22. August 2009

Piratensturm im Wasserglas

Derzeit sieht die Piratenpartei wie der klare Sieger der Online-Umfragen aus und auch der Traffic auf der Piratensite scheint um einiges höher als bei den etablierten Parteien. Das sollten die Piraten noch ausgiebig feiern, denn beim Wahlgang am 27. September werden sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden: eine Single-Issue Partei ist witzlos, wenn das Thema nicht vermittelbar ist.

Die Piratenpartei sorgt sicherlich gerade für eine ordentliche Mobilisierung innerhalb meiner eigenen Peergroup und zeigt auch, dass das Netz durchaus politisch ist, aber ich gehe davon aus, daß der Einfluß der Piratenpartei auf die Politik in Deutschland bestenfalls marginal sein wird. Die Piratenpartei packt durchweg Themen an, die mir am Herzen liegen und alles lässt sich unter dem Oberthema Internet irgendwie zusammenfassen, aber es ist eben nichts, was man anfassen kann. Und da fangen die unlösbaren Probleme der Piraten an. Nehmen wir doch mal die aktuelle Debatte um Netzsperren und Zensursula: die Nuancen sind hier sehr wichtig und es geht eben nicht um “für Kinderpornographie” und “gegen Kinderpornographie”, sondern um die Art und Weise des “gegen Kinderpornographie”. Darüber lohnt sich ein Streit, ohne Frage. Aber fragt mal jemanden außerhalb der eigenen Blogosphäre und ohne Twitter-Account, wie der Domain Name Service funktioniert und wie Blacklists umgangen werden können. Das versteht niemand. Ich rede hier von Leuten, die in das Suchfeld bei Google den URL eingeben, zu dem sie wollen. Erstaunlicherweise gibt es da draußen Leute, die noch nie ein CLI genutzt haben und für die das Internet aus Email, Google, Bild.de und Ebay besteht.

Ich glaube, daß die Piratenpartei aufgrund der Tatsache, daß sie als eigene Partei zu Wahlen antritt, jede Menge Potential zur Veränderung der Netzpolitik in Deutschland verschenkt. Ein Ansatz wie “Piraten in der SPD” hätte gewählt werden sollen, um die etablierten Parteien mit neuen Ideen zu versorgen und Leute zu finden, die diese Themen übersetzen können für die breite Masse der Bevölkerung, weil, lacht nicht, sie das Vertrauen der Menschen haben. Die Piratenpartei wird es nicht schaffen, den Erfolg der Grünen zu wiederholen, denn sie unterscheiden sich fundamental von den Grünen. Die Grünen, ganz vereinfacht dargestellt, haben einen gesellschaftlichen Trend zu mehr Ökologie aufgegriffen, um weitere Randthemen angereichert und unzufriedene Wähler angezogen, denen die etablierten Parteien zu verstaubt waren. Nur im Gegensatz zu Netzpolitik kann man Ökologie im Alltag durchaus begreifen, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Auswirkungen eines verdreckten Flusses auf die Fische kann man sehen, Netzfilter würden die meisten User niemals wahrnehmen. Hinzu kommt, daß die meisten Leute das Internet nur nutzen will, sich aber für die technischen Grundlagen nicht im Ansatz interessiert.

Für mich, und für viele Leser dieses Blogs, ist es völlig normal, viel Zeit online zu verbringen, sei es zuhause, im Büro oder mobil. Für uns ist es auch normal, eigene Inhalte zu erstellen und alternative Möglichkeiten des Informationsflusses jenseits der Massenmedien zu nutzen. Zwar werden die Online-Nutzer immer aktiver, aber wir dürfen uns hier nichts vormachen, was die Reichweite von Blogs oder Twitter angeht. Wir sind immer noch eine Nische in Deutschland, eine wundervolle, oft auch wundersame, aber eben doch eine Nische. Was man übrigens eben auch daran sehen kann, dass das derzeitige Top-Blog in Deutschland das Blog Netzpolitik.org ist, von dem völlig zu unrecht die breite Masse der Bevölkerung nicht nur nichts gehört hat, sondern auch niemals erfahren wird. Man sieht es aber auch daran, daß jeder Blogger total verzückt ist, wenn der URL des Blogs im Fernsehen oder in einer Zeitung/Zeitschrift, bzw. des Online-Ablegers auftaucht, denn dort ist immer noch wirklich Traffic vorhanden. Ich finde persönliche Empfehlungen via Facebook, Twitter oder Blogs auch weitaus relevanter für mich und sehe auch, daß der Traffic aus diesen Quellen zunimmt, aber das ist in Deutschland immer noch sehr nischig. Die Themen, die für uns relevant sind, sind für den Mainstream relativ ungeeignet, weil es Probleme gibt, den Kontext zu vermitteln. Will die Piratenpartei außerhalb der kleinen Nische der netzpolitisch Interessierten Wählerstimmen bekommen, muß sie eben auch massentauglich Themen anpacken können.

Ich finde es schade, daß dieser netzpolitische Elan des Jahres 2009 nur zu einem kleinem Paddelboot reicht, nicht aber zum netzpolitischen Kurswechsel etablierter Parteitanker. Man kann im derzeit grassierenden Online-Wahlkampf eben durchaus beobachten, wie wenig Online-Themen für die Parteien eine wichtige Rolle spielen und wie sehr das Netz immer noch als ein weiterer Sender gesehen wird, von einigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen. Das Verbreitern der Nische gelingt der Piratenpartei nicht, weil sie das Wasserglas, in dem sie gerade den Sturm entfachen wollen, als Weltmeer ansehen. Ihr großes Thema ist der Masse der Bevölkerung nicht vermittelbar und bei einer Bundestagswahl gibt es für viele Wähler noch andere Themen, die viel offliniger, aber dafür umso lebensnäher sind.

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Vorab: ich bin kein Mitglied bei den Piraten, sympathisiere aber.

"Ein Ansatz wie u00e2u0080u009cPiraten in der SPDu00e2u0080u009d hu00c3u00a4tte gewu00c3u00a4hlt werden sollen, um die etablierten Parteien mit neuen Ideen zu versorgen und Leute zu finden, die diese Themen u00c3u00bcbersetzen ku00c3u00b6nnen fu00c3u00bcr die breite Masse der Bevu00c3u00b6lkerung, weil, lacht nicht, sie das Vertrauen der Menschen haben."

Was fu00c3u00bcr ein Blu00c3u00b6dsinn! Danke fu00c3u00bce den Witz des Tages. :-)

Man soll in eine verknu00c3u00b6cherte Partei eintreten, die weder auf ihren "Online-Beirat" (alleine diese Wortschu00c3u00b6pfung!), noch auf die jungen Nachwuchsleute hu00c3u00b6rt, um denen neue Ideen zu stecken?

Lu00c3u00b6tzinn. Die SPD hat nicht auch nur drei Sekunden zugehu00c3u00b6rt und dann nachgedacht, denn dann wu00c3u00a4re ihr aufgegangen, dass ihr tage- und wochenlang Argumentationsfutter geliefert wurde.

Das haben sie ignoriert. Und in einen solchen laden soll man dann eintreten? Sich selber ins Eisfach einschlieu00c3u009fen? Geht's noch?

Wozu sollten die Piraten dem Partei-Kadaver SPD, der Dank Schru00c3u00b6der und Agenda-Politik schon ca. 50% seiner Mitglieder verloren hat, neues Leben einhauchen? Auu00c3u009ferdem kann die SPD nicht zu sehr auf Contrakurs zu den Zensurbemu00c3u00bchungen von Merkel, Schu00c3u00a4uble, von der Leyen und zu Guttenberg gehen, denn eine grou00c3u009f Koalition ist derzeit die einzige Chance fu00c3u00bcr Steinmeier und seine lahme Truppe, an Macht und Pu00c3u00b6stcen kleben bleiben zu ku00c3u00b6nnen. Die CDU will die Zensur eh und die FDP knickt fu00c3u00bcr Pu00c3u00b6stchen und Regierungsbeteiligung eh sofort ein. Wo sollen die Piraten da denn noch hin?

BTW, jeder sozial oder auch nur sozialdemokratisch gesinnte Mensch wu00c3u00a4re schon lu00c3u00a4ngst kein SPD-Mitglied mehr. Die unterscheiden sich doch nur noch um Schamhaaresbreite von der CDU/FDP, aber deren Anhu00c3u00a4nger wu00c3u00a4hlen lieber das Original. Lassen wir diesen Partei-Kadaver samt seiner charismafreien Fu00c3u00bchrungsriege also verrotten und "bedanken" wir uns bei Brioni-Schru00c3u00b6der fu00c3u00bcr das Vergewaltigen der SPD bis hin zur Unkenntlichkeit. Wem er wirklich diente, wissen wir ja heute: Bertelsmann, die die Agenda 2010 weitestgehend vogaben, und seinen heutigen Arbeitgebern, aber vor allem sich selbst.

Mfg

Nico, Du widersprichst Dir: Einerseits entfache die Piratenpartei nur einen Sturm im Wasserglas, den sie selbst fu00c3u00bcr das Meer halte. Andererseits gehst Du mit der Erwartung an sie heran, dass sie den netzpolitischen Kurs etablierter Parteitanker wechselt! Das kann's ja wohl nicht sein!

Dass die Piraten wissen, dass sie andere Probleme haben als die hier geschilderten, ist schon mal begru00c3u00bcu00c3u009fenswert.

Selten jedoch wird angesprochen, was das gru00c3u00b6u00c3u009fte Problem der Piratenpartei ist. Drum tu ich's: Dass die Piratenpartei, obwohl Viele (Unbedarfte) ihr zuschreiben, dass sie fu00c3u00bcr "kostenlose Downloads" eintrete, dies von sich weisen, obwohl kostenlose Downloads in der Tat das Herz der Wissensgesellschaft darstellen, DAS ist der gru00c3u00b6u00c3u009fte Fehler der Piratenpartei, dass sie einen gesellschaftlichen Trend, den sie bei den Massen bereits verku00c3u00b6rpern, NICHT aufnehmen, sondern abweisen!

Ein Trauerspiel!

Was mich immer wieder verwundert, ist der Hinweis, die Piraten vertru00c3u00a4ten Themen, die nur schwer zu vermitteln sein.
Lidl, Deutsche Bahn, BankDaten-u00c3u009cbertragung an die USA... die Zeitungen sind doch voll von den Themen der Piraten.

Was genau soll an "Piraten in der SPD" richtiger sein als an "Sozialdemokraten in der Piratenpartei"?

Die Piraten werden nicht ins Parlament kommen, und das ist auch gut so.*

Selbst wenn sie jetzt erstmals entdecken, wie Wahlkampf wirklich gemacht wird - das, was die Mehrheit von ihnen vorher als u00c3u00bcberflu00c3u00bcssig abgelehnt hat - und selbst wenn sie im Netz bei den chronisch Apolitischen (hu00c3u00a4lt eigtl. irgendwer die flamewars bei heise fu00c3u00bcr eine intelligente Diskussion?) als sog. Alternative gehandelt werden, selbst wenn sie im Moment einen gewissen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen, werden sie bald schnallen, das Politik oft Graubrot ist, dass man eher selten den schnellen Erfolg hat, dass es in vier Jahre wieder eine Wahl geben wird, bei der es die Piraten gar nicht mehr gibt, nachdem sie zurecht an der Fu00c3u00bcnfprozenthu00c3u00bcrde zerschellt sind. Nicos Idee der Piraten in der SPD, vielleicht auch bei den Gru00c3u00bcnen oder Linken oder FDP, ist richtig. Praten sind keine Apo, Piraten sind keine neuen Gru00c3u00bcnen, Piraten sind einfach nur Klamauk. Nicht anders als Die Partei oder HSP.

Persu00c3u00b6nlich hoffe ich, dass sie knapp unter der Erstattungsgrenze fu00c3u00bcr die Wahlkampfaufwu00c3u00a4ndungen bleiben.

haha, du kennst mich und weiu00c3u009ft sehr gut, dass das nicht annu00c3u00a4hernd "alles rauslassen" ist, gerade in Bezug auf die SPD ku00c3u00b6nnte ich vermutlich deine Datenbank sprengen, wenn ich meine Enttu00c3u00a4uschung allumfassend auskippe ;)
Aber gut, um das abzuku00c3u00bcrzen, ich habe mich daran gewu00c3u00b6hnt, dass du MICH nicht ernst nimmst, bei den Piraten an sich solltest du das anders halten ;)

@dave-kay lass es alles raus :)

@Nico
Sorry, aber ich lese nur heraus, dass du die Themen ernst nimmst, was
natu00c3u00bcrlich wenig u00c3u00bcberraschend ist.

Ich glaube im Gegensatz zu dir, dass der Impact der Themen durch die
Stimmen, die wir nehmen werden, eher gru00c3u00b6u00c3u009fer ist, weil nur so UND dank
der Gruppierungen innerhalb der Parteien klar wird, dass da mehr dran
hu00c3u00a4ngt.
Den Drive besser zu nutzen durch Piraten innerhalb der Partei wu00c3u00a4re nur
dann mu00c3u00b6glich, wenn quasi jedes Piratenmitglied in nur eine der
Parteien eintreten wu00c3u00bcrde, um diese zu entern.
Das ist jedoch mindestens in Bezug auf die SPD vollkommen unmu00c3u00b6glich,
da die Ablehnung der SPD-Politik innerhalb der Piraten mehr als nur
die Bu00c3u00bcrgerrechte betrifft.

Ferner hoffe ich instu00c3u00a4ndig, dass die SPD bei dieser Wahl richtig einen
vor den Bug bekommt und es die Basis dann schafft, sich von ihrer
kompletten Fu00c3u00bchrungsriege zu befreien. Noch glaube ich, dass wir eine
starke SPD brauchen, noch glaube ich, dass eine nicht kleine Menge
SPDler annu00c3u00a4hernd die Politik vertreten wu00c3u00bcrde, die ich von der SPD
erwarte. Aber vor allem glaube ich, dass die SPD sich dafu00c3u00bcr von der
obersten Riege komplett verabschieden muss.

Ziemlich spannendes Detail am Rande, die Annahme, dass die Chancen der
Piraten bei den ju00c3u00bcngeren Wu00c3u00a4hlerstimmen gru00c3u00b6u00c3u009fer sind, halte ich fu00c3u00bcr
nicht zwingend richtig. Auf einer imho bu00c3u00bcrgerlichen Veranstaltung
hier, bin ich speziell bei jungen Paaren (25-35) oft vor die Pumpe
gelaufen, wu00c3u00a4hrend wir bei den u00c3u0084lteren oft leichtes Spiel hatten,
sobald man Argumente austauschte. Viele u00c3u0084ltere zucken zusammen, wenn
man ihnen klar macht, was die Websperren sind (ohne auch nur ein mal
das Wort Zensur fallen zu lassen!) und es waren sehr oft u00c3u00a4ltere
Menschen (50+), die durch unsere blou00c3u009fe Anwesenheit an die Stu00c3u00a4nde kamen
und wissen wollten, was unsere Anliegen sind.

5 Wochen sind wenig,
aber ich persu00c3u00b6nlich glaube, dass wenn die zuletzt genannten 59% die
uns nicht kennen uns zu einem grou00c3u009fen Teil kennen lernen bis dahin,
durchaus eine Chance auf 5% besteht.
Der Wahlkampf von Steinmeier ist einer, bei dem er verkaufen muss, dass er nicht lu00c3u00bcgt, der Wahlkampf der Piraten besteht in erster Linie darin, u00c3u00bcberhaupt erst mal bekannt zu werden.
Wu00c3u00a4hrend ich Steinmeier nur minimale Chancen einru00c3u00a4ume, die Glaubwu00c3u00bcrdigkeit der SPD wieder her zu stellen (wie widerlich der ist, erst von Vollbeschu00c3u00a4ftigunge zu reden und dann zu erzu00c3u00a4hlen, man sagen den Menschen die Wahrheit, will ich dabei auch nicht weiter ausschmu00c3u00bccken und dass das Hauptanliegen von Menschen nicht ein Job ist, sondern ein Einkommen bzw. Lebensunterhalt, erwu00c3u00a4hne ich auch nur am Rande ), haben die Piraten es selbst in der Hand.

Und noch etwas:
Erinnerst du dich noch daran, dass du mir mal sagtest:"Die machen unser schu00c3u00b6nes Internet kaputt" und die SEOs meintest? Heute ist es deine Partei, die mau00c3u009fgeblich daran beteiligt ist und ich glaube, du solltest nicht gegen die Partei argumentieren, die das verhindern will, sondern allenfalls eure und unsere Leute zu solidarisieren versuchen.

Du redest davon, dass drauu00c3u009fen niemand weiu00c3u009f, wie DNS funktioniert. Fu00c3u00bcr was soll das ein Argument sein? Ich erklu00c3u00a4re, um hier mal Klischees zu bedienen, jeder Dame im Alter von 60+, die geistig auf der Hu00c3u00b6he ist, in ca. 5 Minuten, warum die Websperren falsch sind. Das geht im Gespru00c3u00a4ch sogar eindeutig einfacher, als im Monolog, oder in Schriftform. Dafu00c3u00bcr benu00c3u00b6tige ich kein Politikergequatsche und keine Fachbegriffe.

So, genug jetzt :)

hallo nico,
die politik der spd und der gru00c3u00bcnen der letzten 12 jahre haben mich beinahe zum nichtwu00c3u00a4hler gemacht, die piraten haben es binnen ku00c3u00bcrzester zeit geschafft mich auf die strasse zu mobilisieren und mit realen menschen ohne internet dazwischen u00c3u00bcber politik und die zukunft deutschland und europas zu streiten. das ist auch einer der gru00c3u00bcnde warum die crew mitglieder sich eben nicht einem spd stammtisch oder den gru00c3u00bcnen angeschlossen haben.

das "einthemenphu00c3u00a4nomen" ist dabei nur der offensichtliche kristallisationspunkt. meiner meinung nach sind die bewegru00c3u00bcnde fu00c3u00bcr die parteiaktivisten viel tiefer liegend, und auch deutlich nachhaltiger als du dir das vorstellen kannst. aber das werden wir dann ja sehen...

hier geht es wirklich um freiheit statt angst, und hier hat gerade die spd jede glaubwu00c3u00bcrdigkeit verloren.

ich wu00c3u00a4re in zukunft eher nicht wu00c3u00a4hlen gegangen und hu00c3u00a4tte damit tatsu00c3u00a4chlich meine stimme verschenkt. jetzt findet sie wieder einen kanal. spd oder gru00c3u00bcne wu00c3u00a4ren fu00c3u00bcr mich einfach nicht mehr in frage gekommen, das ist ein no-go fu00c3u00bcr mich geworden.

Ich kann dieses "Piraten in der SPD" einfach nicht nachvollziehen. Es ist Quatsch und die Stutenbissigkeit der SPD-Fanboys und -Girls an den Piratenstu00c3u00a4nden spricht Bu00c3u00a4nde.

Die SPD ignoriert eigene Programme, geltendes Grundgesetz und ist von der CDU nur noch in CI-Farbe und -Schriftart unterscheidbar.
Das mag an der Basis anders aussehen, aber das Pru00c3u00a4sidium gibt wenig Anlass zum Jubeln: Die SPD ist die Partei der mutlosen undefinierbaren Masse, weich und breiig wie ein Keksteig; die Partei mit Selbstbedienerin Ulla Schmidt, Biometrie-Chef-Schily und UrhG-Korbgeberin-Zypries.
Warum raucht Mu00c3u00bcntefering demonstrativ mit Vertretern der Tabaklobby und der Ku00c3u00b6rber-Stiftung? Kommt nach dem irrwitzigen Glu00c3u00bchlampenverbot nun was fu00c3u00bcr die Rauchindustrie?
Eine halbe Million Mitglieder und der beste der besten, den man in der SPD findet, ist der graue Star?
Die SPD ist zu steil strukturiert um Veru00c3u00a4nderungen zuzulassen. Ohne Interna raustragen zu wollen: die Piraten machen Fehler und in vielen Dingen muss "Partei" noch gelernt werden. Der Single Issue - Vorwurf verfu00c3u00a4ngt jedoch nicht wirklich, denn wenn die Gru00c3u00bcnen in Hamburg ohne Not die Studiengebu00c3u00bchren durchwinken, dann brauche ich keine Partei die alle Themen plakatiert, aber bei der kleinsten Brise umfu00c3u00a4llt.
Die SPD beherrscht das in Perfektion, am Boden liegend umzufallen kann nur sie. Lieber eine Partei mit wenigen Themen, zu denen sie im Falle aber steht. Bei der jetzigen Mitglieder-Explosi0n ist es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Themen besetzt werden. Ich habe keine Ahnung, ob die Piraten nach September weiter so aufsteigen, aber momentan haben sie die erste kosmische Geschwindigkeit und bald halb soviele Mitglieder wie die Gru00c3u00bcnen, allerdings ungleich aktivere.

Ich empfinde es als ziemlich schwer hier als 93. zu Kommentieren und dabei dem Artikel und den 92 vorherigen Kommentaren gerecht zu werden.

Mehr als die Hu00c3u00a4lfe meiner 28 Lebensjahre habe ich unter Kohl erlebt und habe mir schon als Kind ein SPD Parteibuch selbst gebastelt. Was nicht heiu00c3u009ft, dass ich jemals in die Partei eingetretenwu00c3u00a4re, denn schon als Kind war mir jede Vereinsmeierei zuwider.

Leider war es mir als 17-Ju00c3u00a4hrigem 1998 nicht gegu00c3u00b6nnt zu den mehr als 20 Millionen SPD-Wu00c3u00a4hlern zu gehu00c3u00b6ren und die spu00c3u00a4tpubertu00c3u00a4re Lebensphase und die Politik der ruhigen Hand wu00c3u00a4hrend der rot-gru00c3u00bcnen Koalition haben mich entpolitisiert. Mit der Zeit bin ich aber immer gru00c3u00bcner geworden. Toleranz, Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit und Bildung sind inzwischen zu meinen persu00c3u00b6nlichen Themen geworden und natu00c3u00bcrlich bekommt das iPhone nur echten u00c3u0096ku00c3u00b6strom. Leider haben mich die Gru00c3u00bcnen als Partei immer wieder enttu00c3u00a4uscht, wenn Sie mit in der Verantwortung waren. Von Kriegseinsu00c3u00a4tzen der Bundeswehr, u00c3u00bcber Steinkohlekraftwerke in Moorburg bis zur Hamburger Bildungspolitik.

Im Gegensatz dazu haben es die Piraten dieses Jahr geschafft mich auf die Strau00c3u009fe zu bringen und zwar direkt aus einem u00c3u00bcberfu00c3u00bcllten Wartezimmer beim Arzt, dank Twitter und iPhone! Auf meinem Weg zur Mahnwache am Ku00c3u00b6rberforum habe ich dich @Nico lusterweise Weise am Baumwall getroffen. Du bist also Zeuge meiner diesju00c3u00a4hrigen Repolitisierung! Nur mal so, unter uns Historikern :-)

Obwohl derzeit natu00c3u00bcrlich #Zensusula das Programm der Piraten in der u00c3u00b6ffentlichen Wahrnung dominiert, zeigen doch die Themenfelder Bu00c3u00bcrgerrechte und Basisdemokratie durchaus, dass es sich gar nicht um eine Single-Issue Partei handelt. Wie @Stefan (Nr. 57) sehe ich inzwischen gar keine Unteschiede zwischen On- und Offlinethemen. Gibt es u00c3u00bcberhaupt noch reine Offlinethemen?

Interessant fand ich die Bemerkung von @Don (Nr. 16) zur Fusion der Piraten und der Gru00c3u00bcnen. Denn auu00c3u009fer den Gru00c3u00bcnen traue ich keine anderen Parteien eine Piratisierung zu.

2009 ist mein 68!

Wohin es mich tragen wird? Ich weiu00c3u009f es nicht! Aber wie @ring2 (Nr. 91) spu00c3u00bcre ich, dass sich etwas u00c3u00a4ndern muss! Egal ob als gru00c3u00bcner Pirat oder Netz-APO-Aktivist...

Die Piratenpartei kann meiner Meinung nach zwei Punkte besetzen, die die Gru00c3u00bcnen in den letzten 20 Jahren nach und nach aufgegeben haben: Bu00c3u00bcrgerrechte und Basisdemokratie. Beides wu00c3u00bcrde *sehr* glaubwu00c3u00bcrdig zur Piratenpartei passen.

Ich nehme das u00c3u00a4hnlich wahr, wie @cemb - nur ziehe ich andere Schlu00c3u00bcsse daraus.

Die Piraten als Phu00c3u00a4nomen stehen fu00c3u00bcr den Widerstand gegen eben diese Zirkeldemokratie der etablierten Parteien - auch den Gruenen.

Irgendwie spu00c3u00bcrt man, dass sich etwas u00c3u00a4ndern muss. Ob das u00c3u00bcber eine Netz-APO oder eine Partei, wie die Piraten institutionalisiert sich findet, ist eigentlich nicht so wichtig. Die Zeit ist einfach reif, diese Generationenfrage nach Bu00c3u00bcrgerrechten, auch digitalen und Willensbildung 2.0 zu stellen.

Die SPD hat darauf imho keine Antwort parat.

Richtig.
Man darf nicht denken, dass die Online-Welt eine repru00c3u00a4sentative Gruppe der deutschen Bevu00c3u00b6lkerung ist.
Den Einfluss, die den Onliner auf Alltu00c3u00a4gliche Entscheidungen haben, sind heute noch immer marginal.

Noch was: Wenn die Neumitglieder sich bewu00c3u00a4hrt haben, du00c3u00bcrfen sie dann bei Nachwuchskader-Programmen (Mentoring) oder in Seminaren der FES sich auf gru00c3u00b6ssere Aufgaben vorbereiten. Die Realitu00c3u00a4t der Parteipolitik kann ganz schu00c3u00b6n grausam sein.

Wenn, dann wu00c3u00bcrde ich den Piraten eher raten, in die FDP oder den Linken einzutreten und dann ganze verschnarchte Gliederungen zu entern. In der SPD ist das bei Ortsverbandsgru00c3u00b6ssen von 150 Mitgliedern und mehr schwer und einem Durchschnittsalter von 6u00c3u009f+ schwer mu00c3u00b6glich.

Was hat denn die SPD den Mitgliedern und Sympathisanten der Piraten anzubieten? Mitsprache? In verkrusteten Ortsverbu00c3u00a4nden? Bei Unterbezirksparteitagen, die den Charme von ZK-Sitzungen haben? Wo alles zwischen den relevanten Flu00c3u00bcgeln und Personen vorab abgesprochen ist und die Delegierten ein wenig kuscheliges Genossen-Ambiente geniessen ku00c3u00b6nnen? Ganz abgesehen davon, dass man es erst einmal zum delegierten schaffen muss....

Oder sollen die oft jungen Anhu00c3u00a4nger zu den Jusos abgeschoben werden und dort in der geschlossenen Anstalt ihre Flausen ausleben, mit einer Vorsitzenden, die vom Sozialisimus tru00c3u00a4umt?

@Matthias:

Und? Wer hat zu dem Thema mehr u00c3u0096ffentlichkeit gebracht? Irgendein Clu00c3u00bcbchen in einer Partei, die bald niemand mehr wu00c3u00a4hlt oder die Piraten?

Na?

Das mag ja alles sein. Aber ich kann mich erinnern, dass in den USA jemand Pru00c3u00a4sident geworden ist, der wusste, wie man das Internet fu00c3u00bcr sich nutzt. Und Themen wie die Grundrechte sind durchaus greifbar. Das Internet ist nur ein Oberthema, die einzelnen Punkte, um die es geht, sind da schon wesentlich nu00c3u00a4her am Volk.
Trotzdem habe natu00c3u00bcrlich auch ich keine Ahnung, wie sehr das den Wu00c3u00a4hler an sich interessieren wird. Aber genau das finde ich eigentlich spannend, herauszufinden, und deswegen finde ich es auch gut, dass man sich auf das Experiment Piratenpartei eingelassen hat.
Mal schauen, was draus wird.

Habe keine Zeit die anderen Kommentare durchzulesen, wollte aber mal sagen, dass ich die Aussage des Artikels 100% unterstuetze. Gewaehlt wird nicht von der speziellen Gruppe "Webgemeinde", sondern von Menschen, die den Unterschied zwischen Sperren und Loeschen erstens nicht kennen und denen das zweitens auch herzlich egal ist, weil es nur ein Nieschenthema ist und privat niemanden betrifft. Und solange die Bild die neusten Skandale aufdeckt, macht sich niemand auch nur im Ansatz Gedanken um moegliche Zensur.

Auch ich habe gesagt, dass wir Piraten in allen Parteien brauchen. Aber die SPD - Bu00c3u00bcrgerrechts- und Netzpolitik lu00c3u00a4sst sich nicht ohne Druck von auu00c3u009fen und schon gar nicht von innen u00c3u00a4ndern. Dies hat sich nicht nur im letzten Sommer beim Desinteresse der Partei am Datenschutz gezeigt- trotz der Datenschutzskandale gab es nicht einmal das Bemu00c3u00bchen, hier Flagge zu zeigen. Ich wurde als wirtschaftsfeindlicher unrealistischer Datenschutzfreak beschimpft und gegen den sehr breiten Protest der Datenschutzszene von der Koordinationsaufgabe entbunden. Das Internet gilt vor allem unseren Rechtspolitikern als rechtsfreier Raum. Es gab und gibt keinerlei Chance, hier eine fortschrittliche Urheberrechtspolitik auf den Weg zu bringen. Wer nur das Wort Open Access in den Mund nimmt, wird in der Fraktion gebashed. Beim Hackerparagraphen gab es in der Fraktionssitzung regelrechte Hasstiraden gegen den Chaos Computerclub, obwohl man dessen Argumente nicht mal anhu00c3u00b6ren wollte. Bei der Vorratsdatenspeicherung habe ich nur mu00c3u00bchsam Schlimneres verhindert. u00c3u009cber die Anbiederung an vd Leyen will ich gar nicht reden. Aber die Zensur des Internet soll ja nicht nur nach Meinung von Griese bis Marks vorangetrieben werden. Zypries hat jetzt, wie ihre Vorgu00c3u00a4ngerin, den Hass im Internet entdeckt etc. etc. Beliebig viele Beispiele lieu00c3u009fen sich finden. Nicos Ansatz ist nett- aber ohne jegliche Kenntnis der tatsu00c3u00a4chlichen Entwicklung in der SPD seit Schily.

oder andersrum formuliert: Du hast, lieber Ju00c3u00b6rg, es u00c3u00bcber die Jahre nicht geschafft, als Stimme in der Fraktion wirklich Gehu00c3u00b6r zu bekommen. Daher meine ich ja, dass die Basis verbreitert werden muu00c3u009f.

Dankwe fu00c3u00bcr das Verschwinden lassen meines Beitrages, egal und....

"da geht es mir auch nicht um irgendeine politische farbenlehre, auch wenn mir das hier gerne unterstellt wird, sondern es geht mir um das vorantreiben der netzpolitischen themen. da glaube ich einfach, dau00c3u009f der drive der piraten durchaus zu einem anderen agenda-setting in den parteien fu00c3u00bchren wu00c3u00bcrde, wenn eben sich innerparteiliche mehrheiten auf den verschiedenen ebenen u00c3u00a4ndern"

JA, genau darum geht es und dem nicht in 4 oder 10 Jahren sondern HEUTE und JETZT!

Die SPD ist dazu nicht in der Lage, ist eher mit Teil der Gegegnseite. Die "Jungen der SPD" dortige Piraten, all die sogenannten Netzaffinen haben nichts bewirkt und womit wirkt andererseits die SPD?

Was sagt vdL-Pendant?
Was sagt Schu00c3u00a4uble-Pendant?
Und wie dumm ist H.H.-Wahl zum Mediensprecher?

Nein, nein, nein und nochmal Nein.

sorry, falls ich den irgendwie gelu00c3u00b6scht haben sollte, war keine absicht, sondern eher zu dicke finger auf dem iphone :)

@dave-kay: wie kommst du darauf, dass ich die piratenpartei nicht ernst nehme? ich finde, sie besetzt richtige und wichtige themen. mich treibt nur um, dass der impact der partei, bzw ihrer protagonisten, anders gru00c3u00b6sser sein ku00c3u00b6nnte.

da geht es mir auch nicht um irgendeine politische farbenlehre, auch wenn mir das hier gerne unterstellt wird, sondern es geht mir um das vorantreiben der netzpolitischen themen. da glaube ich einfach, dau00c3u009f der drive der piraten durchaus zu einem anderen agenda-setting in den parteien fu00c3u00bchren wu00c3u00bcrde, wenn eben sich innerparteiliche mehrheiten auf den verschiedenen ebenen u00c3u00a4ndern.

"Ich bin ja doch etwas verwundert u00c3u00bcber den Vorschlag u00e2u0080u009cPiratenu00e2u0080u009d sollten sich lieber in den etablierten Parteien engagieren."

Ich auch (s. mein Kommentar weiter oben).

Zwar wu00c3u00bcrde ich diese Argumentation verstehen und unterstu00c3u00bctzen, wenn das bedeutete, die kommunikativen Kompetenzen in den anderen Parteien auf's Parkett zu schmeiu00c3u009fen, um dadurch diese "von unten her" zu entkrusten, wahrscheinlicher ist aber, dass diejenigen, die in solche Parteien eintreten, sich dann mehr und mehr dem ganzen Linien- und Parteidisziplingedu00c3u00b6ns unterwerfen - das wu00c3u00a4re ein echter Verlust, da hu00c3u00a4tte niemand was von!

"Wer so etwas fordert, der hat die Piraten meiner Ansicht nach nicht verstanden."

Ich glaube, so manche in diesen Kommentaren hier haben Anspru00c3u00bcche an die Piraten, die - gemessen an der Realitu00c3u00a4t - viel zu hoch sind.

Klar lu00c3u00a4sst sich die Argumentation so aufmachen:
- Wird die Piratenpartei Deutschlands den Erfolg der Schweden bei der Europawahl (also ca. 7%) wiederholen ku00c3u00b6nnen (wenn ja, was dann? wenn nein, was dann?)
- Wird die Piratenpartei Deutschlands die 5-Prozent-Hu00c3u00bcrde knacken? (wenn ja, was dann? wenn nein, was dann?)
- Wird die Piratenpartei Deutschlands sich selbst TROTZ REALPOLITISCHER DISKUSSIONEN um Eintagsfliegen- oder "One-Issue"-Gedu00c3u00b6ns selbst treu bleiben? (sie muss - sonst gru00c3u00bcndet sich eine neue Partei, die noch piratischer sein wird... *g*)

"Uns geht es nicht nur um Datenschutz, Freies Wissen und Bu00c3u00bcrgerrechte, sondern vor allem um Basisdemokratie."

JA! Eine der grou00c3u009fen Stu00c3u00a4rken, eine der produktivsten Ressourcen, die der Piratenpartei zur Verfu00c3u00bcgung stehen, ist die Struktur und die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen und Aktionen durchgefu00c3u00bchrt werden!

Und eines noch zum Thema 3-4 Leute pro Ortsverein wu00c3u00a4ren nicht genug: Quatsch mit Sou00c3u009fe! Gerade durch die enorme Netzaffinitu00c3u00a4t und die hohe Kompetenz mit Nicht-Pru00c3u00a4senz-Kommunikation effizient umzugehen hebt die Piratenpartei aus dem Wust an Stammtischgu00c3u00a4nger-Parteien heraus!

Sicher, fu00c3u00bcr das "Gruppen-Feeling" sind RL-Treffs sehr nu00c3u00bctzlich und sie schaffen auch Vertrauen. Aber fu00c3u00bcr strukturelle, (?)programmatische und aktionistische Entscheidungsprozesse ist das RL-Treffen von PiratInnen ein (u00c3u00bcberflu00c3u00bcssiges) Gimmick - angenehm, aber nicht notwendig.

Selten hat es eine Partei oder Bewegung gegeben, die soviel Elan durch Selberdenken und Bottom-Up-Kultur entwickelt hat! Diese Ressource wegzureden (ernst gemeinte Bedenken und realpolitische Erwu00c3u00a4gungen in allen angemessenen Ehren) wu00c3u00a4re eine stru00c3u00a4fliche Missachtung der Stu00c3u00a4rke der Bewegung.

Redet die Piraten nicht kaputt - redet die CSED kaputt! :D

Ich finde die in der Handelsblatt-Umfrage (eine der wenigen seriu00c3u00b6sen, die die Piraten nicht nur unter "sonstige" ausweisen) 2% zur Bundestagswahl gar nicht so "nischig" wie Du es hinstellst.

Sicher werden die Piraten noch nicht direkt (wohl aber indirekt) politisch mitgestalten ku00c3u00b6nnen. Eine verschenkte Stimme ist das Kreuz bei den Piraten aber sicher auch nicht. Als Freund der Systemtheorie weiu00c3u009f ich, dass Du ein System nur innerhalb seines eigenen Codes beeinflussen kannst. Machtverlust - und seien es 2%, die ja irgendwo herkommen mu00c3u00bcssen, ist das effizienteste und von den Vu00c3u00a4tern unserer Verfassung gewollte Sanktionsmittel bei Unzufriedenheit mit der Politik. Im Gegensatz zu "Piraten in der SPD" oder einer e-Petition setzt eine Stimme bei der Bundestagswahl da an, wo es wehtut.

Ich stehe der SPD inhaltlich recht nahe (soweit man das noch sagen kann, etwas mehr Profil tu00c3u00a4te ihr gut - abwarten, wie das in einer Zeit nach der grou00c3u009fen Koalition aussieht). Dennoch bin ich Pirat. Nicht, weil ich denke, dass Datenschutz und Urheberrecht die einzigen oder allgemein dringendsten Probleme unseres Landes wu00c3u00a4ren, sondern weil sich sonst derzeit keine Partei zumindest adu00c3u00a4quat dazum ku00c3u00bcmmert, leider nicht einmal die Gru00c3u00bcnen. Dabei ist es mir vu00c3u00b6llig wurscht, ob die Piraten die neuen Gru00c3u00bcnen sind und sich im politischen Betrieb etablieren (damit wahrscheinlich auch u00c3u00a4hnliche Metamorphosen durchlaufen wie die einstigen u00c3u0096kos) oder ob sie dadurch u00c3u00bcberflu00c3u00bcssig gemacht werden, dass eine oder mehrere der "etablierten" sich ernsthaft ihrer Themen annehmen.

Es geht um die Ziele, nicht darum, wer sie verwirklicht. Ich sehe nicht, dass ich der Verwirklichung dieser Ziele einen Deut nu00c3u00a4her komme, wenn ich am 27. September wieder eine Partei mit meiner Stimme belohne, die mit ihrer Zustimmung zu einem potentiell verfassungswidrigen, zumindest aber in seinem erklu00c3u00a4rten Ziel wirkungslosen und gefu00c3u00a4hrlichen Gesetz weite Teile ihrer Basis und die gesamte Netzu00c3u00b6ffentlichkeit vor den Kopf gestou00c3u009fen hat.

Die Wahrheit liegt wohl wie so oft in der Mitte: Die "Piraten in der SPD" und die "echten" PIRATEN ergeben doch eine brauchbare Zangentaktik. Und es geht uns doch um die Sache und nicht um Machtspielchen, oder?

Ich muss sagen, es ehrt dich nicht, dass du die Piraten anscheinend weniger ernst nimmst, als die Politiker, auch von der SPD, die sich mit uns im Strassenwahlkampf befinden.
Wir haben heute auf einer Veranstaltung mit verschiedenen parteien gesprochen und durfte (muss man klar so sagen) das auf Augenhu00c3u00b6he tun, denn im gegensatz zu deinen Wort hier, spu00c3u00bcrte man, dass diese Politiker schon beinahe als etabliert anerkannten.
Frau Wagenknecht zog heute in der Menge mit meinem Flyer davon (Yeah!) und die Gru00c3u00bcnen boten uns eine Teilnahme an einer ihrer veranstaltungen an.. Eine entschuldigte sich ausdru00c3u00bccklich fu00c3u00bcr das Abstimmungsverhalten der Gru00c3u00bcnen beim Zugangserschwerungsgesetz bei uns und die SPD...nun, die eru00c3u00b6ffnte den Dialog witzigerweise mit "Wer hat uns verraten, das warn die Piraten", was uns u00c3u00bcber einige Meter zugeschmettert wurde. Wir brachen in schallendes Gelu00c3u00a4chter aus und ich antwortete nur:"Haha, aber du weiu00c3u009ft schon, wie der Spruch richtig geht, oder? Haha" und ab..
Lustig war auch, die Gru00c3u00bcnen und die SPD verteilten Luftballons, wir verteilten informationen. Lustig war weiterhin, dass wir schon Gespru00c3u00a4che und Diskussionen am Stand hatten, wu00c3u00a4hrend die SPD ausschlieu00c3u009flich mit sich selbst beschu00c3u00a4ftigt war, weil das ohne Klientel gar nicht anders mu00c3u00b6glich war.
Ich will meine Hoffnungen nicht zu hoch schrauben, wir werden sicherlich noch auf den Boden der Tatsachen zuru00c3u00bcck kommen, aber ich habe das dumpfe Gefu00c3u00bchl, das wird nicht durch die Bundestagswahl, bzw. deren Ergebnis passieren, sondern durch die interne Geschichten, denn eine Erweiterung des Programms ist lu00c3u00a4ngst in Arbeit und wenn du im Internet so kompetent wu00c3u00a4rest, wie du behauptest, wu00c3u00bcsstest du das auch, da im gegensatz zu den anderen Parteien ALLE informationen u00c3u00b6ffentlich sind.
Weiterhin ist es lustig ausgerechnet von dir auf das Thema Internet reduziert zu werden, ehrlich! :)

Noch mal zur Veranstaltung heute, die Kinder hatten Luftballons von den Gru00c3u00bcnen und der SPD an der Hand, die Eltern unsere Flyer.

Meine Gu00c3u00bcte. So viel Pfeifen im Wald hab ich schon lange nicht mehr gehu00c3u00b6rt wie in den letzten paar Wochen.

Es gibt ja auch keinen Anlau00c3u009f zur Hektik. Wenn man sich die Mitgliederstatistik ansieht, dann findet die Piratisierung unserer Gesellschaft effektiv seit Juni statt. Das heiu00c3u009ft, dau00c3u009f die Mehrzahl der Piraten seit 3 Monaten oder weniger Mitglied ist.

Fu00c3u00bcr die Piraten heiu00c3u009ft das in erster Linie einmal zu sich selbst zu finden und herausfinden, wer sie denn nun eigentlich sind und was sie genau im Einzelnen wollen. In einem zweiten Schritt wird es dann sicher auch zur Besetzung weiterer Politikfelder kommen, fu00c3u00bcr die die Piraten sich kompetent genug fu00c3u00bchlen.

Das ist auch in Ordnung so, und soweit ich das bisher erlebe, auch ein recht zu00c3u00bcgiger Prozeu00c3u009f. Nu00c3u00a4chstes Jahr um diese Zeit wird die Piratenpartei sicherlich ein viel geschlosseneres Bild abgeben.

Die aktuellen repru00c3u00a4sentativen Umfragen sehen die Sonstigen bei ~5%. Und die Sonstigen sind nicht nur die Piratenpartei. 5% fu00c3u00bcr die PP sind unrealistisch.

ich weiu00c3u009f gar nicht wieso hier staendig von 1-2 % geredet wird.

fu00c3u00bcr mich steht fest: wer bei der europawahl piraten gewu00c3u00a4hlt hat wu00c3u00a4hlt sie jetzt wieder. und wie oben schon geschrieben und von einem anderem kommentar auch in aehnlicher weise dargestellt kannte ausserhalb von twitter u00c3u00bcberhaupt gar niemand die piraten. einen richtigen wahlkampf gab es bei der europawahl auch nicht. das u00c3u00a4ndert sich gerade. in zeitungen erscheinen artikel u00c3u00bcber die piraten, die enorme menge neuer mitglieder tut ihr bestes die piraten bekannter zu machen und die wu00c3u00a4hler wollen die grou00c3u009fen parteien nicht wu00c3u00a4hlen.

3% sind meiner Meinung nach das Minimum!!!
-> das u00c3u00bcberspringen der 5% unwahrscheinlich aber nicht ausgeschlossen.

@ Holgi
Bis jetzt wurde es der SPD doch nur negativ ausgelegt,wenn sie den Verdacht erregt hat von der Linken abzukupfern.Das wu00c3u00a4re ja kein eigenes Profil,das die Partei so dringend braucht,sondern ein u00c3u00bcbernommenes.
Und wer eine politische Heimat hat (bei der Linken)
sucht doch keine mehr...

Das ist physikalisch und so mag ja stimmen, aber sauren Regen oder die Atomenergie konnte man auch nicht anfassen.

Auu00c3u009ferdem solle man die nu00c3u00a4chste Bundestagswahl nicht zum Endpunkt der Piraten machen. Das Konstrukt ist sehr neu und die Gru00c3u00bcnen waren auch nicht mehr der ersten Wahl wu00c3u00a4hlbar. u00c3u009cbrigens wu00c3u00a4ren IMHO alle Ergebnisse von etwa 1% ein Erfolg. Mehr erwarte ich nicht.

Spannender wird die Zeit danach. Haben die Piraten den Mut auch andere Themen zu besetzen? Und wenn ja, wie?

Ganz nebenbei bezweifle ich, dass Piraten in den Gru00c3u00bcnen oder Piraten in der SPD mehr Einfluss auf die Politik erlangt hu00c3u00a4tte als die Piraten es so schon erreicht haben. Immerhin sind die Parteien gezwungen, eine Position zu besetzen. Doofes Rausreden reicht nur noch in der C?U. Die SPD diskutiert noch und die Gru00c3u00bcnen sind schon einen Schritt weiter. Soooo schlecht ist das gar nicht. Im letzten Jahr ist definitiv mehr passiert als im Jahrzehnt vorher!

@king balance:

Der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur hatte einen Appell an die SPD gerichtet, gegen das geplante Internet-Sperr-Gesetz zu stimmen.

Um fair zu bleiben: Der Appell bzw. der Antrag auf dem Wahlparteitag stammt aus der innerparteilichen Ecke, aus der schlieu00c3u009flich die "Piraten in der SPD" hervorgegangen sind und wurde vom AK Zensur unterstu00c3u00bctzt.

Bemerkenswert ist, ich schrieb es oben ja schon, wie der Antrag, der durchaus Chancen bei einer offenen Abstimmung gehabt hu00c3u00a4tte, von der Parteifu00c3u00bchrung sabotiert wurde.

Mag sein, dass Politik aus Kompromissen besteht (Zum Beispiel ein Bundestagsmandat 2013 ...). Kompromiss bedeutet eigentlich aber, dass beide Seiten zufrieden sein ku00c3u00b6nnen. Das kann man bei der SPD nicht einmal mehr in der grou00c3u009fen Endabrechnung sein, Einzelfragen ganz aussen vor.

PS: Ich weiu00c3u009f nicht, ob ich die Piraten ernstnehmen kann oder will. Aber selbst als taktische Motivationshilfe scheint mir meine Stimme dort zur Zeit wesentlich besser aufgehoben als bei (m)einer Partei, die in den letzten Jahren einen Grou00c3u009fteil ihre Ziele und Idealen verraten hat.

Das Problem ist die grou00c3u009fe Koalition.

Gu00c3u00a4be es eine Rechte Mehrheit, die das Sperrgesetz durchgesetzt hu00c3u00a4tte, wu00c3u00bcrde die Opposition heiu00c3u009flaufen und die FDP wohl deutlich Stimmen verlieren.

Bei einer linken Mehrheit glaube ich an Selbstzerfleichung der Linken ;)

Insofern hoffe ich, dass die BTW Klarheit bringt. Wenn nicht.... weiter Piraten wu00c3u00a4hlen.

Piraten in der SPD?
Das hu00c3u00a4tten die etablierten Parteien schon Mitte der Neunziger haben ku00c3u00b6nnen, als die IT immer mehr in den privaten Lebensraum eingedrungen ist.
Aber da es bis heute ja nur zum einem "rabu00c3u00a4h, rabu00c3u00a4h, Killerspiele, rabu00c3u00a4h, rabu00c3u00a4h, rechtsfreier Raum" gereicht hat, braucht man sich nicht zu wundern, wenn eine grou00c3u009fe Anzahl technikaffiner Menschen keine Lust hat, ihre Freizeit der CDU, SPD & Co zu opfern.

Ich glaube zwar auch nicht, dau00c3u009f die Piraten auch nur ansatzweise so etwas wie eine Volkspartei werden, aber eines mu00c3u00b6chte zu denken geben:
Die Piratenpartei hat es geschafft, dau00c3u009f sich junge, u00c3u00bcberwiegend technisch ausgebildete Leute plu00c3u00b6tzlich fu00c3u00bcr Politik interessieren. Wenn diese Generation dann in 10-20 Jahren "am Dru00c3u00bccker" sitzt, wird sich das Problem mit Volkspartei oder nicht Volkspartei schon von alleine erledigen. ;)

Mit Piraten in der SPD, ku00c3u00b6nnte man sie vielleicht netzpolitisch wieder wu00c3u00a4hlen, dann gu00c3u00a4be es aber noch den Rest...

ich seh es wie jo (21ster post). wenn sich die etablierten Parteien gegen alles Neue wehren, nicht auf den Onlinebeirat hu00c3u00b6ren (wozu gibt es ihn dann u00c3u00bcberhaupt?) und nicht einmal ansatzweise die Wichtigkeit dieser Themen begreifen.. wieso..ja wieso soll ich mich dann bei so einer Partei alter Menschen einbringen und hoffen, dass sie irgendwann mal auf Leute hu00c3u00b6ren, die Ahnung haben?! Wieso sollte man sich dann nicht mit anderen jungen Leuten zusammentun? Ich glaube dabei geht weniger Elan verloren als in der SPD ungehu00c3u00b6rt zu bleiben.

Lustig. Vorgestern Sigmar Gabriel in Berlin vor einem Elektroauto, heute Sie hier mit Piratenflagge.

Too little. Too late.

Sag mal, Lumma... Es ist mir doch egal, was Nische und was Weltmeer, Wasserglas, Tanker oder Paddeelboot ist.

Als Wu00c3u00a4hler habe ich (ich!) eine (meine!) Stimme und die Alternativen sind gering genug - da schlieu00c3u009fe ich doch nicht noch die minder-mainstreamigen aus.

Zudem: Diese nur noch semantische offline/online-Unterscheidung wird allen die sie Benutzen noch kru00c3u00a4ftig um die Ohren fliegen. (Ist Rente ein offline-Thema? Ist Bu00c3u00bcrgerrechte ein online-Thema? Das ist doch alles ziemlich dumm.)

u00c2u00ab3. ich glaube nicht, dau00c3u009f ein Abschneiden um die 2-3% bei der BTW dazu fu00c3u00bchrt, dau00c3u009f die etablierten Parteien dann feststellen, dass Netzthemen relevant sind. Man wird eher davon ausgehen, dau00c3u009f die nu00c3u00a4chsten Wahlen noch weit weg sind und dass sich u00e2u0080u009cdas Themau00e2u0080u009d bis dahin wieder legt.u00c2u00bb

Nun, wenn die Piraten 2-3 % kriegen und die restlichen Parteien das Thema bis zur nu00c3u00a4chsten Wahl weiter ignorieren dann wird es eben da den Erfolg der Piraten geben.

Denn ich denke wir sind uns alle darin einig dass das Netz so schnell nicht wieder verschwinden wird. Diese entwicklung auch die nu00c3u00a4chsten 4 Jahre zu ignorieren wird nicht klappen. u00e2u0080u009cDas Themau00e2u0080u009d Internet wird bleiben und verstu00c3u00a4rkt wichtig werden.

Das Problem der SPD ist, dass sie niemandem mehr eine politische Heimat zu bieten in der Lage ist. Dieser Mu00c3u00b6glichkeit hat sie sich seit 1998 schrittweise selbst beraubt, indem sie den neokonservativen Minderheit gestattet hat, den Ton anzugeben.
So gesehen ist der beste Umgang mit dieser Partei der Ansatz von Cem:
Eintreten, die Rechten rausdru00c3u00a4ngen und die Sozialdemokratie wieder in die SPD holen. Die nu00c3u00b6tigen Ideen sind ja grundsu00c3u00a4tzlich vorhanden, die kann man teilweise einfach bei der Linkspartei abschreiben (und diese damit en passant aushebeln).
Denn "SPD" ist eine starke Marke. Vermutlich sogar die stu00c3u00a4rkste. Noch. Und man wu00c3u00a4re blu00c3u00b6d, wenn man das nicht ausnutzen wu00c3u00bcrde.

Allerdings wu00c3u00bcrde ich der SPD bei dieser Wahl - trotz Mitgliedschaft - meine Stimme verweigern, um die Neocons nicht noch zu bestu00c3u00a4tigen - denn so wu00c3u00bcrden sie das verstehen.

1.
die piratenpartei ist keine eintagsfliege. wir haben es mit einer internationalen bewegung zu tun, die von schweden ausgeht und gerade von land zu land ru00c3u00bcberschwappt.

2.
warum eine neue partei? weil die strukturen innerhalb der alten parteien undemokratisch sind. die parteifu00c3u00bchrungen sind entkoppelt von der basis. mitbestimmen kann nur, wer das spiel mitspielt und sich nach oben klu00c3u00bcngelt und intrigiert. die basis hat nichts zu melden.

die piraten stehen fu00c3u00bcr egovernment und eine neue form der basisdemokratie: jeder kann im forum mitdiskutieren, am programm im wiki mitschreiben, abstimmungen werden schnell und einfach u00c3u00bcber evoting systeme gemacht. jeder (auch externe) kann das parteileben mitverfolgen, es herrscht absolute transparenz.

es ist daher richtig, eine eigene partei zu gru00c3u00bcnden und den direkten weg ins parlament zu suchen, statt den indirekten weg u00c3u00bcber das veraltete system "partei" zu nehmen.

3.
heute mu00c3u00b6gen digitale bu00c3u00bcrgerrechte ein randphu00c3u00a4nomen sein. ein grou00c3u009fteil der heute wahlberechtigten ist ohne computer und internet aufgewachsen und fremdelt mit der neuen welt die sich dadurch eru00c3u00b6ffnet. aber fu00c3u00bcr jedes kind das heute heranwu00c3u00a4chst ist das internet eine selbstverstu00c3u00a4ndlichkeit und besteht aus definitv mehr als google, bild.de und ebay.

Fu00c3u00bcr das andere grou00c3u009fe Piratenthema "u00c3u009cberwachung und Freiheitsrechte" haben die Piraten einen Themenu00c3u00bcberblick in ihrem Wiki in http://wiki.piratenpartei.de/Was_%C3%BCber_uns_ges... einmal zusammengetragen.

Fu00c3u00bcr das Thema 'Urheberrecht'habe ich in http://blog.koehntopp.de/archives/2605-Einthemenpa... eine andere Form gewu00c3u00a4hlt, um den ganzen Komplex einmal auszuleuchten - die politische Diskussion ist selbst innerhalb der Piratenpartei da ein wenig verengt.

Wenn man nur stumpf auf das Thema selbst glotzt, mag einem das als Einthemenpartei vorkommen, aber es sind gerade die Verflechtungen und Wechselwirkungen zwischen diesen Gebieten sind es, die wichtig sind.

Etwas u00c3u00a4hnliches wu00c3u00bcrde ich gerne mit ein paar Leuten, die mehr u00c3u00bcber Wirtschaft und u00c3u00bcber Bildung wissen als ich gerne einmal fu00c3u00bcr diese Themen machen. Ich glaube, dau00c3u009f kann eine grou00c3u009fartige Topic-Map fu00c3u00bcr die Erarbeitung dieser Themenkomplexe fu00c3u00bcr die Piratenpartei sein.

Das leitet dann auch elegant zum nu00c3u00a4chsten Punkt u00c3u00bcber:

In beiden Fu00c3u00a4llen erkennt man auch, wie sich die Arbeit in der Piratenpartei von der Arbeit in traditionellen Parteien unterscheidet.

Die Gru00c3u00bcnen waren mit ihren basisdemokratischen Ideen vielleicht einfach nur 20 Jahre zu fru00c3u00bch - die techniche Infrastruktur um eine so hochgradig parallele und hochgradig verteilte Diskussion zu unterstu00c3u00bctzen war noch nicht da. Die technischen Piraten, also die, die ihre Wurzeln tief in der Open Source Ecke haben, kennen das technische Substrat schon, auf dem die aktuellen Diskussionen laufen - es sind dieselben Tru00c3u00a4ger, die die Piratenpartei fu00c3u00bcr die politische Diskussion verwendet, die schon hunderte weltweit verteilter Open Source Projekte zur Koordinierung und Kooperation verwendet haben.

Im Rahmen der Piratenpartei wird dieses Kommunikationssubstrat vor neue Herausforderungen gestellt, weil die Anzahl der Teilnehmer schnell etwa eine Zeherpotenz gru00c3u00b6u00c3u009fer sein wird als in den meisten Open Source Projekten, aber grundsu00c3u00a4tzlich scheinen sich die Strukturen und die technisch unterstu00c3u00bctzten Sozialtechniken dieser Generation zu bewu00c3u00a4hren und an der Aufgabe zu wachsen. Das ist es, was ich an der Piratenpartei kulturhistorisch so spannend finde und es ist aufregend, ein Teil dieser Erfahrung zu sein.

Und nein, in einem anderen, u00c3u00a4lteren Umfeld wird das ganz sicher nicht funktionieren. Den betreffenden Leuten fehlt die persu00c3u00b6nliche Erfahrung, dau00c3u009f so etwas u00c3u00bcberhaupt funktionieren kann und ihnen fehlt die soziale und kommunikative Ausbildung, um in solchen verteilten Netzen u00c3u00bcberhaupt diszipliniert arbeiten zu ku00c3u00b6nnen - wer in einer Firma einmal Open Source Entwicklungs- und Kommunikationstechniken versucht hat zu lehren weiu00c3u009f wovon ich hier rede.

Ich bin ja doch etwas verwundert u00c3u00bcber den Vorschlag "Piraten" sollten sich lieber in den etablierten Parteien engagieren.
Wer so etwas fordert, der hat die Piraten meiner Ansicht nach nicht verstanden. Uns geht es nicht nur um Datenschutz, Freies Wissen und Bu00c3u00bcrgerrechte, sondern vor allem um Basisdemokratie.

Viele haben wohl schon vergessen, dass unsere Volksvertreter vor einigen Wochen eine Petition von > 130k Bu00c3u00bcrgern mit einem Lu00c3u00a4cheln vom Tisch gewischt hat, statt sich einmal Zeit zu nehmen und damit zu beschu00c3u00a4ftigen.

Liebe Verfechter der SPD, das ist es was hier thematisiert werden muss!

Ich persu00c3u00b6nlich sehe zwei mu00c3u00b6gliche Szenarien: 1. Die Piratenpartei verliert nach der Wahl wieder deutlich an Mitgliedern, findet innerparteilich keine Linie und verbindet in der Bedeutungslosigkeit.
2. Die Piraten schaffen es nach der Wahl, trotz eines enttu00c3u00a4uschenden Ergebnisses, ihr Programm weiter zu entwickeln und auu00c3u009ferparlamentarisch den etablierten Druck zu machen.

Ich finde es positiv, dass sich zur Zeit viele Menschen politisch engagieren, die dies bisher noch nicht getan hatten.
Schade, dass das von vielen jetzt immer klein geredet wird. Langfristig tut eine junge und unverbrauchte Partei Deutschland und damit allen Parteien gut.

Und falls jemand glaubt dass Netzpolitik in den USA irgendwie weiter ist: Will Obama Kill The Netroots?

The real worry for the netroots is that Obama is undermining their particular blend of online politics. He has taken the parts of netroots politics that he likes (online organizing and fundraising), while dumping the parts that he doesnu00e2u0080u0099t (a strongly confrontational politics and emphasis on bottom-up decision making). There isnu00e2u0080u0099t much room for the netroots and vigorous online partisanship in Obamau00e2u0080u0099s plans for the future of the Democratic Party.

So sehr ich der Piratenpartei auch zustimme in den Themen, die ihr wichtig sind, so sehr fu00c3u00bcrchte ich mich davor, dass andere Themen sich nicht in die Richtung entwickeln, wie sie sollten. Es bleibt eine Niechenpartei, der andere Themen auu00c3u009ferhalb ihres Interessenbereichs gleichgu00c3u00bcltig zu sein scheinen.

Die Gefahr wichtigere Themen - und die gibt es zu Hauf - zu vermeiden und aus den Augen zu verlieren, lu00c3u00a4sst aus meiner Sicht die Piratenpartei zu einer Gefahr werden. Wer sich lieber mit Netzpolitik als mit Hunger. Umwelt und Hartz 4 ausseinandersetzt, ignoriert jene, denen die Bildzeitung fu00c3u00bcr 60ct als einizges Informationsmedium - aus Kostengru00c3u00bcnden - belibt.

@nico
"von Schuld spreche ich nicht, nur davon, dau00c3u009f es nicht gelingen wird, diesen wichtigen Themenkomplex fu00c3u00bcr die Masse zu u00c3u00bcbersetzen."

Ich denke die CDU will es nicht verstehn.

Die FDP und auch die Gru00c3u00bcnen hab sehr wohl verstanden um was es geht nur die alte Tante SPD schlu00c3u00a4gt sich, genau wie du lieber mit der Sorge rum ob man den Menschen dieses wichtige auch Thema auch "u00c3u00bcbersetzen" kann.

Arbeit fu00c3u00bcr alle hu00c3u00b6rt sich halt viel kerniger und einfacher an und muss nicht u00c3u00bcbersetzt werden.

"Ich finde es schade, dau00c3u009f dieser netzpolitische Elan des Jahres 2009 nur zu einem kleinem Paddelboot reicht, nicht aber zum netzpolitischen Kurswechsel etablierter Parteitanker."

Das finden wir alle sehr schade, und genau deshalb ist SPD/CDU nicht wu00c3u00a4hlbar.

Dein Text kommt mir vor als wu00c3u00bcrdest du die Piraten dafu00c3u00bcr verantwortlich machen dass die SPD nicht verstanden hat um was es geht.

"1. der Ansatz u00e2u0080u009cPiraten in der SPDu00e2u0080u009d ist ein Beispiel, wie die Themen in Parteien stattfinden ku00c3u00b6nnen, indem Fu00c3u00bcrsprecher gefunden werden, die ein gewisses Standing innerhalb der Organisation haben. Es geht mir hier explizit nicht nur um meine Partei sondern um die etablierten Parteien.
2. ein Gremium wie der Online-Beirat der SPD hat nicht im Ansatz die Reichweite innerhalb einer Partei wie ein paar tausend neue Mitglieder, die ein bestimmten Themenkomplex pushen."

Schu00c3u00b6n, wie sich die beiden Punkte widersprechen:
1. braucht man Personen mit Standing aber
2. kann (gerade der die Personen mit Standing beratende) Beirat nichts ausrichten, sondern das mu00c3u00bcssen die Massen machen???

Parteien funktionieren heute nur von oben herab: Parteizwang, Abstimmungszwang, Fraktionszwang, Koalitionszwang!
Keine Meinungen, keine Mehrheiten, die Demokratie des Volkes ist lu00c3u00a4ngst eine Diktatur der Politik geworden. Und diese Politiker verfolgen ihre Ziele und setzen gegen alle Widerstu00c3u00a4nde durch, was sie fu00c3u00bcr richtig halten, also was fu00c3u00bcr ihr Ego und ihre vermeintliche Karriere wichtig ist.

So etwas kann man nur in den Zentren der Macht beeinflussen, und indem man den Protagonisten zeigt, wie sehr sie selbst vom Wandel profitieren ku00c3u00b6nnten, statt sich ihm entgegenzustellen.

Da kann man sich nicht erst nach 2 Jahren rausreden und gleichzeitig relevante Grass-Roots Bewegungen schlechtmachen.

Trackbacks

  1. [...] Lumma diskutiert über die Piratenpartei, die SPD und die Netzpolitik und schreibt: Ich glaube, daß die Piratenpartei aufgrund der Tatsache, daß sie als eigene Partei zu Wahlen [...]

  2. [...] Lumma versucht die Piratenpartei kleinzureden. Das muss er machen, denn er ist ein SPD-Mann; und es gelingt ihm auch nur so mäßig, wie es der [...]

  3. [...] via Piratensturm im Wasserglas | Lummaland. [...]

  4. [...] “Die Piratenpartei packt durchweg Themen an, die mir am Herzen liegen und alles lässt sich unter dem Oberthema Internet irgendwie zusammenfassen […]” schreibt Nico Lumma. [...]

  5. [...] Nico hat es auf den Punkt gebracht. Und wer etwas anderes glaubt, der hat vielleicht viel Ahnung vom Internet aber wenig von Politik. Print Friendly [...]

  6. [...] ist, geben sich vor allem Genossen ja doch reichlich Mühe, immer wieder darauf hinzuweisen, wie unwichtig und überflüssig die Piratenpartei doch wäre. Und wieder mal hört man von “Piraten in der SPD”. Soll das tatsächlich ernst gemeint [...]

  7. [...] Piratensturm im Wasserglas^: Nico Lumma in seinem Lummaland über die Piratenpartei und das, was die Pirtaen maximal erreichen können bei der BTW2009 und danach. [...]

  8. [...] Nico Lumma sinniert in seinem Blog über die Frage, ob die Gründung der Piratenpartei eine gute Idee war oder nicht. Und ob es nicht stattdessen sinnvoller wäre, eine etablierte Partei wie z.B. die SPD von innen zu reformieren. Die Diskussion in den Blog-Kommentaren dazu ist lesenswert. [...]

  9. [...] behauptet dies Nico Lumma in seinem Blog. Das Nico nicht so GANZ unparteiisch (im wahrsten Sinne des Wortes) sein kann, ergibt sich wohl aus [...]

  10. [...] einer gewissen Rührung lese ich inzwischen Eure Blogeinträge und/oder tweets, in denen Ihr darlegt (bzw. suggeriert), dass eine Ein-Themen-Partei für’n [...]