Ein paar Ahnungen für 2009

Nico —  30.12.2008

Irgendwie hat es sich eingebürgert, daß zum Ende eines Jahres viele Leute einen Ausblick auf das kommende Jahr versuchen. Da kann ich mich natürlich nicht bremsen und muss auch mal fünf Ahnungen für 2009 zum Besten geben, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber dennoch mit dem mir eigenen überbordenen Realitätssinn.

1. Die Finanzkrise wird als Thema noch eine Weile vorhanden sein, aber überwiegend als Ausrede gelten, wenn man notwendige Neuerungen nicht anpacken will. Ab März wird die Wirtschaft wieder in Schwung kommen, weil spätestens dann klar ist, dass die Medien sich auch mal wieder anderen Themen zuwenden müssen. Die Amtseinführung Obamas wird als eine Art weltweiter Ruck zu spüren sein.

2. Print ist tot und TV stinkt schon ganz gewaltig – die Medien werden sich rasanter als noch in 2008 verändern und die Nutzerzahlen sich gen Internet verschieben, was vor allem zur Folge haben wird, dass die Marketing-Spendings ebenfalls in Richtung Internet wandern und daraufhin die Angebote von Print und Broadcast-TV noch unatraktiver werden, was wiederum zur Folge haben wird, dass User abwandern in Richtung Internet, und so weiter. Settop-Boxen werden immer nützlicher und Applikationen wie Boxee werden dafür sorgen, dass unser TV-Konsum ebenfalls in unseren SocialGraph eingeklinkt wird.

3. Customer Support ist das neue Marketing 2.0 – Firmen werden immer mehr merken, daß online über sie und ihre Produkte geredet wird, da kann sich niemand mehr schlechten Support leisten. Getsatisfaction wird die Speerspitze einer ganzen Reihe von Applikationen rund um das Thema Support sein, denn es bietet einen wunderbar einfachen Nutzen für Anwender und Firmen gleichermaßen. Twitter wird das Tool für den simplen Dialog im Internet und gleichzeitig zur Infrastruktur für dialog-orientierte Anwendungen im Internet.

4. Wir haben einen Überfluß an Informationen, daher wird die Inspiration immer wichtiger. Was konsumieren wir morgen? Welche Themen sind für uns wichtig? Wir können zwar viel sharen, aber ohne den entscheidenen Impuls bleiben alle vermittelten Informationen ohne jegliche Auswirkungen. Die Inspiration wird zur treibenden Kraft online. Je mehr Menschen online sind, desto mehr wird Inspiration an Bedeutung gewinnen.

5. Das Wahljahr 2009 wird mühselig. Von Obama wollen alle lernen, aber sie verstehen es nicht im Ansatz, bzw. wollen nicht umsetzen, was sie verstanden haben, weil sich dadurch der politische Entscheidungsfindungsprozeß zu ändern droht. Also werden im Wahlkampf weiterhin Themen gepusht, die wenig mit der Zukunft des Landes zu tun haben, aber die verbliebene Stammwählerschaft mobiliseren soll. Nach der Bundestagswahl wird es weiterhin eine sog. Große Koalition geben, Zukunftsthemen werden mit Hinblick auf die Finanzkrise weitesgehend ausgeblendet, Mehltau 2.0 ist die Folge.

Es dürfte klar sein, dass mir Punkt 5 nicht so behagt und ich nichts dagegen hätte, wenn es anders käme. 2009 wird nicht langweilig werden, so viel ist sicher.

6 responses to Ein paar Ahnungen für 2009

  1. re 1:

    Oder die Finanzkrise wird als Ausrede dienen etwas zu machen was man schon lange machen wollte, aber sich nicht traute weil es unpopulaer ist/war. "Muss leider jetzt sein, ist ja Finanzkrise".

    Oder die Finanzkrise muss als Ausrede herhalten wenn ein "business model" das von vornherein Unsinn war nicht funktioniert.

  2. Ja! Meine Rede: Customer Support ist das neue Marketing 2.0
    Guten Rutsch, lieber Nico u Family!

    Ute

  3. Gute Punkte und 100% Zustimmung – insbesondere, aber das dürfte jetzt wenig verwunderlich sein, was den dritten Punkt angeht ;-) So, jezt gehe ich aber feiern…

    Guten Rutsch und ein erfolgreiches 2009!

  4. Customer Support als neues Marketing? Ganz neu ist es ja nicht, Web 2.0 gibt der Sache nur viel mehr Dampf. Das ist auf jeden Fall eine gute Sache, denn das dürfte endlich wieder neben den Preis anderen Faktoren mehr Gewichtung geben. Und ja, ich denke, dass sich hier wirklich etwas zum Guten verändern wird.

    Wollen wir wirklich unzähligen Menschen ein Protokoll unserer Fernsehgewohnheiten zur Verfügung stellen? Beim Musikkonsum ist das nicht besser. Es hat schon eine andere Qualität, als in einem Profil seine Lieblingsband bzw. ein paar bevorzugte TV-Sendungen zu nennen.

    Diese Informationen in einem eng definierten Freundeskreis zu teilen, kann eine Bereicherung sein. Doch der Umgang vieler (erschreckend vieler!) User mit Twitter, die Microblogging mit Instant Messaging "verwechseln", lässt bei mir einfach keinen Optimimus bei dem Thema aufkommen.

    Print und TV: Da sollte man die Blumen für die Beerdigung noch nicht bestellen. Print und TV verlieren in Zukunft an Bedeutung, verlieren Marktanteile und damit Budgets. Bis zu welchem Punkt das gehen wird und wie schnell, ist was anderes.

    Die Veränderungen, die das Internet bringen wird, werden von den meisten Menschen noch stark unterschätzt, doch sich bereits 2009 von Print und TV zu verabschieden, ist definitiv verfrüht. Da glaube ich eher noch an das papierlose Büro.

    Politik: nicht können, nicht wollen, höchstens wollen würden. Aber wer weiß, vielleicht überrascht ja eine der kleineren Parteien mit einem modernen Wahlkampf.

    Amtseinführung von Obama: Auf den Ruck könnte sehr schnell ein Kater folgen, denn Wahlkampf 2.0 und Regieren 2.0 sind zwei Paar Schuhe – noch dazu in Realität 1.0.

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  1. Bye, bye 2008 - hello 2009 » Frank Helmschrott - 31.12.2008

    […] zu Hauf getan und können das meist auch viel besser als ich. Besonders gefallen haben mir Nicos Ahnungen für 2009. Denen stimme ich weitestgehend zu und Nico, wenn sie alle eintreffen, können wir ja mal […]

  2. dogma pillenknick » Blog Archive » das ende ist nah - 31.12.2008

    […] wenn niemand nach mir wirft). jahresrückblicke und vorschauen erscheinen derzeit zu genüge. gute hingegen gibt es nur […]