Die Internet-Community an sich

Thomas Knüwer greift gerade das Thema Internet-Community auf:

Wann immer ich den Begriff höre, ergreift mich ein kalter Schauer des Unverständnisses: "Internet-Community". Immer wieder fällt er, bei Politikern, Wissenschaftlern, Managern. Und, ja, auch Medien verwenden diesen Anglizismus gerne.

Fast immer, wenn jemand diese Vokabel ausspricht, tut er das auf eine spezielle Art. Es schwingt ein gewisser Ton mit, der signalisiert, dass der Aussprechende nicht Teil dieser "Community" ist. Und dass er froh ist darüber. Fast verwunderlich, dass dem "Internet-Community" nicht noch "ominöse" vorgeschickt wird.

Es ist schon befremdlich, daß der gemeine Internet-Nutzer an sich immer noch als etwas Besonderes dargestellt wird. Ich finde auch den Begriff Community in diesem Zusammenhang sehr umständlich, denn nur weil ich ein Medium nutze, bin ich noch lange nicht in einer Gemeinschaft, weder in der Zeitungs-Community, in der TV-Community noch in der Internet-Community. Sicher, das Internet hat einen Rückkanal und macht es deswegen so interessant, aber für eine Gemeinschaft braucht es IMHO auch inhaltliche, verbindende Elemente.

Das Bedrohungspotential des Internet ist aus der Sicht der eher Etablierten auch enorm, da geraten Geschäftsmodelle ins Wanken, die Aufmerksamkeiten verändern sich, die Mediennutzung wird neu austariert und dabei sind wir bei dem Prozess erst noch am Anfang. Internet-Community, Neue Medien – da geht es immer um Abstand, immer auch um Abgrenzung.

Da mittlerweile mehr als die Hälfte der Bevölkerung online ist, sollte nicht von Internet-Community gesprochen werden, wenn man normale Menschen wie Du und ich meint.

8 Antworten auf „Die Internet-Community an sich“

  1. Hallo Nico,

    vielleicht hilft schon den Begriff Community durch das Wort Marktplatz zu ersetzen.

    Denn das ist es für micht: das Bild, Dorfplatz unter der großen Linde, da trifft man sich, um Fakten, Neuigkeiten und Getuschel auszutauschen…..

    Und, dass die Welt durch das Internet ohne nur noch ein Dorf ist, ist doch außer Frage :-))

    JWD

  2. Die Politiker-Community lebt eben in einer virtuellen Scheinweilt ;-) … in der Menschen durch die Kommunikationsmittel charakterisiert werden, die sie nutzen; siehe auch http://bit.ly/H52JV

    Vielleicht ist das aber nur die Rache dafür, dass man immer von „Die Politiker“ spricht – was ja auch eine grobe Vereinfachung ist.

  3. Oder der SMS-Community. Ich kann mich noch gut erinnern, wie die meisten etablierten Medien staunend darüber berichteten, dass unsere Bundeskanzlerin tatsächlich ein so modernes Medium wie SMS benutzt ;-)

    p.s.: Die Technologie SMS war zu diesem Zeitpunkt keine 15 Jahre alt und 10 Jahre lange in nennenswertem Umfang genutzt.

  4. Ich finde den Begriff auch etwas abwertend, das Internet ist doch auch nur eine Möglichkeit zu kommunizieren, wie das Telefon auch, warm gibt es dann keine Telefon-Community (hier schon angesprochen)
    Das Internet ist auch eine sehr gute Infomationsquelle, wie die Tageszeitung auch, sind wir nun auch in einer Zeitungs-Community?
    Ich denke viele Politiker sind einfach zu alt für die neue Technik, meine Oma tut sich auch schwer mit einem Handy :)

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  5. Recht er hat. Ich finde jegliche Form von Begrifflichkeit in diesem Zusammenhang fehl am Platz. Marktplatz ist übrigens fast noch mehr daneben und irreführend obendrein (kommerzielle Anhaftung).

    Letztlich ist das aber nur ein erneuter Beweis für die Spaltung der Gesellschaft. Diejenigen, die mit dem Internet lieber nichts zu tun haben wollen und sich Emails auch 2015 noch ausdrucken lassen müssen einfach Begriffe finden mit denen sie sich auf einen Schlag möglichst weit von dieser suspekten Welt abgrenzen können.

  6. Man kann die Sensibilität auch übertreiben. In der Regel (wie immer kontextabhängig) wird dann von einer Community gesprochen, die sich über das Netz findet und identifiziert. Das mag soziologisch nicht hinreichend differenziert sein, aber eine Wertung habe ich darin bislang nicht sehen können. Wir oben schon gesagt, ist die Bezeichnung, die sich in Blogs und Kommentaren für die politische Klasse finden weitaus grober.

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