Es ist schon erstaunlich, da findet in den USA eine Präsidentschaftswahl statt und alle, aber auch wirklich alle, gucken wie gebannt in die USA. Sicher, die Wahl dort ist wichtig und aus der Sicht vieler Europäer hat der Amerikaner an sich nach den letzten 8 Jahren bei dieser Wahl einiges gut zu machen, aber dennoch finde ich es faszinierend, wie sehr diese Wahlen Thema hier in Deutschland sind.
Ich kann mir zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwer vorstellen, dass die Bundestagswahlen in Deutschland im September 2009 eine ähnliche Begeisterung, gar Euphorie bei so vielen Teilen der Bevölkerung auslösen wird. Schlimmer noch, wir haben erst die Europwahlen nächstes Jahr, die werden niemanden interessieren, auch online nicht. Dann wird ein Bundestagswahlkampf stattfinden, unter dem gebetsmühlenartig wiederholten Hinweis, dass Deutschland nunmal anders sei, weniger Geld vorhanden sei und überhaupt und wir bekommen wieder die drögen “Parteien zur Wahl”-Spots vorgesetzt, regen uns über zwei, drei Aktionen irgendwelcher Populisten auf und dann wird gewählt.
Leider war ich nicht zum Wahlkampf in den USA, aber ich habe über meine quasi Familie in Iowa seit ca. 2 Jahren immer wieder Updates über die Kampagnen, bzw. deren Vorbereitung bekommen. Die Art und Weise, wie ad hoc zu einem Wahlkampf Teams zusammengestellt werden, die dann ähnlich wie bei einem Startup eine schlagkräftige Truppe bilden, die nur fokussiert ist auf ein Thema, das finde ich schon beeindruckend. Dagegen wirken die bundesdeutschen Wahlkämpfe beamtig verschnarcht und werden ohne wirklichen Mut geführt, mal neue Dinge wirklich auszuprobieren. Und ja, das Thema Internet ist immer noch unter “neu” aufgehangen.
Meine These ist, dass 2009 in Deutschland das Netz nur als Abspielstation verwendet wird, wobei Engagement und Diskussion sicherheitshalber vermieden werden, begründet mit dem nötigen finanziellen Einsatz, obwohl die Angst vor dem Kontrollverlust und das Unverständnis über die Wirkungsweise von Social Media eine viel größere Rolle spielen. Insofern wird es keine spannenden Tools a la election.twitter.com geben, keine mitreissenden Youtube-Clips, keine wirklichen Aktivitäten bei MySpace, JoinR, Facebook, StudiVZ und Co, sondern geringe Wahlbeteiligung as usual nach einem uninspirierenden Wahlkampf und danach die Elephantenrunde mit den immergleichen Statements, dass jetzt erst einmal Inhalte zählen würden und weniger Personen.
Was wäre ich froh, würde meine These widerlegt werden.
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