Seehofer als Gegenkönig

Nico —  10.02.2009

Meine erste Hausarbeit im Studium hatte den Titel „Das angebliche Gegenkönigtum des Herzog Arnulf von Bayern im Jahr 919 und die daraus resultierende Forschungskontroverse“ und um es kurz zu machen ging es darum, daß in Bayern Herzog Arnulf zum König proklamiert wurde, während der Ottone Heinrich I. ebenfalls als König fungierte. Auf die Forschungskontroverse und so gehe ich jetzt mal nicht ein, aber die Sache mit dem Gegenkönigtum finde ich schon interessant, da man aus der Quellenlage nicht sehen konnte, ob Arnulf jetzt bewußt als Gegenkönig ausgerufen wurde, oder nur zeitgleich.

Seehofer jedenfalls stellt sich gerade bewußt als Gegenkönig auf, der versucht, der CSU wieder zu strahlendem Glanz zu verhelfen, indem er Angela Merkel und ihren zögerlichen Regierungsstil ausnutzt und Fakten schafft auf Kosten der CDU und damit der Regierung.

Die allgegenwärtige Finanzkrise wird von der CSU weitesgehend ignoriert und anstatt sich um die Wirtschaft zu kümmern, werden interne Machtspielchen veranstaltet, die zur Folge haben, daß jemand ohne wirklichen Background als Wirtschaftspolitiker jetzt das Wirtschaftsministerium führen soll. Seine Qualifikation ist ziemlich eindeutig, denn er ist Franke. Wie 919 müssen die Stämme befriedet werden für ein gemeinsames Bayern. Der Rest der Republik ist dabei ziemlich egal, was Frau Merkel in diesen Tagen deutlich zu spüren bekommt. Sie ist die Randfigur in diesem bayerischen Machtspiel, auch wenn alles in ihrer Regierung abläuft.

Die Union wird noch viel Spaß haben mit einem Seehofer, der vor Kraft kaum laufen kann und sich insbesondere auf Kosten der CDU zu profilieren versucht und einer Angela Merkel, die amtsmüde und viel zu zögerlich wirkt.

5 responses to Seehofer als Gegenkönig

  1. Ob Seehofer wie Edmund I. von Bayern Kanzlerkandidat aller Deutschen werden will…? F.-J. und Ede sind gescheitert und Seehofer würde es nicht besser gehen. Oder legt er es auf das „Superministerium“? Wäre nicht das erste Mal, das ein Bayer mit großen Zielen nach Berlin kommt und kleinlaut zurück nach München muss…

  2. Das mit den Stämmen ist einfach eine seltsame Geschichte . In anderen Ecken der Republik nennt man das war einfach regionalproporz, aber bei uns in Bayern hat das noch einen ganz besonderen Geschmack.
    Ich gehöre übrigens dem underdrückten Stamm der Franken an. :)

  3. sorry aber „Seehofer, der vor Kraft kaum laufen kann“ find ich eine krass falsche Einschätzung der Lage. Es ist wohl eher „Seehofer, der vor Zähneklappern nicht hört welches Geschirr er zerschlägt“. Meiner Meinung nach geht der CSU grad der A* auf Grundeis: Die absolute Mehrheit verloren, Koalitionspartner nun, mit Hohlmeier gerade noch an der Katastrophe vorbeigeschrammt, Glos nun vor die Wand Tür gesetzt. Der Antritt der FW könnte wohl verhindern, dass die CSU wieder ins Europaparlament einzieht. Wo ist da Kraft?

  4. Ach das war schön der Gegenkönig. Danach kam dann die Ölkrise, oder? Und dann einen Texas-Topf.

  5. Zwischen dem Gegenkönig und den Ölkrisen kamen viele Texas-Töpfe. :)