Qualität will not be televised

Nico —  19.10.2008

Eigentlich ist ja schon alles geschrieben worden zu diesem total aufregenden Eklat bei der Verleihung irgendeines Fernsehpreises, nur noch nicht von mir. Ich habe weder die Preisverleihung gesehen, noch das Gespräch danach, sondern nur so halbwegs mitverfolgt, wer sich da über den Blödsinn im Fernsehen so alles aufgeregt hat.

Ein 88-Jähriger und eine 65-Jährige regen sich über das Fernsehprogramm auf. Beide kommen aus dem Literaturbetrieb.

Daran werden zwei Sachen deutlich: 1. die angepeilte Zielgruppe des ZDF ist mit dem Programm scheinbar nicht zufrieden. 2. die Zeiten des Vollprogramms sind schon länger vorbei, es haben nur noch nicht alle gemerkt.

Das frei-empfangbare Fernsehprogramm wird mehr und mehr Stuß bringen, weil dies massenkompatibler als französische Filme aus den 70ern mit Jean-Louis Trintignant sein wird. Viele Leute wollen unterhalten werden und haben eben einen anderen Anspruch als die Intellektuellen dieses Landes. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Großraumdisco und Dorfbums haben ihr Publikum, genauso wie Oper und Theater, nur in aller Regel ohne massive staatliche Zuschüsse.

Natürlich muss Unterhaltung nicht platt sein, aber ehrlich gesagt hängt das immer von den eigenen Ansprüchen ab und die sind praktischerweise unterschiedlich. Die Idee eines Vollprogramms für die Masse der Bevölkerung ist daher genauso absurd wie die Idee von Fernsehen als Rundfunk. Wer die technischen Mittel hat, also Computer mitsamt Internetzugang, der kann sich schon jetzt die Inhalte zusammensuchen, die er gerne sehen will, und zwar unabhängig von Zeit und Ort. Natürlich ändert das unsere Rezeption der Inhalte, natürlich will man nicht immer aktiv sein Programm selber gestalten, aber Tools wie TiVo zeigen, dass Fernsehen auch anders möglich ist.

Ich finde daher die Qualitätsdebatte ordentlich absurd. Gerade die Leute, die andere Inhalte sehen wollen, haben die Möglichkeiten, dies zu tun und müssen nicht auf die ARTE-isierung der Sender hoffen. Jeder kann gerne hohe Ansprüche haben, aber man sollte nicht davon ausgehen, dass alle daran interessiert sind, ihr Fernseh-Verhalten danach auszurichten. Die Fernsehsender werden irgendwann auch merken, dass ihre Programm-Politik dazu führt, dass immer mehr Werbe-relevante Zielgruppen viel leichter woanders zu finden sind und dann ihre Angebote entsprechend ändern, aber dazu sind die Sorgen bislang nicht groß genug. Der Paradigmen-Wechsel ist allerdings schon im vollen Gange und überspitzt formuliert wird das frei-empfangbare Fernsehen in Zukunft nur noch für die bildungsfernen Schichten attraktiv sein, da sich alle anderen schon vorher abgewendet haben. Zu viele Kanäle mit unpassenden Inhalten stehen dem Internet gegenüber, das mir zu jeder Zeit die Inhalte liefern kann, die ich gerade konsumieren möchte.

Der Weg ist vorgezeichnet, während man sich in Qualitätsdebatten verheddert, die Online-Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen möglichst genauestens zu definieren versucht, die Verlage mehr und mehr in Richtung Online-Bewegtbild gehen und MySpace eigene Serien produziert. Fernsehen verändert sich, aber Qualität wird es nachwievor geben, auch zur Hauptsendezeit, nur eben vom User selber ausgewählt.