Social Media Week Berlin – same same

Nico —  1.02.2010

Diese Woche startet nun die Social Media Week Berlin und alle, die weder Rang noch Namen haben versammeln sich in Berlin zu einer Vielzahl Veranstaltungen. Es ist ein Treffen der ewig gleichen Crowd, die sich schon seit Jahren zu ähnlichen Veranstaltungen trifft, um gemeinsame Erfahrungen auszutauschen und Auflistungen auf der Startseite von Rivva groß zu reden als wenn es eine Erwähnung auf digg.com gleich käme. Bei aller Diskussionsfreude lassen Social Media Berater und Anwender dabei gerne außer Acht, daß in Deutschland die Spielregeln komplett anders sind und Mechanismen nicht übertragbar sind. Blogs, Twitter, Facebook, all das wird hochgejubelt und als Heilsbringer genannt, gerne auch gegen die Verlagshäuser positioniert, die das Internet nicht verstünden und dringend eine App bräuchten. Das Leben kann so einfach sein. Deswegen wurde auch mal jeder, der nicht bei 3 auf dem Baum war, in das Advisory Board der Veranstaltung eingeladen, wozu auch immer das gut sein könnte. Ich bin dort auch verzeichnet, kann mir aber nicht vorstellen, daß dies irgendwelche Auswirkungen haben könnte. Wo sind eigentlich die Firmen und Marken, von denen wir letztes Jahr davon ausgingen, daß sie dieses Jahr im Bereich Social Media aktiv sein müssten?

Ich jedenfalls sitze am Dienstag abend ab 18:15 auf einem Panel zusammen mit Johnny Haeusler, der seit Jahren versucht, mit Blogs Geld zu verdienen, ohne dabei den Hauch der fiesen Kommerzialität aufkommen zu lassen und daher in ein fröhliches „Wasch mich aber mach mich nicht nass“ verfällt, und Volker Gaßner von Greenpeace, der wieder davon berichten wird, wie Aktionen mit Handycam dokumentiert und getwittert werden. Mit beiden habe ich vor ziemlich genau einem Jahr auch im Rahmen der Webciety zusammengesessen, und damit wir nicht exakt dasselbe erzählen wie vor einem Jahr, kommt noch Björn Ognibeni hinzu, der u.a. Jung von „Blogs sind die Klowände des Internets“ Matt im Bereich Social Media berät, da es dort scheinbar immer noch kein Grundwissen gibt, wie man mit diesem Thema umgehen könnte. Als Moderator dient der in Berlin auf keiner Veranstaltung fehlende Tobias Kaufmann, der vorab schon mal die Themen für die Diskussion rumgemailt hat:

– Was ist Social Media Marketing
– Funktioniert SMM für große Unternehmen
– Was ist der Unterschied zu Personen oder Non-Profit Organisationen, die SM nutzen.
– Wieviel ist echt? (Stichwort Buzz, Astroturfing…)
– Ethik in Social Media
– Welche Aktionen funktionieren nicht. Und warum?
– Wie sieht man SMM von Seiten der klassischen Werbung, Marketing, Kommunikation
– SMM in 5 Jahren
– Fragen aus dem Publikum (5, besser 10 Min)

Gerne das ganze gewürzt mit Beispielen aus aktuellen Kampagnen: RWE Riese, IKEA auf Facebook, Vodafone, 1&1, „Yeaahh“, Haiti Rettungsanker,…

Überraschend ist das alles nicht und mein Fazit daher schon heute: Ja, für gemeinnützige Einrichtungen ist es u.U. einfacher als für Konzerne, nein, es ist nicht immer alles so einfach, wie ein Berater es postuliert, wenn man mit einem real existierenden Kunden arbeiten darf, ja, in Amerika ist es anders, ja, da geht noch was, auch in Deutschland, nein, einfach ist das alles nicht, sonst würde es ja jeder tun.

Ach ja, das Grundthema der Social Media Week Berlin soll „Streit“ sein.

29 responses to Social Media Week Berlin – same same

  1. Hach, das wird super. Richtig Krawall.

    Gut das ich die Bouncer von „Jerry Springer“ bestellt habe.

  2. Na, das klingt doch auf jeden Fall nach kontroversen Streitgesprächen, wenn der Head of Social Media Marketing bei Scholz & Friends bereits zum ersten Tag der SMW Berlin alles für sinnlos erklärt. Nico, ich freu mich schon auf deine Statements am Dienstag!

    • ich erkläre mitnichten alles für sinnlos. ich habe nur kein interesse an der ewigen nabelschau und der beschäftigung mit sich selbst.

      • Da geb ich dir Recht, es ist häufig nur die gleiche Gruppe, die sich trifft, austauscht und auch durchaus selbst beweihräuchert. Aber soweit ich das überblicken kann, finden sich in dieser Woche auch viele Leute zu den Events ein, die sozusagen von außen kommen. Insofern wächst das Interesse auch über die Freaks kontinuierlich hinaus. Morgen und 2010 wird daher aus meiner Sicht ein sehr spannender Tag, weil es Social Media schaffen könnte sich vom Buzz Word zu einem ernstzunehmenden Kanal der Kommunikation zu verändern.

        • 2010 wird ein sehr spannender, aber auch verdammt langer tag werden. :)

          • Ach verdammt, so ein Influenza-Trojaner fängt an mein Betriebssystem lahm zu legen. Offenbar hat er schon die Grammatik-Bereiche gelöscht.

      • mein nabel ist eh der größte.

  3. Jens Best 1.02.2010 at 12:15

    Ja, das ist wahrlich nicht einfach, wenn man an der „irgendwie an Social Media interessierten“ Kundenfront dann auch noch Wege aufzeigt, wie man nicht einfach einen neuen Kanal bespielt, sondern ggf. sogar in kleinen Dosen einen Kulturwandel in der Kommunikation zwischen Kunde und Unternehmen (als damit den Menschen darin) wagen will.

    Und ja, es ist eine kleine Gemeinde und ja, man sollte langsam mehr nach außen gehen. Mirko Lange stellte gestern die Frage, ob mit dem eher konsum-orientierten iPad die zarte Pflanze der dialog-orientierten Kunden-Firmen-Kommunikation wieder auf dem Sofa tot-gefläzt werden wird und Tapio Liller ergänzte einige Zahlen, die zeigen das die „creators“ und die „critics“ noch bescheidene ca. 20% der userschaft ausmachen. http://ow.ly/12iGc

    Aber ich bin mir irgendwie sicher, dass 2010 die Diskussion zu einer neuen Ernsthaftigkeit und realen Einschätzung der gesamtgesellschaftlichen Situation führen wird ohne dass die Vorzüge des Web 2.0 aufgegeben werden.
    Ein wenig kämpferisch muss man schon sein, wenn man was voranbringen will. Insofern freue ich mich auf den Streit morgen.

  4. bjoern kaas 1.02.2010 at 12:49

    moin nico,
    ja, witzig geschrieben, ja, du klingst etwas arrogant – kann aber daran liegen, dass man dich dabei nicht sieht, aber das wird sich am dienstag ja ändern… bin gespannt ob du mit gelangweilter miene dort sitzen wirst oder die anwesenden mit überaschenden intelligenten themen konfrontierst, die einen weiterbringen. denn anders als du vielleicht denkst, gibt es besucher, die ihr „grundwissen“ vertiefen wollen – ich zum beispiel!

  5. Hey Nico,

    ich sehe du hast das Thema Streit verstanden & verinnerlicht!
    Weiter so ;-) Ich freue mich dir ein Bier ausgeben zu dürfen im Rahmen der #tweet4beer Aktion meiner neuen Firma mirapodo!

  6. Auf diese Sorte Artikel musste man lange warten – Danke Nico. Imho versuchen Social Media consultants Unternehmen/Konzerne gerne mit den neuesten Kampagnen & Trends (ich sag nur“ I’m 4squared at the restroom“) zu überrennen – und übersehen, dass diese grossen organisatorischen Herausforderungen gegenüberstehen. Social Media hält sich nun mal nicht an org charts, ein Budget für ne ganze social media Abteilung ist mit wackliger RoI Berechnung nicht einfach zu bekommen und dann wird den Unternehmen noch eingeredet, dass unbedingt nur die empowerten Mitarbeiter social media machen dürfen, denn das Outsourcing an Agenturen ist „evil“.
    Die Welt bei den grossen/groesseren Unternehmen sieht z.Z. in DE noch anders aus – öfters wäre McKinsey erstmal die bessere Wahl, danach sind dann die social media Profis dran. Die Szene braucht mehr unternehmerisches Verständnis für die Kunden und weniger social media Fanatismus. So long, have fun in Berlin, freue mich auf die tweets :-)

    • Jens Best 1.02.2010 at 21:18

      Dein Statement zeigt die übliche Ignoranz des alten Wirtschaftsdenkens, das auf Kontrolle und Angst aufbaut, statt auf Respekt und Vertrauen – zwei Begriffe, mit denen Mitarbeiter in großen Unternehmen sicher nichts anfangen können, wenn sich nicht grundlegend etwas in unserem wirtschaftlichen Handeln ändert.

      Solange eine Abteilung der anderen wegen kleinster Budget- oder Zuständigkeitsüberschreitungen das Messer in den Rücken bohrt, zur Menschenführung ungeeignete Abteilungsleiter aus Angst vor der Transparenz ihrer Unfähigkeit „Verschleiern und Verstecken“ zu ihrem Hauptarbeitsfeld machen – solange wird der gesellschafts-evolutionäre Kern von Social Media, WEb 2.0 und Enterprise 2.0 keine Chance haben.

      Klar kann man Buzzwording betreiben und mehr oder weniger sinnvolle fb, twitter oder sonstwas accounts empfehlen und guidelines schreiben, aber die eigentliche Aufgabe von Social Media Beratung ist eine Vermittlung einer anderen Art der zwischenmenschlichen Kommunikation (mit und ohne technische Tools).

      Jeder der sich mit weniger Anspruch an die Beratung macht, sollte sich mit seiner inneren Resignation und seinem Zynismus nach Hause machen und klar sagen, was er ist – eine Marketinghure 2.0 (frei nach dem Amir Kassaei-Zitat auf der dmexco)

      Bis morgen dann beim Bier

  7. Wahre Worte lieber Nico.

  8. ….. und jetzt???? ….. *llol*

  9. Hi Nico,

    sehr schönes Posting. Wir drehen uns um uns selbst, Recht hast Du!

    LG C

    PS: Mach das nicht mit den Schneeflocken hier! Habe schon gedacht ich sitze zu lange vor dem Rechner und meine Augen spinnen….

  10. Hi Nico,
    ich finde den Beitrag köstlich und ich kann mich super in Dich hineinversetzen: Meiner Wahrnehmung nach lief es ähnlich mit dem Thema Application Service Providing (Ende der 90er), dann mit dem Thema Games (ca. 2002), dann für eine kurze Zeit Second Life (ca. 2007) und jetzt haben wir halt das. Die Mechanismen wiederholen sich wohl, wenn Menschen ein neues Thema lieben und dann auf einmal damit Geld verdient will bzw. werden soll.

    Interessanterweise habe ich in London (wo es ja auch die SMW) gab, ebenfalls Stimmen gehört, die in Richtung Deines Beitrags gehen. Das finde ich lustig: Da hat man mal ein Thema, dass sich durch die Mitwirkung aller definiert, dann braucht man aber wahrscheinlich doch wieder die üblichen Verdächtigen, d.h. Eliten…(mehr dazu unter http://www.cenaga.de/?p=130)

  11. Links vom Diwan 9.03.2010 at 18:55

    Ich denk, es liegt wohl auch an den diversen selbstbeschäftigungstendenzen der branche selbst. Auf XING gibt es eine gruppe über SMM – hab da mal versucht, sowas wie eine diskussion über beispiele dazu loszutreten. Nixi. Die unterhielten sich lieber über die software-lösungen zum thema facebook-twitter-brücke oder haben bücher und veranstaltungen promotet.
    Ist ja nur ein beispiel. Aber ich frag mich schon, wie man kunden begeistern kann, wenn man die eigene branche nicht mal bedient.

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  1. uberVU - social comments - 1.02.2010

    Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by nico: ein paar Anmerkungen zur Social Media Week Berlin: http://bit.ly/aPUNT0

  2. Social Media Schmiede - 2.02.2010

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    Diese Woche findet die Social Media Week Berlin statt. Die Idee ist bombastisch: Weltweit parallel in Metropolen ein Treffen veranstalten und sich zu vernetzen. Dabei Themen „rund um Social Media“ besprechen und Namen wie Toronto, New York, London, San…

  3. Unter Friends « Social Media Strategy Lab - 5.02.2010

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  5. dagger.twoday.net - 25.02.2010

    Nachlese: Social Media Week Berlin – Teil 1…

        Kaum fing die Social Media Week Berlin an habe ich kaum mehr Zeit zum Bloggen gehabt. Wie passend. Nun aber ein paar Gedanken und unscharfe Bilder zu dem Ereignis der Woche: Der Social Media Week welche Anfang Februar stattfand……

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    […] genauer ansehe, dann könnte es sich hier um ein “Energiestau”-Thema handeln (z. B. http://lumma.de/2010/02/01/social-media-week-berlin-same-same/comment-page-1/#comment-22188 ).    Wie kann das passieren? Es ist offensichtlich so, dass man sich nicht perfekt in den […]

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  10. Social Media Week – und täglich grüßt das Murmeltier — CrowdArchitects Blog - 11.07.2014

    […] werde mir heute Abend um 18:15 Uhr das Panel mit Nico Lumma und Johnny Haeusler ansehen, vorausgesetzt es wird gestreamt. Und die restliche eingesparte Zeit […]