Die Ära von netzwertig.com ist vorbei

Paah, reißerische Headlines kann ich auch. Schließlich meinte Martin Weigert neulich schreiben zu müssen: Die Ära der Facebook-Applikationen ist vorbei und fasst dies so zusammen:

Im Sommer 2007 waren Facebook-Applikationen der Hit. Die Öffnung des Social Networks für externe Anwendungen galt als absolutes Novum und trug erheblich zum rasanten Wachstum des Dienstes bei. Anderthalb Jahre später haben Apps ihren Reiz und die Entwicklerplattform ihren Status als Facebooks Hoffnungsträger verloren.

Das ist ehrlich gesagt glatter Unfug. Die Applikationen, sei es auf Facebook, MySpace, dem iPhone, bei Google oder sonstwo, fangen gerade erst an, in das Bewußtsein der Nutzer vorzudringen. Und ich rede hier nicht von Vampiren, Schneebällen oder sonstigem Krams, sondern von wirklichen Anwendungen, die in den Social Graph der User greifen und dadurch nicht nur anders funktionieren als bekannte Anwendungen, sondern eben auch für die User viel nützlicher sind. Des Weiteren möchte ich darauf hinweisen, daß niemand auch nur im Ansatz alle Applikationen nutzt, die es für Windows, OS X oder Linux gibt, das wird auch immer fröhlich so bleiben, kann man auch mit neumodischen Begriffen wie LongTail und so erklären.

Für einen Paradigmen-Wechsel, den die Facebook-Plattform eingeleitet hat, sind ehrlich gesagt 1 1/2 Jahre keine lange Zeit, wir sind mitten drin und die Plattform, ihre Anwendungen und die Nutzung verändert sich stetig. Das Problem vieler Entwickler von Facebook-Apps war allerdings, dass hier die Hoffnung auf die schnelle Monetarisierung der massiv auftretenden PageImpressions durch Werbung gelegt wurde, was aufgrund der bescheidenen TKP und der geringstmöglichen Responserate bei den den meisten Ads ziemlich schnell zunichte gemacht wurde. Man sollte die Apps also nicht als massiven Inventarlieferanten sehen, sondern entweder als eine Verzahnung einer bestehenden Website mit Facebook und damit dem dortigen Social Graph, oder als eine alleinstehende Anwendung, die den Usern einen Mehrwert bietet, der sich i.d.R. ebenfalls über den Social Graph erschließt. Hierbei kann es um Werbe-finanzierte Angebote im Sinne eines Sponsoring gehen, oder eben um die Variante einer bestehenden Anwendung im Kontext von Facebook.

Ich glaube nicht, dass die Ära der Facebook-Apps vorbei ist, ich sehe eher, dass die Sturm-und-Drang Phase vorbei ist und nun das Thema Application-Platform auf einem breiteren Sockel steht und die zweite Welle der Anwendungen jetzt kommen werden, wie beispielsweise Salesforce für Google Apps. Dienste wie Facebook Connect und Google Friend Connect unterstützen die Plattformen künftig und sind komplemtär zu den Application-Platforms zu sehen. Ich glaube allerdings auch nicht, dass Netzwertig.com jetzt total am Ende ist, die bekommen sicherlich ab und zu auch noch mal einen guten Artikel hin.

8 Antworten auf „Die Ära von netzwertig.com ist vorbei“

  1. Dass die Ära der Applikationen (so man denn überhaupt davon sprechen kann) noch nicht vorbei ist, da gebe ich Dir Recht. Sicherlich wurden sie bei Facebook nun etwas versteckt (ich benutz das ja kaum, musste aber seeeehr lange suche, bis ich die unten am Bildrand wieder entdeckte). Aber mit OpenSocial und all den Bemühungen (auch deutscher Unternehmen), ein OpenSocial-Container zu werden, steht uns da sicher noch etwas bevor. Dass es sinnhafter sein muss, ist wohl klar.

  2. Leider fehlte der Rest, danke IntenseDebate… :

    Was natürlich die andere Frage ist, wäre ob denn die Applikation zum Social Graph gehen muss oder ob der Social Graph zur Applikation kommt. Denn wenn auch mit OpenSocial die Schnittstelle plattformübergreifend wurde, so kann man evtl. nicht einfach eine Applikation ohne Änderungen von A nach B übertragen. Auch lösen Applikationen noch nicht das Problem, dass ich x verschiedene, sich überschneidende Social Graphs auf diversen Netzwerken habe. Hier denke ich, ist es evtl. praktischer, auch den Social Graph zu bewegen bzw. dass ein "Social Service" diesen von einem Masterservice abonnieren kann (und neue Freunde dort eintragen).

    Bis dahin ist es natürlich noch ein gewisser Weg (vor allem wir Deutsche wollen ja auch alles sehr kontrolliert und sicher haben, was aber z.B. auch für die DataPortability-Gruppe gilt), aber nur so kann auch der Benutzer entscheiden, wo denn seine Daten zu liegen kommen.

    Nun wird es natürlich nicht so sein, dass es ein Entweder/Oder sein wird, sondern es wird sicherlich einen Mix aus allem geben.

    2009 wird in dieser Hinsicht sicherlich sehr spannend werden, ich würde mir aber wünschen, dass auch mehr deutsche Firmen auf das Open Web setzen würden.

    1. Deutsche Firmen? Open Web? Nein, das ist doch nur Kinderkram, in
      Deutschland macht man so etwas nicht, abgesehen von irgendwelchen
      Startups. Aber richtige Firmen, die machen IT, und das ist viel
      ernsthafter als ein paar Web-Apps miteinander zu vertd00640065006c006e.

  3. Ich muss deiner Beurteilung weitestgehend zustimmen. Ich finde, dass generell in der Blogosphäre zu sehr aus der Sicht der "Early Adopter" gewertet wird, man jedoch die Sicht des "normalen Anwenders" ganz gerne mal vergisst. Ich schätze keiner von uns hätte einem so einfach strukturiertem Netzwerk wie WKW vor 2 Jahren einen großen Erfolg bescheinigt…aber es funktioniert. Gleichzeitig denke ich auch, dass die Zeit der Applikationen sogar noch nicht wirklich gekommen ist, sondern sich erst in den nächsten Jahren wirklich durchsetzen wird. Nur bei uns, die sich täglich mit diesen THemen auseinander setzen, sind Apps ein alter Hut. Aber auch nur weil sie nicht mehr "neu und spannend sind", sondern in Zukunft einfach "nützlich" sein müssen. Und davon gibt es nunmal nicht viele. Die Zeit zum Spielen ist vorbei…nun muss ein Mehrwert geschaffen werden. Und der wird dann auch bei den "normalen" Nutzern ankommen.

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