02. Februar 2010

Blogs in Deutschland sind nett

Aber nett ist auch der Hund vom Nachbarn. In Deutschland wird auf jeder Konferenz postuliert, wie wichtig Blogs doch seien. Wieso eigentlich? Auch 2010 gibt es kein Blog, das man unbedingt gelesen haben muss, weil man sonst einen wichtigen Beitrag verpassen würde. Es gibt kein Blog in Deutschland, das für eine Branche essentiell ist, weil dort alles steht, und zwar bevor es irgendwo anders steht und weil von diesem Blog Impulse für eine Debatte ausgehen. Die einzige Ausnahme ist Netzpolitik.org, das sich in einer sehr kleinen Nische gut positioniert hat. Es gibt kein Blog, das das politische Berlin an- und umtreibt sowie die etablierten Redaktionen irritiert, es gibt kein Blog, das auch nur ansatzweise die Stigmatisierung Blog abgelegt hat und vom Mainstream gelesen wird. Es gibt noch nicht einmal ein provokantes Klatschblog, von dem alle abschreiben und sich dennoch angewidert geben und so tun als ob Derartiges in der guten alten Zeit des Journalismus niemals hätte passieren können. Blogs sind selbstreferentielle Nische, fühlen sich da pudelwohl, aber bleiben bei allem vehement formulierten Anspruch irrelevant.

Schauen wir uns doch einmal exemplarisch die Blog-Landschaft an.

Da gibt es detailverliebte Blogs wie das Bildblog, deren Leser sich daran ergötzen, daß tagtäglich wieder die Tatsache aufbereitet wird, daß BILD und bild.de unsauber arbeiten und sogar tendenziös sind in ihrer Berichterstattung. Oha. Früher hiess es einfach “BILD lügt” und tiefer ins Detail musste niemand einsteigen, zumal ich mir nicht denken kann, daß der gemeine BILD-Leser an sich nach seiner Frühstückspause leise zu sich “oh, ich glaube, da ist der BILD-Redaktion ein kleiner handwerklicher Fehler unterlaufen, in der Mittagspause lese ich mal bei bildblog.de nach, ob Oma Kruse, der die Handtasche geraubt wurde, wirklich 83 Jahre alt war, mir kommt sie viel jünger vor” sagt.

Und dann gibt es Spreeblick, das linksalternative Feuilletonblog aus Berlin, das jeden Morgen mit einer Hommage an das Basic’sche Musikvideo zur Nacht mit einem Musikvideo zum Tage aufwartet, sicherlich niemals nur um PageImpressions zu generieren, sondern als reiner Dienst an seinen Lesern. Bei Spreeblick stehen ab und zu einige Leseperlen, aber ansonsten verhält es sich wie mit dem Feuilleton in Deutschland, man kann es lesen, muss es aber nicht, und ehrlich gesagt verpasst man auch nicht viel.

Oder es gibt die von vielen gefürchtete Blogbar, an der Rainer Meyers Kunstfigur Don Alphonso rumätzt und immer wieder dieselben Protagonisten an den Pranger stellt, um sie mit wüsten Worten in ewig langen mäandernden Riemen zu beschimpfen, weshalb sich einige vor Meyers Feder fürchten, andere sich aber immer wieder verwundert die Augen reiben über den zur Schau gestellten Potpourri an unmöglichen Umgangsformen. Das Blog Stützen der Gesellschaft vom selben Autor erscheint hingegen bei FAZ.net und generiert massivst Kommentare, was dafür spricht, daß hier ebenfalls eine Nische gefunden wurde.

Blickt man auf die anderen sog. Top-Blogs, stellt man fest, daß neben Anspruch kaum noch mehr präsentiert wird. Da steht viel, aber kaum genuiner Content und wenn, dann sind es irgendwelche Geschichtchen auf Schülerzeitungs-Niveau. Nerdcore ist gefällig, aber das Konzept Fundstücke aus dem Web ist auch nur die Panorama-Seite mit anderen Mitteln. Fefe hat großen Unterhaltungswert und eignet sich durchaus auch für Sozialstudien, Stylespion kämpft mit dem eigenen Anspruch und der tagtäglichen Umsetzung, im Lawblog werden Jura-Anekdoten aus dem Alltag verbloggt. Diese Liste liesse sich endlos fortsetzen. Mal ehrlich, wenn ihr nur 5 Blogs lesen dürftet, wäre dann ein deutsches Blog dabei? Warum gibt es eigentlich immer noch kein wirkliches Hauptstadt-Blog, kein Lokalblog für die Metropolregion Hamburg, kein Wirtschaftsblog, das täglich die Wirtschaftswelt beleuchtet? Warum ist immer noch alles klein, nischig, nett, aber nichts groß, mainstreamig und zwingend? Ich kann dieses ewige “aber die Verlage verstehen das Internet nicht” wirklich nicht mehr lesen, im Gegenzug kann man auch schreiben “und die Blogger verstehen den Mainstream nicht” – worauf natürlich die Blog-Fraktion entgegnet: “wir wollen gar nicht Mainstream sein!” – aber natürlich gerne in Saus und Braus vom Bloggen leben wollen würden. Das beißt sich und diesen Widerspruch müssen die Protagonisten mal anpacken.

Kommen wir zu den Säuen, die quartalsweise durch das Blogdorf getrieben werden. Es ist immer dasselbe ermüdende Muster. Jemand findet einen Aufreger, diese wird in der Echochamber Blogosphäre zu etwas Großem hochgeschrieben und zwei Wochen später gibt es im ZDF Morgenmagazin eine 30-Sekunden-Randnotiz und alle sind stolz wie Bolle, daß die Story jetzt wirklich zu den “Großen” hochgeschwappt ist. Reflektion, Recherche, kritische Distanz – totale Fehlanzeige, stattdessen “haltet den Dieb” und “auf sie mit Gebrüll”. Hilft das wirklich, um als relevantes Medienformat wahrgenommen zu werden? Hilft das wirklich, um Blogs beruflich betreiben zu können?

Blogs in Deutschland sind nett, aber nicht zwingend.

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Stolz wie Bolle, hehe, so lu00c3u00a4ufts eben. Nichtigkeiten bestimmen unser Leben - gibts einen Aufreger, stu00c3u00bcrzen sich alle drauf. Das ist nun wirklich kein Effekt, den die Blogosphu00c3u00a4re fu00c3u00bcr sich alleine gepachtet hu00c3u00a4tte. Und dennoch gibts es genug Kollegen, vu00c3u00b6llig abseits der glu00c3u00a4nzenden A-Blogger die tatsu00c3u00a4chlich gut und reichlich mit ihren MFA Internetprojekten verdienen - auf einem banalen Niveau. Da beisst sich der Hund in den Schwanz: Tiefgreifendes, kulturschaffendes ist schon per se speziell und wenig reichweitentauglich. Das ist aber auch nicht der Anspruch, manche sind zufrieden, wenn sie davon leben ku00c3u00b6nnen (abseits des HIV Niveaus) und trotzdem das tun du00c3u00bcrfen, was sie mu00c3u00b6gen und mit dem sie sich wohl fu00c3u00bchlen. Kein Grund Gehu00c3u00a4ssigkeiten auszutauschen ;-)

Ich mag nett. Vu00c3u00b6llig undifferenziert u00c3u00bcber deutsche Blogs zu lu00c3u00a4stern und in der "u00c3u009cber mich" Rubrik den Aufenthalt in den USA als quasi einzige Information in den Vordergrund zu stellen, finde ich ein biu00c3u009fchen blu00c3u00b6de. Aber auch sehr lustig. Und lustig mag ich auch.

Da hat der eigene Blogbeitrag das Argument belegt.

Quod erat demonstrandum.

"Nett", hu00c3u00b6rte ich letztens, "ist der kleine Bruder von Scheiu00c3u009fe." Viele Blogs sind das nicht. Aber gut, man hat nicht viel Zeit, das Wetter drauu00c3u009fen ist inzwischen so nett, dass man einen Spangenhals kriegt, da kann einem schon mal die Nase hu00c3u00a4ngen. Ich hoffe, das ist hier nur aus der schlechten Laune heraus geschrieben. "Auch 2010 gibt es kein Blog, das man unbedingt gelesen haben muss, weil man sonst einen wichtigen Beitrag verpassen wu00c3u00bcrde." So pauschal urteilen gemeinhin die Kollegen vom Printmedium, weil sie im Geiste noch immer hinter der Linotyp-Setzmaschine hocken und sich gru00c3u00a4men, weil ihnen die Informations- und Meinungsoberhoheit abhanden gekommen ist. Wer ist eigentlich "man" und was muss er "unbedingt gelesen haben"? Was sind "wichtige Beitru00c3u00a4ge"? Glu00c3u00bccklicherweise sind nicht alle Deutschen u00c3u00bcber einen Kamm geschoren und pflegen noch unterschiedliche Vorlieben, u00c3u00bcber das dumpfe Fernsehgucken hinaus. Es gibt in allen Medien so gut wie nichts, das jeder unbedingt gesehen, gehu00c3u00b6rt oder gelesen haben muss. Gelegentlich empfiehlt es sich, den Wetterbericht anzuschauen, denn der ist wenigstens eine Nachricht im etymologischen Sinne, "wonach man sich zu richten hat". Daru00c3u00bcberhinaus ist jede Mediennutzung interessengeleitet und selektiv.

Die Relevanz der Blogs fu00c3u00bcr die u00c3u00b6ffentliche Diskussion bleibt davon unberu00c3u00bchrt. Gerade der u00c3u00b6ffentliche Ausstausch von Meinungen ist eine basisdemokratische Angelegenheit. Dass Blogs theoretisch jedem ermu00c3u00b6glichen, an der u00c3u00b6ffentlichen Diskussion teilzunehmen, schon darin besteht eine nie dagewesene Chance, dass sich Menschen als mu00c3u00bcndige Bu00c3u00bcrger begreifen und beginnen, sich eigene Gedanken zu machen. In fu00c3u00bcnf Jahren Bloggen habe ich viele Blogger kennengelernt, mit denen ich mich gerne austausche. Das ist ein anregender, lehrreicher und kreativer Prozess, er ermuntert, ja zwingt sogar dazu, sich u00c3u00bcber ein angesprochenes Thema kundig zu machen. In diesem Sinne ist das Medium Blog nicht nur bunt und unterhaltsam, es ist auch eine gigantische Lernmaschine, wobei das Lernen in ihr und mit ihr intrinsisch motiviert ist, von innen heraus kommt. Gerade das freiwillige Lernen ist besonders effektiv. Das zeigt sich darin, wie manche Blogger sich im Laufe der Zeit veru00c3u00a4ndern. Sie schreiben immer besser, erschlieu00c3u009fen sich neue Themenbereiche, versuchen sich an verschiedenen Stilformen, fertigen Collagen, fotografieren, filmen oder stellen ihre Zeichnungen ins Netz usw. Das Wechelseitige des Mediums wiederum motiviert, weiter zu machen, denn die Ru00c3u00bcckmeldung spornt an, bleibt sie aus, regt sie dazu an, die eigene Bloggerei zu u00c3u00bcberdenken, ggf. etwas Neues zu versuchen. Ich kann das hier nur skizzieren, aber darin liegt der Wert des Mediums.

Schu00c3u00b6ne Gru00c3u00bcu00c3u009fe
Trithemius

Ich muss mich meinen Vorrednern anschlieu00c3u009fen. Blogs sind immer special interest - das sieht man ja deutlich an den aufgefu00c3u00bchrten Blogs. Beispielsweise bildblog.de ist eben fu00c3u00bcr die da, die die BILD kritisch betrachten. Man kann selektieren, was man lesen will. Die Grundinformationsversorgung wird durch zufu00c3u00a4lliges Zappen, Radio hu00c3u00b6ren, Zeitung lesen mehr als genug abgedeckt.

In deinem Blog rieselt Schnee. Mehr muss man zur Bedeutung dieses Jammern ja gar nicht sagen...

Nachtrag, gestern bei der Abendschau (Die Nachrichtensendung des Berliner RBB)
Nachrichtenbeitrag im RBB bezieht sich auf Spreeblick

Et heiu00c3u009ft aber trotzdem immer noch "Reflexion" ;-)

Hi Nico, ich gebe Dir mit der Charakterbeschreibung der Blogosphu00c3u00a4re recht. Aber die Argumentationvon Carta, dass es sehr wohl wichtige Blogbeitru00c3u00a4ge gibt, ist mehr als richtig. Siehe http://carta.info/22543/zehn-gute-gruende-warum-man-2009-blogs-lieber-gelesen-haben-sollte/

Und was ist mir dem "Rabenhorst"-Blog von Kai Billen?

http://blog.kairaven.de/

Vielleicht etwas zu speziell, oder wie?
Ist trotzdem sehr lesenswert, wie ich meine.

Leute wacht auf. "Es gibt doch so viele gute erfolgreiche Nischenblogs usw..." Das ist doch Selbsttu00c3u00a4uschung aller erster Gu00c3u00bcte. Da braucht man sich nur rivva.de anzusehen. Mit 4-5 tweets und/oder 2 Links von anderen Blogs ist ein posting dort schon in den Top-Nachrichten. Was in rivva als "gewichteten Schlagzeilenu00c3u00bcberblick u00c3u00bcber die deutschsprachige Blog- und Online-Medienlandschaft" aufschlu00c3u00a4gt, treibt einen Tru00c3u00a4nen in die Augen. Viel Apple, viel Journalismusgejammere, viele kleine durch die Social Media Szene getriebene Ferkel - wenig Substanz.

Also erstmal, lieber Nico Lumma: "Nett" ist out. Das heiu00c3u009ft jetzt "authentisch".

Mehr habe ich aber gar nicht zu sagen, ist ja alles bekannt, was Du schreibst.

Interessanter sind Fragen wie: "Warum ist das so?" oder "Ist das schlimm?"

Ich wu00c3u00bcrde mir schon sowas wie eine deutsche Huffington Post wu00c3u00bcnschen, aber die FAZ-Blogs sind halt auch ne gute Sammelstelle fu00c3u00bcr diesen etwas anderen Internetjournalismus, dann einestages bei Spon. Die fu00c3u00bchrenden Webmedien sind da ganz clever vorgegangen.

Nico, ich find dich auch so richtig nett!

Nico... Man merkt deutlich, dass Du in einer anderen Welt lebst. Es gibt NICHTS, dass man gelesenen haben MUSS auu00c3u009fer vielleicht das Kleingedruckte beim Handyvertrag. Man verpasst _nichts_, wenn man sich am Wochen-(Monats- / Jahres-)ende die Zusammenfassung anschaut.
Auch in den USA scheren sich ein grou00c3u009fer Teil der Blogs nur darum, wie viele Blu00c3u00a4schen es waren, wenn Jobs, Brin oder Zuckerberg in den Pool gepubst haben.
Die Nachhaltigkeit solcher Nachrichten ist bei den meisten Betrachtungen extrem vernachlu00c3u00a4ssigt worden und diese kurzfristige Denke fu00c3u00bchrte auch in die Schweinegrippe u00c3u00a4h Schnekatas... u00c3u00a4h Wirtschaftskrise.

Wieviel Prozent der heiu00c3u009festen News aus dem Netz spielten zwei Wochen spu00c3u00a4ter noch eine Rolle? und spielten sie u00c3u00bcberhaupt eine Rolle im realen Leben?
Jack Wolfskin konnte in Q2 und Q3 2009 den Rekordumsatz von 2008 halten bzw. sogar leicht u00c3u00bcbertreffen. Q4 sieht angeblich auch gut aus.
Die Ru00c3u00bccknahme der Abmahnungen war erst im Oktober. Das Unternehmen hat durch das Zerreissen der Marke im Web gar keinen Schaden genommen.
Ein einziger Bericht u00c3u00bcber hakende Bremspedale in einer Autozeitschrift fu00c3u00bchrte aber letztenendes zu Rekordwertverlust beim weltgru00c3u00b6u00c3u009ften Automobilkonzern.
Twitter ist ganz nett, aber auu00c3u009fer fu00c3u00bcr Werbung und Echtzeit-Wirtschaftsmeldungen kaum geschu00c3u00a4ftlich nutzbar. Das eine ist schwierig, weil schnell als unverlangt und unerwu00c3u00bcnscht empfunden. Das andere Special Interest. Kein Modell um diesen Dienst hat sich bislang tragen ku00c3u00b6nnen. Von Iran mal abgesehen, und selbst in diesem Fall wird das Gewicht in den Medien stark u00c3u00bcberbewertet, ist Twitter nur ein Zeitvertreib bzw ein Zeitfresser, also "nett".
Ergo: Auu00c3u009fer etwas Kurzweil, verlieren gefu00c3u00bchlte 99,9% der Social-Media User nichts, wenn das Internet morgen abgestellt wu00c3u00bcrde.
In sofern stimme ich Dir zu, gehe aber weiter: Das ganze Internet ist "nett".

"Auch 2010 gibt es kein Blog, das man unbedingt gelesen haben muss"...schrieb er in seinem Blog, den ich mir auch nicht weiter angucken muss^^

Was hu00c3u00a4lt der Autor den beispielsweise vom Bestatterweblog?

Ich bin GERNE "nett, aber nicht zwingend". Ja, sogar BESINNLICH, obwohl das in der sensationsgeilen Medienwelt erst recht mega-out ist. Dafu00c3u00bcr macht mir das Bloggen nun schon fast 11 Jahre Freude - und meinen Leser/innen offenbar auch.

Was ist schon zwingend???
Ist nicht alles, was bei irgendjemand Interesse findet sinnvoll?
Eher dieser Blogbeitrag ist u00c3u00bcberflu00c3u00bcssig und dru00c3u00bcckt wie alle anderen Blogs eine private Meinung aus und nicht wie postuliert eine Tatsache!

Ich hab weder HuffPost noch PerezHilton abonniert und wenn ich 5 Blogs abonniert haben du00c3u00bcrfte, dann wu00c3u00a4ren das die Folgenden:

- iphoneblog.de
- cliqueclack.com
- niggemeier (und ich wu00c3u00bcrd aufs bildblog verzichten)
- lawblog oder jens weinreich (eher weinreich denk ich, der vetter ist mir bei der Wirtschaftskrise mit seinem "Hebt alles Geld ab" total daneben vorgekommen
- Ken Levine (kenlevine.blogspot.com)

Das sind auch die Blogs, die ich im Moment tu00c3u00a4glich lese. Ich brauch weder ein Blog zur Politik nach dem Muster der HuffPost, die immer rumschreit und nichts richtig macht, noch ein Sexblog wie "Savage Love" noch den "Daily Kos" weil es einfach nur Bru00c3u00bcllerei ist, die sowieso keine Reaktionen der Politik hervorrufen. Da kann ich auch gleich Glenn Beck bei Fox News gucken. Ich brauche auch kein Hauptstadtblog, kein Hamburgblog, kein Revierblog, kein OWL-Blog, kein Apple-Blog von Fanboys etc. pp.

Du sagst hier was von "Die Blogger mu00c3u00bcssen massetauglich werden, um vom Bloggen leben zu ku00c3u00b6nnen".

Nee, find ich gar nicht. Ich will keine Blogs in denen die Leute lese, die Du als die beschreibst, die in der Bild jeden Tag wu00c3u00bchlen und sich informiert fu00c3u00bchlen. Dann sollen die ganzen Blogger in Deutschland halt von einem 800 Euro Einkommen im Monat leben, das ist mir lieber als die Leute, die sich u00c3u00bcber Pissflecken bei DSDS freuen oder bei BigBrother einschalten. Dann soll es doch eine total zerklu00c3u00bcftete Landschaft von Bloggern geben, die jeder ihre eigene Nische finden, weil die Zeiten der Massenmedien GOTT SEI DANK endlich vorbei sind, und man nur noch das lesen muss, was einen WIRKLICH interessiert, und nicht was selbst in der Lokalzeitung fu00c3u00bcr 300.000 Einwohner den gru00c3u00b6u00c3u009ften gemeinsamen Nenner bedeutet.

Ich find' die Forderung der Massentauglichkeit, gelinde gesagt, hohl. Ich bin hier gelandet wegen der 5 vor 9 von bildblog und in einem anderen Link darin

http://carta.info/22502/artenschutz-im-medienwandel/

"Andreas Moring wundert sich, wie die Mitarbeiter der Printverlage mit dem Medienwandel umgehen, der sie bedroht. "Bevor sich das eigene Weltbild und Selbstverstu00c3u00a4ndnis u00c3u00a4ndert, soll sich die Welt den (Wert-)Vorstellungen der Journalisten und Medienmanager aus den klassischen Massenmedien anpassen. Nach dieser eigentu00c3u00bcmlichen Logik wu00c3u00a4ren es also die Nutzer, die sich den Zielen der Medienmacher anzupassen hu00c3u00a4tten u00e2u0080u0093 und nicht umgekehrt. Das aber tun sie nicht, darum muss Zwang her, werden 'Schutzrechte' verlangt und der Versuch unternommen, die Nutzer zum Bezahlen zu zwingen."

Es kann ja nicht Beides gleichzeitig passieren - keiner liest mehr in den Zeitungen - und die Blogger sind gleichzeitig unwichtig geworden. Vielleicht sind wir bei 100.000 Blogs mit je 1000 Lesern angelangt und die Wichtigkeit dessen geht irgendwie flu00c3u00b6ten.

Ich brauch auch nicht Wissen, ob die Oma jetzt 83 ist oder 79. Was ich aber gerne weiu00c3u009f ist, wie ich mich bei ner Blutalkoholkontrolle oder in U-Haft verhalten sollte, warum die Bild die Rentenlu00c3u00bcge kolportiert und was die eigenen Motive dahinter sein ku00c3u00b6nnen, was die Idiotie des Call-In-TVs wirklich ist, dass Fifa und Handballverband korrupt sind bis zum es-geht-nicht-mehr etc. etc. etc., alles Dinge, die in keiner normalen Zeitung zu finden sind, die mir aber persu00c3u00b6nlich wichtiger sind als die 1:1 in der lokalen Neuen Westfu00c3u00a4lischen u00c3u00bcbernommene DPA-Meldung auf Seite 1.

Weil die Nachrichten in Deutschland inzwischen von den Agenturen gemacht werden. Lediglich den Lokalteil ku00c3u00b6nnte man lesen, wenn dieser nicht auch die immer gleichen, fu00c3u00bcr mein Leben absolut unwichtigen Dinge berichten wu00c3u00bcrde. Neue Ampel. Hasenzu00c3u00bcchterverein. Jeder einzelne Verkehrstote mit Unfallbild.

Das brauche ich nicht mehr, das habe ich 20 Jahre lang gelesen und es u00c3u00b6det mich an.

Ach ja: Ich halte zb. Nerdcore ernsthaft fu00c3u00bcr relevanter als eine grou00c3u009fe Masse der Tageszeitungen, die kaum eigenen Content bringen und nur als "Sammelstelle" fu00c3u00bcr dpa-Meldungen dienen. Denn bei Nerdcore ist die Themenkonzentration und Selektionsleistung hu00c3u00b6her. Und die Originalitu00c3u00a4t. Und wer hier "das ist doch nur Popkultur" denkt, der darf sich gerne neben die ganzen alten Papiermediensu00c3u00a4cke setzen, denn er bedient genau ihre Argumente.

Der Beitrag gefu00c3u00a4llt mir sehr gut, weil er weitegehend meine Meinung wiedergibt ... ;-)

Ich habe mich vor einigen Tagen u00c3u00a4hnlich geu00c3u00a4uu00c3u009fert als irgendwo dieses deutsche Blogger-Allstar-Team aufgestellt wurde und @casi meinte, dass @caschy dort fehlen wu00c3u00bcrde.

Meines Erachtens tut er das nicht, weil er
a) wahrscheinlich nicht mit Lobo in einem Team spielen wu00c3u00bcrde
b) eben nicht selbstreferentiell ist, sondern einfach sein Ding macht.

Authentisch, credible und daher sicherlich eines der 5 Blogs, auf die ich mich reduzieren lassen wu00c3u00bcrde. Das 2. wu00c3u00a4re sein privater Blog. ;-) Das dritte wahrscheinlich das von @casi in seiner alten Form, der hat auch immer eine Meinung. Der Rest wu00c3u00a4re privat und nicht von u00c3u00bcberregionalem Interesse.

Natu00c3u00bcrlich ist das jetzt sehr subjektives Geschwu00c3u00a4tz von mir, aber worauf ich damit hinaus will: Wir wollen etwas echtes, individuelles, authentisches. Alles andere ist Zeitverschwendung. Objektiver Journalismus wird von Redaktionen besser gemacht, auch online.

"worauf natu00c3u00bcrlich die Blog-Fraktion entgegnet: u00e2u0080u009cwir wollen gar nicht Mainstream sein!u00e2u0080u009d u00e2u0080u0093 aber natu00c3u00bcrlich gerne in Saus und Braus vom Bloggen leben wollen wu00c3u00bcrden. Das beiu00c3u009ft sich und diesen Widerspruch mu00c3u00bcssen die Protagonisten mal anpacken."

Den Widerspruch gibt es nur, weil der Autor dieses Artikels offenbar von sich und einer handvoll anderer Blogger-Kollegen, die sich gerne mal in Werbespots reinsetzen, auf die gesamte Bloglandschaft schlieu00c3u009ft. Der Grou00c3u009fteil der deutschen Blogosphu00c3u00a4re ist Hingabe unkommerziell, fu00c3u00bchlt sich pudelwohl dabei und bedient mit Freude seine jeweilige Nische.

Anders ausgedru00c3u00bcckt: Der Mainstream ist tot, riecht schon ziemlich komisch, niemand will ihn mehr auu00c3u009fer die Macher von Castingsendungen, die ihn immer mal wieder fu00c3u00bcr ein paar Tage jungen Leuten in Aussicht stellen, die danach ihr Leben lang gebrandmarkt sind. Wer ernsthaft nach einem Mainstream-Blog schreit und/oder Ausschau hu00c3u00a4lt, dem empfehle ich dringend mal daru00c3u00bcber nachzudenken, ob er nicht mit einer vu00c3u00b6llig falschen, eben der veralteten Old-Media-Schablone, an die ganze Sache rangeht. Die Gesellschaft hat sich zersplittert in Nischen im Netz mit kleineren Reichweiten als die ARD. Und das ist im Sinne der Inividualisierung und Pluralisierung auch echt super so. Gewu00c3u00b6hnt Euch daran. Und damit meine ich auch ausdru00c3u00bccklich Euch Typen, die ihr immer noch glaubt, dass Euere Top20 Blogs mal irgendwelche alten Medien ablu00c3u00b6sen und ihr reich werdet.

Selbstreferenziell bei Blogs bedeutet, dass sich der Inhalt des Blogs um Blogs dreht.

Alles klar?

Mir ging es vor allem darum, dass die deutsche Bloglandschaft immer auf die u00c3u00bcblichen Verdu00c3u00a4chtigen reduziert wird ... wer sich mal wirklich aufmacht und sucht, der findet auu00c3u009fer netten Blogs auch ein spannende Beispiele mit eigenen Inhalten.

da hier so viele kluge Geister selbstreferentiell benutzen: Selbstreferentiell ist, wenn auf einem Joghurt zur Haltbarkeit steht "siehe Inhalt".
Alles klar?

Zur Relevanz mal eine Ergu00c3u00a4nzung:

Es gibt ein Sprichwort, das da lautet: "Schu00c3u00b6nheit liegt im Auge des Betrachters". Ganz u00c3u00a4hnlich ku00c3u00b6nnte man analog fu00c3u00bcr Blogs schreiben: "Relevanz liegt in der Meinung des Lesers". Wenn ich einen Beitrag in einem Hausfrauenblog als fu00c3u00bcr mich relevant erachte, dann ist dieser Beitrag eben fu00c3u00bcr mich relevant. Relevant ist nicht das, was die Mehrheit fu00c3u00bcr relevant hu00c3u00a4lt (was von einer geschickten Marketingabteilung mit genu00c3u00bcgend Geld entsprechend gepusht wurde), sondern was ich persu00c3u00b6nlich fu00c3u00bcr relevant halte.

Allerdings geht das auch noch weiter. Relevanz ist Etwas, das man erkennen muss. Es ist nicht Etwas, was der Schreiber auf Teufel komm raus durchdru00c3u00bccken muss, es ist Etwas, das der Leser erkennt. Jedenfalls dann, wenn er hingucken kann.

Relevanz funktioniert zu einem gewissen Grad natu00c3u00bcrlich auch als Kredit. Dieses Blog hier hat einen gewissen Relevanz-Kredit. Das ist auch in Ordnung so. Dass dieser Artikel, der zum was-weiss-ich-wie-vielten-Mal die (angebliche?) Provinzialitu00c3u00a4t der deutschen Blogs bejammert, fu00c3u00bcr mich persu00c3u00b6nlich ziemlich irrelevant ist, schmu00c3u00a4lert diesen Relevanz-Kredit nur wenig. Ein Bisschen halt.

Und ansonsten bin ich heilfroh, dass hier in Deutschland nicht alle Lemminge dem gleichen Leitlemming hinterherlaufen. Im Gegensatz zu den USA. Hier gibt es Alternativen. Hier denkt man auch mal anders. Hier sind nicht Alle einer Meinung. Ich hoffe, dass das so bleibt.

Anstatt die mangelnde Relevanz deutscher Blogs zu bejammern, wu00c3u00a4re es angebrachter, u00c3u00bcber das Geschehen in Deutschland zu bloggen. Und wenn das mal selbstreferenziell ist (wie z.B. das Bejammern der nicht-Relevanz), gut, Schwamm dru00c3u00bcber. Aber wenn das dauernd passiert, dann wird das systhematisch selbstreferenziell und irrelevant. Nimm es in Kauf, wenn es kein grou00c3u009fes Echo gibt, und schreib den nu00c3u00a4chsten Artikel.

ich finde die erwartung, dass ein einzelnes blog eine alleinseligmachende wissensquelle darstellt ein bisschen seltsam. warum sollten ein bis wenige autoren eines blogs hinbekommen, was auch zeit oder spiegel (die ja wu00c3u00b6chentlich ein ganzes heer verschiedener autoren veru00c3u00b6ffentlichen) nicht schaffen!?

u00c3u00bcber die relevanz von blogs entscheiden deshalb nicht einzeltu00c3u00a4ter, sondern die summe dessen, was in meinem rss-reader auflu00c3u00a4uft. und da finde ich die auswahl von netzpolitik, weiu00c3u009fgarnix, herdentrieb, lawblog, niggemeier, nerdcore, lobbycontrol, nachdenkseiten usw. hilfreich fu00c3u00bcr die meinungsbildung. was einzeln monothematisch und oft nabelfixiert daherkommt, ist in der summe eine gute ergu00c3u00a4nzung zu klassischen medien.

Natu00c3u00bcrlich gibt es in Deutschland auch Blogs mit eigenen Inhalten. Die meisten sind reine Liebhaberprojekte und finden daru00c3u00bcberhinaus kaum Leser, da unsere heimatliche Bloglandschaft immer wieder auf wenige Beispiele reduziert wird. Das sind dann komischerweise die gleichen Blogs, die sich auch in diesem netten Posting finden. Die meisten von ihnen sind nicht relevant, sondern einfach nur bekannt. Wenn aber alle nur gebetsmu00c3u00bchlenartig bildblog, spreeblick, saschalobo und blogbar rufen, dann ku00c3u00b6nnte man natu00c3u00bcrlich annehmen, dass das alles ist, was unser hiesiges Netz hergibt.

Mir knirschen beim Lesen dieses Eintrags direkt die Zu00c3u00a4hne. Ich mu00c3u00b6chte darum hier meine Relativierung Ihrer Sicht darlegen. Zunu00c3u00a4chst liegt der Verdacht nahe, dass Sie durch Disqualifizierung einiger bekannter Blogs eine coole Antihaltung zur Aufwertung des eigenen Status benutzen wollen. Insbesondere die Herabwu00c3u00bcrdigung des Bildblogs schmerzt mich. Dort standen schon einige Artikel die eigentlich eine gesamtgesellschaftliche Wu00c3u00bcrdigung hu00c3u00a4tten erfahren mu00c3u00bcssen - ob des Kleinspartenmediums Internet hat selbst das Bildblog noch ein Reichweitenproblem, jedoch kein Relevanzproblem.
Es ist anzunehmen dass Blogs weiter an Einfluss gewinnen, doch das tun sie nur durch Relevanz. Ihr Artikel erfu00c3u00bcllt die Kriterien nicht, er ist selbstreferenziell auf das Medium Blog bezogen und bringt keine neuen Inhalte. Also was soll das hier sein? Selbsterfu00c3u00bcllende Prophezeihung?
Die Tasse Kaffee am Morgen ist auch nett, ich ku00c3u00b6nnte drauf verzichten und trotzdem trink ich jeden Morgen eine Tasse Kaffee. Kaffee in Deutschland ist nett, aber nicht zwingend.

Tja, warum gibt es noch nicht "den" Hauptstadtblog? Vielleicht, weil wir ein Mediensystem haben, mit dem man sich auch ohne Bloglesen u00c3u00bcber die relevanten Dinge informieren kann, die in der Hauptstadt passieren. Und weil gute Information Geld kostet - und Geld in Deutschland mit Blogs noch nicht zu verdienen ist. Wenn man sich das Agenda Setting ansieht, dann sind es immer noch die grou00c3u009fen Print- und Broadcast-Medien, die Theman initial besetzen. Und da ich als Print-Journalist davon lebe, kann ich nur sagen: Wowereit

Wenn dieser Eintrag nicht beim bildblog verlinkt waere, haette ich ihn nicht gelesen. Ich stimme dir aber nicht zu, es gibt eine ganze Reihe sehr guter Blogs, neben netzpolitik auch spiegelfechter, niggemeier und die nachdenkseiten, auch wenn die vllt. kein klassisches blog sind.

Persoenlich wuerde ich eher auf SpOn, sueddeutsche.de, zeit.de usw. verzichten als auf die genannten Kollegen. Lokale Blogs fehlen sicher noch, aber hierzulande handelt man sich auch ganz schnell mal ne Abmahnung ein, wenn man den Pups des Buergermeisters nicht korrekt wiedergibt oder so. Das macht das Ganze doch reichlich unattraktiv.

Ausserdem verstehe ich auch nicht, warum Blogger Mainstream sein sollen/muessen um gut oder wichtig zu sein. Dafuer sind doch eigentlich die grossen Zeitungsverlage da.

Ich glaube, dass vieles, was hier steht, stimmt. Ich glaube aber auch, dass vieles, was hier steht und stimmt, gut so ist.
Ansonsten ist der Artikel, mit dem du wahrscheinlich etwas anstou00c3u009fen wolltest, selbst genauso harmlos und nett geworden. Bestenfalls eine "anregende Diskussionsgrundlage".

Das liegt ganz einfach daran, dau00c3u009f u00c3u00bcber jedem deutschen Blogger die Gefahr von Abmahnungen und einstweilligen Verfu00c3u00bcgungen - bevorzugt aus Hamburg - schwebt. Also schreibt jeder mit einer Schere im Kopf und was dabei rauskommt ist eben brav, harmlos und ohne Biu00c3u009f. Schon eine Spekulation ob sich irgendein Politiker vielleicht die Haare fu00c3u00a4rbt kann einem in Deutschland als Blogger schon in Schwierigkeiten bringen. Oder wie bei "meinparteibuch" eine Karrikatur von Sigmar Gabriel. Und wenn man selbst nichts falsches schreibt, dann wird man eben wegen eines Kommentars verklagt. Und selbst wenn man gewinnen sollte: Es kostet Zeit, Geld und Nerven und wer dau00c3u009f zwei oder dreimal durchgemacht hat, gibt dann auf.

Deutschland ist kein gutes Pflaster fu00c3u00bcr Blogger.

Ok, du hast uns jetzt runtergebetet was Dir nicht gefu00c3u00a4llt! Wo bleiben die Lu00c3u00b6sungen, wie schauts mit Verbesserungsvorschlu00c3u00a4gen aus? Was ku00c3u00b6nnte man tun? Fazit: Du reihst dich selbst in das oben kritisierte ein, tolle Leistung! Mahlzeit, ab gehts zum nu00c3u00a4chsten Blog.

Einspruch, Euer Ehren! :-)
Wir haben in Regensburg den Blog www.regensburg-digital.de der sich fundamental von der Hofberichterstattung der einzigen lokalen Tageszeitung abhebt. Der Betreiber ist waschechter Journalist und recherchiert gru00c3u00bcndlich. So einiges wurde da schon bekannt, was sonst unter den Teppich gekehrt bzw. nicht ans Tageslicht gezerrt worden wu00c3u00a4re.
Gut, ne Ausnahme. Aber immerhin! :-)

Ansonsten: Signed!

Jetzt mal Butter bei die Fische, wie wir in Hamburg sagen: Wer ist schuld? Sind es nicht die Flachpfeifen, die sich in den Ranking der verfluchten Blogscharts gesonnt haben, auf allen Kanu00c3u00a4len die Relevanz von Blogs erklu00c3u00a4rt haben und Super-Hyper-Geschu00c3u00a4ftsmodelle mit Blogs aufbauen wollten - aber am Ende immer nur (mehr oder minder erfolgreich) Selbstvermarktung betrieben haben? Hat Lumma seine eigene Beteiligung schon verdru00c3u00a4ngt?

Der Blog-Zug ist abgefahren. Ohne Deutschland. Die Provinzbahner, die nichts dazu beigetragen haben, dass da deutschsprachige Blogs hu00c3u00a4tten einsteigen ku00c3u00b6nnen, sitzen weiter mit der Authoritu00c3u00a4t ihrer Dienstmu00c3u00bctze, nun als "Social Media Checker" am Infoschalter, in Agenturen und Verlagen.

Immer diese Sichtweise von der ihr keinen Deut abzuru00c3u00bccken bereit seid. Dieses Anspruchsdenken, dau00c3u009f Blogs der neue Journalismus sein mu00c3u00bcssen oder das Sprungbrett fu00c3u00bcr den nu00c3u00a4chsten gefeierten Ku00c3u00bcnstler. Dau00c3u009f Blogs Skandale aufdecken sollen, einen politischen und gesellschaftlichen Wandel hervorrufen mu00c3u00bcssen oder - noch schlimmer - dau00c3u009f Blogs den Konsumenten zum Produkt und das Produkt zum Konsumenten bringen mu00c3u00bcssen. Vergesst es! Fu00c3u00a4llt es eigentlich so schwer, davon abzuru00c3u00bccken, weil man mit dem Gequatsche auf Podien und den Heilsversprechen Kunden ziehen konnte, meinte, man hu00c3u00a4tte endlich das Pferd gefunden, auf das zu setzen es sich lohnt? Oder was ist es? Ich versteh's nicht. Macht bitte euren eigenen Kram, ihr Vermarkter und Bohemiens, und lasst mich und mein kleines Netz in Ruhe. Ich les dann weiter Kommentare und Meinungen, die mich (und vielleicht nur wenige andere) interessieren, Anekdu00c3u00b6tchen aus der Nachbarschaft und schu00c3u00b6ne Texte von Unbekannten, die wahrscheinlich nie einen Verleger finden wu00c3u00bcrden. Alles im Netz, alles in (Katzen-)Blogs, alles ohne Vermarktungsstrategie und landesweiten Bekanntheitsgrad, aber fu00c3u00bcr mich wertig genug, dau00c3u009f ich dafu00c3u00bcr sehr dankbar bin.

Was habe ich noch im November in einem Interview gesagt:

Die deutsche Blogosphu00c3u00a4re hat ihren Zenit schon lange u00c3u00bcberschritten. Der Trend wird dahin gehen, dass die, die Spau00c3u009f daran haben, weiter machen und dass natu00c3u00bcrlich Fachblogs weiter bestehen und hoffentlich weiter in den Fokus der u00c3u0096ffentlichkeit geraten. Wenn ich beispielsweise an Jens Weinreich denke, der u00c3u00bcber Sportpolitik bloggt oder an gesundheit.blogger.de, die der Gesundheitsindustrie auf die Finger schauen, dann hoffe ich, dass diese Publikationen weiter bestehen. Ansonsten, ganz im Ernst: Wenn morgen 98% der Blogs aus den deutschen Blogcharts dicht machen, inklusive F!XMBR, dann interessiert das keinen Menschen.

Das erheiternde an Deinem Artikel ist, dass es fu00c3u00bcr praktisch jede Form der u00c3u00b6ffentlichen u00c3u0084uu00c3u009ferung u00e2u0080u0093 sei es Journalismus, Publizistik, Belletristik oder PR u00e2u0080u0093 in diesem Land gilt. Jene wenigen Tage und Wochen im Jahr, in denen ich keine Tagesschau gucke, keine Zeitung, Zeitschrift und kein Magazin lese, kein Radio hu00c3u00b6re und auu00c3u009fer ein paar Mails nichts im Internet tue, verpasse ich nichts, aber auch absolut gar nichts von Bedeutung in diesem Land. Das sind alles nur selbstverliebte, selbstverweisende, fu00c3u00bcr das "echte Leben" vu00c3u00b6llig bedeutungslose Diskurse, die da in unserer "u00c3u0096ffentlichkeit" stattfinden und ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, warum die u00c3u00bcberhaupt laufen, wer dieses Perpetuum Mobile irgendwann mal angestou00c3u009fen hat.

Davon abgesehen stimme ich Deinem Urteil zu 100% zu und freue mich sogar daru00c3u00bcber. Blogs sind in Deutschland nicht Meinungselite, Bu00c3u00bcrgerjournalismus oder etwas, das wir Arbeit nennen. Blogs sind die grou00c3u009fe Pause. Blogs sind ein u00c3u00b6ffentliches inneres Exil. Blogs sind Major Gruberts hermetische Garage.

>Mir ist kein deutscher Blogger bekannt, der von seiner Arbeit leben kann

Halt, hier, icke. Da ist zwar Luft nach oben, aber leben ku00c3u00b6nnte ich von NC.

Auu00c3u009ferdem mu00c3u00b6chte ich dem "Panorama"-Label entschieden widersprechen. Ich weiu00c3u009fe zwar auf ne bunte Palette Netzfundstu00c3u00bccke hin, die ist aber u00c3u00a4sthetisch recht fokussiert.

Das Problem der "deutschen Blogs" ist imho eher die Medienfixiertheit. "Journalist XY hat this'n'that" und alle machen mit. Gu00c3u00a4hn. Noch dazu die gu00c3u00a4hnend langweilige Fokussierung auf die schu00c3u00b6ne Schreibe.

Und wer ist schuld? Richtig. Fonsi.

Dann nehme ich mal an, dass sich das jetzt bestimmt Alles u00c3u00a4ndern wird. :)

Da war vorher ein Blog, das war ganz lustig. Hat jede Woche Du00c3u00b6ner-Fotos gezeigt, musste ich einfach jedes mal lesen. Wie hiess es noch mal....? Keine Ahnung. War aber ganz lustig.

auf die dauer war das aber nix fu00c3u00bcr meine sportliche figur

Schu00c3u00b6ne nette Erkenntnis, nur wie schon angemerkt, ein wenig zuspu00c3u00a4t in der Gesamtsicht! Aber, besser spu00c3u00a4t als nie.Und was lernen, wir daraus ? Vieles und vorallem: "Bloggerinnen und Blogger zu00c3u00bcckt Euren Verstand, die tiefgelagerte Tiefe und ab auf den Schleifbock der Gesellschaft!"

So: Und nach diesem kleinen Zitat,dann.Bitte alle ab ausschwu00c3u00a4rmen und Sachen fu00c3u00bcr Blogland kleistern.Ohne Ru00c3u00bccksicht auf Wortpru00c3u00a4gungen und und und und und und

Schade, dass hier wieder deutsches Standardgenu00c3u00b6rgel bemu00c3u00bcht wird. Ein Grund fu00c3u00bcr die hier in Anspruch genommene "Schwu00c3u00a4che" deutscher Blogs ist doch genau das Anspruchsdenken, das "Mit dem Finger u00c3u00bcbern Teich zeigen und Perez Hilton meinen". Ich weiss nicht, ob ein deutscher Perez Hilton hier u00c3u00bcberhaupt erwu00c3u00a4hnt worden wu00c3u00a4re. Welcher Anspruch motiviert denn zu diesen Rundumschlu00c3u00a4gen? Abgrenzung? Aber dieser Blog hier ist doch gemessen an dem eru00c3u00b6ffneten Diskurs ebenso irrelevant, oder tu00c3u00a4usche ich mich? Zugegebenermau00c3u009fen zu00c3u00a4hle ich nicht zu denen, die wissen, wieviele verschiedene Blogs sie tu00c3u00a4glich lesen. Chefminister einer Armada von Werbeagentur-Social Media Consultants zu sein, scheint genug Cash abzuwerfen, um sich u00c3u00bcber die zu stellen, die wenigstens versuchen von ihren Inhalten zu leben. Da ist jeder ernstmeinende Blogger ernster zu nehmen. Oder andersrum: Wenn der Mau00c3u009fstab fu00c3u00bcr Relevanz Massentauglichkeit ist, dann wu00c3u00a4re es doch angebrachter, die vielen hoffnungsvollen Talente mithilfe der hier vorhandenen Popularitu00c3u00a4t... ich meine, Erfahrung... ehm.. marktbeherrschende Meinung... ach, egal... sie so gut man kann zu unterstu00c3u00bctzen, als die schon durchgebratenen Hu00c3u00bchnchen noch mal zu rupfen. Wie wu00c3u00a4rs mit "Zelebrieren statt Zerstu00c3u00b6ren".
Dann gibts zum Nachtisch vielleicht auch mal Obama statt Westerwelle.

Ist das der Text, den du vorhin per Telefon auf der SMW Bu00c3u00bchne geschrieben hast?

nee, da habe ich mein internettagebuch mit gedanken gefu00c3u00bcllt.

also dieses lummaland find ich ja ganz gut.
manchmal zwar mu00c3u00a4andernd und ornamentalistisch sozialdemokratisch, aber was solls.

Prima Antwort :-) Ich denke, dass sich der Autor einen Popanz aufbaut, auf den er dann munter eindreschen kann. Ich hatte mich in meinen Anfangsgru00c3u00bcnden fu00c3u00bcrchterlich u00c3u00bcber die "Message" aufgeregt, die in u00c3u00a4hnlicher Weise die Blogs u00c3u00bcberhu00c3u00b6ht hatte, um dann ordentlich zu kritisieren und zu mu00c3u00a4keln: http://tinyurl.com/ygy937c
Fu00c3u00bcr uns Normalos muss gelten: authentisch bleiben ;-)

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  1. Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by theuer: RT @mr94: RT @nico Blogs in Deutschland sind nett http://is.gd/7ybAL

  2. [...] Was zu Lummas Rant über deutsche Blogs zu sagen wäre 02.02.2010 | Noch kein Kommentar Warum gibt es eigentlich immer noch kein wirkliches Hauptstadt-Blog, kein Lokalblog für die Met… [...]

  3. [...] Den Lumma versteh’ ich nicht. Da lamentiert er, dass deutsche Blogs allesamt viel zu nischig, viel zu wenig mainstreamig, dafuer wiederum zu selbstreferentiell seien und sowieso immer nur mit Gebruell immer dieselbe Sau durchs Dorf treiben wuerden. [...]

  4. [...] Veröffentlicht in BlogWelt Nico Lumma hat in seinem Blog eine interessante These aufgeworfen. “Blogs in Deutschland sind nett,” so Nico, “aber nett ist auch der Hund des Nachbarn.” Er beklagt – durchaus zu Recht – [...]

  5. [...] Blogs in Deutschland sind nett [...]

  6. [...] muss man auch nicht gelesen haben. Oder? Entweder trauert Lummaland den alten Alpha-Blogger-Tagen nach, oder dieses Blog will als letzte “Ikone” an einstige [...]

  7. [...] wollte ich ja meinen Sermon zu diesem Artikel abgeben, der da lautet: Blogs in Deutschland sind nett. Dann aber überkam mich ein Anflug von Vernunft und ich ließ es Gott-sei-Dank bleiben. [...]

  8. [...] so relevant, wie wir es gerne wären. Das hat Nico Lumma diese Woche sehr treffend festgestellt: In Deutschland gibt es kein einziges Blog, das man lesen MUSS. Das ist sehr schade, weil es hinreichend gute Autoren unter den Bloggern und ebenso viele kluge [...]

  9. [...] Nico Lumma (@nico) nimmt sich die deutschen Blogs zur Brust: “Blogs in Deutschland sind nett“ [...]

  10. [...] “Blogs sind selbstreferentielle Nische, fühlen sich da pudelwohl, aber bleiben bei allem vehement fo…“, hat Nico Lumma neulich geschrieben und hatte damit wahrscheinlich gar nicht unrecht, obwohl [...]

  11. [...] Herr Lumma vor einigen Tagen schreibend erwaehnte, “Es gibt kein Blog in Deutschland … “ den man lesen [...]

  12. [...] Nico schreibt: Auch 2010 gibt es kein Blog, das man unbedingt gelesen haben muss, weil man sonst einen wichtigen Beitrag verpassen würde. Es gibt kein Blog in Deutschland, das für eine Branche essentiell ist, weil dort alles steht, und zwar bevor es irgendwo anders steht und weil von diesem Blog Impulse für eine Debatte ausgehen. [...]

  13. [...] Nico Lumma, der ein eher langweiliges Blog macht (10 Twitter-Tipps), sich aber beschwert, das Blogs langweilig sind und natürlich Brigitte “Was ist ein Browser?“  Zypries. Die war als [...]

  14. [...] Lumma und nette Blogs, Twitterregeln und Rob Basics Antwort. [...]