber auch gar nicht.

Bei mir steht das Thema Meinung im Vordergrund, Du willst lieber
Fakten. Das ist schon okay, aber ich kann Dir ehrlich gesagt nicht
sagen, wo Deine Themen so umfassend behandelt werden. Denn es gibt bei
Blogs eben keinen Anspruch auf Vollstu00c3u00a4ndigkeit.

Das Schu00c3u00b6ne ist ja: man muss Blogs nicht lesen. Es ist nur eine
Erweiterung des Angebots, das mag man oder auch nicht.

Dass ein Blog nicht umfassend alle Themen behandeln kann, ist mir schon klar. Einen Ersatz fu00c3u00bcr eine Tageszeitung oder ein Wochenmagazin suche ich auch gar nicht bei den Blogs.

Aber wo ist der Blogger, der fachkundig zur aktuellen Kreditkrise schreiben kann? Wo das Blog, das sich umfassend und faktenkundig mit den Problemen der Energieversorgung auseinandersetzt? Und so ein Blog mu00c3u00bcsste auch am Thema sein, bevor und nachdem ein Thema in der u00c3u0096ffentlichkeit heiu00c3u009f gehandelt wird.

Meinung ist ja schu00c3u00b6n und gut und ich lese gerne Meinungsbeitru00c3u00a4ge, wenn sie gut begru00c3u00bcndet sind. Aber ich will auch Fakten. Und das finde ich in den Blogs eher selten, auch in mancher Tageszeitung nicht. Deshalb habe ich mein TAZ-Abo zum Beispiel geku00c3u00bcndigt.

Das macht keiner nebenher, das ist mir klar. Ku00c3u00b6nnte ein Grund sein, warum es das nicht gibt. Man kann schlieu00c3u009flich nicht davon leben.

Aber Rivva als Beispiel dafu00c3u00bcr, wie gut die deutschen Blogs funktionieren? Nicht ernsthaft oder: Ich schaue jetzt (Dienstagmittag) gerade mal drauf. Was sind die wichtigsten Themen laut Rivva? Ganz oben der Spiegelartikel, um den es auch hier geht. Irgendwelche Applegeschichten, StudiVZ, Hackerparagraf. Und so oder u00c3u00a4hnlich sind die Themen fast immer, wenn ich mal bei Rivva vorbeischaue.

Ginge es nach Rivva, wu00c3u00a4ren Energiekrise, Wirtschaftskrise, US-Pru00c3u00a4sidentschaftswahlkampf, China und die Olympischen Spiele oder auch der aktuell gerade laufende Prozess in Guantanamo kein Thema.

Und eben deshalb spielen Blogs keine Rolle.

muss es _das_ Blog geben, das sich mit dem Thema Politik
auseinandersetzt? Das wu00c3u00a4re zwar nett, von wegen der u00c3u009cbersichtlichkeit,
aber viel interessanter ist es doch, all die unterschiedlichen
Meinungen auf Blogs zu bestimmten Themen zu sehen, wie es bspw. Rivva
versucht darzustellen. Und ehrlich gesagt interessiert mich die
Meinung auf Blogs, die ich lese, immer noch weit mehr als auf
irgendwelchen selbsternannten Fachblogs.

So ganz kann ich die Aufregung nicht nachvollziehen. Aber ich bin ja auch immer noch ein bekennender Papiernutzer.

Der Artikel stellt doch die richtigen Fragen.

Und die Reaktion der so genannten Blogossphu00c3u00a4re bestu00c3u00a4tigt den Artikel doch: Hu00c3u00a4tten Blogs den von so vielen gewu00c3u00bcnschten Einfluss mu00c3u00bcsste man jetzt in der Schmollecke sitzen.

Deutsche Blogs ku00c3u00b6nnen bisher bestenfalls eine Ergu00c3u00a4nzung sein. Meins betrachte ich hu00c3u00b6chstens als eine Art digitaler Leserbrief.

Auf Spiegel, FAZ, Freitag, Cicero und Konkret will ich jdenfalls nicht verzichten. Und ich meine die gedruckte Fassung.

Wo ist denn das Blog, dass von sich aus Themen mal gru00c3u00bcndlich und kontinuierlich behandelt? Auu00c3u009fer bei Themen, die das Netz betreffen, finde ich keine (ich meine z.B. netzpolitik.org).

Doch. Lohnt sich aber nicht. Niggemeier und der Bildblog sind toll, Don Alphonso machte sich ju00c3u00bcngst lustvoll daran, die Du00c3u00bcnkel der deutschen Blogger-Szene zu zerlegen und PI ist wirklich schlimm.

Nein, das waren Pornoheftchen.

Online ist der noch nicht, oder?

Jetzt erinnere ich mich langsam. Spiegel - das waren doch diese sauber gebu00c3u00bcndelten Heftpakete, die man bei Wohnungsauflu00c3u00b6sungen immer auf den Dachbu00c3u00b6den von Oberstudienru00c3u00a4ten finden konnte, oder?

ich kenne das noch von fru00c3u00bcher. die waren mal wichtig, sagt unsere
eltern-generation.

Was war noch einmal gleich "Der Spiegel"?