Neulich, bei den Kreativen und den Marken im Internetz

Nico —  16.10.2008

Paul Marsden über WOMEs gibt sie noch, die Momente, in denen man als Blogger als seltsames Wesen gilt, bestenfalls als Paradiesvogel durchgeht und keiner aber so genau weiss, wie man mit diesem seltsamen Blogger umgehen soll. „Du schreibst dann ja sowieso nur ein Verriss von dem, was ich sage.“ – Selten konnte ein Blick auf mein Namensschild soviel Furcht auslösen wie heute beim Brands and Ideas Congress des Art Directors Club Deutschlands zum Thema „Leading Brands in Digital Times“. Und auch, weil Christoph Schuh von der ToFu AG dies leicht falsch verstanden hat, es ging um das Thema „Markenführung“ und nicht um „führende Marken“, was ein dezenter Unterschied ist, aber die Interpretationsmöglichkeit des Themas fand ich schon bemerkenswert.

Wie dem auch sei, der Event war höchst unterhaltsam. Ich durfte gestern bereits zum Speakers‘ Dinner auflaufen und im Münzclub viele gute Gespräche führen. Man merkte, dass das Thema digitale Markenkommunikation auch die Kreativen umtreibt und ein klein wenig erinnerte mich diese Mischung von Interesse und Bemühung stark an Diskussionen mit Verlagen vor 5 Jahren. Unter dem Motto „different echo chamber, same discussion“ kamen die exponierten Vertreter der Werbebranche zusammen, um zu diskutieren, auzurütteln und Thesen zu entwickeln. Vieles war durchaus neu für die Anwesenden, aber die gefundenen Erkenntnisse werden bereits seit 5 Jahren von Protagonisten des Mitmach-Internets diskutiert. Überhaupt, es klang sehr viel sehr bekannt, machte Hoffnung auf mehr und wurde dann doch wieder durch real existierende Beispiele ad absurdum geführt.

Es wird ein Verständnis vom Netz, dem dortigen Diskurs, insbesondere in Social Networks eingefordert und darauf hingewiesen, dass Werbung eine Story erzählen sollte und relevant sein müsste. Gleichzeitig geht es um eine explizite digitale Strategie, quasi als Kontrast zur klassischen Werbung. Eine Schere im Kopf behindert beim Denken, das wurde sehr deutlich, denn eine einheitliche Kommunikationsstragie können sich die wenigsten vorstellen, zu seltsam ist dieses Internetz. Deutlich wurde dies insbesondere durch die anwesenden Vermarkter vorgeführt, die zwar über „Relevanzierung“ geredet haben, Clickratensteigerungen von 0,01% auf 0,08% feierten, aber dennoch keinerlei Dialog anschieben konnten mit ihren Werbeformen.

Der Begriff Web 2.0 viel erst am späten Nachmittag, stand aber letztendlich unausgesprochen den ganzen Tag im Raum. Auch dies eher eine Randnotiz, aber durchaus eine, die ein wenig auf das Setting beim ADC hinweist.

Aber alle waren sie stolz auf ihre ersten Schritte im fremden Internetz und verkündeten vom Weg in eine neue bunte Werbewelt. Nur, es wurde nichts Neues erzählt und die ersten Schritte sind sehr zaghaft. Immerhin, es gibt erste Schritte. Mir kam das so vor:

Die Werber denken, sie haben das Licht gesehen, dabei stehen sie in einem dunklen Raum mit einer Taschenlampe ohne Batterien.

Die Tools sind vorhanden, nur die Anwendung ist noch eher unbedarft.

Was mich freuen würde: ADC meets Web 2.0 – ein Dialog über die Disziplinen hinweg. Ich helfe gerne.

4 responses to Neulich, bei den Kreativen und den Marken im Internetz

  1. helfe auch gerne. wenn ich die unterhaltsamen tweets der „web 2.0, 3.0 visonäre“ (zitat aus adc programm) verfolge, klang das reichlich frustiert bis belustigt, was mich leider nicht überrascht. schon auf der OMD hab ich mich über dumme sätze wie „werbung wird content“ und „brands become friends“ geärgert.

  2. Marc Frey 17.10.2008 at 0:51

    die meisten Werber sind in der Regel ja nicht innovativer (im Sinne von mutiger) als ihre Kunden (bestenfalls in den Sonntagsreden). Schliesslich will man die ja nicht verschrecken mit dem neumodischen Zeugs. Deswegen werden hier auch noch viele Chancen verpasst werden, echten Dialog mit der Zielgruppe zu etablieren. Getreu dem Motto: Der Konsument frisst ja eh, was wir ihm vorsetzen. Ehrlich ist das nicht. Und auszahlen wird sich das auch nicht, denn wirkliche Relvanz und Glaubwürdigkeit kann man so natürlich nicht erreichen. Aber bitte: es soll dann keiner meinen, man habe es ihnen ja nicht gesagt…

  3. Das war aber auch ganz angenehm, dass das W-LAN mal für die vier ausreichte, die immer nach aussen twitterten (und dann nicht wieder hinein ;)

    meine Gedanken dazu:
    http://www.ringfahndung.de/archives/adc-leading

  4. Du hast „Relevanz“ gesagt. Steinigt ihn!