Twitter ist aus dem bundesdeutschen Kommunikationsmix nicht mehr wegzudenken. Aber mit steigenden Userzahlen steigt auch die Verantwortung des Einzelnen im Umgang mit dieser Kommunikationsform. Als ich vor drei Jahren meinen ersten Tweet abgeschickt habe, da war noch vieles möglich, was heutzutage einfach nicht mehr geht. Ich habe daher das Twitterverhalten in Deutschland und den USA in den letzten Monaten analysiert und versucht, daraus allgemein verbindliche Regeln abzuleiten, die als Handreichung für eine reibungslose Twitternutzung dienen sollen.
1. Twitter ist kein Chat!
Zu viele @ in der Timeline erschweren das Lesevergnügen von Twitter, insbesondere dann, wenn man für einige Stunden offline war und daher die Inhalte der Timeline nacharbeiten muss. Als Faustregel gilt hier: nicht mehr als 1 Reply alle 25 Tweets, wobei in Ausnahmesituationen kurzfristige Abweichungen natürlich erlaubt sind.
2. Beachte das implizite Abkommen mit den Followern
Als Twitternutzer hat man eine Verantwortung gegenüber seinen Followern. Nach der Follower-Anbahnung verpflichtet sich der Twitternutzer, seinen Followern Inhalte zu präsentieren, die diese erwarten. Tut er dies nicht, kann es zu öffentlichen Unmut-Äußerungen kommen, die in dem Ausspruch “ich entfollowe @userxy gleich” gipfeln können und unbedingt zu vermeiden sind, da sie das empfindliche Gleichgewicht zwischen den Followern beinträchtigen kann. Neuen Followern ist unbedingt ebenfalls zu folgen.
3. Retweets sind essentiell
Die schnellste und noch dazu einfachste Form der Meinungsäußerung ist ein Retweet und wird gerade in Deutschland sehr gerne angewendet. Hierbei gilt es zu beachten, daß man einen Dienst für seine Follower anbietet und gewissermaßen eine Notwendigkeit besteht, die Follower immer mit allen relevanten Informationen zu versorgen. Um den Geschwindigkeitsvorteil von Twitter konkret ausspielen zu können, ist ein schneller Retweet unbedingt der vorherigen Rezeption der Inhalte vorzuziehen.
4. Ordnung muß sein
Es hat sich insbesondere im bundesdeutschen Twitterkontext herauskristallisiert, daß Hashtags ohne Bezugnahme auf eine vorher definierte Ontologie vorgenommen wurden. Obzwar es begrüßenswert ist, daß Tweets mit einem Hashtag versehen und damit für die Mitlesenden besser zu rezipieren sind, ist unbedingt darauf zu achten, daß Hashtag-Regeln eingehalten werden, da es ansonst zu Verwirrungen seitens der Follower führen kann.
5. Stars brauchen den Promi-Faktor
Damit Twitter weiter wachsen und bedeutsamer werden kann, ist es unumgänglich, daß auch Stars wie Ashton Kutcher oder Sascha Lobo auf Twitter präsent sind. Im Umgang mit diesen speziellen Twitter-Nutzern sollte beachtet werden, daß man sich über öffentliche Beachtung, ausgedrückt durch einen Reply auf eine direkte Frage oder gar einen Retweet, auch gebührlich öffentlich freuen sollte, ohne jedoch zu anbiedernd wirken zu wollen. Das ist ein Balanceakt, der präzise Tweets erfordert, aber letztendlich der gesamten Twitter-Community dient.
6. Es gibt ein Reinheitsgebot
Twitter bietet sehr viel Flexibilität im Umgang mit Verlinkungen, Fotos, oder gar der Verknüpfungen mit anderen Plattformen oder kleinen, oftmals spaßigen Tools. Diese Entwicklung ist mit Sorge zu sehen, da sie von den eigentlichen Inhalten auf Twitter ablenken und für zusätzliche Verstreuung von Kommunikationsbestandteilen sorgen und damit eine effiziente Twitternutzung für den einzelnen User erschweren. Sollte man einem Twitternutzer folgen, der dennoch diese Dienste einbindet, so ist zu beachten, daß ein möglicher Kommentar immer nur direkt bei dem jeweiligen Dienst zu erscheinen und in der Timeline von Twitter nichts zu suchen hat.
7. Die Wahl der Sprache ist ein Gebot der Fairness
Deutsch ist natürlich die Sprache, die für die meisten bundesdeutschen Twitternutzer Vorrang haben wird, aber es gibt auch wichtige Ausnahmen, die man beherzigen sollte. Sobald einer der Follower nur Englisch spricht, gilt es, sämtliche Tweets, insbesondere auch Replies auf deutschsprachige Tweets, künftig auf Englisch zu schreiben, um diese Follower nicht auszugrenzen.
8. Große Zahlen zeigen die Relevanz
Eigentlich dürfte dieser Punkt selbsterklärend sein, da es gelernte Praxis sein sollte. Die Anzahl der Follower eines Twitternutzers sind ein Indikator für die Relevanz des einzelnen Tweets. Dabei gilt die Faustregel: wer mehr Follower hat, ist relevanter. Wobei zu beachten ist, daß es über Retweets den Effekt der sog. geliehenen Relevanz gibt, die auch anderen Twitternutzern die Möglichkeit gibt, relevant zu kommunizieren.
9. Twitter braucht eigene Begrifflichkeiten
Worte sind der Kit, der aus 140 Zeichen einen guten Tweet macht. Dabei ist es wichtig, auf die Eigenheit von Twitter vollumfänglich einzugehen und Begriffe zu schaffen, die dies widerspiegeln. Worte wie Twittwoch, Twittagessen oder gar Twitnight sind mitnichten putzige Kreationen, vielmehr schweissen diese die Twittercommunity zusammen, wobei das Wort Tweed zu einer geschlossenen Abwehrhaltung der Twitternutzer führen kann und daher vermieden werden sollte.
10. Fasse Dich kurz
Auch bei 140 Zeichen kommt es darauf an, präzise zu twittern und nicht durch überflüssige Textbestandteile Verwirrung zu stiften. Tweets werden oftmals als Retweet verstümmelt und büßen dabei an Entfaltungskraft ein. Ein Hauptsatz plus Nebensatz sollten als aussagekräftiger Tweet völlig ausreichen, wobei die Interpunktion nicht zu vernachlässigen ist.
Diese 10 Goldenen Regeln für Twitter werden auf den ersten Blick etwas unüblich und sperrig wirken, letztendlich führt aber nur ihre konsequente Anwendung zu einer effzienten und erfolgreichen Twitternutzung in Deutschland.


Nette Top 10 der Regeln. Zum chatten gibt es ja schließlich icq und skype.
Ach, wenn es kein anderer zugeben will: Ich habe Twitter auch schon mal als Chat missbraucht
– und ich bin der Meinung, das sich twitter durch die Nutzer und Follower selber reguliert, denn man folgt ja “nur” denen, die man für Verfolgungswert einstuft – wenn die sich nicht an die (persönlich gedachten) Regeln halten, werden diese halt wieder entfolgt.
Danke, habe sehr gelacht!
[...] 10 goldene Regeln für Twitter: http://lumma.de/2010/02/03/die-10-goldenen-regeln-fur-twitter/ [...]
Punkt 7 widerspricht sich selbst etwas. Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass eine englisch sprechende Person einen deutschsprachigen tweet abonniert, den er nicht versteht. Genauso auch im umgekehrten Fall, wenn eine englisch sprechende Person einen deutschen tweet abonniert hat, so kann man wohl auch davon ausgehen dass er deutsch versteht, sonst hätte er den tweet wohl kaum abonniert.
Es fehlt Punkt 11:
Twitter ist nett. Aber nett ist auch die Katze der Schwester. In Deutschland wird auf jeder Konferenz die Bedeutung von Twitter als Kommunikationskanal herausposaunt. Warum eigentlich? Auch 2010 gibt es keinen Grund zu twittern. Und wer es trotzdem tut, hat einfach seinen Spaß daran. Ganz ohne Relevanzkriterien.
Habe mir lange überlegt ob ich auf diesen Artikel wirklich was schreiben soll. Aber der Vergleich zwischen Asthon Kutscher und Sascha Lobo machten es mir doch unmöglich keinen zu schreiben. Möchten wir wirklich die beiden vergleichen – sicher Sascha Lobo ist eine Person mit den meisten Followern in Deutschland, aber ihn deshalb als Promi zu sehen. Ein wenig weit hergeholt! Sobald er Demi Moore als Partnerin hat würde ich diese Aussage aber revidieren…
Was mich aber richtig an den Kopf fassen lässt ist das Gebot der Fairness. Wenn ein Follower kein deutsch kann muss ich auf diesen Rücksicht nehmen? Was ist mit meinen deutschen Followern die eben keine englische Tweets lesen wollen? Grenze ich die damit nicht aus?
Für mich persönlich einfach totaler Schwachsinn, besonders da du auf deine eigenen Regeln pfeifst. Es gibt einige Follower bei dir die kein deutsch sprechen. Twitterst du deshalb Englisch? … Not
hahaha, am meisten habe ich gelacht bei 3 “Um den Geschwindigkeitsvorteil von Twitter konkret ausspielen zu können, ist ein schneller Retweet unbedingt der vorherigen Rezeption der Inhalte vorzuziehen.” und 10 “Ein Hauptsatz plus Nebensatz sollten als aussagekräftiger Tweet völlig ausreichen, wobei die Interpunktion nicht zu vernachlässigen ist.” – abgesehen von den Kommentaren natürlich, die das alles ernst nehmen.
Wer sind Ashton Kutcher und Sascha Lobo?
Hehe – würde gern ein Twittpoll sehen bei dem Deine Leser angeben können, ob sie das nun für bare Münze nehmen oder nicht. Ich befürchte, dass dabei Erschreckendes heraus kommen würde.
Super Artikel, Nico!
[...] Lobo, der immer dabei ist und vor allem überall. Nico Lumma, der ein eher langweiliges Blog macht (10 Twitter-Tipps), sich aber beschwert, das Blogs langweilig sind und natürlich Brigitte “Was ist ein [...]
[...] und nette Blogs, Twitterregeln und Rob Basics [...]
[...] wie Herr Lumma treffenst erwaehnte “Ich finde den Begriff "Neue Medien" völlig irreführend. Was ist [...]