20. November 2008

von der Leyens Zensur-Phantasien gegen das Internet

Heute war meine Tageszeitung mal interessanter als sonst, denn in einem Interview mit Ursula von der Leyen sprach die Familienministerin von Kinderseelen werden zerfetzt und entwickelte zur Bekämpfung ziemliche Zensur-Phantasien, natürlich alles im Sinne der guten Sache und für das Wohl der Kinder.

Abendblatt: Wie groß ist die Kinderporno-Szene in Deutschland?
Von der Leyen:Es gibt eine riesige Dunkelziffer. Es wird immer mehr über kommerzielle Websites verbreitet. Da werden Millionenbeträge verdient. Pornografische Videos, auf denen Kinder gequält und gefoltert werden, werden allein in Deutschland bis zu 50.000-mal im Monat heruntergeladen. Die Bandbreite reicht vom Pädokriminellen bis zum User, der wahllos sucht und ignoriert, dass er sich gerade die Einstiegsdroge besorgt.

Abendblatt: Was unternimmt die Regierung?
Von der Leyen: Das Allerwichtigste ist, dass das BKA wie bisher Täter ermittelt und gezielt Quellen schließt. Das reicht nicht. Ich will einen Damm bauen gegen die Flut der Bilder, indem wir den Zugang für den Kunden blockieren.

Abendblatt: Heißt konkret?
Von der Leyen: Wir schließen die Datenautobahn der Kinderpornografie. Das BKA erstellt Listen der kinderpornografischen Websites. Jetzt sollen die Zugangsanbieter gesetzlich verpflichtet werden, die Listen zu beachten und solche Websites unverzüglich zu schließen. Der Kunde klickt an und läuft ins Leere – kein Anschluss unter dieser Nummer. Das ist technisch möglich, und es ist rechtlich möglich.

So wichtig die Bekämpfung der Kinderpornographie ist, hier wird der falsche Ansatz gewählt. Schon jetzt gibt es einen rechtlichen Rahmen und natürlich ist Kinderpornographie verboten. Sperrlisten für Websites bringen erst einmal gar nichts, vor allem weil sicherlich der meiste Traffic im Bereich Kinderpornographie über Peer2Peer-Netze ablaufen wird. Da kommen gerne dann Zensur-Phantasien auf, die nicht nur zeigen, dass es ein wenig ausgeprägtes Verständnis vom Internet gibt, sondern auch der Ruf des starken Staates als das Heilmittel geht. Frau von der Leyen will eine Art große chinesische Firewall für Deutschland, natürlich alles nur, um Kinderpornographie herauszufiltern.

FUD in Verbindung mit der moralischen Keule Kinderpornographie kann nicht der richtige Ansatz sein, insbesondere wenn hier wieder Maßnahmen ergriffen werden sollen, die letztendlich zu Zensur führen, aber das grundsätzliche Thema nicht im Ansatz verbessern. Ein gesellschaftliches Problem bekommt man sicherlich nicht mit staatlichen Allmachtsphantasien gelöst, zumal ich mir durchaus vorstellen kann, dass die angedachten Filter dann auch weit mehr filtern als sie eigentlich sollten.

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ja, der Wiefelspu00c3u00bctz wu00c3u00a4re sicherlich wieder ganz vorne dabei.

Ja. Und der Joker gilt heute schon auch fu00c3u00bcr Zeichentrickfilme. Und wenn morgen die Zensurinfrastruktur steht, dann wird u00c3u00bcbermorgen wikipedia gesperrt und zwar die Echte.

Da kannst Du aber drauf wetten, dass, wenn so eine Filterei einmal da ist, sie schneller als Du "Wiefelspu00c3u00bctz" sagen kannst woanders genutzt wird. Ich erinnere nur mal an die Mautbru00c3u00bccken.

Die Zensurfreunde mu00c3u00bcssen am Rande der Verzweiflung sein, Kinderporno ist normalerweise der Joker, der gezogen wird, wenn "Terrorismus" als Argument nicht mehr ausreicht.

Wenn es wirklich um die Sache ginge, wu00c3u00a4re der logische Weg, auf "Anbieterseite" einzugreifen, kein Provider der Welt mu00c3u00b6chte so etwas auf seinen Servern wissen. Aber dann wu00c3u00a4re KP ja kein Argument mehr fu00c3u00bcr das, was man sonst noch mit diesem Argument erreichen mu00c3u00b6chte...

Und solche Filter sind ja auch nicht unumgehbar...

ehrlich gesagt kann ich da auch nicht helfen, dafu00c3u00bcr habe ich zu wenig
Einblick in die Materie. Aber den Aufbau eines staatlichen
Filter-Apparates, um das gesamte Internet zu u00c3u00bcberwachen halte ich a)
fu00c3u00bcr u00c3u00bcbertrieben und b) weckt das Begehrlichkeiten, auch andere Inhalte
zu u00c3u00bcberwachen bzw. zu sperren. Die bestehenden Gesetze reichen doch
aus, um Kinderpornographie in Deutschland zu beku00c3u00a4mpfen, weitergehende
Forderungen sind blinder und gefu00c3u00a4hrlicher Aktionismus.

D'accord. Aber wie ist dieses "gesellschaftliche Problem" dann in den Griff zu bekommen? TV-Werbung fu00c3u00bcr Hilfsangebote scheint auch nicht der Durchbruch zu sein.

Die "Einstiegsdrogenkonsumenten" u00c3u00bcberwachen und zur <strike>Gehirnwu00c3u00a4sche</strike> Psychotherapie verdonnern?

Um ma l klarzustellen woru00c3u00bcber wir reden: Zeichentrickfilme!

http://www.focus.de/panorama/welt/kinderpornogr...