Piratensturm im Wasserglas

Nico —  22.08.2009

Derzeit sieht die Piratenpartei wie der klare Sieger der Online-Umfragen aus und auch der Traffic auf der Piratensite scheint um einiges höher als bei den etablierten Parteien. Das sollten die Piraten noch ausgiebig feiern, denn beim Wahlgang am 27. September werden sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden: eine Single-Issue Partei ist witzlos, wenn das Thema nicht vermittelbar ist.

Die Piratenpartei sorgt sicherlich gerade für eine ordentliche Mobilisierung innerhalb meiner eigenen Peergroup und zeigt auch, dass das Netz durchaus politisch ist, aber ich gehe davon aus, daß der Einfluß der Piratenpartei auf die Politik in Deutschland bestenfalls marginal sein wird. Die Piratenpartei packt durchweg Themen an, die mir am Herzen liegen und alles lässt sich unter dem Oberthema Internet irgendwie zusammenfassen, aber es ist eben nichts, was man anfassen kann. Und da fangen die unlösbaren Probleme der Piraten an. Nehmen wir doch mal die aktuelle Debatte um Netzsperren und Zensursula: die Nuancen sind hier sehr wichtig und es geht eben nicht um „für Kinderpornographie“ und „gegen Kinderpornographie“, sondern um die Art und Weise des „gegen Kinderpornographie“. Darüber lohnt sich ein Streit, ohne Frage. Aber fragt mal jemanden außerhalb der eigenen Blogosphäre und ohne Twitter-Account, wie der Domain Name Service funktioniert und wie Blacklists umgangen werden können. Das versteht niemand. Ich rede hier von Leuten, die in das Suchfeld bei Google den URL eingeben, zu dem sie wollen. Erstaunlicherweise gibt es da draußen Leute, die noch nie ein CLI genutzt haben und für die das Internet aus Email, Google, Bild.de und Ebay besteht.

Ich glaube, daß die Piratenpartei aufgrund der Tatsache, daß sie als eigene Partei zu Wahlen antritt, jede Menge Potential zur Veränderung der Netzpolitik in Deutschland verschenkt. Ein Ansatz wie „Piraten in der SPD“ hätte gewählt werden sollen, um die etablierten Parteien mit neuen Ideen zu versorgen und Leute zu finden, die diese Themen übersetzen können für die breite Masse der Bevölkerung, weil, lacht nicht, sie das Vertrauen der Menschen haben. Die Piratenpartei wird es nicht schaffen, den Erfolg der Grünen zu wiederholen, denn sie unterscheiden sich fundamental von den Grünen. Die Grünen, ganz vereinfacht dargestellt, haben einen gesellschaftlichen Trend zu mehr Ökologie aufgegriffen, um weitere Randthemen angereichert und unzufriedene Wähler angezogen, denen die etablierten Parteien zu verstaubt waren. Nur im Gegensatz zu Netzpolitik kann man Ökologie im Alltag durchaus begreifen, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Auswirkungen eines verdreckten Flusses auf die Fische kann man sehen, Netzfilter würden die meisten User niemals wahrnehmen. Hinzu kommt, daß die meisten Leute das Internet nur nutzen will, sich aber für die technischen Grundlagen nicht im Ansatz interessiert.

Für mich, und für viele Leser dieses Blogs, ist es völlig normal, viel Zeit online zu verbringen, sei es zuhause, im Büro oder mobil. Für uns ist es auch normal, eigene Inhalte zu erstellen und alternative Möglichkeiten des Informationsflusses jenseits der Massenmedien zu nutzen. Zwar werden die Online-Nutzer immer aktiver, aber wir dürfen uns hier nichts vormachen, was die Reichweite von Blogs oder Twitter angeht. Wir sind immer noch eine Nische in Deutschland, eine wundervolle, oft auch wundersame, aber eben doch eine Nische. Was man übrigens eben auch daran sehen kann, dass das derzeitige Top-Blog in Deutschland das Blog Netzpolitik.org ist, von dem völlig zu unrecht die breite Masse der Bevölkerung nicht nur nichts gehört hat, sondern auch niemals erfahren wird. Man sieht es aber auch daran, daß jeder Blogger total verzückt ist, wenn der URL des Blogs im Fernsehen oder in einer Zeitung/Zeitschrift, bzw. des Online-Ablegers auftaucht, denn dort ist immer noch wirklich Traffic vorhanden. Ich finde persönliche Empfehlungen via Facebook, Twitter oder Blogs auch weitaus relevanter für mich und sehe auch, daß der Traffic aus diesen Quellen zunimmt, aber das ist in Deutschland immer noch sehr nischig. Die Themen, die für uns relevant sind, sind für den Mainstream relativ ungeeignet, weil es Probleme gibt, den Kontext zu vermitteln. Will die Piratenpartei außerhalb der kleinen Nische der netzpolitisch Interessierten Wählerstimmen bekommen, muß sie eben auch massentauglich Themen anpacken können.

Ich finde es schade, daß dieser netzpolitische Elan des Jahres 2009 nur zu einem kleinem Paddelboot reicht, nicht aber zum netzpolitischen Kurswechsel etablierter Parteitanker. Man kann im derzeit grassierenden Online-Wahlkampf eben durchaus beobachten, wie wenig Online-Themen für die Parteien eine wichtige Rolle spielen und wie sehr das Netz immer noch als ein weiterer Sender gesehen wird, von einigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen. Das Verbreitern der Nische gelingt der Piratenpartei nicht, weil sie das Wasserglas, in dem sie gerade den Sturm entfachen wollen, als Weltmeer ansehen. Ihr großes Thema ist der Masse der Bevölkerung nicht vermittelbar und bei einer Bundestagswahl gibt es für viele Wähler noch andere Themen, die viel offliniger, aber dafür umso lebensnäher sind.

108 responses to Piratensturm im Wasserglas

  1. Ich glaube, die piratenpartei eignet sich gerade mit dem einem Thema als platzhalter für „ich bin unzufrieden in diesem einen punkt und ich möchte, dass man das endlich wahrnimmt“. so werde ich wählen… und ich vermute, es geht einigen ähnlich. deshalb gehe ich davon aus, dass die piratenpartei (auch ohne die ganzen aktionen, die da jetzt gemacht werden) gerade für die etablierten parteien erschreckend viele stimmen bekommen wird.

    ich stimme in dem zu, dass man natürlich sehr viel mehr hätte erreichen können..

    lassen wir uns überraschen und hoffen wir auf veränderung:)

  2. Zum letzten Absatz:
    Ist es nun besser zugängliche Themen für die dumme Masse oder ein wichtiges Thema zu behandeln, welches aktuell zu wenig Aufmerksamkeit bekommt? Und noch wichtiger: Ist das die Schuld der Piraten?

    • von Schuld spreche ich nicht, nur davon, daß es nicht gelingen wird, diesen wichtigen Themenkomplex für die Masse zu übersetzen.

  3. doch das dilemma bleibt.

    die spd fraktion hatte es in der hand das thema umzudrehen und zu einem echten breiten thema zu machen, das es ja jetzt medientechnnisch durchaus dennoch wurde.
    wer vor den fakten und unwahrheiten nicht die augen schließt, muss doch verstehen, was gespielt wird.

    aber sie hatten angst vor der bild. das reichte.

    und vor sowas in der regierungsverantwortung habe ich angst.

  4. Ho,

    ich verstehe die Argumentation und hätte vor… 10 Jahren? ähnliches gesagt.

    Aber die Argumentation ist in erster Linie die: Man sieht es nicht, deshalb existiert es nicht und darum ist es unerheblich/falsch/unnütz. So geht’s aber nicht. Wer nur allgemein verstandene, sichtbare Politik betreibt, der endet dort, wo wir jetzt sind. Ständig werden Schlaglöcher gestopft, weil jemand stolpert, aber die Straße wird nicht saniert.

    Dass die SPD, die Grünen oder eine andere Partei des verfassungsrechtlich erträglichen Spektrums eine Heimat für die Piraten darstellen, kann ich aus eigener Erfahrung in 16 Jahren SPD deutlich verneinen. Es sind Machtmaschinen geworden, die die Basis nicht mehr als Grundlage, vielmehr als Betriebsmittel verstehen.

    Eh ich es vergesse: die SPD ist nicht in der Opposition. Sie haben das Elend mitgetragen und sind damit mehr als verbrannt für die Piraten. Und die Grünen… Siehe Bremen.

    Spannend wird es allemal und vll ist Deutschland ja noch für ein oder zwei Überraschungen gut ;-)

  5. nur das wir und nicht falsch verstehen: ich überhaupt nichts gegen ‚piraten‘ in der spd.

    ich glaube nur schon lange nicht mehr an das konzept volkspartei. unsere welt ist zu komplex geworden, als dass sich mit einem oder zwei hämmer probleme erschlagen lassen.

    der sinn und der vorteil der demokratie liegt für mich in pluralität und uneinigkeit. da parteien dem fraktionszwang unterliegen, muss der logische schluss sein mehr parteien zu gründen.

    am liebsten wären mir 60 millionen parteien

  6. Stimmt,
    denn durch die nicht geführten Diskussion um viele wichtige Themen in den alteingesessenen Parteien sehe ich die Schuld ganz klar dort. Ich denke auch, dass viele Menschen die Piraten eher aus Protest wählen werden und wenn die aktuelle Politik so in einen vertretbaren Kurs gelenkt wird, finde ich das auch gut.

  7. bei der europawahl hat einer den ich kenne piraten gewählt. bei der bundestagswahl werden meine mutter, meine schwester, meine freundin, eine freundin meiner mutter, 2-3 leute aus meinem freundeskreis und ich piraten wählen. vielleicht die hälfte der leute mit denen ich bisher ueber die piraten geredet habe ist äußerst interessiert und hat die schnauze voll von den etablierten parteien. für mich stehen die piraten vor allem für ehrlichkeit und auch wenn diese vielleicht oder wahrscheinlich im falle eines erfolges verloren gehen sollte, die anderen parteien haben sie schon verloren.

    die piratenpartei ist ein funke hoffnung für mich. deshalb beteilige ich mich zum ersten mal in meinem leben an einem wahlkampf und bin mega motiviert.

    Mach mit – stell dich an einen infostand. kleb ein plakat in dein auto. geh zum naechsten stammtisch. das gefühl bei etwas neuem dabei zu sein ist mitreißend!

  8. Den „sauren“ Regen und die Luftverschmutzung, die Treibhausgase, die Wasserverschmutzung; all das hat damals auch niemand gesehen. Und gewählt wurden die Grünen doch, weil sie für Veränderung standen. Vielleicht gelingt den Piraten jetzt ein Achtungserfolg >2%, beim nächsten Mal sind sie dann da. Und die SPD weg.

  9. „Ich rede hier von Leuten, die in das Suchfeld bei Google den URL eingeben, zu dem sie wollen.“

    :-D Ich kenne mehrere Leute, die das tatsächlich machen – aber die haben auch keinen Grund, das zu ändern, denn sie kommen ja tatsächlich dahin, wo sie hinwollen.

    „das gefühl bei etwas neuem dabei zu sein ist mitreißend!“

    Das erklärt auch einen großen Teil des derzeitigen Piraten-Hypes. Wir sind toll, wir krempeln alles um, tschakka, wir schaffen das! Aber das trägt nicht. Genug von denen, die das alles ganz super finden und alles Piratige retwittern, werden am 27. September nicht die Piraten wählen.

    „Ein Ansatz wie “Piraten in der SPD” hätte gewählt werden sollen“

    Das wird das Verdienst der Piraten sein: Sie erreichen bei der Bundestagswahl vielleicht 1 bis 2 %, dann müssen die etablierten Parteien aufwachen, ihren Internetkurs verändern und damit entfällt die Politikgrundlage der Piraten. Gesamtgesellschaftlich wäre das sehr wünschenswert und an sich könnten die Piraten damit zufrieden sein, auch, wenn sich ihr Einsatz dann nicht in herkömmlicher „Macht“ auszahlen wird.

  10. Shit Happens 23.08.2009 at 0:08

    Herr Lumma, ich glaube, sie haben das Wahlkampfprogramm der Piratenpartei nicht vollständig gelesen oder wollen sie ernsthaft das Tema Bürgerrechte, das den Piraten sehr am Herzen liegt wirklich mit unter „Internet“ zusammenfassen? Doch sicher nicht!

    Die sich vermehrenden und immer umfassenderen Überwachungsmassnahmen im Namen der Terrorbekämpfung sind eben sehr Techniklastig und dadurch auch nicht jedem Mainstreamer auf Anhieb zu erklären. Und gerade deswegen ist es sehr wichtig was die Piratenpartei tut, die Menschen aufklären und Mindestens 16Millionen Bürger werden schon allein aufgrund Ihrer „Herkunft“ aufmerksam zuhören.

    Ich denke die Piratenpartei hat gute Chancen und selbst wenn sie es dieses Jahr noch nicht in den Bundestag schafft, hört die Aufklärungsarbeit nicht auf und die Piratenpartei hat 4 Jahre Zeit sich auch zu anderen Themen wie Wirtschaft, Sozialwesen, Familie, Aussenpolitik usw. eine eigene Position festzulegen.

    Sie dürfen nicht vergessen, wie Jung die Piratenpartei ist, dass der Zulauf erst vor knapp 3monaten begonnen hat, die Piratenpartei also in den letzten 3 Monaten mehr Parteigeschichte geschrieben hat als die 3 Jahre davor, da darf mman gar nicht erwarten, dass zu allen Themen fundierte Positionen/Meinungen vorhanden sind, die müssen sich erstmal herausbilden und das dauert nunmal noch ein wenig, schliesslich will man ja nicht wie die etablierten Parteien mit populistischem Geschwafel um sich werfen, woran man sich dann nach der Wahl auf einmal nicht mehr errinnern kann.

    Ich gebe der Zukunft eine Chance.
    Ich wähle Piraten – Denn die Piratenpartei hat mich als Bürger bisher noch nicht angelogen.

  11. Thomas L. 23.08.2009 at 0:13

    Vielleicht ist eine ’single issue‘ Partei in unserer Gesellschaft wirklich noch ein ’no go‘, das mag schon sein. Wenn aber das ’single issue‘ Bürgerrechte heißt, dann ist es in meinen Augen sogar sinnvoll eine Partei zu haben, die einizig und alleine dieses Thema behandelt. Ich hoffe, dass die Bürger und Bürgerinnen erkennen, um welch ein wichtiges Gut es sich hierbei handelt und ihre Meinung zum Thema ’single issue‘ Partei stark überdenken werden.

  12. Nunja…

    Ich stand am Samstag hinter einem Infostand der Piraten in der Innenstadt und hatte keinesfalls den Eindruck, dass unsere Themen nicht vermittelt werden können. Im Gegenteil: Die Resonanz war durchweg positiv.

    Könnte aber auch daran liegen, dass man, meiner Meinung nach, die Piratenthemen eben nicht mit „Internet“ umschreiben bzw. unter diesem Begriff zusammenfassen kann:
    – Privatsphäre und Datenschutz
    – Erhaltung der Bürgerrechte
    – Tranzparente, direktere Demokratie
    – Immaterialgüterrechte
    – Bildung

    In Schweden konnten die Piraten bei der Europawahl mit diesen – deiner Meinung nach schlecht „greifbaren“ – Themen mehr als 7% bekommen. :)

    Insofern: Da geht was ;)

  13. Ja, das Thema ist schwer zu vermitteln. Ja, es gibt eigentlich viel wichtigere Themen als „unsere“ Nerdprobleme. (Die deutsche Demographie und die Wirtschaftskrise, z.B., aber huch, diese Themen werden in diesem Kuschelwahlkampf irgendwie kaum wirklich diskutiert.)

    Wo hat die SPD in den letzten 15 Jahren Netzkompetenz bei ihren Spitzenleuten aufgebaut? Wo ist die ausformulierte Vision der SPD zu Computern, Internet, neue Medien, Open Source, Open Access, etc.? Wann hat die Partei wirklich auf ihren Online-Beirat gehört? Fazit ist doch: Die SPD hat Netzpolitik nur stiefmütterlich behandelt, bis einschließlich 2009.

    Ich bin ernsthaft verzweifelt, dass die SPD ausgerechnet Hubertus Heil als ihren Mann für Neue Medien in einer künftigen Regierung vorstellt. Herr Heil soll ernsthaft DER Spitzenmann für dieses Thema bei der SPD sein? Wäre es vielleicht Zeit für einen Generationswechsel in der Partei?

    Ob die Piraten bleiben oder nicht, ist mir egal, aber sie haben die etablierten Parteien offenbar ausreichend nervös gemacht, dass sie sich nun dieses Themas annehmen. Und wenn die SPD nun zu diesem Thema endlich aus dem Quark herauskommt, ich freue mich drauf.

  14. Sehr gut geschriebener Artikel, gibt Denkanstöße!
    Was Du sagst stimmt, auch wenn ich es nicht war haben will ;)

    Gefunden via @udovetter via twitter.

    Grüße Andreas

  15. Du vergisst, wie nahe die Piraten an den Medien und Parteieliten sind, und dass sie es verstehen alle Neumitglieder zu Aktivisten zu machen. Nehme mal an, es gelingt bis Jahresende 10 000 Parteimitglieder zu gewinnen und weiter Themen zu setzen. Alles was jetzt mit geringem Mitteleinsatz perfekt läuft, wird bei der nächsten Bundeswahl viel einfacher sein. Die Piraten werden es sich leisten können nach dem Wahlkampf weiteren Wahlkampf zu machen für ihre Themen und aus der Opposition heraus Akzente zu setzen, ihr Themenspektrum zu verbreitern und auch ihre öffentliche Präsenz. Wenn die Piraten mit dem Netzwahlkampf nicht mehr Erfolg haben, dann zeigt es das beschränkte Potential des Online-Wahlkampfs, nicht ihre mangelnde Präsenz im Netz. Bei der nächsten Wahl werden es die Piraten mit den herkömmlichen Volksparteien mitgliedermässig aufnehmen können. Mit 40 000 Mitgliedern wäre es nur eine Frage der Zeit für die Piratenpartei in Parlamente zu kommen. Vor allen Dingen aber fischt die Piratenpartei im mobilisierbaren Jungwählersegment. Das ist auch attraktiv für die überalterten Volksparteien. Piraten sind ausgesprochen medienkompetent, gebildet und sprachmächtig. Die 68er haben nie bei Wahlen abgestaubt in einer Zeit als die NPD erstarkte. Trotzdem haben sie die Debatte mit ihrem Anspruch auf Wandel stark beeinflusst. Die Piraten sind besser organisiert. Sie haben einen schnellen Aufwuchs. Nichts wird sie schnell zur Degeneration bringen. Sie werden die bessere Opposition sein. Vielleicht werden sie mit den Grünen fusionieren wie die WASG mit der PDS, und dieser Partei den notwendigen Modernisierungsschub geben.

  16. ich kann mir keinen grund vorstellen weswegen der hype um die piraten ausgerechnet in den naechsten wochen bis zur bundestagswahl aufhören sollte. die mitgliederzahlen steigen und steigen und nach und nach wird deutschland mit plakaten der piraten ausgestattet.

    das alles motiviert enorm und mein eindruck aus meiner umgebung ist dass die piraten auf jeden fall 3% schaffen werden. offline kannte sie vor der europawahl keiner und trotzdem haben sie 0,9 % bekommen.

  17. TheConstructor 23.08.2009 at 1:53

    Ich glaube nicht, dass „Piraten in der SPD“ als Alleingänger funktioniert.
    Das Problem bleibt das alte: etliche Themen sind schwer zu vermitteln.

    Es mag seien, dass es einfacher ist innerhalb einer Partei eine Anhängerwolke zu schaffen, als auf dem freien Markt, faktisch wird es aber auch in der SPD nur um die 3-4% (optimistisch) an Leuten geben, die die Probleme so sehen wie wir.

    Bei allem, was, da Partei intern, schön ignorieren werden kann, wird das die Spitze sicher auch tun. Und was weniger als 20% der Mitglieder denken ist wohl tolerierbar.

    Sicher, man hätte hingehen können und eine „Piraten aus der SPD“-Partei machen können. Also alles von der SPD kopieren und danach Themen ändern.
    Dann ist allerdings das Problem mit den unfassbaren Themen noch größer: die einen wissen nicht, was an der neuen Partei toller ist, als an der SPD, da ja fast alles gleich ist und die anderen wissen nicht, ob sie je die SPD wählen wollten und die Änderung von 10% am Wahlprogramm ausreicht sie zu überzeugen die neue Partei zu wählen.

    Das gleiche kann man für andere Parteien fortsetzen.

    Ein alternativer Weg zur eigenen Partei wäre eine Abspaltung von jeder anderen ernst zu nehmenden Partei. Vielleicht.

    Ich denke aber, dass es einfacher ist eine Partei zu Gründen und bei der Wahl 2% zu holen.
    In dem Moment haben genug Leute gezeigt, dass es ein Thema ist, was sie mehr interessiert, als das Finanzloch, dass der nächste aufreißen oder flicken will.
    Genau dann gibt es die Chance, dass andere Parteien sich intensiver Gedanken machen zu diesen Themen.

    Schöner fände ich eine Themenbezogene Wahl (Grüne bei der Bildung, SPD in der Wirtschaft, Piraten im Internet, o.ä.), oder eine andere Möglichkeit die Piraten und eine andere Partei zu wählen. Aber das ist heute nicht möglich und vermutlich für viele ein Grund mehr nicht zu wählen (was noch 10 Kreuze mehr?)
    Ich denke aber, dass die Möglichkeit für jedes größere Thema eine Partei zu wählen, fast die einzige Chance ist, eine wirklich bürgernahe Regierung zu wählen.

  18. @hanno „Wann hat die Partei wirklich auf ihren Online-Beirat gehört? Fazit ist doch: Die SPD hat Netzpolitik nur stiefmütterlich behandelt, bis einschließlich 2009.“

    Exakt, sie nennen es „Netzthemen“, Spielwiese für Jungpolitiker ohne Nähe zur Macht, Placebos für die Netzöffentlichkeit, die für gut Wetter sorgen aber machtfern sind. Auch die Grünen sind die Experten des Lovebombing bei diesen Themen, aber sie haben es nicht mal geschafft da wo sie an der Macht sind, auf Linuxmigration und offene Standards zu drängen. Und dann entledigt sich die SPD auch noch ihres profiliertesten Experten im Bundestag.

    Es gibt einen Witz: Ich finde, die Piraten sollten endlich einen virtuellen Ortsverein gründen.

    Ich glaube auch nicht, dass es um Ein-Themen geht. Es gibt sogar sehr viele netzbezogene Themen. Selbst in anderen Politikfeldern werden innovative Prozesse erarbeitet werden. Und dann hat die Piratenpartei mit der Betonung von eParticipation ja eben auch den Ansatz den Bürgern mehr Gewicht zu verleihen bei der Auswahl von Themen.

    Innovative Ansätze in der Medienpolitik, der Energiepolitik, der Breitbandversorgung (Freifunk u.a.), der Verfassungsdebatte, der Zukunft der Arbeit, und der Lösung und Aufarbeitung der Finanzkrise sind nur noch eine Frage der Zeit.

  19. Sicher ist vielen klar, dass die Piraten im September die Fünf-Prozent-Hürde deutlich verfehlen werden und sicher ist es dann auch fraglich, wie viel Kraft und Dynamik die Partei aus der Wahl in die Zukunft mitnimmt. Auch die Problematik der Vermittelbarkeit sehe ich, wobei die Piraten-Partei auch Themenbereich gerade im Bereich Bürgerrechte besetzt, die durchaus vermittelbar sind und mit denen aktuell beispielsweise auch die Grünen um die Wählergunst werben (Stichwort Vorratsdatenspeicherung).
    Nur: Piraten in der SPD? Der Vorschlag kommt leider Monate zu spät. CDU und auch SPD sind mit den kritischen Stimmen derjenigen, die sich vielfach nun bei den Piraten finden, im Rahmen des Gesetzgebungsprozesses beim Zugangserschwerungsgesetz dermaßen ignorant und arrogant umgegangen, dass wohl kaum zu erwarten war, dass irgendjemand von ihnen seine Zukunft bei einer dieser Parteien hätte sehen können. Der Versuch des Dialoges kam dann ja auch erst zum Ende des ganzen Vorgangs und damit reichlich spät.
    Die Piraten verhindern durch ihre Existenz immerhin, dass viele junge Menschen, die sich beim umstrittenen Gesetz erstmals politisch engagiert haben, ob der Ignoranz von Guttenberg, von der Leyen, Wiefelspütz und Konsorten sich frustriert von der Politik abwenden.

  20. Ein Ansatz wie “Piraten in der SPD” hätte gewählt werden sollen, um die etablierten Parteien mit neuen Ideen zu versorgen und Leute zu finden, die diese Themen übersetzen können für die breite Masse der Bevölkerung, weil, lacht nicht, sie das Vertrauen der Menschen haben.

    Nunja, Nico. Fakt ist, dass die SPD weder auf euch, den Online-Beirat, noch auf die damals noch nicht als SPD-Piraten auftretende Gruppierung um Böhning und Co. gehört hat.

    Ganz im Gegenteil, ein entsprechender Antrag wurde bekanntlich auf dem Wahlparteitag in Berlin brutal ausgebremst, weil der Parteivorstand in vorauseilender Ehrfurcht vor der Meinungsmacht Bild-„Zeitung“ einknickte und sich zudem noch von dem Genossen Dörmann vera*schen ließ, der – nicht ganz uneigennützig – lieber heimlich mit Frau Krogmann vom politischen Mitbewerber koalierte.

    Wem, sagst du noch gleich, soll ich vertrauen?

  21. Unberechtigte Hausdurchsuchungen, Rechnungen über mehrere Tausende Euros von Abmahnanwälten, weil die Kinder eine Musikdatei heruntergeladen haben oder ein Internetverbot, wenn die Musikindustrie meint, man hätte gegen ihre Regeln verstoßen, fällt Ottonormalsurfer genauso auf, wie ein toter Fisch oder ein kahler Baum. Diese Argumentation ist hanebüchen.

    Die Bestrebungen der großen Koalition zielen nicht nur auf das Internet ab. Im Gegenteil, es ist der großangelegte Versuch das Grundgesetz an allen Stellen zu unterminieren um einen Überwachungsstaat zu errichten. Das perfide ist die schrittweise Einführung desselben.

    Ist ja nur das Internet, das ist ja nicht so schlimm. Permanente Videoüberwachung öffentlicher Plätze, ist ja niemand gezwungen dort lang zu gehen. Genau diese hierzulande weitverbreitete Duldungsstarre hat im letzten Jahrhundert zwei Diktaturen auf deutschem Boden ermöglicht.

    Ich sehe nicht ein, wieso ich Steigbügelhaltern dieser bürgerrechtsfeindlichen Politik, wie der SPD, eine Stimme geben soll.

  22. Parvariadimo 23.08.2009 at 3:16

    Ich glaube schon dass 2% drin sein werden. Und allein das wird die etablierten Parteien zum Umdenken anregen. Also im Grunde alle im Bundestag vertretenden Parteien außer der Union. Sie sehen, dass sie einige Wählerstimmen einkassieren können, wenn sie eine anständige Netzpolitik betreiben. (Obwohl hier ganz außer Acht gelassen wird, dass es der Piratenpartei nicht nur um Netzpolitik geht, sondern radikal gegen jede weitere Überwachung und Grundgesetzaushöhlung ist. Siehe Vorratsdatenspeicherung. Bundeswehreinsatz im Innern etc etc etc). Wenn also die anderen Parteien auf diese Themen endlich mal etwas mehr Rücksicht nehmen, dann ist das allein der Erfolg, der durch die „digitale Bürgerbewegung“ seit Ende 2008 entstanden ist. Die Piraten waren zT der poltische Arm dieser Bewegung, oder wollte es zumindest sein, weil es natürlich auch viele gibt, die sich als „Netizens“ bezeichnen, die Piraten aber trotzdem nicht wählen. Was auch ihr gutes Recht ist. Ich glaube aber, dass die anderen Parteien erst nervös geworden sind, als sich nach dem Erfolg der ePetition der 134.000 viele dieser Partei zugewändet haben. Erst wenns um Wählerstimmen geht interessieren sich die Parteien für einen. Das ist mit der Piratenpartei zum Teil hat geschehen und durch die Aufmerksamkeit der Presse fühlen sich SPD, FDP und Grüne jetzt etwas unter Druck gesetzt und versuchen dass wieder hinzubiegen. Sollten die das mehr oder weniger schaffen (Meine Vermutung ist, dass sies eher weniger schaffen werden) und die Themen die die Piratenpartei auf die politische Agenda setzen wollen nun endlich von den anderen aufgegriffen werden und es eine Diskussion in der Öffentlichkeit gibt bin ich zufrieden.

    PS: IMO glauben nur die wenigsten der Piraten an einen Einzug in den Bundestag. ;-)

  23. Da stimme ich Jo vollkommen zu.

    Meine sicherlich subjektive Beobachtung ist, dass erst durch das Auftreten der Piratenpartei und dem (auch wenn Sie nicht in den Bundestag gewählt werden sollten, dennoch) sehr beachtlichen Erfolg, das Thema Internet erst richtig salonfähig/politisch wurde.

    Ohne diesen kleinen Ruck und der kleinen Ohrfeige einer doch „so unwählbaren Partei“ hätte es diese Entwicklung nicht gegeben. Und auch der Ansatz „Piraten in der SPD“ wäre weiterhin so verpufft, wie Jo es schon ausführte.

  24. ich glaube das ist es was ihr sucht!

  25. Hm – ich kann nico nur zustimmen … und will das auch gern mit zwei weiteren Ergänzungen verdeutlichen:
    Zum einen zieht er den richtigen Schluss aus dem immer wieder angestrebten Grünen-Piraten-Vergleich. Beim Thema Umwelt konnte sich wirklich jeder etwas vorstellen, beim Thema Internetsperren (bei denen ja eines der wesentlichen Gegenargumente ist, dass man sie leicht umgehen kann) ist das nicht der Fall. Und die Grünen haben seinerzeit zum einen einen neuen Politikansatz dargestellt, der sich aus den Studentenprotesten usw. im Kleinen herausgebildet hat – und sie haben zu Beginn einen extremen Pazifismus gepflegt. Das war in Zeiten des Kalten Krieges eine ganz andere Nummer – da hatten Leute tatsächlich noch existenzielle Angst, dass irgendwann die USA und Russland in Deutschland Krieg führen …
    Zum anderen kann man nicht oft genug wiederholen, dass auch die Wahl am Ende keine single-issue-Wahl sein wird … wer mal seine Großmutter im Pflegeheim besucht und die Zustände da gesehen hat, Probleme bei der Suche nach einem Kindergartenplatz hat, arbeitslos ist oder um seinen Arbeitsplatz bangt, denen will man jetzt erzählen, dass sie ihre Stimme an eine Partei verschenken sollen, die zu kaum etwas eine Meinung hat? Ich weiß nicht – ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es dafür auf der Straße durchaus Zustimmung gibt (wie es sie auch für einen Amnesty- oder Greenpeace-Stand gibt), aber entscheidend ist ja die Wahlkabine …

  26. Also schwer vermittelbare Themen gibt es auch außerhalb des Spektrums der Piratenpartei reichlich. Das kann nicht das Problem sein.

    Und schon jetzt wirblen die Piraten reichlich Staub auf, sodaß sich die sog. etablierten Parteien gezwungen sehen, zu reagieren. Wieso gibt es denn „Piraten in der SPD“?

    Mein Problem ist, das ich weder der SPD, noch den Grünen abnehme, es ernst zu meinen, was die Stärkung der Bürgerrechte angeht. Von CDU und FDP ganz zu schweigen.

  27. Was nutzt es, dass die SPD keine Single-Issue Partei ist, defacto aber alle Programmpunkte nach belieben ‚vergisst‘, weil sie davon ausgehen, dass ihre Wähler sie doch wieder wählen um Schwarz/Gelb zu verhindern.

    Damit haben sie meine Stimme in den letzten 20 Jahre viel zu oft bekommen und das ist jetzt ein für alle mal vorbei.

  28. Nico du und Sascha hatten die Möglichkeit in der SPD für Veränderung zu sorgen. Das habt ihr nicht geschafft. Ihr habt euch statt desssen mit dem Zensurprovider Vodafone eingelassen. Das kann man so machen, aber dann auch noch so zu tun als ob es in der SPD eine Möglichkeit des Wandels gegeben hätte ist einfach Quatsch.

    Natürlich sind die Piraten eine Ein-Themen-Partei und solche Themen schwer vermittelbar und es ist sicher zu früh in diesem Jahr um etwas bewirken zu können. Deshalb wählen Leute wie ich das kleinere Übel, nämlich die Linke, weil die sicher im Bundestag sitzt.

    Mit dir, Lobo und der SPD ist sicher keine Wandel möglich. Das liegt vor allem daran weil ihr nicht mehr für eine Sache sondern bestenfalls für leichte Kompromisse steht.

  29. Ich sehe das ein bisschen anders. Bei der Europawahl war es für mich überhaupt kein Thema, die Piraten zu wählen und ich kannte auch niemanden, der das tat.

    Bei der Bundestagswahl werden sie meine Stimme bekommen. Und ich kenne in meinem Umfeld fünf, sechs Leute, die ebenfalls die Piraten wählen werden.

    Denn seit der Europawahl ist viel passiert. Ich habe keine Lust mehr darauf, dass das Internet und Computerspiele unqualifiziert als Grund Nummer eins für sämtliche gesellschaftlichen Missstände herhalten müssen.

    Ich habe keine Lust mehr darauf, dass ich Zeitungen und Zeitschriften aufschlage, und darin Autoren, die Angst vor der eigenen Zukunft haben, Internet-Nutzer und die sogennanten Netzbürger als Freaks abtun können, die ja in Wirklichkeit von nichts eine Ahnung haben.

    Abgesehen davon, wie soll das gehen, „Ein Ansatz wie “Piraten in der SPD” hätte gewählt werden sollen“? Soll ich bei der Wahl ein extra Kästchen machen und daneben schreiben, „Ich wähle all jene in der SPD, die wissen was ein Browser ist, aber nicht Wiefelspütz und die anderen Online-Versager und #Zensursula-Unterstützer“?

    Dieser ganze „Piraten in Partei XY“-Quatsch ist für mich Feigenblätter der etablierten Parteien, weil sie inzwischen erkannt haben, dass die Piratenpartei und Netzthemen -wenngleich noch sehr weit entfernt von Mainstream – inzwischen genug Wähler interessieren, um ein paar Prozent abzugreifen. Wer sich davon beeindrucken lässt, und diese Parteien stärkt, sorgt im Endeffekt nur dafür, dass sich überhaupt nichts ändert.

    P.S.: Nico, so weit ich weiß, bist Du oder warst Du mal im Online-Beirat der SPD. Ich finde, bei so einer Geschichte sollte das als Disclaimer erwähnt werden.

  30. Die Piratenpartei ist eine Bewegung und ist ernst zunehmen. Sie repräsentiert bei ihren Anhängern einen nicht geringen Teil einer wichtigen Bürger- und Wählergruppe. Die Meinungsmacher und Multiplikatoren eines der wichtigsten Motoren für die aktuelle gesellschaftliche Veränderung: Das Web. Ein Thema, das sämtliche etablierten Parteien sträflich vernachlässigt haben und in meinen Augen auch noch nicht wirklich verstehen.

    Hat die Piratenpartei eine Chance ihre Anliegen in der parlamentarischen Republik durchzusetzen? Ich glaube nicht realistisch. Dazu sind es wieder zu wenige und die Themen für den normalen Bürger zu komplex und abgehoben.

    Ich würde es viel lieber sehen, diese Themen kompetent in den etablierten Parteien zu verankern. Denn ich möchte, dass sie umgesetzt werden. Mit dem Bild Piraten in die SPD kann ich mich gut anfreunden. Denn sie korrespondieren auf eine natürliche Art und Weise sehr stark mit den Grundwerten der SPD: Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Aber auch mit dem fundamentalen Gesellschaftswandel.

    Ich habe die SPD schon geentert.

  31. I n jeder etablierten Partei, sogar der CDU, gibt es netzaffine Menschen, die sich um Netzpolitik kümmern wollen. In all diesen Parteien werden die Menschen nahezu ignoriert. Deshalb sehe ich als einzige Chance, dass man den etablieren Parteien ein bisschen Angst macht, dass sie ihr Wähler-Potenzial an die Piraten verschenken. Nur dieser Stich von außen kann meiner Meinung nach ein Einbeziehen dieser netzaffinen Menschen in die Parteipolitik dieser bewirken. Ich sehe es genauso, dass man die Internetthemen zur Zeit nicht erfolgreich der Masse zu vermitteln. Aber die Masse ist eben auch nicht dafür zuständig, die Themen innerhalb der etablierten Parteien zu setzen. Das machen die Spitzen. Und diese Spitzen beobachten erstaunlichweise sehr genau, was mit den Piraten passiert. Und das ist der größte Erfolg, den die Piratenpartei jetzt schon erreicht hat. Egal, ob sie bei der Wahl nun 1,5 oder 2 Prozent bekommen wird. Deshalb wähle ich die Piraten.

  32. „Piraten in der SPD“. Der Zug ist abgefahren, spätestens seit #zensursula. Aber das hat sich die SPD selbst zuzuschreiben – es ist ja nicht so, daß man nicht freundlich und intensiv versucht hätte es ihr zu erklären.

  33. 1. der Ansatz „Piraten in der SPD“ ist ein Beispiel, wie die Themen in Parteien stattfinden können, indem Fürsprecher gefunden werden, die ein gewisses Standing innerhalb der Organisation haben. Es geht mir hier explizit nicht nur um meine Partei sondern um die etablierten Parteien.
    2. ein Gremium wie der Online-Beirat der SPD hat nicht im Ansatz die Reichweite innerhalb einer Partei wie ein paar tausend neue Mitglieder, die ein bestimmten Themenkomplex pushen. Die breite Masse der Mandatsträger wird über einen Beirat nun wahrlich nicht erreicht, da muss aus der Basis eine Bewegung kommen, die von Fürsprechern aufgegriffen wird, damit die Themen entsprechend etabliert werden.
    3. ich glaube nicht, daß ein Abschneiden um die 2-3% bei der BTW dazu führt, daß die etablierten Parteien dann feststellen, dass Netzthemen relevant sind. Man wird eher davon ausgehen, daß die nächsten Wahlen noch weit weg sind und dass sich „das Thema“ bis dahin wieder legt.
    4. Politik besteht aus Kompromissen, aus faulen, aus guten und aus schlechten, würden immer nur alle auf ihren Maximalforderungen beharren und den Idealismus über alles setzen, dann gäbe es kaum Gesetzgebung, dafür aber Splitterparteien von Splitterparteien.
    5. danke für die angeregte Diskussion :)

  34. Der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur hatte einen Appell an die SPD gerichtet, gegen das geplante Internet-Sperr-Gesetz zu stimmen.

    In dem Appell heißt es unter anderem:
    Sie haben die Gelegenheit, die Reißleine zu ziehen und die kontraproduktiven, gefährlichen Pläne aus der Feder von Frau von der Leyen zu stoppen.

    Das Ergebnis kennt jeder, nun 8 Jahre Arbeit der SPD gegen das eigene Volk haben sich gelohnt – NOCH NIE hatte die SPD weniger Chancen wie zur btw09. Nun die Lücke die hier klafft müssen die Piraten besetzen sonst trifftet Deutschland völlig in Richtung schwarz/gelb ab.

    Jeder Wähler in Deutschland sollte mal beim Eifelphilosoph vorbei schauen und die Zusammehänge versuchen zu verstehen.
    Ihr Deutschen seid saublöd. Stinkdämlich. Völlig minderbemittel!

  35. Die Piratenpartei wird sich spätestens bei ihrer richtigen Parteiwerdung wieder selbst auflösen.

    Derzeit haben es die Piraten leicht, da sie Themen haben, denen man natürlich vorbehaltlos zustimmen kann. Sobald aber die Festlegung in anderen Themengebieten erfolgt, wird sich bei der Mitgliedschaft und Wählern einiges relativieren. Wenn die Piraten meinen bei den anderen Themenfeldern letztlich das linke Lager kopieren zu können/müssen, werden sie überflüssig.

    Nach der Bundestagswahl wird zudem eine lange Dürreperiode der Wahlen einsetzen. Ich bin mal gespannt, ob die Partei diese überstehenkann. Netznutzer sind bekanntlich sehr rasch auf Veränderungen bedacht und leben halt auch im Rausch der Internetgeschwindigkeit. In diesen Zeiten geht dann im Normalfall das Postengezanke los, das dürfte dann auch nochmal viele vertreiben.

    Also an Nachhaltigkeit glaube ich da auch nicht. Das angesprochene ökologische Thema hatte in den 80ern aber eben diese. Umweltzerstörung, Tschernobyl, Amalgan, DDT …. und das ganze nochmal verstärkt durch den Beitritt der DDR. Ganz von weiteren Themen wie der Nachrüstung, die dem pazifistischen Flügel Auftrieb gab.

  36. Gut gesagt. Ich denke auch, dass die Piraten keine wirkliche Chance haben, einfach weil sie eben doch in unserem Mikrokosmos beheimatet sind. „Da draußen“ werden sie vielleicht wahrgenommen, sicher gibt es an den Werbeständen auch offene und interessante Gespräche, nur.. Wer von den aktiven Piraten hat schon mal Wahlkampf für eine andere Partei gemacht? Ich kann mir – was ich so an den Ständen anderer Parteien sehe – vorstellen, dass es dort genau solche Gespräche gibt, heißt das also, dass all die offenen Gespräche zu Wählern führen? Ich fürchte nein.

    Und was Nico mit „Piraten in die SPD“ meint, ist wenigstens interessant. Ich denke es ist wirklich die Frage, ob man mit den oben irgendwo prognostizierten 40.000 Piraten nicht viel effizienter eine existierende Partei beeinflussen, als eine neu gegründete erfolgreich machen kann.

  37. Ich glaube, dass „Piraten in der SPD“ oder ähnlich vielen einfach nicht cool genug ist. Piraten sind in manchen Ecken grad einfach hip, aber ich glaube nicht, das sie die zweiten Grünen hier im Land werden können.

  38. Alle politischen Parteien außer der Piratenpartei und z.T. den Grünen sind hoffnungslos überaltert, wenn man die Mitgliederdemographie anschaut:
    http://blog.koehntopp.de/archives/2544-Die-demographische-Basis-der-Parteiendemokratie.html#c21580
    (Daten aus http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/15/0,3672,7611407,00.html)

    In Deutschland gibt es eine Gruppe von Kleinparteien von 7000 oder weniger Mitgliedern, und dann eine große Lücke – die kleinste der großen Parteien sind die Grünen mit nur 46500 Mitgliedern, die beiden Großen sind die CDU und die SPD mit jeweils nur einer halben Million Mitglieder – angesichts der Gesamtmenge aller Wahlberechtigten ist das sehr wenig.

    http://wiki.piratenpartei.de/Mitglieder#Mitglieder_im_Vergleich_zu_anderen_Parteien_.28bundesweit.29

    Die Piratenpartei gewinnt zur Zeit mehr Mitglieder pro Tag als die Grünen in einer Woche. Sie schickt sich gerade an, den Bereich der Kleinparteien zu verlassen und die große Lücke zu durchqueren.

  39. Ich glaube nicht, dass der Ansatz „Piraten in der SPD“ funktionieren kann. Dein 2. Punkt ist m.E. kaum durchführbar. Die SPD hat (ich rate jetzt) tausende, wenn nicht gar hunderte Ortsvereine. Bei den wenigen tausend Piraten macht das 3 bis 4 Piraten pro Ortsverein. Das bringt gar nichts. Um echten Einfluss zu nehmen, müssten die alle am selben Ort sein.

    Da ist es besser eine eigene, unabhängige Organisation zu haben.

    • @oliver da irrst Du. 3-4 aktive Piraten pro Ortsverein bringen den lang ersehnten Kurswechsel. es gibt ja nicht nur einen mitgliederschwund bei den grossen parteien, auch der mitmachfaktor wird immer weniger.

  40. Sorry, wo Nico recht hat hat er recht. Meiner Meinung nach, hat die Piratenpartei und die Dämonisierung von der Familienministerin die Folge dass die Netzsperrungen bis zum 2013 zementiert werden. Wenn mann Interessen hat, muss man mit der Politik arbeiten, nicht gegen die.

    Politik ist kein Studentenparlament. Sie besteht aus Macht und Geld und Einfluss. Eine neue Partei hat am Anfang von alle Drei nichts, es muss alles von vorne über Jahre Erarbeitet werden. Bis jetzt in der Bundesrepublik hat nur eine Partei so was geschafft. Na ja, gucken wir ob in ein paar Jahre die Piraten sich in der Kommunal- und Landespolitik angefangen zu etabliert hat. Die Zeichen für solche Ausdauer sehe ich noch nicht.

    Auch wenn die Piraten dieses Jahr 1 bis 2% erreichen, werden die nur ausgelacht. CDU hätten die sowieso nicht gewählt, und wenn es bei den Umfragen so bleibt hat die SPD viel grössere Sorgen.

    Und wenn man viel Pech hat, wird von der Leyen in 2017 Bundeskanzlerin und hat sie immer noch tauben Ohren für Netzthemen.

  41. Ich sehe die Sache weitgehend ähnlich wie Nico es beschrieben hat.
    Dabei denke ich allerdings nicht, dass das Hauptproblem das Nischendasein der Internetwelt (um das mal so knapp und vielleicht etwas unscharf zusammenzufassen) ist, sondern eher die Relevanz.

    Ich habe öfters mit Kollegen über die Piraten diskutiert, die zwar durchaus aktiv im Netz sind, aber auch über 30 sind, Familie haben, etc. Da kam dann mehrmals das Argument: „Es ist gut, was die da machen, früher hätte ich das auch unterstützt, aber jetzt habe ich eine Familie, Kinder, einen festen Job und da zählen einfach andere Dinge.“. Mag vielleicht spießig klingen, aber ist in meinen Augen auch gut zu verstehen.

    Gleichzeitig sehe ich auch ein großes Problem in der Organisation bzw. dem öffentlichen Auftreten der Piraten. Mir sind jetzt mehrmals Piraten auf irgendwelchen Veranstaltungen begegnet, die dort Flyer verteilt haben bzw. sogar einen Informationsstand betrieben haben, zuletzt auf der gamescom.
    Das Durchschnittsalter lag jeweils bei vielleicht 20 Jahren, man trug Piraten T-Shirts, teilweise beklebt mit zusätzlichen Aufklebern – vielleicht nicht unbedingt der beste Weg, um einen guten Eindruck zu hinterlassen (und damit verlange ich nicht, dass man nun in Schlips und Kragen Wahlwerbung machen muss).
    Ich habe jedenfalls die Diskussion gesucht und leider kam nie ein wirkliches Gespräch zustande, wie man es von sonstigen Parteiständen kennt: auf die Frage nach dem Wahlprogramm abseits von Zensursula und Co kam der Hinweis: „Wir haben viele weitere Punkte in unserem Wahlprogramm, da müssen Sie mal im Internet gucken!“. Auf meine Nachfrage, dass ich mich aber dort am Stand informieren möchte, mussten die beiden jungen Männer dann eingestehen, dass sie selbst nicht so genau wissen, worum es eigentlich außer Zensursula geht….

  42. <>

    So ähnlich sehe ich die Piraten – das Zeug dazu haben sie. Der (?) Vorwurf der „One-Issue-Party“ zieht mMn nicht im mindesten: Die Piraten haben ein Mobilisierungspotential, von dem alle Jugendverbände der etabliert(er)en Parteien nur träumen können!

    Wenn einE JugendlicheR die baumelnden Mundwinkel der Merkel sieht – glaubt Ihr, er/sie geht deswegen in die Junge Union? Wenn einE JugendlicheR Münte davon reden hört, es sei unfair, wenn Parteien an dem gemessen werden, was sie vor der Wahl versprochen haben – glaubt Ihr, er/sie geht dann zu den JuSos? (Bsp. ctd. bei Grüne Jugend und JuLis, ohne Details…)

    Die Piraten sind eine der wenigen Parteien, die eine politische Bindekraft bei jungen Wählern kongruent darstellen können. Wie machen sie das? Indem sie eben KEINE Marketingkulissen bauen – das ist Authentizität!

    Das Entscheidende für die Piraten (und ihre WählerInnen) wäre, dass die vergreiste „Internet?-Solche-Schweinerei-kommt-mir-nich-ins-Haus!“-CSED-Wähler-Generation am Wahltag geschlossen zuhause bleibt.

    Wer von Euch hat Omas und Opas ohne Netz, von denen Ihr wisst, sie würden CDU oder SPD wählen? Wie könnt Ihr sie motivieren (wenn schon nicht für die Piraten), gemütlich daheim zu bleiben und nicht „denen da oben“ ihre Stimme in den Rachen zu schmeißen?

    So – gut jetzt erstmal…

  43. „1. der Ansatz “Piraten in der SPD” ist ein Beispiel, wie die Themen in Parteien stattfinden können, indem Fürsprecher gefunden werden, die ein gewisses Standing innerhalb der Organisation haben. Es geht mir hier explizit nicht nur um meine Partei sondern um die etablierten Parteien.
    2. ein Gremium wie der Online-Beirat der SPD hat nicht im Ansatz die Reichweite innerhalb einer Partei wie ein paar tausend neue Mitglieder, die ein bestimmten Themenkomplex pushen.“

    Schön, wie sich die beiden Punkte widersprechen:
    1. braucht man Personen mit Standing aber
    2. kann (gerade der die Personen mit Standing beratende) Beirat nichts ausrichten, sondern das müssen die Massen machen???

    Parteien funktionieren heute nur von oben herab: Parteizwang, Abstimmungszwang, Fraktionszwang, Koalitionszwang!
    Keine Meinungen, keine Mehrheiten, die Demokratie des Volkes ist längst eine Diktatur der Politik geworden. Und diese Politiker verfolgen ihre Ziele und setzen gegen alle Widerstände durch, was sie für richtig halten, also was für ihr Ego und ihre vermeintliche Karriere wichtig ist.

    So etwas kann man nur in den Zentren der Macht beeinflussen, und indem man den Protagonisten zeigt, wie sehr sie selbst vom Wandel profitieren könnten, statt sich ihm entgegenzustellen.

    Da kann man sich nicht erst nach 2 Jahren rausreden und gleichzeitig relevante Grass-Roots Bewegungen schlechtmachen.

  44. @nico
    „von Schuld spreche ich nicht, nur davon, daß es nicht gelingen wird, diesen wichtigen Themenkomplex für die Masse zu übersetzen.“

    Ich denke die CDU will es nicht verstehn.

    Die FDP und auch die Grünen hab sehr wohl verstanden um was es geht nur die alte Tante SPD schlägt sich, genau wie du lieber mit der Sorge rum ob man den Menschen dieses wichtige auch Thema auch „übersetzen“ kann.

    Arbeit für alle hört sich halt viel kerniger und einfacher an und muss nicht übersetzt werden.

    „Ich finde es schade, daß dieser netzpolitische Elan des Jahres 2009 nur zu einem kleinem Paddelboot reicht, nicht aber zum netzpolitischen Kurswechsel etablierter Parteitanker.“

    Das finden wir alle sehr schade, und genau deshalb ist SPD/CDU nicht wählbar.

    Dein Text kommt mir vor als würdest du die Piraten dafür verantwortlich machen dass die SPD nicht verstanden hat um was es geht.

  45. Bob der Schlaumeister 23.08.2009 at 10:09

    So sehr ich der Piratenpartei auch zustimme in den Themen, die ihr wichtig sind, so sehr fürchte ich mich davor, dass andere Themen sich nicht in die Richtung entwickeln, wie sie sollten. Es bleibt eine Niechenpartei, der andere Themen außerhalb ihres Interessenbereichs gleichgültig zu sein scheinen.

    Die Gefahr wichtigere Themen – und die gibt es zu Hauf – zu vermeiden und aus den Augen zu verlieren, lässt aus meiner Sicht die Piratenpartei zu einer Gefahr werden. Wer sich lieber mit Netzpolitik als mit Hunger. Umwelt und Hartz 4 ausseinandersetzt, ignoriert jene, denen die Bildzeitung für 60ct als einizges Informationsmedium – aus Kostengründen – belibt.

  46. Und falls jemand glaubt dass Netzpolitik in den USA irgendwie weiter ist: Will Obama Kill The Netroots?

    The real worry for the netroots is that Obama is undermining their particular blend of online politics. He has taken the parts of netroots politics that he likes (online organizing and fundraising), while dumping the parts that he doesn’t (a strongly confrontational politics and emphasis on bottom-up decision making). There isn’t much room for the netroots and vigorous online partisanship in Obama’s plans for the future of the Democratic Party.

  47. Ich bin ja doch etwas verwundert über den Vorschlag „Piraten“ sollten sich lieber in den etablierten Parteien engagieren.
    Wer so etwas fordert, der hat die Piraten meiner Ansicht nach nicht verstanden. Uns geht es nicht nur um Datenschutz, Freies Wissen und Bürgerrechte, sondern vor allem um Basisdemokratie.

    Viele haben wohl schon vergessen, dass unsere Volksvertreter vor einigen Wochen eine Petition von > 130k Bürgern mit einem Lächeln vom Tisch gewischt hat, statt sich einmal Zeit zu nehmen und damit zu beschäftigen.

    Liebe Verfechter der SPD, das ist es was hier thematisiert werden muss!

    Ich persönlich sehe zwei mögliche Szenarien: 1. Die Piratenpartei verliert nach der Wahl wieder deutlich an Mitgliedern, findet innerparteilich keine Linie und verbindet in der Bedeutungslosigkeit.
    2. Die Piraten schaffen es nach der Wahl, trotz eines enttäuschenden Ergebnisses, ihr Programm weiter zu entwickeln und außerparlamentarisch den etablierten Druck zu machen.

    Ich finde es positiv, dass sich zur Zeit viele Menschen politisch engagieren, die dies bisher noch nicht getan hatten.
    Schade, dass das von vielen jetzt immer klein geredet wird. Langfristig tut eine junge und unverbrauchte Partei Deutschland und damit allen Parteien gut.

  48. Für das andere große Piratenthema „Überwachung und Freiheitsrechte“ haben die Piraten einen Themenüberblick in ihrem Wiki in http://wiki.piratenpartei.de/Was_%C3%BCber_uns_gespeichert_wird einmal zusammengetragen.

    Für das Thema ‚Urheberrecht’habe ich in http://blog.koehntopp.de/archives/2605-Einthemenpartei.html eine andere Form gewählt, um den ganzen Komplex einmal auszuleuchten – die politische Diskussion ist selbst innerhalb der Piratenpartei da ein wenig verengt.

    Wenn man nur stumpf auf das Thema selbst glotzt, mag einem das als Einthemenpartei vorkommen, aber es sind gerade die Verflechtungen und Wechselwirkungen zwischen diesen Gebieten sind es, die wichtig sind.

    Etwas ähnliches würde ich gerne mit ein paar Leuten, die mehr über Wirtschaft und über Bildung wissen als ich gerne einmal für diese Themen machen. Ich glaube, daß kann eine großartige Topic-Map für die Erarbeitung dieser Themenkomplexe für die Piratenpartei sein.

    Das leitet dann auch elegant zum nächsten Punkt über:

    In beiden Fällen erkennt man auch, wie sich die Arbeit in der Piratenpartei von der Arbeit in traditionellen Parteien unterscheidet.

    Die Grünen waren mit ihren basisdemokratischen Ideen vielleicht einfach nur 20 Jahre zu früh – die techniche Infrastruktur um eine so hochgradig parallele und hochgradig verteilte Diskussion zu unterstützen war noch nicht da. Die technischen Piraten, also die, die ihre Wurzeln tief in der Open Source Ecke haben, kennen das technische Substrat schon, auf dem die aktuellen Diskussionen laufen – es sind dieselben Träger, die die Piratenpartei für die politische Diskussion verwendet, die schon hunderte weltweit verteilter Open Source Projekte zur Koordinierung und Kooperation verwendet haben.

    Im Rahmen der Piratenpartei wird dieses Kommunikationssubstrat vor neue Herausforderungen gestellt, weil die Anzahl der Teilnehmer schnell etwa eine Zeherpotenz größer sein wird als in den meisten Open Source Projekten, aber grundsätzlich scheinen sich die Strukturen und die technisch unterstützten Sozialtechniken dieser Generation zu bewähren und an der Aufgabe zu wachsen. Das ist es, was ich an der Piratenpartei kulturhistorisch so spannend finde und es ist aufregend, ein Teil dieser Erfahrung zu sein.

    Und nein, in einem anderen, älteren Umfeld wird das ganz sicher nicht funktionieren. Den betreffenden Leuten fehlt die persönliche Erfahrung, daß so etwas überhaupt funktionieren kann und ihnen fehlt die soziale und kommunikative Ausbildung, um in solchen verteilten Netzen überhaupt diszipliniert arbeiten zu können – wer in einer Firma einmal Open Source Entwicklungs- und Kommunikationstechniken versucht hat zu lehren weiß wovon ich hier rede.

  49. 1.
    die piratenpartei ist keine eintagsfliege. wir haben es mit einer internationalen bewegung zu tun, die von schweden ausgeht und gerade von land zu land rüberschwappt.

    2.
    warum eine neue partei? weil die strukturen innerhalb der alten parteien undemokratisch sind. die parteiführungen sind entkoppelt von der basis. mitbestimmen kann nur, wer das spiel mitspielt und sich nach oben klüngelt und intrigiert. die basis hat nichts zu melden.

    die piraten stehen für egovernment und eine neue form der basisdemokratie: jeder kann im forum mitdiskutieren, am programm im wiki mitschreiben, abstimmungen werden schnell und einfach über evoting systeme gemacht. jeder (auch externe) kann das parteileben mitverfolgen, es herrscht absolute transparenz.

    es ist daher richtig, eine eigene partei zu gründen und den direkten weg ins parlament zu suchen, statt den indirekten weg über das veraltete system „partei“ zu nehmen.

    3.
    heute mögen digitale bürgerrechte ein randphänomen sein. ein großteil der heute wahlberechtigten ist ohne computer und internet aufgewachsen und fremdelt mit der neuen welt die sich dadurch eröffnet. aber für jedes kind das heute heranwächst ist das internet eine selbstverständlichkeit und besteht aus definitv mehr als google, bild.de und ebay.

  50. Das Problem der SPD ist, dass sie niemandem mehr eine politische Heimat zu bieten in der Lage ist. Dieser Möglichkeit hat sie sich seit 1998 schrittweise selbst beraubt, indem sie den neokonservativen Minderheit gestattet hat, den Ton anzugeben.
    So gesehen ist der beste Umgang mit dieser Partei der Ansatz von Cem:
    Eintreten, die Rechten rausdrängen und die Sozialdemokratie wieder in die SPD holen. Die nötigen Ideen sind ja grundsätzlich vorhanden, die kann man teilweise einfach bei der Linkspartei abschreiben (und diese damit en passant aushebeln).
    Denn „SPD“ ist eine starke Marke. Vermutlich sogar die stärkste. Noch. Und man wäre blöd, wenn man das nicht ausnutzen würde.

    Allerdings würde ich der SPD bei dieser Wahl – trotz Mitgliedschaft – meine Stimme verweigern, um die Neocons nicht noch zu bestätigen – denn so würden sie das verstehen.

  51. «3. ich glaube nicht, daß ein Abschneiden um die 2-3% bei der BTW dazu führt, daß die etablierten Parteien dann feststellen, dass Netzthemen relevant sind. Man wird eher davon ausgehen, daß die nächsten Wahlen noch weit weg sind und dass sich “das Thema” bis dahin wieder legt.»

    Nun, wenn die Piraten 2-3 % kriegen und die restlichen Parteien das Thema bis zur nächsten Wahl weiter ignorieren dann wird es eben da den Erfolg der Piraten geben.

    Denn ich denke wir sind uns alle darin einig dass das Netz so schnell nicht wieder verschwinden wird. Diese entwicklung auch die nächsten 4 Jahre zu ignorieren wird nicht klappen. “Das Thema” Internet wird bleiben und verstärkt wichtig werden.

  52. Sag mal, Lumma… Es ist mir doch egal, was Nische und was Weltmeer, Wasserglas, Tanker oder Paddeelboot ist.

    Als Wähler habe ich (ich!) eine (meine!) Stimme und die Alternativen sind gering genug – da schließe ich doch nicht noch die minder-mainstreamigen aus.

    Zudem: Diese nur noch semantische offline/online-Unterscheidung wird allen die sie Benutzen noch kräftig um die Ohren fliegen. (Ist Rente ein offline-Thema? Ist Bürgerrechte ein online-Thema? Das ist doch alles ziemlich dumm.)

  53. Lustig. Vorgestern Sigmar Gabriel in Berlin vor einem Elektroauto, heute Sie hier mit Piratenflagge.

    Too little. Too late.

  54. ich seh es wie jo (21ster post). wenn sich die etablierten Parteien gegen alles Neue wehren, nicht auf den Onlinebeirat hören (wozu gibt es ihn dann überhaupt?) und nicht einmal ansatzweise die Wichtigkeit dieser Themen begreifen.. wieso..ja wieso soll ich mich dann bei so einer Partei alter Menschen einbringen und hoffen, dass sie irgendwann mal auf Leute hören, die Ahnung haben?! Wieso sollte man sich dann nicht mit anderen jungen Leuten zusammentun? Ich glaube dabei geht weniger Elan verloren als in der SPD ungehört zu bleiben.

  55. Mit Piraten in der SPD, könnte man sie vielleicht netzpolitisch wieder wählen, dann gäbe es aber noch den Rest…

  56. Piraten in der SPD?
    Das hätten die etablierten Parteien schon Mitte der Neunziger haben können, als die IT immer mehr in den privaten Lebensraum eingedrungen ist.
    Aber da es bis heute ja nur zum einem „rabäh, rabäh, Killerspiele, rabäh, rabäh, rechtsfreier Raum“ gereicht hat, braucht man sich nicht zu wundern, wenn eine große Anzahl technikaffiner Menschen keine Lust hat, ihre Freizeit der CDU, SPD & Co zu opfern.

    Ich glaube zwar auch nicht, daß die Piraten auch nur ansatzweise so etwas wie eine Volkspartei werden, aber eines möchte zu denken geben:
    Die Piratenpartei hat es geschafft, daß sich junge, überwiegend technisch ausgebildete Leute plötzlich für Politik interessieren. Wenn diese Generation dann in 10-20 Jahren „am Drücker“ sitzt, wird sich das Problem mit Volkspartei oder nicht Volkspartei schon von alleine erledigen. ;)

  57. Das Problem ist die große Koalition.

    Gäbe es eine Rechte Mehrheit, die das Sperrgesetz durchgesetzt hätte, würde die Opposition heißlaufen und die FDP wohl deutlich Stimmen verlieren.

    Bei einer linken Mehrheit glaube ich an Selbstzerfleichung der Linken ;)

    Insofern hoffe ich, dass die BTW Klarheit bringt. Wenn nicht…. weiter Piraten wählen.

  58. @king balance:

    Der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur hatte einen Appell an die SPD gerichtet, gegen das geplante Internet-Sperr-Gesetz zu stimmen.

    Um fair zu bleiben: Der Appell bzw. der Antrag auf dem Wahlparteitag stammt aus der innerparteilichen Ecke, aus der schließlich die „Piraten in der SPD“ hervorgegangen sind und wurde vom AK Zensur unterstützt.

    Bemerkenswert ist, ich schrieb es oben ja schon, wie der Antrag, der durchaus Chancen bei einer offenen Abstimmung gehabt hätte, von der Parteiführung sabotiert wurde.

    Mag sein, dass Politik aus Kompromissen besteht (Zum Beispiel ein Bundestagsmandat 2013 …). Kompromiss bedeutet eigentlich aber, dass beide Seiten zufrieden sein können. Das kann man bei der SPD nicht einmal mehr in der großen Endabrechnung sein, Einzelfragen ganz aussen vor.

    PS: Ich weiß nicht, ob ich die Piraten ernstnehmen kann oder will. Aber selbst als taktische Motivationshilfe scheint mir meine Stimme dort zur Zeit wesentlich besser aufgehoben als bei (m)einer Partei, die in den letzten Jahren einen Großteil ihre Ziele und Idealen verraten hat.

  59. Das ist physikalisch und so mag ja stimmen, aber sauren Regen oder die Atomenergie konnte man auch nicht anfassen.

    Außerdem solle man die nächste Bundestagswahl nicht zum Endpunkt der Piraten machen. Das Konstrukt ist sehr neu und die Grünen waren auch nicht mehr der ersten Wahl wählbar. Übrigens wären IMHO alle Ergebnisse von etwa 1% ein Erfolg. Mehr erwarte ich nicht.

    Spannender wird die Zeit danach. Haben die Piraten den Mut auch andere Themen zu besetzen? Und wenn ja, wie?

    Ganz nebenbei bezweifle ich, dass Piraten in den Grünen oder Piraten in der SPD mehr Einfluss auf die Politik erlangt hätte als die Piraten es so schon erreicht haben. Immerhin sind die Parteien gezwungen, eine Position zu besetzen. Doofes Rausreden reicht nur noch in der C?U. Die SPD diskutiert noch und die Grünen sind schon einen Schritt weiter. Soooo schlecht ist das gar nicht. Im letzten Jahr ist definitiv mehr passiert als im Jahrzehnt vorher!

  60. @ Holgi
    Bis jetzt wurde es der SPD doch nur negativ ausgelegt,wenn sie den Verdacht erregt hat von der Linken abzukupfern.Das wäre ja kein eigenes Profil,das die Partei so dringend braucht,sondern ein übernommenes.
    Und wer eine politische Heimat hat (bei der Linken)
    sucht doch keine mehr…

  61. ich weiß gar nicht wieso hier staendig von 1-2 % geredet wird.

    für mich steht fest: wer bei der europawahl piraten gewählt hat wählt sie jetzt wieder. und wie oben schon geschrieben und von einem anderem kommentar auch in aehnlicher weise dargestellt kannte ausserhalb von twitter überhaupt gar niemand die piraten. einen richtigen wahlkampf gab es bei der europawahl auch nicht. das ändert sich gerade. in zeitungen erscheinen artikel über die piraten, die enorme menge neuer mitglieder tut ihr bestes die piraten bekannter zu machen und die wähler wollen die großen parteien nicht wählen.

    3% sind meiner Meinung nach das Minimum!!!
    -> das überspringen der 5% unwahrscheinlich aber nicht ausgeschlossen.

  62. Die aktuellen repräsentativen Umfragen sehen die Sonstigen bei ~5%. Und die Sonstigen sind nicht nur die Piratenpartei. 5% für die PP sind unrealistisch.

  63. Es gibt ja auch keinen Anlaß zur Hektik. Wenn man sich die Mitgliederstatistik ansieht, dann findet die Piratisierung unserer Gesellschaft effektiv seit Juni statt. Das heißt, daß die Mehrzahl der Piraten seit 3 Monaten oder weniger Mitglied ist.

    Für die Piraten heißt das in erster Linie einmal zu sich selbst zu finden und herausfinden, wer sie denn nun eigentlich sind und was sie genau im Einzelnen wollen. In einem zweiten Schritt wird es dann sicher auch zur Besetzung weiterer Politikfelder kommen, für die die Piraten sich kompetent genug fühlen.

    Das ist auch in Ordnung so, und soweit ich das bisher erlebe, auch ein recht zügiger Prozeß. Nächstes Jahr um diese Zeit wird die Piratenpartei sicherlich ein viel geschlosseneres Bild abgeben.

  64. Meine Güte. So viel Pfeifen im Wald hab ich schon lange nicht mehr gehört wie in den letzten paar Wochen.

  65. Ich muss sagen, es ehrt dich nicht, dass du die Piraten anscheinend weniger ernst nimmst, als die Politiker, auch von der SPD, die sich mit uns im Strassenwahlkampf befinden.
    Wir haben heute auf einer Veranstaltung mit verschiedenen parteien gesprochen und durfte (muss man klar so sagen) das auf Augenhöhe tun, denn im gegensatz zu deinen Wort hier, spürte man, dass diese Politiker schon beinahe als etabliert anerkannten.
    Frau Wagenknecht zog heute in der Menge mit meinem Flyer davon (Yeah!) und die Grünen boten uns eine Teilnahme an einer ihrer veranstaltungen an.. Eine entschuldigte sich ausdrücklich für das Abstimmungsverhalten der Grünen beim Zugangserschwerungsgesetz bei uns und die SPD…nun, die eröffnte den Dialog witzigerweise mit „Wer hat uns verraten, das warn die Piraten“, was uns über einige Meter zugeschmettert wurde. Wir brachen in schallendes Gelächter aus und ich antwortete nur:“Haha, aber du weißt schon, wie der Spruch richtig geht, oder? Haha“ und ab..
    Lustig war auch, die Grünen und die SPD verteilten Luftballons, wir verteilten informationen. Lustig war weiterhin, dass wir schon Gespräche und Diskussionen am Stand hatten, während die SPD ausschließlich mit sich selbst beschäftigt war, weil das ohne Klientel gar nicht anders möglich war.
    Ich will meine Hoffnungen nicht zu hoch schrauben, wir werden sicherlich noch auf den Boden der Tatsachen zurück kommen, aber ich habe das dumpfe Gefühl, das wird nicht durch die Bundestagswahl, bzw. deren Ergebnis passieren, sondern durch die interne Geschichten, denn eine Erweiterung des Programms ist längst in Arbeit und wenn du im Internet so kompetent wärest, wie du behauptest, wüsstest du das auch, da im gegensatz zu den anderen Parteien ALLE informationen öffentlich sind.
    Weiterhin ist es lustig ausgerechnet von dir auf das Thema Internet reduziert zu werden, ehrlich! :)

    Noch mal zur Veranstaltung heute, die Kinder hatten Luftballons von den Grünen und der SPD an der Hand, die Eltern unsere Flyer.

  66. Ich finde die in der Handelsblatt-Umfrage (eine der wenigen seriösen, die die Piraten nicht nur unter „sonstige“ ausweisen) 2% zur Bundestagswahl gar nicht so „nischig“ wie Du es hinstellst.

    Sicher werden die Piraten noch nicht direkt (wohl aber indirekt) politisch mitgestalten können. Eine verschenkte Stimme ist das Kreuz bei den Piraten aber sicher auch nicht. Als Freund der Systemtheorie weiß ich, dass Du ein System nur innerhalb seines eigenen Codes beeinflussen kannst. Machtverlust – und seien es 2%, die ja irgendwo herkommen müssen, ist das effizienteste und von den Vätern unserer Verfassung gewollte Sanktionsmittel bei Unzufriedenheit mit der Politik. Im Gegensatz zu „Piraten in der SPD“ oder einer e-Petition setzt eine Stimme bei der Bundestagswahl da an, wo es wehtut.

    Ich stehe der SPD inhaltlich recht nahe (soweit man das noch sagen kann, etwas mehr Profil täte ihr gut – abwarten, wie das in einer Zeit nach der großen Koalition aussieht). Dennoch bin ich Pirat. Nicht, weil ich denke, dass Datenschutz und Urheberrecht die einzigen oder allgemein dringendsten Probleme unseres Landes wären, sondern weil sich sonst derzeit keine Partei zumindest adäquat dazum kümmert, leider nicht einmal die Grünen. Dabei ist es mir völlig wurscht, ob die Piraten die neuen Grünen sind und sich im politischen Betrieb etablieren (damit wahrscheinlich auch ähnliche Metamorphosen durchlaufen wie die einstigen Ökos) oder ob sie dadurch überflüssig gemacht werden, dass eine oder mehrere der „etablierten“ sich ernsthaft ihrer Themen annehmen.

    Es geht um die Ziele, nicht darum, wer sie verwirklicht. Ich sehe nicht, dass ich der Verwirklichung dieser Ziele einen Deut näher komme, wenn ich am 27. September wieder eine Partei mit meiner Stimme belohne, die mit ihrer Zustimmung zu einem potentiell verfassungswidrigen, zumindest aber in seinem erklärten Ziel wirkungslosen und gefährlichen Gesetz weite Teile ihrer Basis und die gesamte Netzöffentlichkeit vor den Kopf gestoßen hat.

    Die Wahrheit liegt wohl wie so oft in der Mitte: Die „Piraten in der SPD“ und die „echten“ PIRATEN ergeben doch eine brauchbare Zangentaktik. Und es geht uns doch um die Sache und nicht um Machtspielchen, oder?

  67. „Ich bin ja doch etwas verwundert über den Vorschlag “Piraten” sollten sich lieber in den etablierten Parteien engagieren.“

    Ich auch (s. mein Kommentar weiter oben).

    Zwar würde ich diese Argumentation verstehen und unterstützen, wenn das bedeutete, die kommunikativen Kompetenzen in den anderen Parteien auf’s Parkett zu schmeißen, um dadurch diese „von unten her“ zu entkrusten, wahrscheinlicher ist aber, dass diejenigen, die in solche Parteien eintreten, sich dann mehr und mehr dem ganzen Linien- und Parteidisziplingedöns unterwerfen – das wäre ein echter Verlust, da hätte niemand was von!

    „Wer so etwas fordert, der hat die Piraten meiner Ansicht nach nicht verstanden.“

    Ich glaube, so manche in diesen Kommentaren hier haben Ansprüche an die Piraten, die – gemessen an der Realität – viel zu hoch sind.

    Klar lässt sich die Argumentation so aufmachen:
    – Wird die Piratenpartei Deutschlands den Erfolg der Schweden bei der Europawahl (also ca. 7%) wiederholen können (wenn ja, was dann? wenn nein, was dann?)
    – Wird die Piratenpartei Deutschlands die 5-Prozent-Hürde knacken? (wenn ja, was dann? wenn nein, was dann?)
    – Wird die Piratenpartei Deutschlands sich selbst TROTZ REALPOLITISCHER DISKUSSIONEN um Eintagsfliegen- oder „One-Issue“-Gedöns selbst treu bleiben? (sie muss – sonst gründet sich eine neue Partei, die noch piratischer sein wird… *g*)

    „Uns geht es nicht nur um Datenschutz, Freies Wissen und Bürgerrechte, sondern vor allem um Basisdemokratie.“

    JA! Eine der großen Stärken, eine der produktivsten Ressourcen, die der Piratenpartei zur Verfügung stehen, ist die Struktur und die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen und Aktionen durchgeführt werden!

    Und eines noch zum Thema 3-4 Leute pro Ortsverein wären nicht genug: Quatsch mit Soße! Gerade durch die enorme Netzaffinität und die hohe Kompetenz mit Nicht-Präsenz-Kommunikation effizient umzugehen hebt die Piratenpartei aus dem Wust an Stammtischgänger-Parteien heraus!

    Sicher, für das „Gruppen-Feeling“ sind RL-Treffs sehr nützlich und sie schaffen auch Vertrauen. Aber für strukturelle, (?)programmatische und aktionistische Entscheidungsprozesse ist das RL-Treffen von PiratInnen ein (überflüssiges) Gimmick – angenehm, aber nicht notwendig.

    Selten hat es eine Partei oder Bewegung gegeben, die soviel Elan durch Selberdenken und Bottom-Up-Kultur entwickelt hat! Diese Ressource wegzureden (ernst gemeinte Bedenken und realpolitische Erwägungen in allen angemessenen Ehren) wäre eine sträfliche Missachtung der Stärke der Bewegung.

    Redet die Piraten nicht kaputt – redet die CSED kaputt! :D

  68. @dave-kay: wie kommst du darauf, dass ich die piratenpartei nicht ernst nehme? ich finde, sie besetzt richtige und wichtige themen. mich treibt nur um, dass der impact der partei, bzw ihrer protagonisten, anders grösser sein könnte.

    da geht es mir auch nicht um irgendeine politische farbenlehre, auch wenn mir das hier gerne unterstellt wird, sondern es geht mir um das vorantreiben der netzpolitischen themen. da glaube ich einfach, daß der drive der piraten durchaus zu einem anderen agenda-setting in den parteien führen würde, wenn eben sich innerparteiliche mehrheiten auf den verschiedenen ebenen ändern.

  69. Dankwe für das Verschwinden lassen meines Beitrages, egal und….

    „da geht es mir auch nicht um irgendeine politische farbenlehre, auch wenn mir das hier gerne unterstellt wird, sondern es geht mir um das vorantreiben der netzpolitischen themen. da glaube ich einfach, daß der drive der piraten durchaus zu einem anderen agenda-setting in den parteien führen würde, wenn eben sich innerparteiliche mehrheiten auf den verschiedenen ebenen ändern“

    JA, genau darum geht es und dem nicht in 4 oder 10 Jahren sondern HEUTE und JETZT!

    Die SPD ist dazu nicht in der Lage, ist eher mit Teil der Gegegnseite. Die „Jungen der SPD“ dortige Piraten, all die sogenannten Netzaffinen haben nichts bewirkt und womit wirkt andererseits die SPD?

    Was sagt vdL-Pendant?
    Was sagt Schäuble-Pendant?
    Und wie dumm ist H.H.-Wahl zum Mediensprecher?

    Nein, nein, nein und nochmal Nein.

    • sorry, falls ich den irgendwie gelöscht haben sollte, war keine absicht, sondern eher zu dicke finger auf dem iphone :)

  70. Auch ich habe gesagt, dass wir Piraten in allen Parteien brauchen. Aber die SPD – Bürgerrechts- und Netzpolitik lässt sich nicht ohne Druck von außen und schon gar nicht von innen ändern. Dies hat sich nicht nur im letzten Sommer beim Desinteresse der Partei am Datenschutz gezeigt- trotz der Datenschutzskandale gab es nicht einmal das Bemühen, hier Flagge zu zeigen. Ich wurde als wirtschaftsfeindlicher unrealistischer Datenschutzfreak beschimpft und gegen den sehr breiten Protest der Datenschutzszene von der Koordinationsaufgabe entbunden. Das Internet gilt vor allem unseren Rechtspolitikern als rechtsfreier Raum. Es gab und gibt keinerlei Chance, hier eine fortschrittliche Urheberrechtspolitik auf den Weg zu bringen. Wer nur das Wort Open Access in den Mund nimmt, wird in der Fraktion gebashed. Beim Hackerparagraphen gab es in der Fraktionssitzung regelrechte Hasstiraden gegen den Chaos Computerclub, obwohl man dessen Argumente nicht mal anhören wollte. Bei der Vorratsdatenspeicherung habe ich nur mühsam Schlimneres verhindert. Über die Anbiederung an vd Leyen will ich gar nicht reden. Aber die Zensur des Internet soll ja nicht nur nach Meinung von Griese bis Marks vorangetrieben werden. Zypries hat jetzt, wie ihre Vorgängerin, den Hass im Internet entdeckt etc. etc. Beliebig viele Beispiele ließen sich finden. Nicos Ansatz ist nett- aber ohne jegliche Kenntnis der tatsächlichen Entwicklung in der SPD seit Schily.

    • oder andersrum formuliert: Du hast, lieber Jörg, es über die Jahre nicht geschafft, als Stimme in der Fraktion wirklich Gehör zu bekommen. Daher meine ich ja, dass die Basis verbreitert werden muß.

  71. Habe keine Zeit die anderen Kommentare durchzulesen, wollte aber mal sagen, dass ich die Aussage des Artikels 100% unterstuetze. Gewaehlt wird nicht von der speziellen Gruppe „Webgemeinde“, sondern von Menschen, die den Unterschied zwischen Sperren und Loeschen erstens nicht kennen und denen das zweitens auch herzlich egal ist, weil es nur ein Nieschenthema ist und privat niemanden betrifft. Und solange die Bild die neusten Skandale aufdeckt, macht sich niemand auch nur im Ansatz Gedanken um moegliche Zensur.

  72. Das mag ja alles sein. Aber ich kann mich erinnern, dass in den USA jemand Präsident geworden ist, der wusste, wie man das Internet für sich nutzt. Und Themen wie die Grundrechte sind durchaus greifbar. Das Internet ist nur ein Oberthema, die einzelnen Punkte, um die es geht, sind da schon wesentlich näher am Volk.
    Trotzdem habe natürlich auch ich keine Ahnung, wie sehr das den Wähler an sich interessieren wird. Aber genau das finde ich eigentlich spannend, herauszufinden, und deswegen finde ich es auch gut, dass man sich auf das Experiment Piratenpartei eingelassen hat.
    Mal schauen, was draus wird.

  73. @Matthias:

    Und? Wer hat zu dem Thema mehr Öffentlichkeit gebracht? Irgendein Clübchen in einer Partei, die bald niemand mehr wählt oder die Piraten?

    Na?

  74. Was hat denn die SPD den Mitgliedern und Sympathisanten der Piraten anzubieten? Mitsprache? In verkrusteten Ortsverbänden? Bei Unterbezirksparteitagen, die den Charme von ZK-Sitzungen haben? Wo alles zwischen den relevanten Flügeln und Personen vorab abgesprochen ist und die Delegierten ein wenig kuscheliges Genossen-Ambiente geniessen können? Ganz abgesehen davon, dass man es erst einmal zum delegierten schaffen muss….

    Oder sollen die oft jungen Anhänger zu den Jusos abgeschoben werden und dort in der geschlossenen Anstalt ihre Flausen ausleben, mit einer Vorsitzenden, die vom Sozialisimus träumt?

  75. Noch was: Wenn die Neumitglieder sich bewährt haben, dürfen sie dann bei Nachwuchskader-Programmen (Mentoring) oder in Seminaren der FES sich auf grössere Aufgaben vorbereiten. Die Realität der Parteipolitik kann ganz schön grausam sein.

    Wenn, dann würde ich den Piraten eher raten, in die FDP oder den Linken einzutreten und dann ganze verschnarchte Gliederungen zu entern. In der SPD ist das bei Ortsverbandsgrössen von 150 Mitgliedern und mehr schwer und einem Durchschnittsalter von 6ß+ schwer möglich.

  76. Richtig.
    Man darf nicht denken, dass die Online-Welt eine repräsentative Gruppe der deutschen Bevölkerung ist.
    Den Einfluss, die den Onliner auf Alltägliche Entscheidungen haben, sind heute noch immer marginal.

  77. Ich nehme das ähnlich wahr, wie @cemb – nur ziehe ich andere Schlüsse daraus.

    Die Piraten als Phänomen stehen für den Widerstand gegen eben diese Zirkeldemokratie der etablierten Parteien – auch den Gruenen.

    Irgendwie spürt man, dass sich etwas ändern muss. Ob das über eine Netz-APO oder eine Partei, wie die Piraten institutionalisiert sich findet, ist eigentlich nicht so wichtig. Die Zeit ist einfach reif, diese Generationenfrage nach Bürgerrechten, auch digitalen und Willensbildung 2.0 zu stellen.

    Die SPD hat darauf imho keine Antwort parat.

  78. Die Piratenpartei kann meiner Meinung nach zwei Punkte besetzen, die die Grünen in den letzten 20 Jahren nach und nach aufgegeben haben: Bürgerrechte und Basisdemokratie. Beides würde *sehr* glaubwürdig zur Piratenpartei passen.

  79. Ich empfinde es als ziemlich schwer hier als 93. zu Kommentieren und dabei dem Artikel und den 92 vorherigen Kommentaren gerecht zu werden.

    Mehr als die Hälfe meiner 28 Lebensjahre habe ich unter Kohl erlebt und habe mir schon als Kind ein SPD Parteibuch selbst gebastelt. Was nicht heißt, dass ich jemals in die Partei eingetretenwäre, denn schon als Kind war mir jede Vereinsmeierei zuwider.

    Leider war es mir als 17-Jährigem 1998 nicht gegönnt zu den mehr als 20 Millionen SPD-Wählern zu gehören und die spätpubertäre Lebensphase und die Politik der ruhigen Hand während der rot-grünen Koalition haben mich entpolitisiert. Mit der Zeit bin ich aber immer grüner geworden. Toleranz, Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit und Bildung sind inzwischen zu meinen persönlichen Themen geworden und natürlich bekommt das iPhone nur echten Ököstrom. Leider haben mich die Grünen als Partei immer wieder enttäuscht, wenn Sie mit in der Verantwortung waren. Von Kriegseinsätzen der Bundeswehr, über Steinkohlekraftwerke in Moorburg bis zur Hamburger Bildungspolitik.

    Im Gegensatz dazu haben es die Piraten dieses Jahr geschafft mich auf die Straße zu bringen und zwar direkt aus einem überfüllten Wartezimmer beim Arzt, dank Twitter und iPhone! Auf meinem Weg zur Mahnwache am Körberforum habe ich dich @Nico lusterweise Weise am Baumwall getroffen. Du bist also Zeuge meiner diesjährigen Repolitisierung! Nur mal so, unter uns Historikern :-)

    Obwohl derzeit natürlich #Zensusula das Programm der Piraten in der öffentlichen Wahrnung dominiert, zeigen doch die Themenfelder Bürgerrechte und Basisdemokratie durchaus, dass es sich gar nicht um eine Single-Issue Partei handelt. Wie @Stefan (Nr. 57) sehe ich inzwischen gar keine Unteschiede zwischen On- und Offlinethemen. Gibt es überhaupt noch reine Offlinethemen?

    Interessant fand ich die Bemerkung von @Don (Nr. 16) zur Fusion der Piraten und der Grünen. Denn außer den Grünen traue ich keine anderen Parteien eine Piratisierung zu.

    2009 ist mein 68!

    Wohin es mich tragen wird? Ich weiß es nicht! Aber wie @ring2 (Nr. 91) spüre ich, dass sich etwas ändern muss! Egal ob als grüner Pirat oder Netz-APO-Aktivist…

  80. Ich kann dieses „Piraten in der SPD“ einfach nicht nachvollziehen. Es ist Quatsch und die Stutenbissigkeit der SPD-Fanboys und -Girls an den Piratenständen spricht Bände.

    Die SPD ignoriert eigene Programme, geltendes Grundgesetz und ist von der CDU nur noch in CI-Farbe und -Schriftart unterscheidbar.
    Das mag an der Basis anders aussehen, aber das Präsidium gibt wenig Anlass zum Jubeln: Die SPD ist die Partei der mutlosen undefinierbaren Masse, weich und breiig wie ein Keksteig; die Partei mit Selbstbedienerin Ulla Schmidt, Biometrie-Chef-Schily und UrhG-Korbgeberin-Zypries.
    Warum raucht Müntefering demonstrativ mit Vertretern der Tabaklobby und der Körber-Stiftung? Kommt nach dem irrwitzigen Glühlampenverbot nun was für die Rauchindustrie?
    Eine halbe Million Mitglieder und der beste der besten, den man in der SPD findet, ist der graue Star?
    Die SPD ist zu steil strukturiert um Veränderungen zuzulassen. Ohne Interna raustragen zu wollen: die Piraten machen Fehler und in vielen Dingen muss „Partei“ noch gelernt werden. Der Single Issue – Vorwurf verfängt jedoch nicht wirklich, denn wenn die Grünen in Hamburg ohne Not die Studiengebühren durchwinken, dann brauche ich keine Partei die alle Themen plakatiert, aber bei der kleinsten Brise umfällt.
    Die SPD beherrscht das in Perfektion, am Boden liegend umzufallen kann nur sie. Lieber eine Partei mit wenigen Themen, zu denen sie im Falle aber steht. Bei der jetzigen Mitglieder-Explosi0n ist es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Themen besetzt werden. Ich habe keine Ahnung, ob die Piraten nach September weiter so aufsteigen, aber momentan haben sie die erste kosmische Geschwindigkeit und bald halb soviele Mitglieder wie die Grünen, allerdings ungleich aktivere.

  81. hallo nico,
    die politik der spd und der grünen der letzten 12 jahre haben mich beinahe zum nichtwähler gemacht, die piraten haben es binnen kürzester zeit geschafft mich auf die strasse zu mobilisieren und mit realen menschen ohne internet dazwischen über politik und die zukunft deutschland und europas zu streiten. das ist auch einer der gründe warum die crew mitglieder sich eben nicht einem spd stammtisch oder den grünen angeschlossen haben.

    das „einthemenphänomen“ ist dabei nur der offensichtliche kristallisationspunkt. meiner meinung nach sind die bewegründe für die parteiaktivisten viel tiefer liegend, und auch deutlich nachhaltiger als du dir das vorstellen kannst. aber das werden wir dann ja sehen…

    hier geht es wirklich um freiheit statt angst, und hier hat gerade die spd jede glaubwürdigkeit verloren.

    ich wäre in zukunft eher nicht wählen gegangen und hätte damit tatsächlich meine stimme verschenkt. jetzt findet sie wieder einen kanal. spd oder grüne wären für mich einfach nicht mehr in frage gekommen, das ist ein no-go für mich geworden.

  82. @Nico
    Sorry, aber ich lese nur heraus, dass du die Themen ernst nimmst, was
    natürlich wenig überraschend ist.

    Ich glaube im Gegensatz zu dir, dass der Impact der Themen durch die
    Stimmen, die wir nehmen werden, eher größer ist, weil nur so UND dank
    der Gruppierungen innerhalb der Parteien klar wird, dass da mehr dran
    hängt.
    Den Drive besser zu nutzen durch Piraten innerhalb der Partei wäre nur
    dann möglich, wenn quasi jedes Piratenmitglied in nur eine der
    Parteien eintreten würde, um diese zu entern.
    Das ist jedoch mindestens in Bezug auf die SPD vollkommen unmöglich,
    da die Ablehnung der SPD-Politik innerhalb der Piraten mehr als nur
    die Bürgerrechte betrifft.

    Ferner hoffe ich inständig, dass die SPD bei dieser Wahl richtig einen
    vor den Bug bekommt und es die Basis dann schafft, sich von ihrer
    kompletten Führungsriege zu befreien. Noch glaube ich, dass wir eine
    starke SPD brauchen, noch glaube ich, dass eine nicht kleine Menge
    SPDler annähernd die Politik vertreten würde, die ich von der SPD
    erwarte. Aber vor allem glaube ich, dass die SPD sich dafür von der
    obersten Riege komplett verabschieden muss.

    Ziemlich spannendes Detail am Rande, die Annahme, dass die Chancen der
    Piraten bei den jüngeren Wählerstimmen größer sind, halte ich für
    nicht zwingend richtig. Auf einer imho bürgerlichen Veranstaltung
    hier, bin ich speziell bei jungen Paaren (25-35) oft vor die Pumpe
    gelaufen, während wir bei den Älteren oft leichtes Spiel hatten,
    sobald man Argumente austauschte. Viele Ältere zucken zusammen, wenn
    man ihnen klar macht, was die Websperren sind (ohne auch nur ein mal
    das Wort Zensur fallen zu lassen!) und es waren sehr oft ältere
    Menschen (50+), die durch unsere bloße Anwesenheit an die Stände kamen
    und wissen wollten, was unsere Anliegen sind.

    5 Wochen sind wenig,
    aber ich persönlich glaube, dass wenn die zuletzt genannten 59% die
    uns nicht kennen uns zu einem großen Teil kennen lernen bis dahin,
    durchaus eine Chance auf 5% besteht.
    Der Wahlkampf von Steinmeier ist einer, bei dem er verkaufen muss, dass er nicht lügt, der Wahlkampf der Piraten besteht in erster Linie darin, überhaupt erst mal bekannt zu werden.
    Während ich Steinmeier nur minimale Chancen einräume, die Glaubwürdigkeit der SPD wieder her zu stellen (wie widerlich der ist, erst von Vollbeschäftigunge zu reden und dann zu erzählen, man sagen den Menschen die Wahrheit, will ich dabei auch nicht weiter ausschmücken und dass das Hauptanliegen von Menschen nicht ein Job ist, sondern ein Einkommen bzw. Lebensunterhalt, erwähne ich auch nur am Rande ), haben die Piraten es selbst in der Hand.

    Und noch etwas:
    Erinnerst du dich noch daran, dass du mir mal sagtest:“Die machen unser schönes Internet kaputt“ und die SEOs meintest? Heute ist es deine Partei, die maßgeblich daran beteiligt ist und ich glaube, du solltest nicht gegen die Partei argumentieren, die das verhindern will, sondern allenfalls eure und unsere Leute zu solidarisieren versuchen.

    Du redest davon, dass draußen niemand weiß, wie DNS funktioniert. Für was soll das ein Argument sein? Ich erkläre, um hier mal Klischees zu bedienen, jeder Dame im Alter von 60+, die geistig auf der Höhe ist, in ca. 5 Minuten, warum die Websperren falsch sind. Das geht im Gespräch sogar eindeutig einfacher, als im Monolog, oder in Schriftform. Dafür benötige ich kein Politikergequatsche und keine Fachbegriffe.

    So, genug jetzt :)

  83. @dave-kay lass es alles raus :)

  84. haha, du kennst mich und weißt sehr gut, dass das nicht annähernd „alles rauslassen“ ist, gerade in Bezug auf die SPD könnte ich vermutlich deine Datenbank sprengen, wenn ich meine Enttäuschung allumfassend auskippe ;)
    Aber gut, um das abzukürzen, ich habe mich daran gewöhnt, dass du MICH nicht ernst nimmst, bei den Piraten an sich solltest du das anders halten ;)

  85. Die Piraten werden nicht ins Parlament kommen, und das ist auch gut so.*

    Selbst wenn sie jetzt erstmals entdecken, wie Wahlkampf wirklich gemacht wird – das, was die Mehrheit von ihnen vorher als überflüssig abgelehnt hat – und selbst wenn sie im Netz bei den chronisch Apolitischen (hält eigtl. irgendwer die flamewars bei heise für eine intelligente Diskussion?) als sog. Alternative gehandelt werden, selbst wenn sie im Moment einen gewissen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen, werden sie bald schnallen, das Politik oft Graubrot ist, dass man eher selten den schnellen Erfolg hat, dass es in vier Jahre wieder eine Wahl geben wird, bei der es die Piraten gar nicht mehr gibt, nachdem sie zurecht an der Fünfprozenthürde zerschellt sind. Nicos Idee der Piraten in der SPD, vielleicht auch bei den Grünen oder Linken oder FDP, ist richtig. Praten sind keine Apo, Piraten sind keine neuen Grünen, Piraten sind einfach nur Klamauk. Nicht anders als Die Partei oder HSP.

    Persönlich hoffe ich, dass sie knapp unter der Erstattungsgrenze für die Wahlkampfaufwändungen bleiben.

  86. Was genau soll an „Piraten in der SPD“ richtiger sein als an „Sozialdemokraten in der Piratenpartei“?

  87. Wolkenfels 25.08.2009 at 14:54

    Was mich immer wieder verwundert, ist der Hinweis, die Piraten verträten Themen, die nur schwer zu vermitteln sein.
    Lidl, Deutsche Bahn, BankDaten-Übertragung an die USA… die Zeitungen sind doch voll von den Themen der Piraten.

  88. Nico, Du widersprichst Dir: Einerseits entfache die Piratenpartei nur einen Sturm im Wasserglas, den sie selbst für das Meer halte. Andererseits gehst Du mit der Erwartung an sie heran, dass sie den netzpolitischen Kurs etablierter Parteitanker wechselt! Das kann’s ja wohl nicht sein!

    Dass die Piraten wissen, dass sie andere Probleme haben als die hier geschilderten, ist schon mal begrüßenswert.

    Selten jedoch wird angesprochen, was das größte Problem der Piratenpartei ist. Drum tu ich’s: Dass die Piratenpartei, obwohl Viele (Unbedarfte) ihr zuschreiben, dass sie für „kostenlose Downloads“ eintrete, dies von sich weisen, obwohl kostenlose Downloads in der Tat das Herz der Wissensgesellschaft darstellen, DAS ist der größte Fehler der Piratenpartei, dass sie einen gesellschaftlichen Trend, den sie bei den Massen bereits verkörpern, NICHT aufnehmen, sondern abweisen!

    Ein Trauerspiel!

  89. Wozu sollten die Piraten dem Partei-Kadaver SPD, der Dank Schröder und Agenda-Politik schon ca. 50% seiner Mitglieder verloren hat, neues Leben einhauchen? Außerdem kann die SPD nicht zu sehr auf Contrakurs zu den Zensurbemühungen von Merkel, Schäuble, von der Leyen und zu Guttenberg gehen, denn eine groß Koalition ist derzeit die einzige Chance für Steinmeier und seine lahme Truppe, an Macht und Pöstcen kleben bleiben zu können. Die CDU will die Zensur eh und die FDP knickt für Pöstchen und Regierungsbeteiligung eh sofort ein. Wo sollen die Piraten da denn noch hin?

    BTW, jeder sozial oder auch nur sozialdemokratisch gesinnte Mensch wäre schon längst kein SPD-Mitglied mehr. Die unterscheiden sich doch nur noch um Schamhaaresbreite von der CDU/FDP, aber deren Anhänger wählen lieber das Original. Lassen wir diesen Partei-Kadaver samt seiner charismafreien Führungsriege also verrotten und „bedanken“ wir uns bei Brioni-Schröder für das Vergewaltigen der SPD bis hin zur Unkenntlichkeit. Wem er wirklich diente, wissen wir ja heute: Bertelsmann, die die Agenda 2010 weitestgehend vogaben, und seinen heutigen Arbeitgebern, aber vor allem sich selbst.

    Mfg

  90. Vorab: ich bin kein Mitglied bei den Piraten, sympathisiere aber.

    „Ein Ansatz wie “Piraten in der SPD” hätte gewählt werden sollen, um die etablierten Parteien mit neuen Ideen zu versorgen und Leute zu finden, die diese Themen übersetzen können für die breite Masse der Bevölkerung, weil, lacht nicht, sie das Vertrauen der Menschen haben.“

    Was für ein Blödsinn! Danke füe den Witz des Tages. :-)

    Man soll in eine verknöcherte Partei eintreten, die weder auf ihren „Online-Beirat“ (alleine diese Wortschöpfung!), noch auf die jungen Nachwuchsleute hört, um denen neue Ideen zu stecken?

    Lötzinn. Die SPD hat nicht auch nur drei Sekunden zugehört und dann nachgedacht, denn dann wäre ihr aufgegangen, dass ihr tage- und wochenlang Argumentationsfutter geliefert wurde.

    Das haben sie ignoriert. Und in einen solchen laden soll man dann eintreten? Sich selber ins Eisfach einschließen? Geht’s noch?

Trackbacks and Pingbacks:

  1. Piraten in die SPD « Sprechblase - 23.08.2009

    […] Lumma diskutiert über die Piratenpartei, die SPD und die Netzpolitik und schreibt: Ich glaube, daß die Piratenpartei aufgrund der Tatsache, daß sie als eigene Partei zu Wahlen […]

  2. NIGHTLINE » Blog Archive » Allemalesen! - 23.08.2009

    […] Lumma versucht die Piratenpartei kleinzureden. Das muss er machen, denn er ist ein SPD-Mann; und es gelingt ihm auch nur so mäßig, wie es der […]

  3. Ralf Bendrath (bendrath) 's status on Sunday, 23-Aug-09 11:39:50 UTC - Identi.ca - 23.08.2009

    […] http://lumma.de/2009/08/22/piratensturm-im-wasserglas/ […]

  4. Schwachsinnige Frechheit « Privatspaßjournal von Stefan Schulz - 23.08.2009

    […] via Piratensturm im Wasserglas | Lummaland. […]

  5. Gott und die Welt » Blog Archive » Piratenpartei — Sturm im Wasserglas — ja hoffentlich - 23.08.2009

    […] “Die Piratenpartei packt durchweg Themen an, die mir am Herzen liegen und alles lässt sich unter dem Oberthema Internet irgendwie zusammenfassen […]” schreibt Nico Lumma. […]

  6. Träume sind Schäume. Oder: Wie viel % kriegen die Piraten? - 23.08.2009

    […] Nico hat es auf den Punkt gebracht. Und wer etwas anderes glaubt, der hat vielleicht viel Ahnung vom Internet aber wenig von Politik. Print Friendly […]

  7. Dobschat » Piraten in der SPD? - 23.08.2009

    […] ist, geben sich vor allem Genossen ja doch reichlich Mühe, immer wieder darauf hinzuweisen, wie unwichtig und überflüssig die Piratenpartei doch wäre. Und wieder mal hört man von “Piraten in der SPD”. Soll das tatsächlich ernst gemeint […]

  8. Lesetipps für den 24. August | Blogpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 - 24.08.2009

    […] Piratensturm im Wasserglas^: Nico Lumma in seinem Lummaland über die Piratenpartei und das, was die Pirtaen maximal erreichen können bei der BTW2009 und danach. […]

  9. Informationsfreiheit & Kontrolle – wir haben die Wahl « Privatspaßjournal von Stefan Schulz - 24.08.2009

    […] via Piratensturm im Wasserglas | Lummaland. […]

  10. Das Internet, der visionsfreie Raum der Politik | Hanno’s Blog | Hanno Zulla, Hamburg, Germany - 24.08.2009

    […] Nico Lumma sinniert in seinem Blog über die Frage, ob die Gründung der Piratenpartei eine gute Idee war oder nicht. Und ob es nicht stattdessen sinnvoller wäre, eine etablierte Partei wie z.B. die SPD von innen zu reformieren. Die Diskussion in den Blog-Kommentaren dazu ist lesenswert. […]

  11. Die Piratenpartei ist eine “Single-Issue Partei”? | Reizzentrum - 25.08.2009

    […] behauptet dies Nico Lumma in seinem Blog. Das Nico nicht so GANZ unparteiisch (im wahrsten Sinne des Wortes) sein kann, ergibt sich wohl aus […]

  12. Liebe Politik 1.5 im Netz, — bluelectric.org - 25.08.2009

    […] einer gewissen Rührung lese ich inzwischen Eure Blogeinträge und/oder tweets, in denen Ihr darlegt (bzw. suggeriert), dass eine Ein-Themen-Partei für’n […]

  13. anachorete's status on Friday, 28-Aug-09 00:42:00 UTC - Identi.ca - 28.08.2009

    […] http://lumma.de/2009/08/22/piratensturm-im-wasserglas/ […]