Auf dem Politcamp am Wochenende in Berlin werde ich mit Julia Seeliger, Björn Böhning und Peter Plöger diskutieren, moderiert von Sebastian Sooth. Das Thema soll sein: Wie wollen wir in der digitalen Gesellschaft arbeiten und leben? – aber schon beim Klappentext zu der Session sträuben sich massiv meine Nackenhaare:
Das Internet ist nicht nur Kommunikationsmedium – im und mit dem Netz wird auch gelebt und gearbeitet. Das Netz hat alle gesellschaftlichen Bereiche durchdrungen, es hat die Arbeitrsrealität fundamental verändert. Die "digitale Bohème" arbeitet flexibler, unsicherer aber auch freier mit dem Internet. Wie wollen wir in die digitalen Gesellschaft arbeiten? Damit soll sich diese Session beschäftigen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst sollen diese Frage beantworten. Zuletzt in der Wirtschaftskrise haben wir aber auch gesehen: Schnell können die Arbeits- und Lebensbedingungen von "Internetarbeiterinnen und -arbeitern" prekär werden. Gerade sogenannte Solo-Selbständige machen sich Gedanken über die soziale Sicherung bei Krankheit oder im Alter. Zugleich haben sie kaum eine Möglichkeit sich gegen Zeiten fehlender Projektaufträge abzusichern. Brauchen wir also einen neuen Sozialstaat zur Bekämpfung des des "digital poor"?!
Ich finde, mit der Konzentration auf die sog. digitale Bohème verengen wir die Diskussion viel zu sehr. Auch wenn ich mir kaum etwas besseres vorstellen könnte, den ganzen Tag im St. Oberholz mein MacBook Pro mitsamt Aufkleber zur Schau zu stellen und dabei nebenbei auch noch zu arbeiten, ist das irgendwie eher nicht die Lebensrealität außerhalb von Berlin Mitte. Und daher würde ich viel mehr darüber diskutieren, wie sich die Realität des digitalen Arbeiten und Lebens für die Mehrheit der Bevölkerung darstellen wird. Denn nicht nur diejenigen, die tagtäglich mit dem Web arbeiten werden durch das allgegenwärtige Internet vor immer neue Herausforderungen gestellt, sondern auch für “ganz normale” Arbeitnehmer verändert sich durch das Internet einiges. Als Beispiel sei hier nur die Nutzung des Firmen-Blackberrys nach Feierabend erwähnt. Die Möglichkeit der ständigen Erreichbarkeit hat Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir arbeiten, aber auch wie wir unsere Freizeit gestalten.
Die Arbeitswelt wird durch das Internet nachhaltig verändert und zwar nicht nur für die digitale Bohème in Berlin Mitte, sondern dies zieht sich quer durch alle gesellschaftlichen Schichten. Wir sollten daher dringend diskutieren, wie wir damit umgehen.
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