Urlaub, Streik oder Tarifverhandlungen bei der Lufthansa?

Nico —  27.07.2008

Am Montag soll bei der Lufthansa unbefristet gestreikt werden, jedenfalls sieht das die Gewerkschaft ver.di vor:

Ab Montag kann es in allen Geschäftsbereichen der Lufthansa zum ersten unbefristeten Streik seit 13 Jahren kommen. Die Arbeitsniederlegungen sollen an den Flughäfen Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart stattfinden. Sie werden „zeitversetzt“ beginnen, kündigte Ver.di-Verhandlungsführer Erhard Ott an. Die 52.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine der größten deutschen Fluggesellschaft wollen damit für einen besseren Tarifvertrag kämpfen.

Das Unternehmen hatte zuletzt eine Erhöhung von 6,7 Prozent in zwei Schritten und eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresgehalts geboten. Der Vorschlag des Konzerns liegt Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber zufolge im oberen Bereich der diesjährigen Tarifabschlüsse. „Mehr geht nicht, das muss deutlich gesagt werden“, schrieb er in einem offenen Brief an die Mitarbeiter. Die Gewerkschaft Ver.di fordert weiterhin 9,8 Prozent mehr. Bestreikt werden sollen die Geschäftsfelder Kabine, Technik, Catering, Cargo, Passage und Systems.

Ich versuche das jetzt mal halbwegs unemotional zu sehen, auch wenn wir am Donnerstag mit der Lufthansa in den Urlaub fliegen wollen.
Aus Sicht der Gewerkschaft und der Angestellten ist der Streik zum Urlaubsbeginn in Deutschland sicherlich die Möglichkeit, möglichst schnell viel Druck auf das Unternehmen ausüben zu können. Für die Lufthansa ist die Verhandlungsposition denkbar schlecht, schliesslich sind jetzt nicht nur Businesskunden betroffen, sondern auch noch die Urlauber. Wie es dazu kommen konnte, dass sich die Lufthansa in diese Position hat drängen lassen, ist mir schlichtweg ein Rätsel. Das wäre vergleichbar mit einem groß-angelegten Streik im Einzelhandel an den letzten vier Samstagen vor Weihnachten. Die Gewerkschaft ver.di hat nun die Möglichkeit, ähnlich wie jüngst die GDL bei den Bahn-Tarifverhandlungen, ihre Stärke zu zeigen, denn die Auswirkungen des Streiks werden nicht nur die Lufthansa, sondern sicherlich auch andere Marktteilnehmer in Deutschland zu spüren bekommen.

Die Annäherung zwischen 6,7% und 9,8% wird jetzt zügig erfolgen müssen, wobei ich deutlich die Lufthansa in Zugzwang sehe. Der durch Flugausfälle entstehende finanzielle Schaden und die vielen genervten Kunden werden sicherlich für eine Delle im Aktienkurs sorgen, also muss die Lufthansa hier dringend für eine Einigung sorgen.

Am Besten natürlich bis Mittwoch, aber das nur am Rande.