Konsumgutscheine jetzt, Rechnung später

Nico —  4.12.2008

Ach, wie besinnlich ist doch die Vorweihnachtszeit, wenn Forderungen von Andrea Nahles, Karl Lauterbach, Hubertus Schmoldt, und anderen gestellt werden, dass jetzt Konsumgutscheine verteilt werden sollen, damit Deutschland einen Ausweg aus der Finanz-Krise findet oder wenigstens die Auswirkungen etwas abgefedert werden. Was auf den ersten Blick wie die Zeile „When can I go into the supermarket and buy what I need with my good looks? “ aus dem Gedicht America von Allen Ginsberg wirkt, ist eine extreme Mogelpackung und wird keine positiven Effekte mit sich bringen, die halbwegs mittelfristig wirken.

3 Punkte, die gegen die Forderung der Konsumgutscheine sprechen:
1. 500 € für den Kosum bewirken, dass nur kurzfristig die Nachfrage nach Produkten gestärkt wird, was den Handel stützen dürfte, aber zügig als Effekt verpufft.
2. Diese 500 € pro Person kosten irgendwas bei 30-40 Mrd € – diese Kosten tragen dann die Steuerzahler, bzw. werden auf den Schuldenberg draufgepackt und unsere Kinder zahlen dann mehr ab.
3. Anstatt überholte Grundannahmen der letzten Jahrzehnte endlich mal zu überprüfen und zu einer Neu-Ausrichtung der Wirtschaftspolitik zu kommen, wird weiter versucht, das alte System am Leben zu erhalten. Auf Dauer wird das nicht aus der Krise helfen. Die Finanzkrise überlagert derzeit das strukturelle Problem, in dem sich Deutschland befindet. In der globalisierten Welt wird gerade die Fokussierung auf den Export immer schwieriger werden, da ich nicht glaube, dass Deutschlands Stärke die Produktion sein wird, sondern wir uns eher Gedanken über eine wirkliche post-industrielle Gesellschaft machen sollten.

Mal sehen, was noch alles an Steuergeschenken im Wahljahr 2009 das Wahlvolk beglücken soll. Da geht bestimmt noch einiges.

4 responses to Konsumgutscheine jetzt, Rechnung später

  1. Trifft den Nagel auf dem Kopf ABER seit wann wollen Politiker wirklich unsere Wirtschafts- und auch Steuerpolitik reformieren? Es ist ein Patchwork und nach jeder Wahl kommen ein paar Flicken hinzu …

  2. http://www.lawblog.de/index.php/archives/2008/1

    „Da werden sich die Hersteller von Flachbildfernsehern in Fernost aber freuen.“

  3. Viel lustiger ist doch, wenn man mal darüber nachdenkt, wo das Geld dann am Ende landen würde: Zu einem kleinen Teil im Handel, und zu einem großen Teil bei den japanischen/koreanischen/taiwanesischen/chinesischen Herstellern von brauner und weißer Ware (sprich: Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte, Elektronik), Klamotten, und so. Und das wenigste davon wird bei Firmen in Deutschland bleiben, nur die Marge des Handels. Bringt das dann wirklich so viel?

  4. @ Dirk

    nun, der Staat bekommt mindestens 19 % über die MwSt zurück und etwas bleibt auch durch die Gewerbesteuer etc. hängen …