Inhalte finden den Leser

Informationsüberflutung! Multitasking ist Körperverletzung! So und anders lauten die Argumente in der aktuellen Debatte um das Internet und die Art und Weise, wie User online agieren und Inhalte rezipieren. Eigentlich geht es immer darum, daß das Internet nicht wie eine Zeitung oder eine Zeitschrift funktioniert, sondern eben durch Hyperlinks die Inhalte nicht-linear verbindet.

Diese Erkenntnis ist jetzt auch nicht so neu. Interessant finde ich allerdings, daß aufgrund der immer mehr miteinander verzahnten sozialen Applikationen und den sozialen Netzwerken die Freunde und Kollegen eine Kuratorfunktion für Inhalte unbewußt übernehmen und somit dafür sorgen, daß die Inhalte für den einzelnen User strukturiert und aufbereitet werden. Nun könnte man einwenden, daß man damit keine Themenvielfalt mehr hat, sondern nur noch Inhalte zu sehen bekommt, die man sowieso interessant findet. Was irgendwie impliziert, daß Leser eine Zeitung von vorne bis hinten durcharbeiten und daher allumfassend informiert werden, ganz im Gegensatz zu diesem Internet und den gefilterten Inhalten für den User.

Ich glaube aber, daß sich das Zusammenspiel von Inhalten und Lesern gerade total verändert. Früher hat man als Leser die Inhalte gesucht, sei es über den Kauf einer Zeitung oder das bewußte Ansteuern einer URL im Internet. Das wird zukünftig anders sein. Zum einen Lösen sich die Inhalte gerade von den gelernten Plattformen und sind ziemlich allgegenwärtig verfügbar. Zum anderen finden die Inhalte mit Hilfe des Netzes ihre Leser. Anders ausgedrückt: auch wenn ich gerade aktiv keine Inhalte suche, sorgt mein Netzwerk dafür, daß ich die wirklich wichtigen Dinge nicht verpasse. Durch den Activity Stream der User werden die relevanten Themen immer wieder hochgespült, und zwar individuell für den einzelnen User. Auch wenn mal nicht online ist, verpasst man die wichtigen Themen nicht, denn sobald man wieder online ist, wird man automagisch darauf hingewiesen.

Das klingt seltsam und vor allem völlig unklar und unstrukturiert? Stimmt. Aber probiert es mal aus. Ich habe Dank meines Netzwerkes keine für mich relevante Nachricht oder Debatte übersehen, dafür aber jede Menge uninteressantes Zeugs gar nicht erst, bzw. erst viel später mitbekommen. Das finde ich irre praktisch. Die Wirkungsweise des Internet überträgt sich durch die sozialen Elemente auf unsere Inhalte-Rezeption, wir verpassen nichts für uns Relevantes mehr, ersparen uns aber das Unwichtige.

4 Antworten auf „Inhalte finden den Leser“

  1. Deiner Beobachtung stimme ich komplett zu. Jedoch sehe ich darin nicht nur Positives: Wenn ich mal schaue, welche Themen auf twitter, in Blogs und bei facebook hauptsächlich diskutiert werden, dann sind das oft nicht die Geschichten, die mein oder auch Dein Leben nachhaltig verändern. Die gehen an Social Media ab und an vorbei, so dass ich zumindest heute gar nicht umhin komme, mir abends die Tagesschau anzusehen oder aber eine Tageszeitung zu lesen. Ich bin mir sicher, dass sich die Themen in den nächsten Jahren wandeln werden. Irgendwann haben wir uns daran gewöhnt, dass es neue Dienste wie foursquare etc. gibt und dann werden Social Networks wirklich die Rolle übernehmen, die Du hier skizzierst.

    1. naja, das liegt eben an diesen seltsamen charakteren, die du um dich versammelst. ich hingegen bekomme nur top-infos :)

  2. hallo nico,

    dass die inhalte mehr den leser finden als früher, darin stimme ich mit dir überein. aber ob wirklich jede relevante nachricht einen auch erreicht, da bin ich nicht unbedingt von überzeugt. ich weiß auch gar nicht, ob man das überhaupt so einfach festellen kann, ohne nicht sämtliche nachrichten zu kennen. ich denke mal, du meintest, dass jede nachricht, die dich erreicht auch eine relevanz für dich hat oder zumindest mehr als früher; dagegen kannst du natürlich schwer die relevanz von nachrichten einschätzen, die dich nicht erreichen. Insofern kann die aussage „Ich habe Dank meines Netzwerkes keine für mich relevante Nachricht oder Debatte übersehen …“ nicht richtig sein. ich nehme an, du meintest so etwas in der art, dass die nachrichten, die dich erreichen, für dich eine gefühlt höhere relevanz haben, als die nachrichten, die dich früher erreicht haben. diesen eindruck habe ich durch die social networks auch.

    beste grüße,

    dirk

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