
Weihnachten vor 19 Jahren habe ich in Iowa verbracht und Teil der Weihnachtsvorbereitungen war die Anschaffung einer Flasche Whiskey für Granddad. Diese Flasche war nicht so die typische 750 ml Flasche, sondern ein Jug Whiskey mit Griff und sicherlich 3 l Fassungsvermögen. Das überraschte mich, kannte ich bis dahin Whiskey eher so als Getränk aus Filmen, nicht aber als etwas, was man zuhause trank.
Über die Weihnachtstage gab es dann eine oft wiederkehrende Szene. Granddad, damals Mitte 70, aufgewachsen auf einer Ranch in Montana, Fan von Western-Filmen mit John Wayne und ehemaliger Marketing-Verantwortlicher bei EastmanKodak, nahm sich eine Handvoll Eiswürfel, packte sie in sein Glas, goß Whiskey darüber, nahm das Glas, roch daran, nahm einen Schluck, strahlte und sagte im herrlich breiten amerikanischen Akzent “That’s Life!”, wobei das “a” ziemlich gedehnt war, um noch mehr zu betonen, wie sehr ihm dieser Moment behagte.
Für mich hatte Whiskey damals so viel Reiz wie eine Flasche Möbelpolitur, aber die, auch in den Jahren danach stets wiederkehrende, Szene mit dem sichtlich zufriedenen Granddad und dem Ausspruch “That’s Life!” hat sich in meinen Hirnwindungen unauslöschbar mit dem Thema Whiskey positiv verknüpft.
Diesen Sommer dann waren wir auf einer Mittelmeerkreuzfahrt mit meiner amerikanischen Gastfamilie auf einem amerikanischen Dampfer und als Aperitif oder auch nach dem Essen wurde Whiskey gereicht. Naja, subtile Peer Pressure und so, irgendwann habe ich dann auch mal einen Whiskey geordert. Nun ja, und seitdem bin ich auf den Geschmack gekommen, also mit meinen geringen geschmacklichen Ambitionen jedenfalls. Nach unserer Rückkehr aus dem Urlaub hatte ich auch endlich mal Verwendung für die Flasche Johnny Walker Black Label, die mir mein Gastvater vor Jahren aus dem Duty-Free Shop vom Flughafen mitgebracht hatte. Und da ich mittlerweile sehr gerne Mad Men gucke, wollte ich natürlich auch mal einen Rye probieren, also durfte eine Flasche Jim Beam Rye angeschafft werden (der Protagonist Don Draper trinkt bevorzugt Rye). Ich trinke natürlich nicht poserig irgendwelche sündhaft teuren Tropfen, sondern herkömmlichen Whiskey auf Eis, aber selbst das schmeckt mir ziemlich gut. Ehrlich gesagt bin ich über Johnny Walker Black Label, Jim Beam Rye, Jim Beam Black und Jim Beam Distillers Series Aged 7 Years bislang nicht hinausgekommen, aber das wird sicherlich noch.
Seitdem kann ich Granddad prima verstehen und bei jedem Glas Whiskey, das ich trinke, denke ich “That’s Life!” und an Granddad.
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