22. Februar 2010

Inhalte finden den Leser

Informationsüberflutung! Multitasking ist Körperverletzung! So und anders lauten die Argumente in der aktuellen Debatte um das Internet und die Art und Weise, wie User online agieren und Inhalte rezipieren. Eigentlich geht es immer darum, daß das Internet nicht wie eine Zeitung oder eine Zeitschrift funktioniert, sondern eben durch Hyperlinks die Inhalte nicht-linear verbindet.

Diese Erkenntnis ist jetzt auch nicht so neu. Interessant finde ich allerdings, daß aufgrund der immer mehr miteinander verzahnten sozialen Applikationen und den sozialen Netzwerken die Freunde und Kollegen eine Kuratorfunktion für Inhalte unbewußt übernehmen und somit dafür sorgen, daß die Inhalte für den einzelnen User strukturiert und aufbereitet werden. Nun könnte man einwenden, daß man damit keine Themenvielfalt mehr hat, sondern nur noch Inhalte zu sehen bekommt, die man sowieso interessant findet. Was irgendwie impliziert, daß Leser eine Zeitung von vorne bis hinten durcharbeiten und daher allumfassend informiert werden, ganz im Gegensatz zu diesem Internet und den gefilterten Inhalten für den User.

Ich glaube aber, daß sich das Zusammenspiel von Inhalten und Lesern gerade total verändert. Früher hat man als Leser die Inhalte gesucht, sei es über den Kauf einer Zeitung oder das bewußte Ansteuern einer URL im Internet. Das wird zukünftig anders sein. Zum einen Lösen sich die Inhalte gerade von den gelernten Plattformen und sind ziemlich allgegenwärtig verfügbar. Zum anderen finden die Inhalte mit Hilfe des Netzes ihre Leser. Anders ausgedrückt: auch wenn ich gerade aktiv keine Inhalte suche, sorgt mein Netzwerk dafür, daß ich die wirklich wichtigen Dinge nicht verpasse. Durch den Activity Stream der User werden die relevanten Themen immer wieder hochgespült, und zwar individuell für den einzelnen User. Auch wenn mal nicht online ist, verpasst man die wichtigen Themen nicht, denn sobald man wieder online ist, wird man automagisch darauf hingewiesen.

Das klingt seltsam und vor allem völlig unklar und unstrukturiert? Stimmt. Aber probiert es mal aus. Ich habe Dank meines Netzwerkes keine für mich relevante Nachricht oder Debatte übersehen, dafür aber jede Menge uninteressantes Zeugs gar nicht erst, bzw. erst viel später mitbekommen. Das finde ich irre praktisch. Die Wirkungsweise des Internet überträgt sich durch die sozialen Elemente auf unsere Inhalte-Rezeption, wir verpassen nichts für uns Relevantes mehr, ersparen uns aber das Unwichtige.

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hallo nico,

dass die inhalte mehr den leser finden als fru00c3u00bcher, darin stimme ich mit dir u00c3u00bcberein. aber ob wirklich jede relevante nachricht einen auch erreicht, da bin ich nicht unbedingt von u00c3u00bcberzeugt. ich weiu00c3u009f auch gar nicht, ob man das u00c3u00bcberhaupt so einfach festellen kann, ohne nicht su00c3u00a4mtliche nachrichten zu kennen. ich denke mal, du meintest, dass jede nachricht, die dich erreicht auch eine relevanz fu00c3u00bcr dich hat oder zumindest mehr als fru00c3u00bcher; dagegen kannst du natu00c3u00bcrlich schwer die relevanz von nachrichten einschu00c3u00a4tzen, die dich nicht erreichen. Insofern kann die aussage "Ich habe Dank meines Netzwerkes keine fu00c3u00bcr mich relevante Nachricht oder Debatte u00c3u00bcbersehen ..." nicht richtig sein. ich nehme an, du meintest so etwas in der art, dass die nachrichten, die dich erreichen, fu00c3u00bcr dich eine gefu00c3u00bchlt hu00c3u00b6here relevanz haben, als die nachrichten, die dich fru00c3u00bcher erreicht haben. diesen eindruck habe ich durch die social networks auch.

beste gru00c3u00bcu00c3u009fe,

dirk

Deiner Beobachtung stimme ich komplett zu. Jedoch sehe ich darin nicht nur Positives: Wenn ich mal schaue, welche Themen auf twitter, in Blogs und bei facebook hauptsu00c3u00a4chlich diskutiert werden, dann sind das oft nicht die Geschichten, die mein oder auch Dein Leben nachhaltig veru00c3u00a4ndern. Die gehen an Social Media ab und an vorbei, so dass ich zumindest heute gar nicht umhin komme, mir abends die Tagesschau anzusehen oder aber eine Tageszeitung zu lesen. Ich bin mir sicher, dass sich die Themen in den nu00c3u00a4chsten Jahren wandeln werden. Irgendwann haben wir uns daran gewu00c3u00b6hnt, dass es neue Dienste wie foursquare etc. gibt und dann werden Social Networks wirklich die Rolle u00c3u00bcbernehmen, die Du hier skizzierst.

naja, das liegt eben an diesen seltsamen charakteren, die du um dich versammelst. ich hingegen bekomme nur top-infos :)

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